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Afghanistan

Claus Kleber empfiehlt: „Verteidigung am Hindukusch“

Brief Dr. Claus Kleber an Dr. Joachim Sproß

Lieber Herr Sproß,

herzlichen Dank für Ihr Buch, in dem ich sofort und mit Freude gelesen habe. Mir gefällt es natürlich besonders deshalb, weil es sich auf die alltäglichen Probleme der Soldaten und vor allem der Afghanen konzentriert. Etwas, was wir uns damals auch so sehr vorgenommen hatten und was ständig in der aktuellen Berichterstattung untergeht. Ohne diesen Aspekt geht die Debatte am Kern der Geschichte und der ursprünglichen ISAF-Mission vorbei.

Mein Glückwunsch dazu und beste Wünsche für Erfolg.

Herzlich Ihr

Claus Kleber                                     Mehr Informationen und Leseproben hier

"Verteidigung am Hindukusch" können Sie versandkostenfrei hier bestellen: Direkt beim AnderweltVerlag oder im Buchhandel.

Ende 2014 beginnt für Afghanistan eine unsichere Zukunft. Man kann auch von neuen Perspektiven und Chancen sprechen aber auch vom Anfang einer erneuten Wiederholung der Fehler, die sowohl von der internationalen Gemeinschaft als auch von den Afghanischen Politikern und Intellektuellen in der Vergangenheit gemacht worden sind. Weiter lesen

Anlässlich des afghanischen Neujahrsfests zum Jahr 1392 hatte das Afghanistan Komitee für Frieden, Wiederaufbau und Kultur e.V. zu einem Polit-Dialog zu „Grundlagen einer nachhaltigen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Afghanistans nach 2014“ in das Kurt-Schumacher-Haus (SPD) im Berliner Wedding geladen. Drei bemerkenswerte Erkenntnisse durften die Teilnehmer am Ende mit nach Hause nehmen: Weiter lesen

Verteidigung am Hindukusch

Afghanistan wird in Deutschland vor allem mit Krieg, Terror, Taliban, Chaos, Korruption und Drogen in Verbindung gebracht, nicht zuletzt deshalb, weil die Medien hierzulande fast ausschließlich über Kämpfe, Bomben und Tod berichten. Der Auslandseinsatz der Bundeswehr indes wird eher mit „höflichem Desinteresse“ begleitet – die Soldaten und ihre Angehörigen werden in vielfacher Weise alleingelassen.

Anliegen dieses Buches ist es, in einem persönlichen Exkurs episodenhaft und exemplarisch das andere, das zivile Afghanistan zu zeigen. Der Autor hat sowohl im Auftrag der Bundeswehr für die zivil-militärische Kooperation als auch als ziviler Rechtsberater für die „Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ zwischen 2004 und 2012 mit Unterbrechungen insgesamt rund zwei Jahre in Afghanistan gelebt und gearbeitet.

Nicht die großen Taten, sondern das menschliche Miteinander stehen im Mittelpunkt des Buches, das mit Anekdoten zu vermitteln versucht, wie Afghanen „ticken“. Mit dieser anderen, sehr persönlichen Sichtweise will der Autor auch seine besondere Verbundenheit mit diesen außerordentlich gastfreundlichen und liebenswerten Menschen zum Ausdruck bringen.

Gleichzeitig soll das vorliegende Werk Mahnung an die Politik sein, die historisch gewachsene Verantwortung Deutschlands gegenüber Afghanistan wahrzunehmen und sich nach Kräf- ten für eine friedliche und lebenswerte Zukunft des Volkes am Hindukusch einzusetzen. ISBN 978-3-940321-09-1    AnderweltVerlag € 14,00  Buch bestellen hier

Leseproben:

Frauenpower 2 - Westliche Bürokratie versus afghanische Pragmatik

Dr. Joachim Sproß verhandelt mit Afghanen

Die Afghanen verstehen es, das Wasser den Berg hinauflaufen zu lassen. Ich habe vorher noch nie ein ebenso archaisches wie zugleich extrem effizientes Bewässerungssystem gesehen wie in den Nordostprovinzen Afghanistans.

