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Arbeit ist alles
Von Hans-Jürgen Geese
In dem Zeitraum zwischen 1860 und 1920 expandierte der Ausstoß der amerikanischen Wirtschaft um den Faktor zwölf. Dabei hatte sich die U.S. Bevölkerung von 1860 bis 1920 lediglich verdreifacht. Eine Diskrepanz die früher oder später zu Problemen führen musste. Und genau so kam es auch.
Das hatte es in der Geschichte der Menschheit noch nie gegeben: Eine unglaubliche Überproduktion, die verzweifelt nach Konsumenten schrie.
Ein neuer Begriff musste geschaffen werden, um überhaupt in der Lage zu sein, zu beschreiben, was da geschehen war: Der Konsumismus. Der Konsumismus meint eine Kultur, in welcher der Konsum eine bisher nicht gekannte Bedeutung für die Menschen eingenommen hat. Die Subjekte gewinnen Sinn aus dem Konsum, definieren sich über den Konsum und prägen Konsumidentitäten aus.
So weit, so gut. Allerdings muss sich der Konsument diesen neuen Lebensstil auch leisten können. Die älteren Herrschaften unter Ihnen mögen sich an einen Schlager aus den 50er Jahren erinnern: „Wer soll das bezahlen, Wer hat das bestellt, Wer hat so viel Pinke-Pinke, Wer hat so viel Geld?“
Nun, die Amerikaner hatten nicht so viel Geld. Aber das war vorerst auch nicht das eigentliche Problem, denn es war den Amerikanern erlaubt, sich auf diverse Arten und Weisen zu verschulden.
Viel schwieriger war es, die Menschen im Lande zum Konsum zu verführen. Denn die damals noch sehr von ihrem Glauben geprägten Menschen erinnerten sich der Worte in der Bibel, die ein bescheidenes Leben priesen und ein materiell überzogenes Leben verdammten. Aber der Kunst der Werbung gelang es, selbst die konservativen Protestanten in die neu geschaffenen Warenpaläste zu locken.
Alle Welt schaute nach Amerika. Das Paradies auf Erden. Nur wenige helle Köpfe schrien entsetzt auf, denn wenn die Produktion stieg und stieg, die Einkommen der Bevölkerung jedoch nur relativ gering zunahmen, wie sollte das denn enden?
Wir erinnern uns: An dem berühmten Schwarzen Freitag, dem 25. Oktober im Jahre des Herrn 1929, geschah der verheerendste Börsencrash in der Geschichte. Zuerst breitete sich Panik aus. Dann die Armut. Dabei war doch wohl eigentlich vorhersehbar gewesen, dass eine Wirtschaft, die auf Spekulation, auf Schulden, auf ansteigenden Zinsen, auf Überproduktion aufgebaut war, irgendwann zusammenbrechen musste. So konnte das doch einfach nicht weitergehen.
War die Weltwirtschaftskrise 1929 ein Einzelfall?
Merke: Der Ursprung unserer Wirtschaftsweise stammt von der Logik der industriellen Revolution, die einen gigantischen Anstieg der Produktion ermöglichte. Diese erhöhte Produktion konnte und kann aber nur verkauft werden, wenn auch eine Revolution im Konsum stattfindet. Dazu war es notwendig, einen neuen Menschen zu schaffen. Man muss das so klar sagen.
Die Ironie, die in diesem Phänomen steckt, ist ja doch wohl, dass nach dem Börsencrash die Produktion problemlos hätte weiterlaufen können. Aber das tat sie nicht, denn die Produktion im Kapitalismus hängt völlig vom Geld ab. Kein Geld, kein Brot. Obwohl das Brot natürlich hätte hergestellt werden können.
Der liebe Gott hatte doch nicht plötzlich gestreikt. Wie war es also überhaupt möglich, dass auf einmal die Konsumenten hungerten? Von Mitleid und Liebe zum Nächsten keine Spur im viel gepriesenen Kapitalismus? Nicht einmal vom gesunden Menschenverstand. Der blieb schlicht und einfach auf der Strecke.
Jeder Psychiater wird bescheinigen: Das Verhalten „Von Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ beschreibt eine innewohnende Instabilität. Was auf einen kranken Menschen zutrifft, trifft auch auf eine kranke Wirtschaftsform zu.
Zudem: Wenn der Mensch sich vor allem durch seinen Konsum definiert, dann wird er als ein menschliches Wrack enden: Viel haben, nichts sein. Schauen Sie sich um. Was sehen Sie? Ein Leben ohne Sinn. Ein Leben ohne Göttlichkeit.
