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Die verborgene Wahrheit über den Wasserstoff
Von Wilfried Schuler
In zahlreichen Büchern, Aufsätzen und Zeitungen wird über den Grünen Wasserstoff geschrieben, zumeist einfachste Prosa, die das Denken überflüssig machen soll. Auch in den Funkmedien, den sogenannten Social Media und auf allen weiteren denkbaren Ebenen wird das Thema diskutiert. Ein überwältigender Teil der veröffentlichten Beiträge ist schlichte Propaganda, die von verschiedenen Lobby-Gruppen lanciert wird.
Der Tenor lautet „Mit Wasserstoff kann man nahezu alle Probleme lösen und alle Wünsche erfüllen. Wir brauchen ihn als den großen Rettungsanker für die Energiewende. Wir wollen es. Koste es, was es wolle.“ „Deus lo vult“ - so stachelte Urban II 1095 den Mob in Clermont auf. Der Fanatismus der Ideologen ist nicht zu übersehen.
Die Historiker wissen, dass der Eifer der Massen stets als Treibsatz für Kriegszüge diente, die auf Eroberung und Raub abzielten. Die Parallelen zu heute treten klar zu Tage. Man muss nur die auf Grund der diversen Wenden umverteilten hunderten Milliarden suchen, die dem Steuerzahler bereits entwendet wurden, bzw. ihm für spätere Verpflichtungen aufgebürdet werden.
Decarbonisierung und Defossilierung. Was für idiotische Worte. Viel angebrachter wäre der Begriff „Carbonocid“, der Mord am Kohlenstoff. Erstaunlich, wie glatt diese Unworte den einfachen Geistern von den Lippen gehen.
Um das Thema auf eine rationale, technisch fundierte Ebene zu heben, untersuchen wir an dieser Stelle die tatsächliche Bedeutung des Wasserstoffs als Rohstoff für die Industrie und als Energieträger für die restlichen Verbraucher. Nur ein solides Wissen über die momentane Herstellung des Wasserstoffs, seinen Verbleib und seine Verbreitung in der Industrie, kann uns zu einer Strategie über seine künftige Rolle in der Wirtschaft leiten.
Liste der am meisten hergestellten Chemikalien in Millionen Tonnen
1. Schwefelsäure 200
2. Ammoniak 190
3. Ethylen 150
4. Wasserstoff 100 Davon verbraucht für
4.a Raffinerie 50
4.b Ammoniak-Herstellung 34
4.c Methanol-Herstellung 13
4.d Chemische Industrie 3
4.e als Energieträger < 0,2
5. Propylen 90
6. Natriumhydroxid 70
7. Chlor 70
8. Phosphorsäure 40
9. Ammoniumnitrat 20
Sucht man derartige Listen im Internet, fehlt häufig der Wasserstoff, da er nicht gehandelt wird. Das heißt nicht, dass die bekannten Druckgasflaschen nicht überall erhältlich wären. Es gibt sie. Es existiert auch ein sehr kleiner Markt für flüssigen Wasserstoff. Und ja, es gibt regionale Pipelines in Deutschland und in Texas. Von mittlerem Durchmesser, sehr überschaubar in der Distanz und in der Statistik eher bescheiden. Durchaus sinnvoll und praktisch verbinden sie einige definierte Hersteller und Verbraucher. Für den Massentransport des Wasserstoffes sind sie weder gedacht noch geeignet.
Wie seit den Zeiten von Fritz Haber und Carl Bosch seit 1914 bewährt, wird Wasserstoff auch heute noch aus leicht transportierbaren Stoffen wie Kohle oder Erdgas hergestellt und unmittelbar auf dem Gelände des Empfängers aus diesen Ausgangsprodukte erzeugt und weiterverarbeitet. Jeder Transport verursacht Kosten und wird deshalb auf das Sinnvolle begrenzt.
Die Erzeugung von Ammoniak verbraucht knapp 2 % der weltweit bereitgestellten Primärenergie. Der gesamte „Graue Wasserstoff“-Komplex dürfte etwa 4-5 % aller Primärenergie konsumieren.
Die Bedeutung des Wasserstoffs als Rohstoff in der Industrie und als Energieträger.
