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Der Iran hat sich zum versehentlichen Abschuss der ukrainischen B 737 bekannt

Von Peter Haisenko 

Der Iran hat sich dazu bekannt, dass seine Flugabwehr die ukrainische B 737 versehentlich abgeschossen hat. So sind meine Ausführungen über ein mögliches Szenario obsolet. Ich weise darauf hin, dass ich im letzten Absatz geschrieben habe: „Wegen der noch immer dünnen Informationslage erhebe ich nicht den Anspruch, dass es genau so abgelaufen sein muss.“ Ich habe von Wahrscheinlichkeiten geschrieben und manchmal geschieht eben das Unwahrscheinliche, das Undenkbare, so schrecklich es dann auch ist. So haben wir wieder einmal erleben müssen, wie unnötig geschürte Konflikte unschuldige Menschen vorzeitig aus dem Leben reißen. Es sollte ein Menetekel sein, endlich die Machtspiele zu beenden. Eine kurze Darstellung, warum es zu dem tragischen Irrtum gekommen sein könnte, beschreibe ich hier. 

Wiederum weise ich darauf hin, dass es sich auch bei dieser Betrachtung nur um eine Möglichkeit handelt, im Rahmen von Wahrscheinlichkeiten. Eine Möglichkeit, die keinen Anspruch hat, die ganze Wahrheit zu sein. Da kann es noch große Überraschungen geben. 

Die B 737 hatte in der Startphase unter kritischen Bedingungen ein technisches Problem und der Kapitän entschied sich zu einer sofortigen Rückkehr zum Startflughafen.

Wegen der hohen Arbeitsbelastung im Cockpit hatten die Piloten nicht die Zeit, den Tower umgehend von ihrem Vorhaben zu unterrichten. Da gibt es Wichtigeres zu tun – unter Normalbedingungen.

Weil sich jetzt die Maschine auf einem Kurs befand, den die iranische Flugabwehr nicht erwartet hatte, nämlich zurück in Richtung Teheran, stellte dieses jetzt unbekannte Flugobjekt für die hypernervöse Luftabwehr ein feindliches anfliegendes Objekt dar.

Wegen der bedrohlichen Nähe zur Stadt blieb nicht die Zeit für eine solide Gefahrenanalyse und der Abschuss des Objekts wurde gestartet.

So ist der Tod von 176 Menschen einer Verkettung von tragischen Zufällen und der Gesamtsituation geschuldet. Ein selten auftretender aber offensichtlich gravierender Defekt hat die Piloten zur sofortigen Umkehr gezwungen, womit die iranische Luftabwehr nicht gerechnet hat. Was unter normalen Umständen zu keiner Tragödie hätte führen müssen, haben die Rahmenumstände zu einer gemacht. Wer muss nun dafür die Schuld tragen? Ich denke, es ist nicht falsch zu sagen, dass jeder Schuld zu verantworten hat, der aus Macht- und Geldgier, aus ideologisch motiviertem Sendungsbewusstsein, Konflikte anzettelt, die jederzeit aus dem Ruder laufen können und schon so viel Leid und Tod verursacht haben. Nicht zu vergessen dabei diejenigen, die mit Doppelmoral und zweierlei Maß verhindern, dass alle Aggressoren und Völkerrechtsverletzer ohne Ausnahme zur Ordnung gerufen werden.

Ist die ukrainische B 737 in Teheran abgeschossen worden?

Von Peter Haisenko 

Die Rahmenumstände des Absturzes der B 737/800 der ukrainischen Fluggesellschaft „Ukraine International Airlines” nahe Teheran verleiten zu Spekulationen, es handle sich um ein Verbrechen, möglicherweise einen Abschuss. Obwohl die Nachrichtenlage noch sehr dünn ist, halte ich es für angebracht, eine andere Version vorzustellen.

