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Kurz und Bündig

Die kleinen Kommentare #1/2017

„Park der Patrioten“: Familienausflug zur Reichstags-Erstürmung

Im „Park der Patrioten“, unweit von Moskau, soll nach Ankündigung des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu ein verkleinerter Nachbau des Berliner Reichstags entstehen. Damit soll Russlands staatlich organisierter Jugend-Armee die Möglichkeit geboten werden, in der neu geschaffenen Trainingseinheit des Militär-Freizeitparks „diesen konkreten Ort zu stürmen“. Der Kriegsspielplatz im „Park der Patrioten“ wird hauptsächlich von der Jugend-Armee genutzt, zu deren offiziellen Einweihung im August letzten Jahres Schoigu sagte: "In kürzester Zeit wird das die mobilste, größte und effektivste militärisch-patriotische Kinder- und Jugendorganisation unseres Landes.“

Weitere Attraktionen im Militärpark, an denen der kampfbereite Nachwuchs üben kann, sind z.B. ein lebensgroßes Partisanendorf und ein U-Boot-Nachbau. Die hinter der Jugend-Armee stehende Idee ist, die Teilnehmer „spielerisch an den Gebrauch von Waffen“ heranzuführen. Und an diesen Kriegsspielen im „Park der Patrioten“ sollen sich nach Schoigus Worten auch Eltern, Onkel und Tanten erfreuen: „Die ganze Familie kann den Tag mit dem Kampf ums Überleben beginnen und mit Kompott und Fleischnudeln beenden.“

Der Sieg über Nazi-Deutschland ist für das Selbstverständnis der Russen von außerordentlicher Bedeutung und wird bis heute ausgiebig gefeiert. Das ist ihr gutes Recht und angesichts der Millionen Toten und des Elends, das der Zweite Weltkrieg über sie gebracht hatte, durchaus nachvollziehbar. Symbolträchtigstes Bild für diesen Sieg ist das Hissen der Sowjetflagge am 2. Mai 1945 über dem Berliner Reichstag, aufgenommen zwei Tage nach der eigentlichen Erstürmung.

Die Botschaft, die mit der Gründung der Jugend-Armee und der Einrichtung des Kriegsspielplatzes im „Park der Patrioten“ einher geht, liegt auf der Hand: Seht her, ihr Falken in der NATO. Wir lassen uns auf eure Kriegstreiberei (noch) nicht direkt ein, aber wir werden vorbereitet sein, wenn ihr den Bogen überspannt. – Gleichwohl: Kinder und Jugendliche spielerisch an den Gebrauch von Waffen heranzuführen, halte ich persönlich nicht gerade für pädagogisch wertvoll. Und als Berliner wird mir ehrlich gesagt ganz blümerant bei der Vorstellung, eines Tages könnte über dem (zerschossenen) Reichstagsgebäude die russische Flagge wehen. Andernorts in Deutschland mag man die Wahl des Gebäudes, um „diesen konkreten Ort zu stürmen“, gelassener sehen. Ich als Berliner finde es mindestens geschmacklos. HvB, 23. 02. 2017

AfD-Höcke hat es wieder getan – Volksverhetzung!

Beurteilen Sie selbst, ob das folgende Zitat rechtsradikal und volksverhetzend ist: "Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität."
(Quelle hier). Oh Verzeihung, ich habe vergessen zu sagen, von wem dieses Zitat ist. Es stammt von Rudolf Augstein und zwar vom 30.11.1998 und kann deswegen nicht rechtsradikal sein?

Hier nun, was Höcke gesagt hat: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Dass diese Aussage rechtsradikal und volksverhetzend ist, steht wohl außer Frage. Jedenfalls herrscht darüber große Einigkeit bei all unseren Systemparteien und Familienministerin Schwesig zieht daraus den einzig möglichen Schluss: 'An Herrn Höcke haben wir diese Woche gesehen, dass die AfD rechtsextremistische Züge hat, dass sie gar nicht so harmlos und anständig ist, wie sie sich gerne gibt'. (Quelle hier) Ich denke, es ist wohl überflüssig darauf einzugehen, inwieweit mit zweierlei Maß gemessen wird, je nachdem wer etwas von sich gibt. In einer freiheitlichen Demokratie sollte das keine Rolle spielen. PH 24.01.2017

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