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Grenzübertritte zwischen Bundesländern verboten – Hier ist jedes Maß und Ziel verloren

Von Hubert von Brunn 

Mecklenburg-Vorpommern ist ein wunderschönes Land mit sehr großem Erholungswert, extrem dünn besiedelt und bezüglich seiner Wirtschaftsleistung ganz hinten im Länder-Ranking. Was die praktizierte Corona-Hysterie anlangt, haben sich die Fischköppe jetzt aber ganz an die Spitze gesetzt, indem sie ihre Grenzen zu den benachbarten Bundesländern geschlossen haben und dem Rest Deutschlands verbieten, ihr Land zu betreten. Da muss man sich dann schon mal fragen, ob die im Schwesig-Land noch alle Latten am Zaun haben.

Die Inseln wie Usedom und Rügen dicht zu machen – das haben die Nordseeinseln auch gemacht – ist ja noch nachvollziehbar. Dort sind die Kapazitäten in den Krankenhäusern im Zweifelsfalle nicht ausreichend und man will kein Risiko eingehen. Aber wo ist das Problem, wenn die Menschen ihren Osterspaziergang entlang der Festlandsküste machen, bei Warnemünde, bei Kühlungsborn, am Darß? Oder auch am Ufer einer der vielen Seen an der Seenplatte. Selbst der Berliner, der in Meck-Pom eine Ferienwohnung hat oder ein Haus und dort sogar mit Zweitwohnsitz gemeldet ist, darf sein Eigentum nicht mehr besuchen. Das geht entschieden zu weit. Hier ist nicht mehr das Virus das Problem, sondern der Umgang mit demselben. Inzwischen folgt eine Reihe anderer Bundesländer diesem schlechten „Vorbild“ – im Landkreis Stade beispielsweise darf man nicht mehr am Elbufer spazieren gehen. Die Liste der Absurditäten, mit denen wir in kollektiver Isolationshaft dank Corona traktiert werden, ist endlos. Ich will Sie damit nicht langweilen, das kennen Sie alles zur Genüge aus den Nachrichten.

Sind die Schweden völlig verblödet?

Regelrecht bizarr erscheinen diese Zwangsmaßnahmen, wenn man den Blick nach Schweden wendet. Dort sind die Grenzen für EU-Bürger unverändert offen, ebenso die meisten Restaurants, Cafés und Geschäfte, Friseursalons, Kitas und Grundschulen. Feiern mit bis zu 50 Teilnehmern sind erlaubt. Sind die Schweden nun völlig verblödet? Ich denke nicht. Sie legen nur etwas mehr Gelassenheit an den Tag und ich denke, das würde uns auch gut tun. Und sie vertrauen nicht blind auf Tests, deren Validität überhaupt nicht belegt ist.

Ostern steht vor der Tür und die Wetterprognosen sind überwiegend gut bis hervorragend. Da sollen die Leute alle zuhause bleiben und aus dem Fenster gucken, wenn sie Glück haben die Tage auf dem Balkon verbringen? Jeder vernünftige Mediziner rät, gerade jetzt: Raus an die frische Luft, Bewegung, Sonne tanken – das stärkt das Immunsystem und ein intaktes Immunsystem ist die beste Waffe gegen irgendein Virus oder Bakterium. Aber genau diese natürlichste aller Vorsorgemaßnahmen wird den Bürgern verwehrt.

Welche Gefahr geht von mir aus, wenn ich auf einer Parkbank sitze und ein Buch lese; wenn ich an der Ostseeküste entlang spaziere und die gesunde Seeluft in meine Lungen sauge; wenn ich an irgendeinem See ein Boot miete und mit meiner Frau eine kleine Ruderpartie unternehme…? Überhaupt keine! Das Handling vor Ort – also die Kontrolle darüber, dass sich keine größeren Gruppen bilden und ein Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten wird – ließe sich mühelos organisieren. Aber nein, man wendet mal wieder das beliebte Rasenmäher-Prinzip an.

Die Regierenden unterschätzen die Psychologie der Menschen

Ich kann nur warnen! Bis jetzt hat die bei weitem überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sehr besonnen reagiert und den Entzug fundamentaler Grundrechte mehr oder weniger klaglos ertragen. Wenn die Regierenden nicht zügig mehr Fingerspitzengefühl an den Tag legen und an Stellen, wo es unproblematisch handhabbar ist, halbwegs wieder Normalität eintreten lassen – dann wird die Stimmung in Kürze kippen. Die Deutschen sind ein folgsames Volk, aber sie können auch sturköpfig und renitent sein (regional unterschiedlich).

Damit sind wir bei der Psychologie. So lange eine Verordnung, ein Ge- oder Verbot vernünftig und nachvollziehbar erscheint, machen 99 Prozent mit. Beispiel: Tempo 30 von Schulen und Kindergärten. Nur absolute Hirnies, die auch mit 170 km/h über den Ku’damm brettern, ignorieren das. Dagegen: Auf der Autobahn ohne ersichtlichen Grund auf 80 km/h heruntergebremst zu werden, macht auch den gutwilligsten Autofahrer sauer. ‚Warum’, fragt er sich. ‚Was ist die Ursache für diese Schikane?’ Hier ist des Pudels Kern: Eine ganze Reihe der wegen Corona verordneten Restriktionen erscheinen vielen zunehmend nicht mehr vernünftig und sie fragen sich: ‚Warum ist das so?’ (siehe oben).

Und wenn wir schon bei der Psychologie sind, dann müssen wir auch auf die enorme psychische Belastung zu sprechen kommen, mit der Menschen zu kämpfen haben, die allein leben – nicht nur alte –, die wochenlang mit drei Kindern in einer Dreizimmer-Wohnung eingepfercht sind und hier auch noch ihr Home Office ableisten müssen, die ihre sozialen Kontakte im Sportverein, im Skatclub, in der Yoga-Gruppe oder einfach in der Kneipe gepflegt haben… Alles weg. Keine Ansprache mehr. Ganz zu schweigen von Menschen, die ohnehin an psychischen Erkrankungen leiden und für die regelmäßige soziale Kontakte wesentlicher Bestandteil ihrer Therapie sind.

Diese gesamtgesellschaftlich außerordentlich wichtige Problematik wird verschwiegen oder bestenfalls klein geredet. Nach Corona – ich sage es voraus – werden die Psychiater und Psychotherapeuten Hochkonjunktur haben. Manchen ihrer früherer Patienten werden sie aber möglicherweise auch nicht mehr sehen, weil er/sie das mentale Gefängnis nicht ausgehalten hat und es vorzog, diesem elenden Spiel ein Ende zu setzen. Noch einmal: Vernünftige Vorsichtsmaßnahmen – jederzeit. Händewaschen sollte eigentlich schon vor Corona für jeden gesitteten Mitteleuropäer eine selbstverständliche Übung gewesen sein. Aber findet zurück zu Maß und Ziel. Gebt kleine Freiheiten zurück und greift dort ein, wo es notwendig ist. Sonst machen die Leute nicht mehr mit. Und dann habt ihr ein richtiges Problem.  

Lesen Sie dazu auch von Hubert von Brunn "Leben in Zeiten der Angst": https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20201/leben-in-zeiten-der-angst/ 

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