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Black Friday, Black Week, Black Deal: Der Konsumterror kennt keine Gnade

Von Hubert von Brunn

Die ganze Woche über schon werde ich beballert mit marktschreierischer Werbung für den „Black Friday“: In der Rundfunk- und Fernsehwerbung und natürlich in jeder Zeitung, die ich aufschlage, wird mir in meist ganzseitigen Anzeigen suggeriert, dass ich ein absoluter Blödmann bin, wenn ich bei diesen sagenhaften Schnäppchen-Preisen nicht zuschlage. Und heute, an jenem ominösen „schwarzen Freitag“, quellen meine E-Mail-Postfächer über von unglaublichen Angeboten.

Dumm nur, dass ich kein Konsum-Junkie bin und überhaupt nicht vorhabe, meinen gesamten Hausrat inklusive den Inhalt meines Kleiderschranks auszuwechseln – seien die Rabatte auch noch so verlockend. Wenn alle Deutschen ein Konsumverhalten wie ich an den Tag legten, wäre der Binnenmarkt schon längst zusammengebrochen. Aber ich gehöre diesbezüglich zu einer aussterbenden Minderheit. Der gemeine Deutsche – insbesondere die Altersgruppe zwischen 15 und 35 – kauft auf Teufel komm raus. Das Online-Shopping macht es ja auch so einfach und die Anbieter locken nicht nur mit Wahnsinns-Rabatten, sondern zusätzlich mit bequemen Ratenzahlungen – zinsfrei, versteht sich –, was die konsumgeile Klientel zu hemmungslosem „Haben-Wollen“ verführt. Da wird das Weihnachtsgeld auf den Kopf gehauen, noch ehe es auf dem Konto ist; notfalls wird selbiges auch überzogen oder man nimmt gleich einen Kredit auf, den man bis zum nächsten „Black Friday“ abstottern kann.

Kaufen auf Teufel komm raus – Kollateralschäden hin oder her

Mehr als 500 Online-Händler haben sich in Deutschland zusammengetan, um den Kaufrausch zu befördern. Vielen reicht dabei der eine Freitag nicht. Nein, sie bieten das „Black Weekend“ an oder gleich die „Black Week“ mit exorbitanten „Black Deals“, damit nur ja auch die „Fridays for Future“-Demonstranten, die heute wieder die Innenstädte blockieren, um das Klima zu retten, auch an der Schnäppchen-Jagd teilnehmen können. Nicht zu vergessen der „Cyber Monday“, der dafür sogen soll, dass den am „Black Friday“ in Kaufrausch Geratenen nicht der Shopping-Kater erwischt. Ach so, beinahe hätte ich es vergessen. Die Deutsche Telekom – ihrer Zeit immer voraus – hat den „Magenta Thursday“ aggressiv beworben. Der dauert immerhin bis Montag und an diesen Tagen kann man dort ein Samsung Galaxy Smartphone für sagenhafte 399 € (statt 709,95 €) erwerben. Wenn das kein Schnäppchen ist?

Kaufen, Kaufen, Kaufen, heißt das Motto, und sei es irgendwelchen Tand, den man gar nicht gebrauchen kann, oder Billigklamotten, die nach zweimaligem Tragen in der Tonne landen. Hauptsache dabei gewesen und – vermeintlich – Geld gespart. Dass mit den Millionen von Päckchen und Paketen, die dann, meist per Lkw, durchs Land geschickt werden, beträchtliche Mengen an CO2 produziert werden, wird von den „Fridays for Future“-Weltrettern gewissermaßen als Kollateralschaden in Kauf genommen. Gleiches gilt für die irrsinnigen Mengen an Verpackungsmaterial, die dabei anfallen. Nicht zu vergessen, die unzähligen Retouren von den bestellten Waren, die man bei genauerer Betrachtung doch nicht haben will oder die ganz einfach nicht passen. Allein hier lässt sich die Verlogenheit der Klimahysterie, die inzwischen weite Teile der Bevölkerung befallen hat, ablesen.

Wir übernehmen jeden Mist, der aus den USA zu uns herüberschwappt

Der „Black-Friday“-Irrsinn kommt natürlich – woher sonst – aus den USA und gilt dort als Brückentag zwischen dem truthahnträchtigen Thanksgiving-Donnerstag und dem letzten November-Wochenende, an dem der Amerikaner gern schon mal den Kofferraum seines Wagens mit der ersten Fuhre von Weihnachtsgeschenken bestückt. Hierzulande gibt es weder Thanksgiving noch den Brückenfreitag – aber das ist egal. Wir übernehmen gern jeden Mist, der aus den USA über den großen Teich nach Europa schwappt. Halloween lässt grüßen!
Bevor der „Black Friday“ bei uns als umsatzförderndes Marketing-Instrument eingeführt wurde, habe ich mit dem „Schwarzen Freitag“ immer den 25. Oktober 1929 in Verbindung gebracht, jenen Tag, an dem die New Yorker Börse zusammengebrochen ist und die anschließende Weltwirtschaftskrise ausgelöst hat. In den USA hatte sich der Crash ja eigentlich schon am Mittwoch bzw. Donnerstag ereignet, aber durch die Zeitverschiebung ist das Desaster in Europa erst am Freitag angekommen.

„Schwarze Freitage“ gibt es übrigens zuhauf in der neueren Geschichte und bereits in der römisch-antiken Welt waren die „dies ater“ (schwarze Tage) gefürchtet, die an jedem Wochentag stattfinden konnten. Da spielten immer allerlei Aberglaube und mystische Erscheinungen eine Rolle. Der “Black Friday“ unserer Tage hat damit nichts zu tun. Der ist nichts weiter als ein sorgsam orchestriertes Instrument zur Förderung des Konsumterrors. So gesehen ist der heutige Freitag wirklich ein „schwarzer Tag“.

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