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Die Palaver-Runden in Davos sind zu Ende – die sozialen Ungerechtigkeiten auf der Welt gehen weiter

Von Hubert von Brunn

Alle Jahre wieder versammeln sich die Mächtigen dieser Welt – Staatenlenker, Wirtschaftsbosse, Topmanager – zum viertägigen (Ober-)Klassentreffen im Schweizer Luftkurort Davos. Unter dem Etikett „Welt-Wirtschaft-Forum“, das Seriosität und harte Arbeit vermitteln soll, verabredet man sich zum Dinner in einem sündhaft teuren Restaurant, zum Cocktail in einer schicken Bar und plaudert in entspannter Atmosphäre ein wenig miteinander. Natürlich gibt es auch Veranstaltungen, bei denen sich Redner mit großen Namen zu Wort melden und, wie unsere Kanzlerin, jede Menge leeres Stroh dreschen. Verlässliche Aussagen, welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden, um den sich verschärfenden sozialen Ungerechtigkeiten auf der Welt zu begegnen – Fehlanzeige!

Noch vor der offiziellen Eröffnung der gigantischen Show nahm IWF-Chefin Christine Lagarde eine Einschätzung der Weltwirtschaft vor und verkündete vollmundig: „Alle Zeichen deuten auf Wachstum hin“. Neben Japan, Korea und den USA hob Frau Lagarde auch Deutschland lobend hervor, das in diesem Jahr mit 2,3 Prozent einen halben Prozentpunkt stärker zulegen werde als bisher prognostiziert. Na ist das nicht großartig? Darüber dürfen wir uns doch freuen. Wenn die Wirtschaftsleistung wächst, dann haben wir doch alle was davon. Alle? – Weit gefehlt. Eine Umfrage im Vorfeld des Davoser Treffens durch die Beratungsfirma PWC hat ergeben, dass auch eine ganze Reihe von Topmanagern sich inzwischen die Frage stellt: „Was bringt das ganze Wachstum?“ Und PWC-Deutschland-Chef Norbert Winkeljohann hat in dem Kontext auf den wachsenden Widerspruch zwischen „ökonomischen Erfolgen“ und „gesellschaftlichem Nutzen“ hingewiesen.

Dieser Widerspruch wird offenkundig, wenn man sich ein paar nüchterne Zahlen ansieht. Die aktuelle Studie der Hilfsorganisation Oxfam, für die der Weltvermögensbericht der Schweizer Bank „Credit Suisse“ und Daten des Magazins „Forbes“ herangezogen wurden, zeigt, dass die Schere von Arm und Reich auf der Welt immer schneller, in immer extremerem Ausmaß auseinandergeht. So gingen 82 Prozent des globalen Vermögenswachstums im vergangenen Jahr an das eine (!) wohlhabendste Prozent der Menschheit. Die Hälfte der Weltbevölkerung – also 3,7 Milliarden Menschen – hat von dem Wirtschaftswachstum überhaupt nichts mitbekommen und ging völlig leer aus. Noch ein ernüchternder Vergleich: Das wohlhabendste Hundertstel der Menschheit besitzt mehr als die übrigen 99 Prozent zusammen. Diese Zahlen sind eine schallende Ohrfeige für die in Luxus gebetteten Teilnehmer der Laberrunden in Davos und Hummer und Austern hätten ihnen im Hals stecken bleiben müssen. Aber wenn man mit genügend Champagner nachspülen kann, lässt sich das vermeiden.