Ende Februar 2004 kam eine Dorfdelegation aus Aq Tepah nach Kunduz in das PRT, um uns um Mithilfe zu bitten. In unmittelbarer Nähe ihres Dorfes war ein Wehr gebrochen, und das Wasser, das sonst kanalisiert sowohl das Dorf als auch die Fel- der versorgte, floss nun unkontrolliert daran vorbei und versi- ckerte nutzlos. Bei unserer Erkundung stellten wir fest, dass die Betonbewehrung und das Mauerwerk vollständig eingebrochen waren. Die von uns beauftragte afghanische Baufirma ermittelte bei einer Ortsbesichtigung einen Herstellungspreis von 13.000 US-Dollar. Wir versprachen den Dorfältesten, uns auf die Suche nach einem „Donator“ (Sponsor) zu machen, um ihnen zu helfen, dieses Problem zu lösen. Da wir selbst nur Spendengelder für die Unterstützung von Schulen und Krankenhäusern be- kommen hatten, wandten wir uns an die Hilfsorganisationen, insbesondere an den Vertreter des BMZ sowie an die USAID (United States Agency for International Development). Das BMZ versprach, die Angelegenheit durch ihre Fachleute bei der GTZ prüfen zu lassen; die USAID wiederum sagte zu, diese Angele- genheit ihren Experten bei der „International Organisation For Migration“ (IOM) vorzutragen.

Nachdem im Mai 2004 diese Prüfungen noch zu keinem messbaren Ergebnis geführt hatten, wandten wir uns an den Vertreter des Auswärtigen Amtes. Für solcherlei Infrastruktur- maßnahmen hatte dieser aber leider kein Geld. Nachfragen über die UNAMA (United Nations Assistance Mission in Afghanistan) an weitere Hilfsorganisationen waren ebenfalls erfolglos. Da uns alle zwei Wochen ein Vertreter des Dorfes aufsuchte und nach dem Stand der Dinge fragte, wurde die Sache allmählich brenzlig, schließlich hatten wir unsere Unterstützung zugesagt. Anfang Juni erhielten wir dann von der Vertreterin der USAID, Frau Michelle Girard, sowie von der GTZ die Nachricht, dass ein solches Projekt unter Umständen finanziert werden könne, vorausgesetzt, der Verwaltungsweg würde eingehalten. Das Erstaunen stand mir offensichtlich ins Gesicht geschrieben, worauf Frau Girard mir erklärte: „Sie müssen den Dorfältesten auffordern, ein Bittgesuch an den Gouverneur zu richten, in dem er offiziell um Hilfe für das Wasserwehr ersucht. Dann muss der Gouverneur einen Brief an die IOM oder direkt an Sie richten.“

Unverzüglich ging ich in unser Büro, entwarf ein Schreiben im Namen der Dorfgemeinschaft an den Gouverneur sowie ein weiteres Schreiben des Gouverneurs an uns und bat meinen Übersetzer Mustafa, dies in Dari auf einem Blanko-Bogen aufzusetzen. Er lachte und meinte, er könne nicht verstehen, wofür dieser Schriftwechsel gut sein solle, wo doch die Dorfbewohner seit Februar 2004 auf die Reparatur des Wehrs warteten und kein Wasser für die Felder hätten. „Wenn man für alle Soforthilfemaßnahmen im Wert von 10.000 US-Dollar einen solchen ‚Papierkrieg’ entfacht, dauert es noch vierzig Jahre, bis es wie- der bergauf geht. Abgesehen davon, können nach 25 Jahren Bürgerkrieg die meisten weder lesen noch schreiben! Habt ihr in Deutschland damals (er meinte nach 1945) auch so viele Briefe schreiben müssen, bis etwas passierte? Wenn wir in Afghanistan ein Problem haben, wollen wir das Problem beseitigen und nicht darüber lange schreiben.“ Ich erklärte Mustafa, dass dies nun mal die systemische Arbeit der Entwicklungshilfe sei und dass es schon aus Prinzip keine Ausnahmen geben könne. „Schleich dich und stell mir nicht so komplizierte Fragen“, rief ich ihm hinterher. Missmutig machte er sich ans Werk und setzte die Schreiben auf. Zur gleichen Zeit eröffnete der Deutsche Entwicklungsdienst – übrigens mit Geldern des BMZ – ein Internetcafé in Kunduz (Kosten: 10.000 US-Dollar).

Dr. Claus Kleber kämpft sich durch die Wüste

Nun geschah es, dass in jenen Tagen der ZDF-Journalist Dr. Claus Kleber in das PRT kam. Da er an der CIMIC-Arbeit großes Interesse hatte, sagte er einer Tagestour zu dem besagten Dorf am nächsten Tag erfreut zu. Bei Tagesanbruch fuhren wir los, und ich hoffte im Stillen, dass wir nicht wieder – wie bei den letzten beiden Malen – einen Achsbruch in der Wüste erlei- den und unverrichteter Dinge umkehren müssten. Die Fahrt bei herrlichem Sonnenschein und 45 °C verlief ohne große Probleme. Wir blieben zwar wiederholt im Wüstensand stecken, und das ZDF-Team hatte seine wahre Freude daran, uns schuften und schwitzen zu sehen. Am Ende legte Dr. Kleber jedoch selbst Hand an und verhalf einem Geländewagen dazu, wieder aus dem Sand freizukommen. Als er mich fragte, wieso wir uns dies alles antun, erwiderte ich: „Weil es die Menschen wert sind.“

