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Hamsterkäufe zur Vorratshaltung – bringt nichts, wenn’s wirklich knallt!

Von Hubert von Brunn 

Jetzt sollen wir uns also wieder mit Notrationen eindecken, um wenigstens 14 Tage überleben zu können, wenn da draußen plötzlich alle Lichter ausgehen: Vom Mineralwasser über Ölsardinen und Nudeln bis hin zu Streichhölzern und Kerzen. Für die Kriegsgeneration waren Hamsterkäufe durchaus nichts Ungewöhnliches und auch die DDR-Bürger haben gern auf Vorrat gekauft, wenn das eine oder andere als „Mangelware“ schmerzlich vermisste Produkt plötzlich mal wieder zu haben war. Ganz besondere Erinnerungen ans Bunkern werden auch bei den Bewohnern der ehedem eingemauerten Frontstadt West-Berlin wach, an die so genannten „Senatsreserven“. Aus Angst vor einer zweiten Berlin-Blockade hatte man an mehr als 200 streng geheim gehaltenen Orten bis zur Wende riesige Mengen an Lebensmittel, Wasser Treibstoff etc. eingelagert, um der Bevölkerung im extremen Krisenfall wenigstens für eine gewisse Zeit das Überleben zu sichern.

Was für ein zusätzliches Gefühl der Freude und der Erleichterung bei den West-Berlinern, als nach dem Ende von Mauer, Stacheldraht und Selbstschussanlagen Anfang der 1990-er Jahre verkündet wurde: Die „Senatsreserven“ werden aufgelöst, die Lebensmittel weitgehend an Bedürftige verteilt; eine Vorratshaltung dieser Art, so hieß es, sei nun nicht mehr erforderlich. Das war die Sichtweise der politisch Verantwortlichen vor einem Vierteljahrhundert. Speziell die West-Berliner waren erleichtert, das latente Bedrohungs-Szenario hinter sich gelassen zu haben, und alle Deutschen glaubten daran, dass der Begriff „Notvorräte“ ein für alle Mal der Vergangenheit angehört. Aber jetzt, anno 2016, da der Kalte Krieg längst Geschichte ist, werden wir, die Bürger eines befriedeten und wiedervereinten Landes inmitten eines friedlichen und freien Europas plötzlich wieder aufgefordert, Vorräte „für den Notfall“ zu bunkern? Schon merkwürdig!

Eine gewisse Vorratshaltung an sich ist ja durchaus empfehlenswert und jeder halbwegs vernünftige Mensch wird ohnehin dafür Sorge tragen, dass sich Küchen-, Kühl- und Gefrierschränke, Speisekammer und Keller (sofern vorhanden) nicht dauerhaft als Notstandsgebiete darstellen. Warum also jetzt, zu diesem Zeitpunkt, dieser von höchster Stelle im neuen „Konzept für den Zivilschutz“ formulierte Appell an die Bevölkerung? Wissen die Häuptlinge wieder einmal erheblich mehr, als sie bereit sind, ihren Untertanen mitzuteilen? Plagt sie das schlechte Gewissen ob ihrer willfährigen Gefolgschaft zu den kriegstreiberischen Neocons in den USA und bei der NATO? Besteht da vielleicht doch auch ein Zusammenhang mit dem von Frau von der Leyen vor wenigen Wochen vorgestellten “Weißbuch“ zur Sicherheitspolitik, aus dem u.a. hervorgeht, das sich die Bundeswehr vor allem mit Blick auf Russland auf zwischenstaatliche Konflikte einstellen muss? Sind die Schwachstellen bei den überlebensnotwendigen Energieversorgern so gravierend, dass jederzeit mit einem Cyberangriff mit katastrophalen Folgen zu rechnen ist? Oder gibt es sogar Erkenntnisse, dass das gesamte turbokapitalistische Wirtschafts- und Finanzsystem unmittelbar vor dem endgültigen Kollaps steht?

Drängende Fragen, beunruhigende Fragen. Fragen, die umso mehr Angst mache, je klarer bei genauerem Hinsehen erkennbar wird, wie das Volk (wieder einmal) belogen wird. Eine konkrete Bedrohung für Deutschland – so die beschwichtigende Formulierung im Zivilschutz-Konzept – gebe es selbstverständlich nicht. Wer’s glaubt…! – Putin hat auf die kriegstreiberische Vorgehensweise von USA/NATO in Osteuropa bislang sehr besonnen reagiert, aber er wird ganz gewiss nicht tatenlos zusehen, wenn Russland weiter militärisch eingekreist wird. Die strategische Allianz Moskaus mit Ankara ist bereits vorbereitet und wenn diese mit dem Austritt der Türkei aus der NATO vollendet wird, hat der Westen ein echtes Problem. Und wir als treue Vasallen sowieso. Falls es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommen sollte, wird es Deutschland als erstes und am heftigsten erwischen, das steht außer Frage.

Klar ist dann aber auch, dass das Bunkern von Fertigsuppen, Dörrobst und Ravioli ziemlich sinnlos ist. Denn sollte es wirklich noch einmal zu einem heißen Krieg in Europa kommen, wird dieser nicht mehr mit Panzern, Artillerie und MGs geführt. Dann werden die Amis ihr (veraltetes) Atomwaffen-Arsenal von deutschem Boden aus in Richtung Moskau zum Einsatz bringen – selbst ist man ja weit genug entfernt – und die Russen werden in gebührender Weise zurückschlagen. Das war’s dann. Also, Leute, keine Panik. Der ganz normale Wochen-Vorrat tut’s auch und das Problem der Entsorgung von Lebensmitteln, deren Haltbarkeitsdatum irgendwann abgelaufen ist, stellt sich dann nicht mehr. Ist doch endlich mal eine gute Nachricht.

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