Der Konsumwahn
Der amerikanische Autor Patrick Grant hat in seinem Buch „Less“ (Weniger) ein paar Zahlen zusammengetragen, die einen Einblick in die Welt des Konsumwahns erlauben:
Der Durchschnittsmensch besitzt heute etwa fünfmal mehr Kleidung als vor 50 Jahren. Ungefähr 100 Billionen Kleidungsstücke werden weltweit hergestellt. 30 % davon werden nicht einmal verkauft. Eine gigantische Überproduktion.
Der Konsum heute ist zur Unterhaltung oder gar zur Sucht verkommen. Dank diesem Teufelswerkzeug, das sich Handy nennt. Man kann ja inzwischen fast alles online erledigen. Auch den Konsum.
Beispiel: Die Modehäuser Zara, H&M und andere bieten jeden Monat 2.000 neue Varianten ihrer Kleidungsstücke an. Online. 2.000! Jeden Monat.
Aber das ist nichts, verglichen mit dem, was das chinesische Modephänomen Shein herausbringt: 4.000 Varianten. Nicht jeden Monat. Nicht jede Woche. Jeden Tag! Und Shein ist inzwischen bereits von dem Phänomen Temu übertroffen.
In den U.S.A. kommen etwa 30 % aller eingehenden Pakete von Shein und Temu. Präsident Trump wird also alle Hände voll zu tun haben, seine Amerikaner wieder auf den Pfad der Tugend zu führen. „Made in America“ ist sein Motto.
Der Wahnsinn kennt keine Grenzen: Es gibt inzwischen Konsumenten, die ein Kleidungsstück lediglich ein einziges Mal tragen. Und es dann wegwerfen.
Ein internationales Phänomen dieser Konsumwahn. Seit über 100 Jahren. Die tollen oder goldenen zwanziger Jahre in Deutschland im letzten Jahrhundert waren durch Schulden finanziert. Als die Amerikaner dann ihr uns geliehenes Geld zurückforderten brach das schöne Haus der Illusionen zusammen. Die goldenen 20er Jahre waren eben doch nicht golden, sondern ein gigantischer Betrug. Manipuliert. Eine Katastrophe. In dem darauf folgenden Chaos konnten Ausländer, vor allem eine bestimmte Gruppe von Ausländern, Deutschland für einen Appel und ein Ei kaufen. Und so geschah es auch.
Der Aufschrei der Vernunft damals und heute
Die Kapitalismuskritik ist so alt wie der Kapitalismus selbst. Dabei begann doch alles so positiv. Denn niemand beschwerte sich im 18. Jahrhundert, dass die Maschinen den Menschen dienten. Aber als die Maschinen selbst den Produktionsprozess bestimmten und der Mensch allmählich, mehr und mehr, den Maschinen diente, da begann der Mensch, sein Menschsein zu verlieren.
Noch dazu kam, dass der Produktionsprozess dahin verlagert wurde, wo die Produktionskosten am niedrigsten waren. Arbeitslosigkeit in den angestammten Industrieländern war und ist die Folge. Es ging und es geht nicht mehr um die Menschen. Es ging und es geht nur noch um Geld. Um Geld. Warum?
Noch einmal: Weil im Kapitalismus das Kapital bestimmt was wann und wo passiert. Das eingesetzte Kapital muss sich maximal verzinsen. Darum allein geht es. Der Mensch wird dabei dem Kapital untergeordnet. Das muss so sein. Das liegt in der Logik des Kapitalismus. Daher:
Je mehr produziert wird, desto besser für das eingesetzte Kapital. Je billiger produziert wird, desto besser für das eingesetzte Kapital. Je mehr Macht die Kapitalisten allgemein in der Gesellschaft haben (und je weniger Macht die Arbeiter haben), desto mehr Einfluss haben sie auf die Produktionsprozesse, auf die notwendige Infrastruktur, auf die Versteuerung und Kontrolle ihres Gewinnes, auf die Politiker. Alles und Jeder soll und muss dem Kapital dienen.
Das Märchen vom Markt
Um die Menschen zu verdummbeuteln und von den wahren Machtverhältnissen abzulenken wurde die Fiktion vom „Markt“ geschaffen, der, neutral und gutmütig, wie durch Magie, alle Abläufe in der Wirtschaft gerecht und optimal regelt. So kam es zur weit gepriesenen Marktwirtschaft, einem angeblichen Kompromiss, vor allem in Europa, der über lange Zeit tatsächlich wohlwollend daherkam.
