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Russischer Metrojet wurde von Bombe an Bord zerfetzt

Von Peter Haisenko 

Das Bild des Trümmerfelds lässt keinen anderen Schluss zu: Der russische Metrojet A 321 ist in der Luft auseinander gebrochen und hat 224 Menschen in den Tod gerissen. Ein Airbus zerbricht nicht einfach so, im Gegensatz zu Boeing-Flugzeugen, von denen derartige Vorfälle bekannt geworden sind. Es kann folglich nur eine Bombe an Bord gewesen sein, die die Katastrophe verursacht hat. Und es muss eine sehr kräftige Bombe gewesen sein, sorgfältig platziert. Es bleibt nur eine Frage offen: Wer hat die Bombe an Bord gebracht?

Während von London und Washington bereits gemeldet wird, dass eine Bombe das Unglück verursacht hat, zeigt sich Moskau mit derartigen Aussagen noch zurückhaltend. Auch diese Katastrophe hat eine komplexe politische Dimension. In den zurückliegenden Jahren wurde bei einigen Abstürzen viel zu schnell eine Bombe ausgeschlossen, wenn die Ursache nicht sofort klar erkennbar war. Das hat einen Grund. Die Security-Maßnahmen sind kaum noch zu steigern und letztlich müsste zugegeben werden, dass Bombenanschläge auf Verkehrsflugzeuge nicht zuverlässig verhindert werden können. Um vollkommene Sicherheit vor Anschlägen herzustellen, müsste man den Flugverkehr einstellen. Warum also wird in diesem Fall die Bombe vor Abschluss der Untersuchungen der Öffentlichkeit als Fakt präsentiert?

Die Frage nach der Verantwortung ist höchst kompliziert

Betrachten wir die unterschiedlichen Interessenlagen der Beteiligten. Allen voran der Leidtragende Russland hat hier ein Problem. Die Zerstörung eines russischen Flugzeugs durch eine Bombe an Bord lässt Russland angreifbar erscheinen, vor allem angesichts der konkreten Drohungen durch den IS. Ägypten wäre es ebenfalls lieber, der Absturz wäre an einer technischen Ursache festzumachen. Die sowieso schon schlechte Lage des Tourismus im Land sollte nicht noch weiter durch einen neuerlichen Terroranschlag beschädigt werden.

Airbus selbst ist natürlich daran interessiert, eine flugzeugeigene – technische – Ursache auszuschließen. Washington und London wiederum erfreuen sich an der Gelegenheit, ihren erklärten Feind Russland angreifbar darstellen zu können. Der IS braucht wieder einmal eine Erfolgsmeldung, nachdem Russland mit seinen Angriffen auf Stellungen der Terrormiliz große Erfolge verbuchen kann. Kein Wunder also, dass sofort ein Bekennerschreiben aufgetaucht ist, das eine Täterschaft des IS proklamiert. Dabei hat die islamistische Mörderbande allerdings grobe Fehler gemacht, woraus der Schluss zu ziehen ist, dass sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts mit der Katastrophe zu tun hat. Das macht die Angelegenheit noch undurchsichtiger.

Wieso gibt es hier Satelliten-Aufzeichnungen – im Fall der MH 17 aber nicht?

Wer hat die Bombe platziert? Ehe ich näher auf diese schwierige Frage eingehe, möchte ich einige grundsätzliche Bemerkungen, die Qualität der Bombe betreffend, voranstellen. Um ein Flugzeug in der Luft zerreißen zu können, muss die Sprengkraft sehr groß sein und die Erfahrung hat gezeigt, dass eine im Frachtraum platzierte Bombe das Auseinanderbrechen eines Flugzeugs in der Luft eher nicht bewirken kann. Ich gehe folglich davon aus, dass der Sprengsatz in diesem Fall in der hinteren Galley (=Küche - wo Getränke, Speisen und zollfreie Waren in Wagen aufbewahrt sind) platziert worden ist. Die Explosion war so stark, dass die USA gemeldet haben, sie hätten den Explosionsblitz auf ihren Satelliten-Aufzeichnungen identifizieren können. Gleichzeitig wollten sie ausschließen, dass eine Boden-Luft-Rakete beteiligt gewesen sein könnte. Es gab keine zugehörige Aufzeichnung über die Hitzespur einer solchen Waffe. An der Stelle müssen wir einen „Ausflug“ zum Abschuss der MH 17 im Juli 2014 über der Ostukraine machen.

