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Die Übermacht der „Innen“ tut der deutschen Sprache nicht gut

Eine satirische Betrachtung von Hubert von Brunn

Zu Beginn eines neuen Jahres haben die Politiker und Politikerinnen ein besonders großes Bedürfnis, den Bürgern und Bürgerinnen mitzuteilen, mit welchen richtungsweisenden Ideen sie ihre Wählerinnen und Wähler in nächster Zeit beglücken wollen. Heerscharen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Partei haben, unterstützt von emsigen Gehilfinnen und Gehilfen, über die Ausarbeitung der künftigen Strategie gebrütet, sorgsam darauf achtend, dass die versprochenen Segnungen gerecht verteilt werden: An Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Unternehmerinnen und Unternehmer, Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, Autofahrerinnen und Autofahrer, Radfahrerinnen und Radfahrer, Rentnerinnen und Rentner, Soldatinnen und Soldaten … (ad infinitum).

Über manche dieser vollmundigen Versprechen dürfen dann Parlamentarierinnen und Parlamentarier abstimmen und Journalistinnen und Journalisten werden über das Ergebnis der Abstimmung berichten. Dann wissen auch die Leserinnen und Leser, Zuschauerinnen und Zuschauer, Hörerinnen und Hörer, was sie von ihren Volksvertreterinnen und Volksvertretern zu erwarten haben. Je nach Sujet werden die Debatten von den Parteigängerinnen und Parteigängern kontrovers geführt, so dass mitunter auch noch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Juristen und Juristinnen sowie Gutachter und Gutachterinnen ihren Senf dazu geben. Das trägt nicht unbedingt zum besseren Verständnis bei den Konsumentinnen und Konsumenten von Presse, Funk und Fernsehen bei, was die Produzenten und Produzentinnen irgendwelcher schwachsinnigen Gesetze und Verordnungen aber wenig stört. – Ich habe bewusst die „innen“ manchmal nach vorn, manchmal nach hinten gestellt, weil die Praktiker und Praktikerinnen dieses Sprachgebrauchs das auch tun.

Sprachverhunzung im Namen von Political Correctness

Um die Qual der Sprachverhunzung körperlich zu spüren, empfehle ich, die beiden Absätze einmal laut zu lesen. Jeder Mensch, der unsere schöne Sprache liebt und sie nicht nur als Mittel der Kommunikation einsetzt, sondern auch als ästhetische Komponente seines Lebensgefühls wertschätzt, erfasst das kalte Grausen. So ergeht es mir auch, wenn ich glühende Verehrerinnen und Verehrer dieser Political-Correctness-Farce wie Roth, Gysi, Scholz, Harbeck u.v.m. vor der Kamera erleben muss. Diese gestammelten Dopplungen sind unerträglich. Sie behindern den Redefluss und kontaminieren die Sprachästhetik. Wenn erklärte Anhängerinnen und Anhänger der Emanzenfraktion deren Diktat zur Sprachverhunzung willfährig folgen, ist das zwar traurig, aber nachvollziehbar. Was ich gar nicht verstehen kann, ist, dass selbst so gestandene Konservative wie Horst Seehofer oder Wolfgang Schäuble diesen Schwachsinn mitmachen. Von Politikern ihres Kalibers hätte ich erwartet, dass ihnen die Pflege der deutschen Sprache wichtiger ist, als sich links-grüner Political-Correctness zu unterwerfen.

Für Ausländer, die der deutschen Sprache einigermaßen mächtig sind, ist dieses Gestammel ganz und gar unverständlich. „Warum sagt der alles zweimal?“, hat mich mein französischer Freund Michel gefragt, als wir gemeinsam eine Rede von Olaf Scholz im Fernsehen verfolgten. Bei dessen nuschelnder Aussprache ist es wirklich ganz schlimm, da er das „innen“ weitgehend verschluckt und übrig bleibt dann „Bürger und Bürger“, „Politiker und Politiker“ etc. „Was soll das?“, wunderte sich Michel. Ich habe versucht, es ihm zu erklären. In Anlehnung an Asterix fiel ihm kein besserer Kommentar ein als: „Die spinnen, die Deutschen.“ Da konnte ich ihm nicht widersprechen.