Die Weltjahresproduktion an Wasserstoff liegt gegenwärtig bei 100-105 Millionen Tonnen im Jahr. Siehe Tabelle. Davon werden über 99,5 % aus Methan, anderen Kohlenwasserstoffen oder aus Kohle hergestellt. Die Verwender sind in der Tabelle aufgeführt. Es sei hier nochmals erwähnt, der Verkehr und die Gebäudeheizung spielen keine Rolle, da die Verwendung von Wasserstoff hier sinnlos, ja schädlich ist. Busse, Bahnen und sonstige Fahrzeuge dienen nur dem Propagandainstrument des Green Washings. Das Publikum nimmt Sie als Pilotprojekte war. Aber das sind sie nicht. Der Grüne Wasserstoff, dessen Gebrauch sie simulieren sollen, existiert überhaupt nicht. Die deutschen Bahnprojekte sind zum Stehen gekommen. Alle Stadtbusse in den USA und Kanada fahren wieder mit Diesel oder mit E-Motoren. Die Wasserstoff-LKW siechen vor sich hin.
Die Hersteller und Verwender von Wasserstoff sind ein geschlossener Club. Seine Mitglieder sind im Verbund ihrer Raffinerie- und Chemie-Konzerne tätig. Eine Anzahl von deutlich unter einhundert Firmen betreibt den größten Teil des Weltgeschäftes.
Der Menge an grünem Wasserstoff ist mit <0,5% Anteil bedeutungslos und wird auf absehbare Zeit nur wenig zunehmen, da sowohl Hersteller als auch Abnehmer fehlen.
In den Anfangsjahren der Wasserstoff-Ammoniak-Industrie um 1920 lag der Zwangsanfall von Kohlendioxid noch bei 14 kg Kohlendioxid / kg Wasserstoff. Der Wert verbesserte sich im Laufe der Zeit auf Werte von 9-9,5 kg CO2/kg H2. Als weltweiter Durchschnitt wird heute ein Wert von 10 kg/kg anerkannt. Die seit über 100 Jahren stets verbesserte Technik ist damit an ihren Grenzen angelangt. Weitere Verbesserungen sind nur noch in bescheidenem Rahmen möglich. Das Wichtigste in einem Satz.
100 Millionen Tonnen Wasserstoff = Eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid
Wollte man den Ausstoß von Kohlendioxid verringern, müsste jede verfügbare Tonne grünen Wasserstoffs in der Industrie verbraucht werden, weil er hier mit nahezu 100 %igen Ausbeuten genutzt wird. Alle Anwendungen als Energieträger hingegen verursachen Energieverluste von weit über 50% . Der Schaden, den der für Heizung und Verkehr verbrauchte grüne Wasserstoff verursacht, ist folglich zweifach. Man verhindert damit die Verringerung des CO2-Ausstoßes in der Industrie. Durch seine ineffiziente Erzeugung und Nutzung wird unnötiger Mehrverbrauch an Ressourcen und Energie erzeugt und damit Schaden verursacht.
Diese Zahlen sind gesichert und werden für die kommenden Jahre Bestand haben, da der Verbrauch an Wasserstoff nicht sinken wird, die Verfahren invariabel sind und, wenn überhaupt, nur minimale Verbesserungen zulassen. All das geschieht in einem in sich geschlossenen System und ist in den Händen von über Generationen bewährten Fachleuten. Es besteht weder Bedarf noch die Möglichkeit für kluge grüne Experten hier einzudringen und etwas verbessern zu wollen.
Allerdings hat man sich im grünen Lager diese Idee angeeignet und präsentiert als eigene bahnbrechende Weisheit die Verwendung von grünem Wasserstoff in der chemischen Industrie. Das Urteil über solche Methoden möge der Leser fällen. Die Wasserstoff-Industrie benötigt die Grünen Experten nicht. Im Gegenteil.
Zwei Wasserstoff-Welten
Es gibt erkennbarerweise eine nahezu geräuschlose Welt, die fast den gesamten Wasserstoff erzeugt, weiter verarbeitet und verbraucht. Sie ist eine tragende Säule der Industrie. Aber sie existiert in den Medien und in der Öffentlichkeit so gut wie nicht. Diese Welt stellt die essentiellen Kraftstoffe, Düngemittel und Chemikalien her. Obwohl Sie die Nation ernährt und mobil erhält, nimmt fast niemand Notiz von ihr. Bestenfalls werden ihre Vertreter geschmäht, weil sie fossile Energien nutzen.
Dieser realen Welt gegenüber steht das grellbunte Universum der Marktschreier und der Weltenretter, die Glaubensgemeinde des Grünen Wasserstoffs. Hier tummeln sie sich in fiktiven Wasserstoff-Bussen, bunt bemalten Wasserstoff-Eisenbahnen, und mähen mit Rasenmähern mit Brennstoffzelle. Die E-Fuel-Gurus, die Verfechter der bunten Wasserstoffe, die CCS- und Direct Air Capture-Experten.