Zunächst stelle ich fest, dass es nahezu unmöglich ist, ein Passagierflugzeug in dieser Flugphase abzuschießen. Man müsste schon jemanden mit einer kleinen Boden-Luft-Rakete im erwarteten Abflugkorridor platzieren, der dann dem abfliegenden Jet die Rakete hinterher schießt. Dieses hitzesuchende Projektil könnte dann einen Motor treffen, was aber kein zwingender Grund für einen Absturz ist. Mit einem Motor kann das Flugzeug weiter fliegen, wenn die Rahmenumstände entsprechend aller Vorschriften gesetzt worden sind. Eine größere, aufwendigere Flugabwehreinrichtung scheidet für diese Flugphase und den Ort aus. Nicht nur wegen der geringen Höhe über Grund, sondern auch, weil es solche Anlagen in dieser Gegend nicht gibt. Wenn, dann befinden sie sich im weiteren Umkreis, um Angriffe aus größerer Höhe weit vor der Stadt abzuwehren. Warum ist es dann überhaupt zu dem Absturz gekommen?

Man fliegt in ein dunkles Loch

Wie gesagt, ist die Nachrichtenlage noch sehr dünn. Dennoch kann ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Kapitän und der speziellen Kenntnis der Teheraner Flughäfen ein Szenario vorstellen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ablauf trifft. Es beginnt damit, dass die geomorphologischen Gegebenheiten um Teheran den Flughafen als nicht einfach zu befliegen bedingen. Teheran liegt auf etwa 1.250 Meter Höhe, oder etwa 4.000 Fuß, was die normale Startleistung schon beeinträchtigt, gegenüber Starts nahe dem Meeresspiegel. Weiterhin ist Teheran umgeben von sehr hohen Bergen, insbesondere Richtung Nord und Ost. Das schränkt die Navigationsmöglichkeiten beim Abflug ein und verlangt besondere Aufmerksamkeit.

Dazu kommt, dass die Nachtsicht – der Start fand im Dunkeln statt – nahezu inexistent ist, denn außerhalb des Stadtgebiets gibt es kaum Lichtquellen. Sobald man eine kurze Distanz abgeflogen hat, erscheint der Boden nur noch dunkel, unsichtbar. Das Video, das den Aufschlag zeigt, ist dementsprechend total dunkel, bis der Feuerschein das Szenario erhellt. Weil mittlerweile bekannt ist, dass die Boeing nach dem ersten Aufprall noch etwa 500 Meter über den Boden geschrammt ist, darf man davon ausgehen, dass sie in flachem Winkel den Boden berührt hat, etwa wie bei einer Landung. Sie ist also nicht „ungespitzt“ in den Boden gerammt. Das deutet wiederum darauf hin, dass sich die Piloten in ihrer Notlage gar nicht bewusst waren, wie nahe sie dem Boden bereits sind und völlig unerwartet Bodenkontakt hatten. Die Bilder zeigen auch, dass das Gelände ein leicht abfallender Hang ist und wäre die Boeing nur wenige hundert Meter weiter links, also hangabwärts, geflogen, hätte der Aufprall möglicherweise vermieden werden können. Das konnten die Piloten in der stockdunklen Umgebung aber nicht erkennen.

Fest steht wohl, dass die ukrainische Boeing nach dem Start einen Motorschaden hatte. Und zwar einen soliden, mit Feuer und Totalausfall. Warum passiert das gerade da? Normalerweise führen moderne Passagierflugzeuge ihre Starts mit reduzierter Leistung aus, wann immer es möglich ist. Das schont den Motor, verlängert seine Lebensdauer und macht einen Schaden beim Start unwahrscheinlicher. Weil aber Teheran schon auf etwa 4.000 Fuß Höhe liegt, müssen die Starts dort öfter mit maximaler Motorleistung durchgeführt werden. Das erhöht die eigentlich sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Motor beim Start zerlegt. In diesem speziellen Fall kommen weitere Faktoren hinzu. Die Maschine war voll besetzt und hatte eine für diesen Flugzeugtyp ziemlich lange Strecke vor sich, eben etwa 2.500 Kilometer bis Kiew. Die geplante Strecke kann aber auch erheblich länger gewesen sein, wenn vermieden werden sollte, durch russischen Luftraum zu fliegen, was wiederum wahrscheinlich ist. So oder so, die Maschine war höchstwahrscheinlich ziemlich voll getankt, was dann schon etwa 20 Tonnen an Treibstoff bedeutet.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Maschine zu viel Gewicht an Bord hatte