Der gnadenlose Turbokapitalismus fördert auch die Politikverdrossenheit

Ein Grund für wachsende Ungleichheit, so die Studie, ist der steigende Druck der Unternehmen, die Dividende für Aktionäre zu erhöhen. Um dies zu erreichen, würden Kosten gesenkt, vor allem, indem schlechtere Löhne gezahlt werden. Ich füge hinzu: Und um des Profites Willen, indem unter Vernachlässigung jeglicher sozialen Verantwortung Steuervermeidungs-Strategien gefahren werden, ohne Rücksicht auf die Würde des Arbietnehmers (siehe Siemens: https://www.anderweltonline.com/wirtschaft/wirtschaft-2018/siemens-unternehmenspolitik-vom-feinsten-entlassungen-in-deutschland-neue-fabriken-in-den-usa-donald-trump-ist-zufrieden/). Dieser gnadenlose Turbokapitalismus der Konzerne fördert auch die Politikverdrossenheit derer, die noch nicht ganz am unteren Ende der sozialen Leiter angekommen sind. Diesbezüglich stellt der Leiter der Oxfam-Kampagne, Jörn Kalinski, fest: „So trägt Ungleichheit dazu bei, dass auch Menschen in der Mitte der Gesellschaft, die nicht von Armut betroffen sind, sich zunehmend von sozialem Abstieg bedroht oder von der Gesellschaft nicht anerkannt fühlen“. Recht hat er, der Herr Kalinski.

Wenn bei Menschen, die Tag für Tag zur Arbeit gehen, brav ihre Steuern zahlen und sich nichts zuschulden kommen lassen das Gefühl entsteht, dass sie sich noch so abstrampeln können, ohne dass je eine spürbare Verbesserung ihrer finanziellen Situation erkennbar wird, dann steigen sie irgendwann mental aus. Wenn sie erleben, dass sie dank „kalter Progression“ und Null-Zins-Politik bei gleichzeitig steigenden Mieten, Gebühren und Lebenshaltungskosten nie auf einen grünen Zweig kommen werden, dann verlieren sie den Glauben an die Politiker-Phrasen von „sozialer Gerechtigkeit“. Wenn sie die Erfahrung gemacht haben, in schlechten Zeiten auf Lohnerhöhung, Weihnachtsgeld Urlaubsgeld etc. verzichtet zu haben, aus Solidarität zu ihrem Unternehmen, jetzt aber, wo es brummt, bestenfalls mickrige Krümel vom großen Kuchen abbekommen, während sich die Bosse immer fettere Boni zuschieben – dann vergeht ihnen die Freude an der Arbeit. Die Motivation ist hin und demotivierte Mitarbeiter können zum Problem werden. Das werden manche Unternehmen noch zu spüren bekommen.

45 Deutsche besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung

Sehen wird uns doch einmal die Zahlen der Oxfam-Studie für Deutschland an. Der zufolge beträgt das Vermögen der 45 (!) reichsten Deutschen so viel wie das der ärmeren Hälfte der Bevölkerung – also immerhin rd. 41 Millionen Menschen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis und beziffert das Vermögen jener 45 superreichen Haushalte auf 245 Milliarden Euro. Auch bei uns geht die Schere von Arm und Reich immer weiter auseinander. So sind die Einkommen der ärmsten 40 Prozent der Deutschen seit der Jahrtausendwende laut Oxfam „deutlich gesunken“, während die der oberen zehn Prozent „deutlich überdurchschnittlich“ gewachsen seien. Schließlich kommen die Autoren der Studie zu dem wenig schmeichelhaften Schluss, dass Erfolgsfaktoren wie Geschäftstalent, harte Arbeit und Risikobereitschaft nur einen sehr kleinen Teil der aufgezeigten Diskrepanz erklären. Vielmehr entstünden extrem große Vermögen häufig aus Monopolen, Vetternwirtschaft und gigantischen Erbschaften. Fazit: Von der boomenden Wirtschaft profitieren letztlich nur diejenigen, die bereits extrem gut situiert sind.

