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Worin unterscheiden sich Michel Temer und Donald Trump?

Von Peter Haisenko 

Ist Ihnen noch präsent, wer Dilma Rousseff ist? Oder Michel Temer? Die Ex-Präsidentin und der Präsident des fünft-größten Landes, Brasilien? Dass Roussef mit einem zweifelhaften Verfahren ihres Amts enthoben worden ist? Dass es gegen Präsident Temer wegen Korruptionsverdachts beinahe täglich blutig gewalttätige Demonstrationen gibt? Und was hat das jetzt mit Donald Trump zu tun?

In deutschen Medien und Diskussionsrunden wird breit und voller Hoffnung darüber spekuliert, dass über Donald Trump ein Amtsenthebungsverfahren eröffnet werden könnte. Er könnte den Justizminister entlassen und so Einfluss auf die Ermittlungen gegen sein Team ausüben. Das wäre dann vergleichbar mit „Watergate“, eine Schande für die Demokratie und eine grobe Missachtung des Rechtsstaatsprinzips. Ganz schrecklich eben, aber sehr gut, denn dann wäre man den furchtbaren Tyrannen im Weißen Haus endlich los. Hätte, wäre, könnte. Alles Konjunktive! Dass gleichzeitig etwas Reales im größten Land Südamerikas geschieht, darüber wird kaum berichtet und schon gar nicht diskutiert.

Temer – ein Mann des Kapitals und korrupt bis auf die Knochen

Michel Temer kam aus dem Nichts. Ohne die Einflussnahme der CIA wäre er nie Präsident Brasiliens geworden. Die beiden letzten Präsidenten Brasiliens, Lula da Silva und Dilma Rousseff, zeigten nicht gerade bedingungslose Gefolgschaft zu den USA. Also mussten sie weg und da kann die CIA immer hilfreich sein. Temer war ihr Mann, aber dieser hatte eine Menge Dreck am Stecken, wie sich nach seiner Einsetzung schnell gezeigt hat, ebenso, dass er korrupt bis auf die Knochen ist. Aber ein Mann des Kapitals. Hier flechte ich eine entlarvende Aussage ein, die wohl als erstes von Evo Morales kam, dem vom Kapital ungeliebten Präsident von Bolivien: Warum hat es in den USA noch nie eine Revolution gegeben? Weil es dort keine US-Botschaft gibt!

Gegen Michel Temer läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Korruptionsverdachts. Ganz real. Nun hat dieser Temer genau das getan, worauf bei Trump als Amtsenthebungsgrund gehofft wird: Er hat den Justizminister ausgetauscht, der die Bundespolizei beaufsichtigt, die die Ermittlungen gegen ihn führt und denen gegenüber er weisungsbefugt ist. Im Gegensatz zu Trump wird hierzu sehr dezent berichtet. „Hochrangige Polizisten kritisieren die Kabinettsumbildung. Sie löse Sorge über mögliche politische Einflussnahme aus“. Ich stelle fest: Bei Trump ist es selbstverständlich eine unzulässige politische Einmischung, wenn darüber diskutiert wird, was er noch gar nicht getan hat und aller Wahrscheinlichkeit nach niemals tun wird. Wenn aber Michel Temer genau das bereits getan hat, fällt man in den Konjunktiv und zitiert die Sorge anderer, dass es sich um eine mögliche politische Einflussnahme handeln könnte. Hierzu passt dann auch der Titel der Videotextseite, der nichts von dem Skandal ahnen lässt. Da steht schlank: „Neuer Justizminister in Brasilien.“

Steuert die CIA auch unsere Qualitätsmedien? – Es ist zu befürchten

Es ist nur ein weiteres Beispiel, wie unsere Qualitätsmedien in ihrer Berichterstattung mit zweierlei Maß messen und so massive Propaganda betreiben. Nein, es sind keine Falschmeldungen, aber sie sind so aufbereitet, dass dem durchschnittlichen Beobachter ein Bild vermittelt wird, das den Zielen der Politverbrecher entspricht. Worin unterscheiden sich also Michel Temer und Donald Trump? Temer ist ein Vasall der CIA, der nicht in einem normalen Wahlverfahren in sein Amt gekommen ist. Trump ist der gewählte Präsident der USA und steht der aus dem Ruder gelaufenen Eigenständigkeit der CIA kritisch gegenüber.

Darf man daraus folgern, dass unsere Qualitätsmedien von der CIA gesteuert werden? Ich fürchte ja, genau so ist es. Wie sonst ist es erklärlich, dass bei der Befreiung von Aleppo von Niederlagen der Rebellen berichtet wurde, von jeder Menge ziviler Toter – natürlich verursacht von Assad und Russland, und über vergleichbare Vorgänge in Mossul ein Mantel des Schweigens ausgebreitet und von Siegen über böse Terroristen berichtet wird? Dass aus der Ukraine nur von bösen Separatisten berichtet wird und nicht über andauernde Verletzungen des Minsker Abkommens seitens der Putschregierung in Kiew? Dass immer wieder die Lüge über die „Annexion der Krim“ genauso oft wiederholt wird wie das Märchen vom „aggressiven Russland“? Dass praktisch nichts darüber berichtet wird, wie immer mehr Kriegsmaterial an die russische Westgrenze verbracht wird? Dass das die eigentlich aggressive Haltung ist?

Brasilien ist traditionell ein wichtiger Handelspartner Deutschlands und viele Deutschstämmige leben dort. Ich kann folglich das Argument nicht gelten lassen, dass politische Vorgänge dort so viel weniger Aufmerksamkeit verdienen, als möglichen Verfehlungen von Donald Trump gewidmet wird, die noch nicht einmal stattgefunden haben, obwohl es exakt dasselbe Thema ist. Es ist nur noch abscheulich, mit welcher Arroganz die Medienmacht ihre Konsumenten manipuliert. Ich kann nur hoffen, dass sie genau über diese Arroganz fallen werden. Die so offensichtlich unterschiedliche Behandlung von Trump und Temer sollte dazu ein weiterer Baustein sein.

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