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Von der Kunst des aktiven Zuhörens

Von Hubert von Brunn - Ihr Mental Fitness Coach

Kommunikation – vordergründig betrachtet so einfach, in Wirklichkeit hoch komplex und kompliziert. Ein weites Feld also, das zu beackern den Rahmen dieses Newsletters bei Weitem sprengen würde. Deshalb will ich immer mal wieder auf bestimmte Aspekte der Kommunikation aufmerksam machen, die vielen Menschen gar nicht bewusst sind, die aber für das Gelingen eines Dialogs, eines Gesprächs unter Freunden oder einer geschäftlichen Konferenz sehr wichtig sind.

Heute möchte ich auf eine kommunikative Qualität hinweisen, die leider sehr oft unterschätzt wird, ohne die aber eine wirklich sinnvolle und ergebnisorientierte Kommunikation nicht möglich ist: das Zuhören.

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, dass sehr viele Menschen nicht in der Lage sind zuzuhören, oder sich zumindest sehr schwer damit tun? Ich begegne diesem Phänomen immer wieder und habe aus meinen Erfahrungen drei Kategorien der auditiven Wahrnehmung abgeleitet:

1. Desinteressiertes Weghören

Die Körpersprache verrät es schon. Der Blick bleibt irgendwo im Raum hängen, die Füße scharren unter dem Tisch, die Hände wandern in die Hosentaschen und wieder zurück, um mit irgendeinem Gegenstand auf dem Tisch zu spielen… Mimik, Gestik und Körpersprache machen deutlich, dass das Gegenüber nicht das geringste Interesse hat an dem, wovon gerade die Rede ist.

Dabei muss es keineswegs einen objektivierbaren Zusammenhang zwischen dem Gesagten und der zum Ausdruck gebrachten Abwehrhaltung geben. Dieser Mensch hat ganz einfach keine Lust, sich auf das Thema, um das es geht, einzulassen – ganz egal welches. Es ist ganz weit weg mit seinen Gedanken und nimmt nichts von dem wahr, was um ihn herum geschieht.

Dieses Verhalten ist ausgesprochen unhöflich und nicht selten verletzend. Wenn Sie mit Ihren Gedanken allein sein und sich nur mit sich beschäftigen wollen, dann bleiben Sie zu Hause. Wenn das nicht geht, weil Sie verpflichtet sind, an diesem Meeting teilzunehmen, bedenken Sie, dass Sie sich mit Ihrer geistigen Abwesenheit auch sehr schaden können. Informationen, die später wichtig für Sie sein könnten, gehen Ihnen verloren. Und wenn Sie plötzlich angesprochen und dabei ertappt werden, dass Sie nur physisch anwesend sind, kann das sehr peinlich werden.

Die „fortgeschrittene“ Form des desinteressierten Weghörens bezeichne ich als

2. Egozentrisches Hören

Hier ist das Gegenüber an dem Inhalt des Gesprächs, das gerade geführt wird auch nicht wirklich interessiert, jedenfalls nicht in der Form wie der Redenden das Thema vorträgt. Der egozentrische Zuhörer ist immerhin soweit bei der Sache, dass er den Ausführungen folgt, aber nicht, weil er bereit wäre, Informationen aufzunehmen, die ihn in die Lage versetzten, mit einer gezielten Frage, einer geistreichen Replik oder einer ergänzenden Bemerkung auf das Gesagte Bezug zu nehmen und so mit seinem Beitrag das Gespräch zu beleben.

Nein, der egozentrische Zuhörer wartet nur auf ein Stichwort, das er aufgreifen kann, um das Wort an sich zu reißen. Mitten im Satz unterbricht er den Redenden und gibt ungefragt zum Besten, was das aufgegriffene Stichwort in dem Augenblick bei ihm assoziiert. Endlich kann er seine Geschichte erzählen.

Das ist nicht weniger unhöflich als das offensichtlich desinteressierte Weghören. Beide Verhaltensweisen lassen den nötigen Respekt vor der Person des Redenden und die Wertschätzung für dessen Vortrag vermissen.

Natürlich kann es auch vorkommen, dass der Redende selbstverliebt, langatmig, uninteressant, redundant und ermüdend vorträgt, so dass eine Unterbrechung des Monologs im Interesse aller Beteiligter geboten ist. Dann sollte man so couragiert sein, diese Kritik bei passender Gelegenheit offen und in höflicher Form kundzutun. Egozentrische Redner sind genauso unerträglich wie egozentrische Hörer.

3. Aktives Zuhören

Das ist – abgesehen davon, dass man sich einer Sprache bedient, die alle verstehen können – die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Kommunikation. Rede und Gegenrede bilden, wie wir spätestens seit Sokrates wissen, den konstruktiven Dialog, und nur im konstruktiven Dialog können wir Erfahrungen austauschen, Informationen vermitteln, Missverständnisse ausräumen, Problemlösungen entwickeln usw.

Das aber kann nur gelingen, wenn alle an dem Gespräch Beteiligten mit ganzem Herzen bei der Sache sind. Den Ausführungen des Anderen konzentriert folgen, dessen Gedanken mitdenken, auf bestimmte Formulierungen achten, Zwischentöne heraushören und dabei seine eigenen Gedanken entwickeln – das ist die hohe Kunst eines guten Gesprächs. Ein Gespräch, an das man sich gerne erinnert, ein Gespräch, von dem man etwas mitnimmt, ein Gespräch mit Partnern, die man respektiert und wertschätzt und mit denen man sich gerne wieder an einen Tisch setzt.

Das Gespräch ist der alltägliche, selbstverständliche und am häufigsten praktizierte Austausch zwischen Menschen. Nur schade, dass dabei so selten Kommunikation stattfindet.

Achten Sie einmal darauf, wenn Sie wieder mit Ihren Freunden zusammensitzen, wenn Sie sich mit Ihrem Lebenspartner unterhalten, im geschäftlichen Meeting, in der Konferenz, in der Begegnung mit fremden Menschen… Wenn Ihnen Typ 1 und 2 häufiger begegnen als Typ 3, sollten Sie überprüfen, ob Sie dieses kommunikative Umfeld weiter aufrechterhalten wollen. Wenn Typ 3 überwiegt, sind Sie ein echter Glückspilz.

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