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Absurde Reparationsforderungen aus Polen – Wer fragt nach den deutschen Vertriebenen?

Von Hubert von Brunn 

Getrieben von dem Oberstrippenzieher Jaroslaw Kaczynski hat die polnische Regierung unter Premierministerin Beate Szydlo jetzt Reparationszahlungen in einer Größenordnung von 840 Mrd. Euro von der Bundesregierung gefordert als „Wiedergutmachung für Terror und Besatzung“ im Zweiten Weltkrieg. Dass Kaczynski an Größenwahn leidet, ist hinreichend bekannt. Diese Forderung allerdings entbehrt jeder Grundlage, was den polnischen Scharfmachern gewiss bekannt sein dürfte. Wenn sie sie aufrecht erhalten sollten, dann müssen wir auch endlich einmal eine Gegenrechnung aufmachen und nach dem Schicksal von 6,9 Millionen Deutschen fragen, die bis 1945 in der Oder-Neiße-Region gelebt haben: Millionen Tote, hunderttausendfache Vergewaltigung, Totalverlust allen Besitzes, Millionen Vertriebene!

Sowohl von der DDR als auch von der BRD hat Polen Reparationen in Milliardenhöhe erhalten. 1953 haben die Polen eine Verzichtserklärung auf weitere Zahlungen unterzeichnet und die Gültigkeit dieser Vereinbarung wurde 2004 zwischen Bundeskanzler Schröder und dem polnischen Ministerpräsidenten Bilka bekräftigt. Im Gegenzug hat der deutsche Vertriebenenverein „Preußische Treuhand“ darauf verzichtet, weiterhin darauf hinzuwirken, das Vermögen von Millionen deutscher Vertriebener aus Polen per Klage zurückzufordern. Man war sich einig, die Sache schien endgültig erledigt und wurde jahrelang von beiden Seiten auch nicht mehr thematisiert. Bis eben jetzt, wobei Kaczynskis neuerliche Attacke auf Deutschland mehr als durchsichtig ist. Dem Vorbild Erdogans in der Türkei folgend, haben Kaczynski und seine Handlanger damit begonnen, vom polnischen Volk mühsam erkämpfte demokratische Strukturen (Pressefreiheit, Gewaltenteilung, Unabhängigkeit der Justiz usw.) wieder zu zerschlagen und das Land zurückzuführen in einen Zustand wie zu Zeiten der kommunistischen Diktatur.

Kaczynskis durchschaubares Manöver, um von seiner antieuropäischen Politik abzulenken

Das gefällt nicht nur vielen Polen nicht, die für den Erhalt demokratischer Freiheiten zu Hunderttausenden auf die Straße gehen, es stößt auch auf ziemlichen Widerstand in Brüssel. Dort droht die EU-Kommission nämlich, insbesondere wegen Gleichschaltung der Justiz durch die herrschende PiS-Partei, ein Sanktionsverfahren gegen Polen zu eröffnen. Das ist nicht witzig, denn es könnte bedeuten, dass die Milliardenzahlungen, die Polen jährlich von der EU erhält, drastisch gekürzt werden. Kaczynski findet das natürlich nicht gut und so eröffnet er ein taktisches Manöver, das einerseits von seinen internen Problemen ablenken und gleichzeitig die Eurokraten dazu bewegen soll, sich mit der deutschen Vergangenheit zu beschäftigen, anstatt mit der polnischen Realität. Das ist nun wirklich leicht durchschaubar und wird noch unglaubhafter, wenn der polnische Außenminister Withold Waszczykowski zwar von „moralischen“ Forderungen spricht, diese aber als rechtlich „uneindeutig“ relativiert.

Die rechtliche Seite ist geklärt (s.o.), kommen wir also zur moralischen. Wenn wir uns einmal von dem Dogma der von den Siegermächten und den Vasallen der Sowjetunion gebetsmühlenhaft propagierten „Alleinschuld“ der Deutschen lösen und den historischen Wahrheiten ins Auge blicken – dann sehen sie Polen verdammt schlecht aus. Ab 1944 noch in unheiliger Allianz mit den Soldaten der Roten Armee wurde alles, was deutschen Ursprungs war, verfolgt und niedergemacht. Es wurde geplündert, geraubt, vergewaltigt und getötet – ohne Rücksicht auf Verluste, willkürlich und mit äußerster Brutalität. Es war so schlimm, dass es den US-General Frank A. Keating dazu bewog, dieses hemmungslose Treiben mit dem der barbarischen Horden von Dschingis Khan zu vergleichen. Dabei – und auch darüber wird kaum geredet, geschweige denn geschrieben – tragen die „Großen Drei“ (USA, Großbritannien und UdSSR) eine gehörige Verantwortung. Schließlich wurde auf der Potsdamer Konferenz auch beschlossen, die deutschen Ostgebiete von Deutschen zu „reinigen“. – Das ist eine sehr harte Formulierung. Zwar sollten laut Potsdam-Protokoll die Ausweisungen „in geregelter und humaner Weise“ durchgeführt werden, doch was die Polen (und die Tschechen gleichermaßen) darunter verstanden, wurde nicht kontrolliert.