An Bord befanden sich 176 Menschen, inklusive Crew. Nach Standardberechnungen sind das dann schon die nächsten 20 Tonnen an Zuladung mit Gepäck. Nun ist es aber so, dass ich aus Erfahrung sagen kann, dass bei Flügen aus diesen Gegenden die Standardwerte selten eingehalten werden. Meist wird mehr Gepäck mitgeführt und manchmal können es auch Luxusausgaben eines mehrbändigen Korans sein, die als Handgepäck mitgeführt werden sollen. Bei einem Hadschflug aus Jedda hatte ich selbst feststellen müssen, dass ich an Bord meiner DC 10 gut zehn Tonnen mehr Ladung hatte, als die Berechnungen erwarten ließen. Ich hatte aber aus Erfahrung damit gerechnet und so keine Probleme. Nun kann man den Flug der ukrainischen Boeing beinahe als „Evakuierungsflug“ bezeichnen, weil viele Menschen die gefährdete Gegend verlassen wollen. Das bedingt wiederum eine erhöhte Gepäckmenge.

Betrachtet man dazu die technischen Daten der B 737/800, ergibt sich folgendes Bild: Leergewicht etwa 41 Tonnen. Treibstoff an Bord etwa 20 Tonnen. Zuladung Passagiere und Gepäck wahrscheinlich mehr als 20 Tonnen. Die Addition ergibt mehr als 81 Tonnen. Die Maximale Startmasse der B 737/800 beträgt 78.245 kg und zwar auf Meereshöhe oder auch sonst günstigen Bedingungen. Diese kleine Überschlagsrechnung zeigt auf, dass dieser Flug an den Grenzen der Leistungsfähigkeit operiert werden musste. Vor allem auch deswegen, weil Teheran eben schon auf etwa 4.000 Fuß Höhe liegt, was die Leistung der Motoren von Haus aus geringer macht als auf Meereshöhe. Es war ein kritischer Start und es kann gut sein, dass die Maschine überladen war, weil die Standardwerte zur Berechnung der Gewichte nicht zutrafen.

Das maximal zulässige Gewicht für die Landung gibt Boeing für die B 737/800 mit 65.317 kg an. Dieser Wert beruht darauf, dass bei höherem Gewicht und Ausfall eines Motors die Leistung für ein Durchstartmanöver nicht mehr ausreicht, wenn die Landeklappen auch nur zur Hälfte ausgefahren sind – wiederum auf Meereshöhe. Die ukrainische Boeing hatte kurz nach dem Start einen Motor verloren, aber natürlich noch das gesamte Startgewicht oder eben möglicherweise sogar etwas mehr als berechnet.

Dass Teheran die Rekorder erst selbst auswerten will, ist nachvollziehbar

Der kurze Flugverlauf bis zum Aufschlag lässt die hohe Wahrscheinlichkeit zu, dass die Landeklappen nach dem Start und Motorausfall noch nicht eingefahren werden konnten, was einer ähnlichen Situation wie dem Durchstarten mit einem Motor entspricht. Allerdings sind die Landeklappen beim Start nicht so weit ausgefahren, wie zur Landung. So ist der Luftwiderstand geringer und man kann das Flugzeug vorsichtig aus dem Gefahrenbereich herausfliegen. Ist die Umgebung flach, ist das kein Problem. Man kann eine Zeit lang auf gleicher Höhe fliegen, knapp über dem Boden, um Geschwindigkeit aufzunehmen, die es erlaubt, die Landeklappen Stück für Stück einzufahren und danach Höhe zu gewinnen. In der Umgebung von Teheran ist man aber mit ansteigendem Gelände konfrontiert, was diesen Flughafen eben zu einem macht, der besondere Aufmerksamkeit verlangt. Es gibt in Teheran spezielle Verfahren, um bei einem Motorausfall eben nicht mit dem Boden zu kollidieren. Wiederum aus Erfahrung weiß ich, dass im Stress eines kritischen Motorausfalls schon mal „vergessen“ werden kann, dieses Verfahren punktgenau abzufliegen und das kann dumm ausgehen.

