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Schwefelkristalle

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Ist die Straße von Hormus für Silber relevant?

Satire von Hans‑Jörg Müllenmeister 

Gelegentlich hat man den Eindruck, jede Hotline dieser Welt sei ein Geburtskanal für neue Engpässe. Kaum hat man ein Problem gelöst, schiebt das Internet schon das nächste hinterher. Aktuell kursiert ein Video, das behauptet, die Straße von Hormus blockiere demnächst nicht nur Öl, sondern auch den Welthandel für Schwefel.

Und das wäre – so die dramatische Pointe – der Untergang der Kupferminen und damit der Silberproduktion. Denn 70% aller Kupferminen verdienen sich mit Silber ein kleines Zubrot, sozusagen das Trinkgeld der Geologie.

Man fragt sich: Ist das Unwissenheit, Alarmismus oder einfach der Versuch, den Silberpreis mit einem YouTube‑Video wiederzubeleben? Damit aber niemand schlaflose Nächte bekommt, hier eine kurze, aber notwendige Gegendarstellung:

Warum Kupferhütten keinen Schwefel aus Hormus brauchen

Kupferhütten benötigen keinen externen Schwefel, weil das Erz selbst genug davon enthält. 
Sulfidische Kupfererze wie Chalkopyrit oder Bornit bestehen zu 20 bis 35 % aus Schwefel.

Chemisch betrachtet sind sie ein Dreierpack aus: 
Eisen, Kupfer, Schwefel 
…und oft auch Silber, fein eingebaut als Ag2S – quasi das Überraschungsei der Metallurgie.

Beim Rösten und Schmelzen wird dieser Schwefel oxidiert, liefert Energie und sorgt dafür, dass das Ganze überhaupt funktioniert.

Kurz: Der Schwefel ist schon drin. Man muss ihn nicht durch ein geopolitisches Nadelöhr importieren. 

Wofür Schwefelimporte wirklich gebraucht werden

Schwefelimporte betreffen nur Schwefelsäure für das Leaching – also das Auslaugen oxidischer Kupfererze. Das betrifft vor allem Chile.

Aber:

Silberhaltige Kupfererze sind fast immer sulfidisch. Für sie braucht man keine Schwefelsäure, keine Tanker, keine Hormus‑Dramatik. Man muss also keine Schwefel‑Eulen nach Athen tragen.

Der Hormus‑Flaschenhals betrifft die Säurelogistik – nicht die Silberproduktion. 

Wie Silber wirklich gewonnen wird

Silber liegt im Erz als Silbersulfid oder in komplexen Cu‑Fe‑S‑Mineralen. Es bleibt im Kupferstein, wandert durch den Prozess und fällt später in den Anodenschlämmen der Elektrolyse an. Dort wird es herausgeholt – ganz ohne geopolitische Dramen. 

Fazit

Der Schwefel für die Verhüttung stammt vollständig aus dem Erz. Es muss kein Schwefel importiert werden. Die Straße von Hormus hat keinen Einfluss auf die Silberproduktion aus Cu‑Minen.

Und für die Silberfüchse mit physischer Ware und Langzeitperspektive gilt:

Füße stillhalten. Der Silbermarathon kommt früh genug.

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