Eine ehrliche Aufarbeitung der Geschichte findet nicht statt

Tatsache ist, dass die Polen auch nach Kriegsende (wie die Tschechen) Konzentrationslager unterhielten, in denen sie viele Deutsche und nicht wenige polnische (tschechische) Juden interniert haben. Die Bedingungen dort waren ähnlich katastrophal und menschenverachtend wie zu Zeiten, als die KZs unter deutscher Leitung standen. Nur: Von jenen Untaten wird immer und immer wieder berichtet, die Zeit danach wird von den meisten Historikern einfach totgeschwiegen. So kann eine ehrliche Aufarbeitung der Geschichte nicht funktionieren.

Kommen wir zurück auf Polen und die ungehörigen Reparationsforderungen gegenüber Deutschland. Deutsche Einwanderer waren es schließlich, die vor mehr als tausend Jahren aus dem unterentwickelten Agrarstaat ein blühendes Land gemacht haben. Mit ihrem Fleiß, ihrem Wissen und ihrer Energie haben sie die polnische Wirtschaft nachhaltig gestärkt, Industriezentren entwickelt und mit ihrer Tüchtigkeit dafür gesorgt, dass es vielen Polen sehr viel besser ging als zuvor. Diese Deutschen haben sich keineswegs als Kolonialherren verstanden, sondern als Unternehmer, von deren Know-how alle profitieren sollten. Diese Menschen all ihres Besitzes zu berauben, sie zu ermorden und die Überlebenden wie Verbrecher aus dem Land zu jagen, sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit. – Immer nur auf die Deutschen einzuprügeln, unmenschliche Verbrechen, die von anderer Seite verübt wurden aber konsequent zu verschweigen, mindestens kleinzureden, ist nicht zielführend in dem angeblich angestrebten Prozess der Versöhnung, gar der Freundschaft. Wie es um die Solidarität der Polen mit Europa bestellt ist, erleben wir gerade hautnah in der Flüchtlingsfrage.

Kaczynski will aus der seit 72 Jahren propagierten Verteufelung alles Deutschen Kapital schlagen

Die Geschichte der Vertreibung der Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten ist eine ebenso traurige wie grausame. Hinzu kommt die Geschichtsklitterung, die kein anders Bild kennt, als das des ewig bösen Deutschen auf der einen und das des stets edelmütigen Gegenübers auf der anderen Seite. Die Literatur, in der dieses einseitige Bild zumindest infrage gestellt wird, ist recht überschaubar. Ein Werk, das in herausragender Weise mit dem Klischee des „ugly German“ aufräumt, ist das Buch „England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“ von Peter Haisenko. Mit Akribie und aufwendigem Quellenstudium behandelt der Autor in dem Kapitel „Die Vertreibung ( S. 174 – 197) genau dieses grausame Schicksal, das der deutschstämmigen Bevölkerung in Polen und Tschechien nach 1945 widerfahren ist. In diesem Kapitel werden auch die Schilderungen von Augenzeugen, z. B. von Ärzten in Lagern wie Olmütz-Hodolein oder im KZ Lamsdorf in Oberschlesien wiedergegeben, deren Grausamkeiten den Leser sprachlos machen.

Auf 368 Seiten macht dieses äußerst lesenswerte Buch in erschütternder Weise deutlich, wie die Geschichtsschreibung nach 1945 manipuliert worden ist, wie bestimmte Vorgänge konsequent dämonisiert, andere konsequent geschönt wurden und werden. Wer sich mit den hier vorgetragenen Fakten auseinandersetzt – und deren gibt es sehr viele – wird feststellen müssen, dass er in seinem Geschichtsunterricht bestenfalls die halbe Wahrheit erfahren hat. Die Alliierten haben nach dem Krieg bestimmt, was die nachwachsenden Generationen der Deutschen über die Geschichte des 20. Jahrhundert und die Vorgänge, die letztlich zu den beiden großen Kriegen geführt haben, wissen sollten und was nicht. Jaroslaw Kaczynski springt nun auf diesen noch immer rasant rollenden Zug auf in der Hoffnung, aus der seit 72 Jahren propagierten Verteufelung alles Deutschen Kapital schlagen zu können. Seitens der (noch existierenden) Bundesregierung kamen bisher nur sehr verhaltene Kommentare zu den Reparationsforderungen der Polen. Warten wir ab, wie es nach dem 24. September aussieht.


England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“ ist erhältlich im Buchhandel oder direkt zu bestellen vom Verlag hier.

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