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Die Übermacht des Kapitals oder: Wie viel ist „viel Geld“ wirklich?

Von Peter Haisenko 

Das Durchschnittseinkommen beträgt in Deutschland etwa 40.000,- € pro Jahr. Wer über 100.000,- €/Jahr verfügen kann, zählt bereits zu den oberen drei Prozent und wer damit nicht auskommt, macht etwas falsch. Eine Milliarde sind 1.000 Millionen. Das lernt man schon in der Schule, aber wer kann schon bei so vielen Nullen abschätzen, was eine Milliarde wirklich bedeutet?

In den Meldungen über Staatsausgaben oder Bankenrettungen wird nicht mehr über Millionen gesprochen, sondern nur noch über Milliarden. Galt vor noch nicht allzu langer Zeit ein Millionär als „gemachter Mann“, wird heute in Geldkreisen eher darüber gelächelt und ein arroganter Bankster hat einige Milliarden schon mal als „Peanuts“ bezeichnet.

War der Preis für eine Unze Gold bis 1971 mit 35 Dollar fixiert, liegt er heute über 1.000 und war auch schon einmal bei knapp 2.000. Während jemand in Deutschland als arm gilt mit einem Jahresbudget von etwa 10.000,- € – dem aktuellen Gegenwert von etwa zehn Unzen Gold oder 310 Gramm – wird der Bestand an Gold im Privatbesitz in Deutschland für das Jahr 2017 mit etwa 9.000 Tonnen angeben. Das ist mehr, als jeder Staat besitzt, entspricht aber nur dem Gegenwert von etwa 31 Milliarden € = 31.000.000.000,- €. Vergleicht man diese Rekordsumme mit dem, was für Bankenrettungen ausgegeben wird, nämlich dreistellige Milliardensummen, wird sichtbar, dass der Umgang mit Geld völlig von der Realität abgekoppelt ist.

Durch anständige Arbeit kann niemand Milliardär werden

Zurück zur Realität. Wer eine Million auf dem Konto hat, kann davon 20 Jahre leben, wenn er 50.000 pro Jahr verbraucht. Ohne Inflation, aber darüber später mehr. Gibt er 100.000 pro Jahr aus, reicht es immer noch für zehn Jahre und mit diesem durchaus komfortablen Wert werde ich die weiteren Betrachtungen fortführen. Wer also eine Milliarde sein eigen nennt, könnte 10.000 (zehntausend!) Jahre lang jedes Jahr 100.000 € ausgeben oder 274,- € Tag für Tag. Selbst wenn er jedes Jahr eine Million verbrauchte, oder 2740,- € täglich, reicht sein Bestand immer noch für 1.000 Jahre, ohne Zinseinnahmen. Erhält der Milliardär nur ein Prozent Zinsen – das Drei- bis Zehnfache könnte es sein – dann kann er zehn Millionen pro Jahr oder 27.400,- täglich ausgeben, ohne die Milliarde überhaupt angreifen zu müssen.

Die Reichsten dieser Welt nennen aber zweistellige Milliardenbeträge ihr Eigen und können so mit nur einem Prozent Zinsertrag jeden einzelnen Tag mehr als 300.000,- ausgeben und das ist schlicht unmöglich. Beträgt der Zins drei oder mehr Prozent, stehen schon mehr als eine Million für jeden Tag zur Verfügung, wiederum ohne die Substanz zu verkleinern. Ich denke, diese Zahlenspiele reichen aus, um zu verdeutlichen, was der Besitz von einer Milliarde oder mehr tatsächlich bedeutet. Es geht mir hier nicht darum, Neid oder Missgunst zu schüren, sondern lediglich zu verdeutlichen, wie weit sich die „Finanzwirtschaft“ vom realen Leben entfernt hat.

Auf der anderen Seite geht es aber auch darum festzustellen, dass der Besitz von einer Milliarde oder mehr nicht durch anständige Arbeit entstanden sein kann. Wer „nur“ eine Milliarde angehäuft hat, müsste theoretisch 1.000 Jahre lang jeden Tag Arbeit geleistet haben im Wert von 2.740,- €. Ohne Feiertage. Oder, auf eine durchschnittliche Lebensarbeitszeit von etwa 50 Jahren umgerechnet, jeden Tag 54.795,- €. Bei zweistelligen Milliardenvermögen wäre jeder Arbeitstag mit 500.000 bis zu einer Million vergütet worden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Arbeitskraft einer Person so viel wert sein kann.

Ein gigantischer Systemfehler macht jeden Bürger zum Schuldner

Unsere Finanzwelt ist völlig aus den Fugen geraten. Es gilt die Regel: Wer arbeitet, hat keine Zeit zum Geldverdienen. Geld ist Handelsware geworden und das widerspricht dem Grundprinzip des Geldes, das nur Tauschmittel sein sollte. Im weltweiten Geldumlauf wird täglich 100 Mal mehr Geld bewegt als für den Austausch von Waren oder Dienstleistungen nötig wäre. In diesen gigantischen Summen, die sich jenseits jeglicher Realität bewegen, kann jeder Betrug, auch der größte, bequem versteckt werden. Irgendwo in diesem Finanznirwana sind denn auch die deutschen Außenhandelsüberschüsse „verschwunden“ und niemand kann sagen, wohin. (Siehe hier) Natürlich stehen diesen Summen auch entsprechende Schulden gegenüber, auch und vor allem Staatsschulden, von denen wiederum niemand benennen kann, wem diese eigentlich geschuldet sind. Man bedenke, was offizielle 2.000 Milliarden deutsche Staatsschulden wirklich bedeuten.

