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Litwinenko, Putin und die Propaganda

Von Wilfried Schuler

Die Schuldzuweisungen seitens eines Londoner Gerichtes am Tod des russischen Ex-Agenten Litwinenko werden von der Justiz selbst als Vermutungen und Mutmaßungen bezeichnet. Beweise, die diesen Namen verdienen, gibt es nicht. Wenn diese Vorgänge in der schon bekannten Art und Weise von den Medien in reißerischer Art und Weise aufgemotzt werden, dient das nicht der Wahrheitsfindung. Es ist und bleibt eine groteske, geradezu lächerliche und aufgeblasene Propaganda. Nichts weiter.

Es gibt keinen Richterspruch und keinen juristisch fundierten Beleg der die Schuld am Tode Litwinenkos beweist. Es waren die Russen. Gut. Na und? Litwinenko war Mitglied des Geheimdienstes. Der fernsehgebildete Bundesbürger weiß, dass Geheimdienste keine Knabenchöre sind. Insbesondere ist bekannt und allgemein akzeptiert, dass mit Aussteigern oder gar Verrätern, die unter Mitnahme von geheimen Informationen ins feindliche Ausland verschwunden sind, nicht zimperlich umgegangen wird. Das war Litwinenko garantiert bewusst, als er sich damals absetzte. Es ist das spezifische Berufsrisiko einer sehr speziellen Branche. Welche Zeitung wäre erstaunt darüber, dass Dachdecker vom Dach fallen.

Messen mit zweierlei Maß

Selbstverständlich ist Putin als oberster Dienstherr so sehr für das Treiben seiner Agenten verantwortlich wie Obama für die CIA. Oder Netanjahu für den Mossad. Man hat nie gehört, dass Putin diese Verantwortung grundsätzliche je geleugnet hätte. Dass aber US Präsidenten sich hinter die Formel zurückziehen: „Der Präsident kann nicht hinter jedem stehen“, wird von der Presse anstandslos kolportiert. Das verrät eigentlich bereits wie selektiv die Propaganda arbeitet. Wenn man der „Gute“ ist, darf man im Namen der Freiheit schon einmal eine Schurkerei begehen. Nur die „Bösen“ müssen sich an die Regeln halten. Im Fall Litwinenko zeigt die Presse, wie sehr sie von ihrer Aufgabe, die da heißt: informieren, abgewichen und zur Propaganda-Maschinerie verkommen ist. Erstaunlich ist die Dreistigkeit, mit der man sich über die Regeln des Journalismus hinwegsetzt und unisono ein schauerliches Geheul anstimmt. Es ist geradezu grotesk: Sobald der Erste anfängt, kläffte die Meute los.

Betrachtet man einmal die CIA, die mit einem Jahresetat von 15 Milliarden $ ausgestattet ist. Das entspricht den vereinigten Militärausgaben von Nord-Korea, Iran und Venezuela und ist bereits der halbe Jahresetat der Bundeswehr. Diese Bande führt seit 60 Jahren verdeckte Kriege in fremden Ländern, wobei Millionen Menschen umgekommen sind. Es hat noch kein Redakteur in Deutschland gewagt, den US-Präsidenten als Mörder zu bezeichnen. Obwohl er richtiger nicht liegen könnte. Deutsche Politiker drängen sich geradezu mit dem Drohnenkiller-Obama vor jede erreichbare Kamera. In Pakistan spielt Obama den tausendfachen Ankläger, Richter und Killer in einer Person. Und der Bundestag trampelt vor Begeisterung über so viel Demokratie mit den Füßen. Hat schon einer dieser Leute nach Völkerrecht oder überhaupt nach dem Recht gerufen? Claudia Roth oder Özdemir?

Bestimmte Nachrichten werden „erzeugt“

Wenn der Mossad Palästinenser umbringt, wird das in vielen deutschen Gazetten von jüdischstämmigen Journalisten nicht selten sogar mit offenem Beifall bedacht. Einer der Netanjahu als den bezeichnen würde, der er tatsächlich ist, nämlich ein psychopathischer Totschläger, käme in die „Reichsacht“. Stattdessen lichtet man Netanjahu an der Spitze von initiierten Charlie-Hebdo-Friedensmärschen ab und redet sich mit Parolen über die Pressefreiheit betrunken. Dabei ist gerade vom Mossad, der nur ca. 1200 Mitarbeiter hat, bekannt, dass der Premier in der Tat jede Aktion von größerer Tragweite absegnet.

Macht man sich mit Ockham auf die Suche nach den Gründen, die Journalisten dazu bewegen, bestimmte Nachrichten zu „erzeugen“ – das Wort ist bewusst gewählt – dann bleiben wie immer zwei Punkte übrig. Man muss entweder dumm, oder kombiniert heimtückisch und verlogen sein, um platte Propaganda-Meldungen zu produzieren. Eine Überschneidung ist möglich. Gerade die niederen Ränge kann man vom zweiten Vorwurf sogar exkulpieren. Sie operieren sehr häufig mit einer ganz spärlichen Ausstattung an historischem Wissen. So großmäulig sie sich in ihren Gazetten geben, geht man sie in einer Leserzuschrift hart an, zeigt sich, dass sie verdammt wenig Zwirn auf der Spule haben. Meist müssen sie mangels Munition die Fortsetzung des Duells verweigern.

Der Unterschied zwischen Fact und Fiction

Ohne Zweifel kommt auch der aus der Psychologie bekannte Effekt (Pseudologie) zum Tragen, dass nämlich pathologische Lügner ihre Geschichten nach der dritten Wiederholung selbst glauben. Bei Bush war das sehr schön zu beobachten. Ihm war jeder Unterschied zwischen Fact und Fiction abhanden gekommen. Er hat das alles geglaubt und gelebt. Noch sein Geist wird dereinst an den Ufern des Euphrat umherirren und die Massenvernichtungswaffen suchen. Ohne Zweifel ist der Bush-Mehltau auf die Branche der Schreiber übertragen worden. Die meisten Blätter am goldenen Baum des deutschen Schrifttums sind welk. Nur noch die Spitzenleute der Branche saugen den letzten Honig aus dem sterbenden Gewächs, wie die Raubwanzen.

Wie würde die BILD und andere Gazetten wohl titeln, wenn Edward Snowden demnächst unter ungeklärten Umständen zu Tode käme? Behaupten, dass Obama schuld sei? Aber nicht doch. Nein, sie würden knallhart sagen „Verräterschicksal“ und das dankbare Publikum würde mit weisem Kopfnicken zustimmen.

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