Was militärische Beobachtung anlangt, ist der Sinai derzeit eher uninteressant. Dennoch konnten US-Satelliten eine Explosion in diesem Gebiet aufzeichnen, ganz einfach deswegen, weil sie darauf programmiert sind, eben solche Explosionen oder Raketenstarts zu entdecken und zu melden. Zum Zeitpunkt des Abschusses der MH 17 über der Ostukraine war die Situation hinsichtlich der Überwachungs- und Aufklärungsaktivitäten der USA zweifelsohne eine ganz andere. Man darf sicher sein, dass gerade diese Gegend zu dieser Zeit unter besonders genauer Beobachtung durch US-Satelliten stand. Schließlich wollte Washington der Kiew-Regierung mit besten Informationen hilfreich sein. Wieso also konnte oder wollte Washington den Start und die zweifellos sehr heftige und notgedrungen sichtbare Explosion einer BUK nicht durch Satellitenaufklärung beweisen? Ganz einfach, weil es weder einen Start noch einen Treffer von einer BUK-Rakete gegeben hat.

Über die Frage „Wer war es?“ kann nur spekuliert werden

Die USA spekulieren auf die Gutgläubigkeit ihrer Anhänger und die Unterstützung durch die Medien. Man muss schon genau hinsehen, um zu erkennen, wie die USA ihre Glaubwürdigkeit Stück für Stück weiter zerlegen. Washington hat natürlich großes Interesse, die Verwundbarkeit Russlands zu beweisen. Mit diesem kurzfristigen Ziel vor Augen, hat man übersehen – oder einfach im Vertrauen auf die kritiklose Gefolgschaft der Medien – ignoriert, dass die Meldung über die Aufzeichnung der Explosion über dem Sinai die noch immer unbeantwortete Frage wiederbeleben muss: Warum gibt es keine Satelliten-Aufzeichnungen, die den angeblichen Treffer einer BUK-Rakete an der MH 17 belegen?

Es fällt mir schwer zu glauben, dass der IS über die Mittel verfügt, eine Bombe dieser Qualität aus eigenen Mitteln herzustellen und auch noch zu platzieren. Der ägyptische Sicherheitsapparat ist besser als sein Ruf. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wenn also der IS überhaupt beteiligt war, dann muss er zumindest Unterstützung von echten Profis gehabt haben. Der übliche Aufschrei „Putin war´s“ kann diesmal nicht verfangen – und so blieb er denn auch aus. Aber wer war es dann? Hier zu spekulieren fällt schwer, denn die Interessenlagen mehrerer internationaler Akteure sind kaum zu unterscheiden. Ich will hierzu nur die Aussage eines Ex-Mossad-Chefs zitieren, die er im amerikanischen Fernsehen nur wenige Stunden nach dem Einschlag der Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers gemacht hat: „Bin Laden? Das kann der nicht. So etwas können nur wir oder die CIA.“ Kein Wunder, dass dieses Live-Interview kein zweites Mal in irgendeiner Nachrichtensendung gezeigt wurde.

Insider und Spezialisten müssen beteiligt gewesen sein

Es besteht kein Zweifel, dass die 224 Toten an Bord des russischen A 321 mit einer Bombe ermordet worden sind. Ob es ihnen gefällt oder nicht, die russischen Behörden werden das eingestehen müssen und wir werden diesbezüglich irgendwann Klarheit haben. Ich bezweifle allerdings, dass ein Schuldiger für diesen Massenmord jemals benannt wird – oder werden kann. Woran ich indes ganz und gar nicht zweifle, ist, dass Insider und Spezialisten an dieser mörderischen Aktion beteiligt waren. Die vorausgehende Logistik ist viel zu komplex, als dass ein derartiger Anschlag ohne die Hilfe von Profis durchführbar erscheint. Wir werden also wieder einmal damit leben müssen, dass jeder dem glauben darf, den er nach seiner politischen Ausrichtung für glaubwürdig hält. Mit diesem grässlichen Verbrechen kann der nächste Grabstein aufgestellt werden für den Tod der Wahrheit.

 

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