Analog zur obigen Rechnung hier die Umkehr: Etwa 40 Millionen deutsche Beschäftigte haben über die Staatsverschuldung statistisch gesehen Schulden in Höhe von je 50.000,- €. Das heißt, dass jeder Arbeitnehmer ein ganzes Jahr und länger ohne Lohn arbeiten müsste, um diese Schulden zu begleichen. Oder anders herum, hat jeder deutsche Arbeitnehmer auf Kredit konsumiert im Wert eines Arbeitsjahres. Weil aber Deutschland mit seinem Außenhandelsüberschuss keine Auslandsschulden haben kann muss die Frage gestellt werden, wem dieses Geld geschuldet wird. Darauf gibt es keine schlüssige Antwort, ebenso wenig auf die Frage, wer denn die Arbeit geleistet haben soll, die konsumiert wurde. Ja, wer, wenn nicht er selbst!? Und dafür schuldet er jemandem etwas? Es kann sich nur um einen gigantischen Systemfehler handeln.

Wer das Geld beherrscht, kann die ganze Welt beherrschen

Doch jetzt zur Inflation. Inflation verringert Geldvermögen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Geld an sich ist nur etwas wert, solange jemand anderes bereit ist, dafür Arbeit zu verkaufen. Geld als solches ist nichts wert und genau hierin liegt ein Problem. Der Wert des Geldes ist ein Versprechen, das jederzeit gebrochen werden kann. Viele Hyperinflationen geben hierfür Beweis. Das bedeutet, dass auch die größten Geldvermögen jederzeit annulliert werden können. Nicht ohne Grund legen Vermögende ihr Geld in soliden Sachwerten wie Immobilien an. Genau aus diesem Grund findet seit vielen Jahren ein Ausverkauf deutschen Immobilienbestands an angelsächsische, chinesische und arabische Kapitaleigner statt. Mit Geld, das aus dem Nichts geschöpft worden ist. Auf diese Weise werden Milliardenvermögen vor der Gefahr der totalen Geldentwertung bewahrt. Ein ungeheuerlicher Betrug am einfachen Bürger, der selbst keine Chance hat, an diesem Monopoly teilzuhaben.

Viel Geld ist also wirklich viel und es ist so viel, dass damit ganze Staaten, ja die ganze Welt beherrscht werden kann und wird. Henry Kissinger hat es deutlich formuliert: „Wer das Geld beherrscht, kann die ganze Welt beherrschen.“ Aber was wird sein, wenn das System zusammenbricht? Wird die Welt dann untergehen? Sicher nicht. Machen Sie doch zum Jahresausklang ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn zum 1. Januar 2018, null Uhr, alle Geldvermögen und Schulden annulliert würden? Würde irgendetwas, was wir täglich brauchen, von dieser Welt verschwinden? Würde es der Durchschnittsbürger überhaupt bemerken? Manche Staaten haben während der letzten 100 Jahre einfach erklärt, dass sie ihre Schulden nicht zurückzahlen werden. Sind diese Staaten deswegen vom Globus verschwunden? Oder ist der Rest der Welt deswegen untergegangen?

Die Finanzwelt braucht einen vollständigen „Reset“

So, wie Milliardenvermögen nicht vom Individuum verbraucht werden können, können auch die absurd hohen Staatsschulden niemals zurückgezahlt werden. Die Summen sind einfach jeglicher Realität entrückt. Die (Finanz-)Welt braucht einen „Reset“! Die Geldwirtschaft, der Umgang mit Geld, muss nach dem Reset komplett neu aufgestellt werden mit Regeln, die zuverlässig verhindern, dass sich erneut irrsinnige, schädliche Geldvermögen bilden können, die ein vernünftiges und ökologisch verantwortungsvolles Leben konterkarieren. Dass ein Reset früher oder später unumgänglich sein muss, dürfte jedem klar sein. Also lieber früher als später, denn dann besteht noch die Chance, dass es ohne Blutvergießen abläuft.

Allerdings sollte man sich bereits vor dem Reset Gedanken darüber machen, wie ein Finanz- und Wirtschaftssystem dann aussehen sollte. Das haben wir getan und mit unserer „Humanen Marktwirtschaft“ nach Haisenko/von Brunn erstmals ein vollständig durchkonstruiertes System vorgestellt, das alle Fehler der Vergangenheit unmöglich macht und sogar einen sanften Übergang beschreibt. Überzeugen Sie sich selbst wie es möglich sein kann, ohne blutige Revolution und ohne jemandem etwas zu schenken oder wegzunehmen – außer dem obersten nullkommaeinen Prozent der Milliardäre, die ihr Geld sowieso nicht zu Lebenszeiten verbrauchen können.

Das Buch dazu ist erhältlich in Buchhandel oder man kann es direkt beim Verlag bestellen hier.

Über Goldreserven und das "Verschwinden" der deutschen Außenhandelsüberschüsse berichte ich hier: Wie sind die deutschen Goldreserven entstanden, und warum haben wir heute so wenig davon?

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