Nach rund vierstündiger Fahrt sahen wir das Dorf vor uns liegen. Dort hatte sich – wie auch immer – bereits die Nachricht von unserem anstehenden Besuch verbreitet und der Dorfbür- germeister kam uns auf dem Motorrad entgegen. Umgehend führte er uns an die Stelle des gebrochenen Wehrs, das die Dorfbewohner inzwischen mit Sandsäcken notdürftig geflickt hatten. Er meinte: „Wir haben zwar kein Wasser für die Felder, aber wenigstens die Menschen und Tiere im Dorf können versorgt werden.“ Diese Aussage bereitete mir Unbehagen. Die Wachstumsperiode hatte längst begonnen, doch alles, was wir sahen, waren ein vorwurfsvoll brauner Boden und ein paar mühselig mit Wasserbehältern bewässerte Getreidefelder. Ich zitierte Mustafa zu mir, um dem Bürgermeister den vorbereiteten Brief zur Unterschrift auszuhändigen. Dieser lachte herzhaft, zog seinerseits einen Brief hervor und meinte: „Wir wissen inzwischen, dass ihr Deutschen immer ein offizielles Schreiben und eine Liste haben wollt. Hier ist der Brief – unterschrieben von allen Dorfältesten.“ Er ließ mich wissen, dass der Gouverneur der Provinz Kunduz, Herr Ingenieur Omar, morgen zu ihm ins Dorf kommen würde, da auch er sich für das Wehr interessierte. Ich bat ihn, diesem mitzuteilen, dass ich ein Schreiben von ihm, dem Gouverneur von Kunduz, benötigen würde. Dieses Schreiben erhielt ich zwei Tage später. Claus Kleber war doch einigermaßen erstaunt und meinte kopfschüttelnd: „Kaum sind wir Deutschen in Afghanistan, geht der Bürokratiezettelkram auch hier los.“ Worauf mein Hauptfeldwebel mit schelmischem Lächeln konterte: „Na ja, Herr Kleber, so ein bisschen Bürokratie liebt ihr Öffentlich-Rechtlichen doch auch – sonst gäbe es die GEZ wohl nicht!“ Zusammen mit meinem Kostenvoranschlag übergab ich beide Schreiben dann den Hilfsorganisationen. Dort versprach man, sich der Sache annehmen zu wollen. Bei meiner Abreise Mitte August 2004 war das Wehr immer noch nicht repariert.

Nachdem wir das Dorf verlassen hatten, meinte mein Kapitänleutnant: „Wir sollten Herrn Kleber noch ein afghanisches Abenteuer gönnen – was halten Sie von unserem Fährmann?“ Gute Idee. Also fuhren wir zu dem flachen, aber sehr breiten Fluss nach Aq Tapeh, ca. 5 km vom Dorf entfernt. Dort lagen zwei kleine Boote, die als Fähre dienten.

Die Bauern nutzten diesen Fährdienst, um ihre Produkte in Kunduz auf dem Markt anbieten zu können. Bei den Fähren angekommen, baten wir die Fährleute, uns mit dem Geländewagen überzusetzen. Herr Kleber konnte nicht glauben, was dann geschah: Die Fährleute holten Seile und banden die bei- den Boote längsseits zusammen. Dann besorgten sie zwei Langbretter, und der Geländewagen wurde schließlich vorsichtig auf diese Behelfskonstruktion manövriert. „Sie steigen doch da nicht ein?“, meinte er skeptisch. „Aber selbstverständlich, was denn sonst“, gaben mein Kapitänleutnant und ich munter zurück und bestiegen die „Fähre“. Unter Einsatz großer Staken und ihrer Muskelkraft setzten uns die Fährleute über. Zwei Monate später strahlte das ZDF den Filmbeitrag aus.

Norwegische Artillerieübung

Die Norweger und Schweden im „Camp Marmal“ bildeten ein lustiges Völkchen. Ebenso selbstbewusste wie zuverlässige Kameraden, denen ich hohen Respekt zolle. Trotz der unterschiedlichen Mannstärken führten alle auch ein nationales Business. Alle Nationen verfügten über ein gesundes Selbstverständnis, was ich anhand der folgenden Begebenheit verdeutlichen will:

Zum Jahreswechsel hatte das deutsche Kontingent in Mazar-e Sharif ursprünglich geplant, um Mitternacht eine Artillerieübung durchzuführen. Einige Zeit vorher sind jedoch ein paar Vorfälle mit Alkoholmissbrauch gemeldet worden, und diese Übung wurde kurzerhand abgesetzt. Es gab durchaus Stimmen, die von einer „Kollektivhaftung“ sprachen, und die Stimmung war nicht zum Besten. Dann aber staunten wir nicht schlecht, als am 30. Dezember in den Betreuungseinrichtungen ein Flugblatt vom norwegischen Kommando verteilt wurde, das darüber informierte, dass man am 31.12. gegen Mitternacht eine Artillerieübung angesetzt habe, und gleichzeitig um Verständnis bat für die zu erwartende Geräuschbelästigung. Es wurde eine tolle Übung und wir feierten mit unseren norwegischen Kollegen ausgelassen ins neue Jahr.