Bis sich endlich durchsetzte, was in der Logik der Marktwirtschaft eingebettet ist: Die Marktkonzentration in vielen Marktsegmenten weitete sich aus zur Marktbeherrschung und damit zur Aushebelung der einst gepriesenen Mechanismen der glorreichen Marktwirtschaft. Geld regiert heute die Welt. Gnadenlos. Genau gesagt: Falschgeld regiert die Welt, denn das Falschgeld, aus dem Nichts geschaffen, hat quasi per Parlamentsbescheid magische Eigenschaften verliehen bekommen, will sagen, mit Falschgeld kann alles gekauft werden, was auf den Markten verfügbar ist. Sogar Land. Sogar Regierungen. Eigentlich alles.
Nicht die produzierenden Menschen sind die Helden der Gesellschaft, da sie das Überleben der Gesellschaft sichern. Die Kapitalisten sind die Helden, die nichts weiter schaffen als Falschgeld dort einzusetzen, wo sie den höchsten Gewinn erzielen. Der Kapitalismus hat die Gesetze der Natur pervertiert und wird in seiner Logik diese Welt vernichten. Denn Kapitalismus bedeutet Krieg. Immer.
Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich
Schon vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges erkannte der französische Sozialist Jean Jaures: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“
Warum? Nun, kapitalistische Konkurrenz, Profitstreben und der Kampf um Märkte, Rohstoffe, Einflusssphären führen zwangsläufig zu kriegerischen Konflikten. Dazu kommt noch, dass die riesigen, privaten Rüstungsunternehmen ein geradezu natürliches Interesse an der Schaffung immer neuer Kriege haben. Ohne neue Kriege würden sie Pleite gehen. Ergo: Alle Rüstungsunternehmen müssten unbedingt der totalen Kontrolle der Gesellschaft unterliegen.
Vor allem aber müssten alle Banken, die Geldgangster, unter die totale Kontrolle der Gesellschaft gelangen. Privatbanken gehören verboten. Und alles Land, alles Land gehört der Gemeinschaft, wird dem Einzelnen und den Familien, je nach Bedarf, für eine gewisse Zeit zugeteilt. Abgesehen davon gilt Privateigentum.
Die eigentlichen Ursachen des Krieges müssen ein für allemal ausgerottet werden, denn es ist abzusehen, dass die Kriege immer tödlicher werden und demnächst völlig außer Kontrolle geraten könnten, so, dass alles Leben auf Erden vernichtet sein wird.
Trotzdem werden noch immer Kapitalismus und Marktwirtschaft verherrlicht, noch immer werden sie als alternativlos der Bevölkerung vorgeführt, obwohl das Elend in den kapitalistischen Ländern doch vor aller Augen sichtbar ist.
Kapitalismus führt in die Plutokratie
Plutokratie bedeutet Herrschaft des Geldes. Herrschaft des Geldes bedeutet letztendlich Versklavung der Menschen. Dieser Prozess läuft momentan sehr eindrucksvoll und gnadenlos ab. Oder etwa nicht? Die Reichen werden reicher, der Mittelstand und die Armen werden ärmer. Dieser Prozess lässt sich nicht durch das geliebte Wirtschaftswachstum umdrehen oder zumindest zum Stoppen bringen. Über die letzten 50 Jahre hat sich diese Absicht als unerfüllbar erwiesen. Warum sollte sich in Zukunft etwas daran ändern? Die Zeit der leeren Versprechungen ist vorbei. Ein wirklich radikaler Wandel muss eintreten.
Der Mensch als Mittelpunkt allen Wirtschaftens
Als der Crash im Jahre 1929 geschah kam in manchen Kreisen Hoffnung auf, dass jetzt die Menschen aus dem Würgegriff des Kapitalismus und des Konsumismus befreit seien und sich wieder auf die wesentlichen Werte des wahren Menschseins besinnen würden: Familie, Gemeinschaft, Kunst und Kultur, Erfüllung in kreativer Arbeit, Gerechtigkeit, Gnade, Mitleid, Integrität, Wahrheit, Recht. Die Dinge dienen den Menschen. Nicht umgekehrt. Die Dinge dürfen sich doch nicht verselbständigen, nur um einen Mehrwert an Geld für ein paar kranke Menschen zu schaffen, die dann mit der Macht von diesem Geld unsere Welt zerstören.
Die Befreiung des Menschen muss dadurch geschehen, dass er von seiner Arbeit unabhängig leben kann und in eben jener Arbeit einen Teil der Erfüllung seines Daseins auf Erden erfährt. Es muss ihm dazu noch genug Zeit bleiben, anderen Interessen nachzugehen. Und auch genug Zeit, um der Gemeinschaft zu dienen.
