Der Bericht der holländischen Kommission zum Absturz von MH 017 ist das Papier nicht wert, auf dem er steht

Von Peter Haisenko        for english version click here

Eines darf unumwunden festgestellt werden: Dieser Bericht lügt nicht. Kann er auch gar nicht, denn es steht nichts Neues drin. Ich selbst habe niemals einen Bericht über ein Flugzeugunglück gesehen, der derartig nichtssagend war. Allerdings lässt der Bericht Erstaunen aufkommen ob der diplomatisch ausgefeilten Wortwahl, die sich in mehrdeutigen Termini verliert. Das ist wohl so geplant, denn so kann jeder weiterhin seine Version mit Inbrunst verteidigen.

Sehen wir uns diesen Bericht etwas näher an. Wie üblich finden sich am Anfang ausführliche Aussagen darüber, dass es dieses Flugzeug gab, wem es gehörte und dass es in einwandfreiem Zustand war, inklusive Crew. Eine technische Ursache oder Wetterbedingungen für den Absturz werden ausgeschlossen. Dann wird bestätigt, dass die Flightrecorder nahezu unbeschädigt waren und dass sie nicht manipuliert worden sind. Es geht weiter mit der Beschreibung der Verteilung der Trümmer über eine weite Fläche und daraus wird der erstaunliche Schluss gezogen, dass dieses Flugzeug in der Luft zerbrochen ist. Ich bitte den leichten Sarkasmus zu entschuldigen, aber zu diesem „Bericht“ werde ich nicht umhin können, auch weiterhin einige sarkastische Anmerkungen zu machen.

14 Minuten Stille im Cockpit – absolut unmöglich

Es wird berichtet, dass die Cockpit-Sektion wohl komplett vom Flugzeug abgebrochen ist, weil diese vom Ort des Beschusses aus nahezu senkrecht zu Boden stürzte und in einiger Entfernung vom Rest der Trümmer aufgefunden worden ist. Der Bericht weist darauf hin, dass Beschädigungen durch Fremdeinwirkung nahezu ausschließlich im vorderen Bereich, also am Cockpit, zu vermerken sind, die zum Zerbrechen des Flugzeugs geführt haben. So weit so gut, so wenig neu. Dann wird der Funkverkehr zwischen MH 017 und der Bodenkontrollstelle abgedruckt, wie er dem Voicerecorder zu entnehmen ist. Hier beginnt der Fachmann Fragen zu stellen.

Die Niederschrift des Funkverkehrs beginnt um 13:08:00 und endet um 13:22:02. Es handelt sich also um einen Zeitraum von 14 Minuten. Aus meiner Erfahrung als Flugkapitän kann ich mir nicht vorstellen, dass während 14 Minuten kein weiteres Gespräch oder Geräusch innerhalb des Cockpits vom Voicerecorder aufgezeichnet worden ist. Dieser Recorder zeichnet auch auf, wenn im Cockpit die Funksprüche anderer Flugzeuge empfangen werden. Wie gesagt, es wird nicht gelogen, aber mit höchster Wahrscheinlichkeit eben nicht alles gesagt. Darauf weist die veröffentlichte Schlussfolgerung hin: „Crew communication gave no indication that there was anything abnormal with the flight.“ – Alles war normal, aber die mögliche (und sehr wahrscheinliche) Unterhaltung im Cockpit wird verschwiegen, ebenso wie die Funksprüche anderer Flugzeuge.

High Energy Objects – und andere schwammige Formulierungen

Die Schlussfolgerung dieses Berichts ist ein Musterbeispiel dafür, wenn man zwar etwas weiß, dieses Wissen aber so verpacken will, dass nichts davon preisgegeben wird. „The damage observed in the forward section of the aircraft appears to indicate that the aircraft was penetrated by a large number of high-enrgy objects from outside the aircraft. It is likely that this damage resulted in a loss of structural itegrity of the aircraft, leading to an in-flight break up.“ Aha! Sagt der staunende Leser. Das wussten wir schon. Diese Konklusion muss genauer betrachtet werden. Sie ist nämlich keine.

Es wird von Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten gesprochen. „appears to indicate, it is likely“ Das ist aber der weniger sybillinische Teil. Interessant sind die Formulierungen: „penetrated“ und vor allem „high-energie objects“. „Penetrated“ kann übersetzt werden mit „durchdrungen, durchstoßen, durchbohrt“. Es bleibt also offen, wie weit diese „Objekte“ eingedrungen sind, oder gar das gesamte Cockpit durchschlagen haben und so auf der anderen Seite das Cockpit wieder verlassen, also vollständig „durchdrungen“ haben. Das in diesem Bericht dazu gezeigte Bild der Cockpit-Sektion ist von schlechterer Qualität und in geringerem Umfang als das, das ich selbst zur Verfügung und in meiner Analyse veröffentlicht habe. Wiederum muss festgestellt werden: Es wird nicht gelogen, aber die gezeigte Information ist weniger als das, was der Kommission zur Verfügung steht.

Gänzlich „originell“ ist die Formulierung „high-energie objects“. Was ist das? Ich selbst kenne diesen Begriff aus der Astro- oder Quantenphysik. Ansonsten habe ich ihn nicht als gebräuchlich im Zusammenhang mit der Luftfahrt oder deren Unfällen kennengelernt. Wie soll also dieser Begriff verstanden werden? Ich habe hierzu englische Muttersprachler befragt. Spontan wurden Gewehrkugeln oder Geschosse aus einer Kanone genannt – oder ein schnellfahrender Güterzug. Allerdings wurde auch ausgeführt, dass dieser Terminus im „normalen“ Sprachgebrauch unüblich ist, außer eben in der Astro- oder Quantenphysik. Diese seltsame Formulierung lässt alles offen.

Freibrief für Interpretationen – Aufklärung sieht anders aus

Wer der westlichen Darstellung weiterhin folgen will, kann daraus ableiten, dass auch eine Boden-Luft-Rakete „high-energie-objects“ ausstößt. Genau das ist dann auch die Interpretation, die ich heute in den deutschen Medien beobachten musste. Einem Glaubensbekenntnis gleich beten unsere Zeitungen die von den Amerikanern bereits unmittelbar nach dem Absturz von MH 017 ausgegebene Version der Ursache für diese Katastrophe nach, indem sie behaupten, der jetzt vorliegende Bericht würde bestätigen, dass die Boeing 777 von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden sei. Genau das steht jedoch im Bericht nicht drin, aber er lässt diese Interpretation zu – und das ist wohl der Sinn dieser sehr geschmeidigen Wortwahl. Jeder kann nach seinem Geschmack hineininterpretieren, was er glauben will. Vor allem dann, wenn er eben kein englischer Muttersprachler ist, der spontan an Gewehrkugeln denkt.

Dieser „Bericht“ ist das Papier nicht wert, auf dem er steht. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn auch die Kiew-Maidan-Regierung musste ihr OK geben zu dem, was veröffentlicht werden durfte. Der Bericht lässt alles offen, was tatsächlich zur Aufklärung beitragen könnte. Die MH 017 könnte von einer Rakete getroffen worden sein, gleichgültig ob Boden-Luft oder Luft-Luft. Sie könnte auch von einem Kampfflugzeug abgeschossen worden sein oder, etwas sarkastisch dem Terminus aus der Astro- oder Quantenphysik folgend, von einer großen Anzahl von „high-energie objects“, die aus den Weiten des Universums auf das Cockpit niedergeregnet sind.

Hier können Sie den Bericht im Original als PDF herunterladen, um sich Ihr eigenes Bild zu machen.

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