Sie stellen - brutal gesagt - nichts her. Und die homöopathischen Mengen Wasserstoff, die sie für Show-Zwecke verbrauchen, sind meist nur grün gewaschen. Sie stammen als Nebenprodukt aus Anlagen, die das unheimliche, giftige Chlor herstellen. Ihr bisher eingespartes Kohlendioxid überkompensieren diese Experten bei der Anreise zu Plauder-Kongressen, für die zunächst ein Stück Amazonien verbrannt werden muss. Sie verbrauchen Milliarden Euro Subventionen und erzeugen Propagandalärm als einziges Anzeichen ihrer Existenz. Dessen ungeachtet garantiert einzig die politische Führung durch Unvernunft und ideologische Verblendung den unnötigen Fortbestand dieser Scheinwelt.
Es resultiert die Frage:
Wird der Grüne Elektrolyse-Wasserstoff, der nur mit Hilfe von Wind- und Sonnenenergie hergestellt wird, in naher Zukunft in großtechnischen Mengen von weit über 100 Millionen Tonnen weltweit verfügbar sein?
Nur im positiven Fall könnte er die Hollywood-Welt der Wasserstoff-Fahrzeuge und -Heizungen mit ihrer unmäßigen Verschwendung retten.
Anders gesagt, wird sich an der aussichtslosen Lage des Grünen Wasserstoffs binnen der nächsten 20 Jahre etwas ändern?
Die Antwort ist negativ. Nur mit Sonnen- und Windenergie kann eine Elektrolyse nicht im Dauerbetrieb laufen. Die Einstrahlung der Sonne kann, auch in Marokko oder Namibia, am Mittsommertag nur 25% der in 24 h benötigten Energie liefern. Im Winter sinkt dieser Wert auf 15%. Für Namibia wird eine sehr hohe Verfügbarkeit des Windes mit 80% behauptet. Da aber im Winter die Dunkel-Pause von 16:00 bis 8:00 am kommende Tag dauert, gibt es hunderte Stunden im Jahr, an denen ein abrupter, nicht kontrollierbarer Stillstand durch eine Windstille unvermeidlich wäre. Eine industrielle Großanlage ist unter diesen Umständen nicht zu betreiben.
Der maritime Transport von Wasserstoff ist in technisch sinnvollen Mengen nicht möglich. Diese doppelte Barriere ist undurchdringlich. Es wird folglich keinen grünen Wasserstoff aus Übersee geben.
Davon abgesehen führt die Herstellung aller Derivate wie Methanol, Methan, Ammoniak zu einer horrenden Verschwendung von Energie und Material. Nirgendwo würde es toleriert, dass, um 1 kg eines Produktes nutzen zu können, ein Aufwand für 3-5 kg verursacht werden müsste und davon die Differenz, fünf minus eins, im Nichts verschwinden würde. Da die genannten Ausweich-Produkte eine wesentlich geringere Energiedichte als Dieselöl haben, müsste die Lagerkapazität und die Anzahl der Tanker deutlich vergrößert werden. Die Lage ist vollkommen aussichtslos.
Hier stellen sich Fragen: Wer hat diese lärmende, unnütze Welt des Hollywood-Wasserstoffs geschaffen? Wer hat diese komplexen PR-Aktionen und all die „Erziehungsarbeit“, die die gesamte Bevölkerung über Jahrzehnte indoktriniert hat, erdacht und umgesetzt? Wohin sind die Subventionen und all das Kapital, das an der Börse dafür investiert wurde, verschwunden? Aufgegangen in einem Ponzi-Modell. Wer ist fähig und willens, dieses Karussell zu stoppen?
Die studierte Chemikerin Reiche hat das Fachwissen dazu. Vor zwanzig Jahren stand in einer Brandenburger Zeitung zu lesen „Reiche, die harte Nuss aus Luckenwalde“. Ist von diesem Ruf noch etwas vorhanden?
Denn: Bevor nicht 100 Millionen Tonnen grüner Wasserstoff an die Chemische Industrie geliefert werden können, die ihn mit 99% umsetzen kann, ist die Verbrennung in Kraftwerken und Brennstoffzellen mit Wirkungsgraden zwischen 45 und 65 % vollkommen inakzeptabel. Das aber wäre das sofortige Aus für alle Fahrzeuge und Heizungen, die auf Grünem Wasserstoff und seinen Derivaten wie Ammoniak, Methanol oder E-Fuel beruhen.
Die Idee, Elektrizität in Form von Wasserstoff zu importieren, ist seit Jahren als undurchführbar bewiesen, denn:
70 kWh „Grünstrom“ ---→ 1 kg Wasserstoff = 33,3 kWh ---→ 15 kWh
Elektrizität ex Kraftwerk in Europa. Verlustrate = 80%.