Bereits vor hundert Jahren wurde die Logik des Produktionsfortschrittes erkannt und vorhergesagt, dass die Menschen in Zukunft zwangsläufig weniger arbeiten werden. Das ist so simpel, dass ein 10jähriger Mensch zu dieser Schlussfolgerung gelangen kann. Warum also geschieht nicht, was doch eigentlich geschehen müsste? Weil die Menschen vor allem für den Vorteil anderer arbeiten.
Der Schlüssel zum Glück liegt in der Bildung und Ausbildung
Jeder Mensch, jeder Mensch wird auf Erden mit einer besonderen Begabung geboren. Diese Begabung zu erkennen ist Aufgabe der Eltern und der Lehrer. Sobald diese Begabung identifiziert ist, wird sie gefördert. Dadurch erlebt sich der junge Mensch als ein erfolgreicher Mensch. Sein Selbstvertrauen in sich selbst und in diese Welt wächst. Und er erkennt letztendlich, welchen Beitrag er zum eigenen Glück und zum Glück der Gemeinschaft leisten kann.
Arbeit ist alles. Wahre Arbeit. Nicht der Schwachsinn, der heutzutage gemeinhin als Arbeit gilt, Tätigkeiten, die nur geschaffen wurden, um die Menschen unter Kontrolle zu halten und um sie finanziell auszubeuten.
Die Gemeinschaft muss sich wieder auf sich selbst besinnen und sich selbst organisieren. Sie muss die Prinzipien der Nachhaltigkeit pflegen und in dem höchst möglichen Maße autark werden. Was mit den Händen geschaffen werden kann, das wird mit den Händen geschaffen.
Es geht um Qualität. Natürlich unter Berücksichtigung der Segnungen in der Produktion, die uns tatsächlich manche Technologien gegeben haben. Aber immer muss der Mensch im Mittelpunkt stehen: Der einzelne Mensch als Individuum und als Mitglied der Gemeinschaft. Und es soll geschehen im deutschen Geist.
Ein kreativer Mensch ist ein glücklicher Mensch. Eine Gemeinschaft von kreativen Menschen ist eine glückliche Gemeinschaft. Ja, so einfach.
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Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, das den Menschen dient, nicht dem Kapital. Wie sollte man so ein Modell nennen? „Die Humane Marktwirtschaft“. Und zwar, weil es ein Modell ist, das dem Humanismus verpflichtet ist. Ohne Wenn und Aber. Ein Modell, in dem nicht mehr maximaler Gewinn das Ziel ist, sondern maximal möglicher Wohlstand für so viele wie möglich. Das geht aber nur, wenn das gesamte System von Grund auf neu aufgestellt wird. Das beginnt mit der Wertaufbewahrung, die dem Geldumlauf kein Geld entzieht. Alles, was gespart wird, muss sofort wieder in den Umlauf fließen. So bleibt kein Geld übrig für die Bildung irrsinniger Kapitalmengen, die auch noch zur Kriegsführung missbraucht werden. Das ist unmöglich? Das ist Sozialismus? Lesen Sie „Die Humane Marktwirtschaft“ und Sie werden erkennen können, dass „Die Humane Marktwirtschaft“ kein unmögliches Hirngespinst ist und nichts mit Sozialismus zu tun hat. Bestellen Sie Ihr Exemplar direkt beim Verlag hier oder erwerben Sie es in Ihrem Buchhandel.
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Ist es nicht beeindruckend, wie Hans-Jürgen Geese vom anderen Ende der Welt die Lage auch in Deutschland treffend analysiert? Da können wir Ihnen nur empfehlen, das Werk desselben Autors zu genießen. Mit dem Titel „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ spannt Geese den Bogen von Neuseeland zu Deutschland. Seine messerscharfen Analysen zeigen auf, wie die Bürger weltweit von den immer gleichen Akteuren mit den immer gleichen Methoden unterdrückt und ausgebeutet, ja zu Sklaven gemacht werden. Täuschen Sie sich nicht. Was Geese in Neuseeland wie unter dem Brennglas aufzeigt, findet auch in Deutschland statt. Es ist nur nicht so leicht zu erkennen. „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ ist erhältlich im Buchhandel oder bestellen Sie Ihr Exemplar direkt beim Verlag hier.
Hier können Sie eine Rezension zu diesem Werk ansehen:
https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2020/ausverkauf-vom-traum-neuseeland-wie-ein-bluehendes-land-verramscht-wurde/