Wie die Art des flachen Bodenkontakts der Boeing vermuten lässt, haben die Piloten in ihrer verzweifelten Lage genau das versucht: Vorsichtig die Höhe zu halten, vielleicht sogar etwas Höhe aufzugeben, um die Landeklappen einfahren zu können. Mit Sicherheit hatten sie da schon harte Warnungen im Cockpit wegen der zu großen Nähe zum Boden. Rein nach Sicht konnten sie nicht entscheiden, wie nah am Boden sie wirklich waren. Es war stockdunkel, man konnte den Boden nicht sehen. Der Aufschlag hat sie wahrscheinlich überraschend getroffen. Wegen der doch schon ziemlich hohen Geschwindigkeit schlitterten die Trümmer noch etwa 500 Meter weit über den gerölligen Boden mit einigen verstreuten Gebäuden. Das konnte niemand überleben und sowohl das Trümmerbild als auch die vielen Einzelfeuer durch verspritztes Kerosin verleihen diesem Szenario Schlüssigkeit.

Wegen der noch immer dünnen Informationslage erhebe ich nicht den Anspruch, dass es genau so abgelaufen sein muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass es so geschehen ist, halte ich jedoch für sehr hoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Boeing durch einen Waffeneinsatz zerstört worden ist, sehe ich aus oben angeführten Gründen nahe Null. Auch das Argument, es wäre etwas faul, weil Teheran die Flugschreiber nicht sofort an Boeing übergeben will und auch keine Boeing-Leute an der Unfallstelle sind, trifft nicht. Erstens sind die Boeing-Leute Amerikaner, also Feinde und sie müssen von der US-Regierung erst die Genehmigung erhalten, in den Iran zu reisen und zweitens haben die Iraner wohl aus dem Fall MH 17 gelernt, dass nach Belieben die Rekorder-Daten verfälscht werden, wenn es die politische Agenda verlangt. Zudem hat Teheran schon bekanntgegeben, dass sie die Rekorder nach eigener Auswertung an die Ukraine geben werden. Mein Fazit: Nicht alles muss eine Verschwörung sein, auch wenn die Rahmenumstände es leicht machen, das zu vermuten.

Nachtrag:

Ich erachte es als perfide und billig, wenn jetzt Kanada und die USA behaupten, sie hätten Satellitenaufnahmen, die auf einen Abschuss hinweisen. Wie bei MH 17 werden die aber nicht gezeigt. Billig deswegen, weil im Netz schon die Spekulationen über einen Abschuss brodeln. Da ist es einfach, dem mehr Nahrung zu geben, durch eigene und offizielle Spekulationen. Donald Trump hat sich auch sybillinisch ausgedrückt, indem er sagte, dass jemand wohl einen schrecklichen Fehler gemacht habe. Ja, wenn ein Flugzeug abstürzt, hat immer jemand einen schrecklichen Fehler gemacht. Perfide auch deswegen, weil man von einem Fehler spricht, der dann nicht so hart behandelt und untersucht werden muss. Kann ja mal passieren... aber die Schuldzuweisung bleibt bestehen und am Iran hängen, ganz gleich, ob sie wahr ist. Das erinnert dann doch stark an die Vorgehensweise im Fall MH 17. Ich persönlich bleibe dabei, dass ein Abschuss, absichtlich oder aus Versehen, ausgeschlossen werden kann. Militärische Waffen sind nicht dafür konzipiert, Zivilflugzeuge abzuschießen.

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