Marmel (Verlustmeldung)

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Spielen mit Waffen und Munition ist für mich nicht entschuldbar, und „Übungen des russischen Roulettes“ kann ich in keiner Weise akzeptieren oder gutheißen. Wer aber Videospiele wie „Warcraft“ und andere nicht untersagt, muss sich nicht wundern, wenn der eine oder andere Fehlgeleitete meint, alles sei nur ein Spiel. Im tatsächlichen Einsatz kann das dann bei Söhnen aus bildungsfernen Haushalten zur Katastrophe führen.

Die hohe Verwaltungsdichte im deutschen Heer macht auch vor der Munition nicht Halt. Im Gegenteil: Wir empfangen unsere Munition abgezählt und mit LOS-Nummer. Während sich meine amerikanischen Kameraden je nach Bedarf mit Munition eindeckten, meine Kollegen des CAAT-Teams ihre Munition locker in einem Plastikbeutel übernahmen und sich die Kameraden aus Schweden und anderen Ländern so viel Munition nehmen konnten, wie sie meinen zu brauchen, musste der deutsche Landser für jeden einzelnen Schuss (Marmel) unterschreiben. Während zu Beginn des Einsatzes das „Fehlen“ einer Marmel zu disziplinarischen Konsequenzen führen konnte, hatte man im Laufe des Einsatzes die Zahl auf „bis zu 9“ erhöht. Leider hatte ich das Pech, bei einer meiner Fahrten eine Marmel zu verlieren. Zunächst suchte ich in unseren Fahrzeugen nach dem guten Stück. Da das ergebnislos verlief, suchte ich Jeff auf und bat ihn, auch in seinem Fahrzeug zu suchen. Er lachte, holte eine Tüte mit ca. 400 Schuss Munition aus seinem Schrank und meinte lässig: „Reg dich nicht auf, such dir eine aus.“ Ich schaute ihn schmerzerfüllt an und erwiderte: „Jeff, wir haben eine LOS-Nummer. Wir müssen meine Kugel finden.“ Ungläubig sah er mich an und meinte: „Hey, wir sind im Krieg. Sag das deinen Herrschaften. Wegen einer mickrigen Patrone muss ein deutscher Oberstleutnant durch mehrere Fahrzeuge krabbeln – ich fass es nicht!“ Also suchten wir in seinem Wagen – Fehlanzeige. Der zuständige deutsche Stabsoffizier verwies mich dann an einen Stabsfeldwebel, der professionell die Verlustmeldung aufsetzte. Mit meinen Magazinen und der gegengezeichneten Verlustmeldung konnte ich dann am Ende des Auslandseinsatzes die Munition wieder „vollständig“ abgeben.

Schock der (Ess-)Kulturen

Jeden Freitag gab es bei den Amerikanern in ihrer Betreuungseinrichtung Lobster (Hummer). Bei meinem ersten Besuch dort machte ich den Fehler, kein Essbesteck mitzunehmen. Im Gegensatz zu unserer Küche, wo es Keramikgeschirr und ordentliches Besteck gab, stellten die Amerikaner nur Pappteller und Plastikbesteck zur Verfügung. Also knackte man die Lobster wie überdimensionale Nüsse. Das kam für mich überhaupt nicht infrage. Von da an nahm ich immer mein Bundeswehr- Essbesteck mit, um den Lobster genießen zu können, wie es sich gehört. Als mich ein amerikanischer Oberstleutnant auf meine Tischmanieren ansprach, gab ich ihm eine kleine Nachhilfe: „Die Kultur eines Volkes beginnt beim Essen. Wenn ihr dazu übergehen würdet, euren Soldaten Keramikgeschirr und ordentliches Besteck zur Verfügung zu stellen, wäre das in Sachen Esskultur ein echter Quantensprung.“ Ich glaube, er war „not amused“ über meine Kritik. Tatsächlich aber kamen viele amerikanische Soldaten, die europäisches Essen mochten, gern in unsere Küche. Und siehe da: Sie entwickelten dort auch eine andere Esskultur.

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