Die deutsche Sprache und ihre Fallstricke

Vom „generischen Maskulinum“ haben die Verfechterinnen und Verfechter der Dopplung offensichtlich noch nie etwas gehört. Das generische Maskulinum ist eine in der Sprache tief verankerte, elegante und leistungsstarke Möglichkeit zur Vermeidung von Diskriminierung, denn es tritt in Erscheinung, um Personen zu benennen, die eine bestimmte Funktion innehaben – Spion, Schlosser, Dachdecker usw. Ob es sich bei der Person um einen Mann oder eine Frau handelt, ist völlig unerheblich. Ihre Arbeit, ihre Funktion ist geschlechtsneutral. An der Stelle muss man – ein wenig Bildung vorausgesetzt – den Unterschied von Genus und Sexus, also vom grammatischen und natürlichen Geschlecht, ins Spiel bringen. Diesen intellektuellen Überblick darf man allerdings von Menschinnen und Menschen, deren ideologische Verbohrtheit den Verstand schon aufgefressen hat, nicht erwarten.

Das Tolle an unserer wunderbaren Sprache ist, dass sie für ungebildete Weltverbesserer schöne Fallstricke bereithält. Nehmen wir das Wort „Obdachloser“. Von der Wortbildung her ist es vergleichbar mit „Lehrer“. Einmal ist der Baustein ein Adjektiv „obdachlos“, einmal ein Verbstamm „lehr“. Dann kommt das Substantivierungssuffix „er“ dazu, das zu der Bezeichnung einer Person führt, die das oder jenes ist oder tut. Im Analogieschluss müsste dann auch von der „Obdachloserin“ die Rede sein. Aber das ist natürlich nicht der Fall. Obdachlose sind sowieso kein Thema und haben keine Lobby. Ein Begriff, mit dem die „Innen“-Fraktion richtig Probleme hat, ist das Wort „Mitglied“. Jede Partei hat Mitglieder, aber war da jemals von einer weiblichen Form die Rede? Da gibt es, wie gesagt, sprachliche Hürden, die nicht so ohne weiteres zu überwinden sind.

Nicht jeder Politiker muss Sprachwissenschaftler sein, aber ein Gespür dafür, wie er die Menschen „da draußen“ erreicht, sollte er schon haben. Die Mehrheit der „Normalos“ findet diese gestelzte Dopplung nämlich schlicht widerlich. Da kann ich meine Lebensgefährtin – eine sehr selbstbewusste Frau – als Zeugin benennen. – Feiertage und Jahreswechsel liegen gerade hinter uns. Ich habe von niemand gehört: „Die Weihnachtsfeier mit den Kolleginnen und Kollegen war wirklich sehr gelungen.“ Oder „Wir haben mit Freunden und Freundinnen gefeiert“. Das sagt kein Mensch. Im normalen Sprachgebrauch ist dieses verblödete Politsprech ganz und gar ungebräuchlich. Gott sei Dank!

 

Vor 20 Jahren habe ich das Buch „Staat der Frauen – Eine utopische Satire“ geschrieben. Festzustellen, dass die Realität heute meine Utopie von damals an manchen Stellen längst in den Schatten gestellt hat, gibt mir schon zu denken. Aber, und das ist die positive Erkenntnis: ich war definitiv auf dem richtigen Weg. Nicht zuletzt mit der in dem Buch ausführlich dargestellten „Feministischen Sprachreform“, im Zuge derer auch das Problem mit dem Begriff „Mitglied“ gelöst wird: Mitgliedin…? Ohnegliedin…? ……???
"Staat der Frauen" kann nur direkt beim Verlag bestellt werden hier.

Nachtrag von Peter Haisenko an alle grünen „Genderisten“:

Wie viele Bäume müssen wohl gefällt werden, um den zusätzlichen Papierbedarf abzudecken, der dadurch entsteht, weil Texte länger werden, wenn die „innen“-Doppelung gedruckt wird?

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