Also weiterhin großartige Aussichten für die arbeitende Bevölkerung in unserem Land (siehe oben). Und angesichts dieser katastrophalen sozialen Ungerechtigkeiten auf der Welt und in Deutschland, stellt sich Frau Merkel in Davos hin und gibt so unglaublich geschwurbelten Schwachsinn von sich wie: „…wir glauben, dass dann, wenn wir untereinander der Meinung sind, dass die Dinge nicht fair zugehen, dass die Mechanismen nicht reziprok sind, dass wir dann multilaterale Lösungswege suchen sollten und nicht unilaterale…“ Dann setzt Rauten-Angela noch eins drauf und verkündet: „Die Frage, was kann ich jetzt noch verteilen und was investiere ich in die Zukunft, beschäftigt uns zum Teil sehr in unseren Gesprächen. Wir wissen, wenn wir das Wohlstandsversprechen für alle in der Zeit der Digitalisierung leisten wollen – auch für unsere Menschen in Deutschland – dann bedeutet das, wir brauchen eine soziale Marktwirtschaft 4.0, nicht nur eine Industrie 4.0.“

Wer keine Vision hat, kann die Welt nicht verändern

Ich erspare es mir und unseren Lesern, diese inhaltslosen Worthülsen zu analysieren und zu interpretieren. Möge sich ein jeder seinen eigenen Reim darauf machen. So viel sei aber schon noch dazu gesagt: Anstatt die Gelegenheit zu nutzen und an der Stelle, wo sich gerade mal wieder ein Großteil der Oberkapitalisten ein Stelldichein gibt, ein klares und unmissverständliches Statement abzugeben zugunsten der Bürger, die sie regieren will und gegen die Kapitalisten, die ihre Politik bestimmen, ergeht sich Frau Merkel in wachsweiche Formulierungen, die inhaltlich wie sprachlich ein einziges Armutszeugnis darstellen.

Der Turbokapitalismus frisst die Menschen und ruiniert die Welt und wenn wir nicht entschieden dagegen halten, werden wir alle in einer Katastrophe von ungeahntem Ausmaß enden. Wir müssen umkehren, sofort, und dürfen nicht länger die Gewinnmaximierung in den Mittelpunkt unserer Politik stellen, sondern das Wohlergehen der Menschen.’ – In diese Richtung hätte die vermeintlich mächtigste Frau der Welt argumentieren und gleich einen Katalog mit konkreten Maßnahmen nachlegen müssen. Das hätte ihr vielleicht wieder einen gewissen Respekt eingebracht. Aber wer keine Visionen hat, kann die Welt nicht verändern. So gesehen passen Merkel und Schulz ja bestens zusammen.

Das (Ober-)Klassentreffen in Davos ist zu Ende, Donald Trumps Begleitarmee ist abgezogen, ebenso wie die Scharfschützen auf den Dächern, der Schnee schmilzt und die Einheimischen atmen auf. Im nächsten Jahr geht der Zirkus wieder los, mit gleichen oder vergleichbaren Artisten, die wieder leeres Stroh dreschen und alles wird mehr oder weniger so sein wie dieses Mal, nur mit dem kleinen Unterschied: Die Reichen werden dann noch reicher, die Armen noch ärmer geworden sein. Das werden die Mächtigen dieser Welt so lange treiben, bis die Bombe platzt. Und sie wird platzen, das ist sicher!


Es gibt ein klar durchdachtes und in sich schlüssiges Konzept einer anderen, einer besseren Welt. Die Humane Marktwirtschaft nach Haisenko/von Brunn setzt klare Vorgaben, wie dem Turbokapitalismus Einhalt geboten werden kann, wie ein lebenswertes und zufriedenes Leben für ALLE Menschen möglich ist, wenn man nicht nur dumm daher schwafelt, sondern das Übel an den Wurzeln packt und überkommene Strukturen radikal verändert. Das Buch ist gewissermaßen eine Gebrauchsanweisung dafür, was zu tun ist, um die unweigerlich auf uns zukommende Katastrophe vielleicht doch noch zu verhindern. Viele, viele Leser haben uns das bestätigt. Überzeugen Sie sich selbst… „Die Humane Marktwirtschaft“ nach Haisenko/ von Brunn ist erhältlich im Buchhandel oder direkt zu bestellen beim Verlag hier.

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