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G‘schichtn aus‘m Nachbargartn – Folge 39
Abwegiges – Schwurbeleien - Unsinn
Eine Satire von Werner Roth
Es soll tatsächlich Leute geben, die der einzig wahren Wahrheit, der von oben propagierten Wahrheit, nicht trauen. Es gibt halt nichts, was es nicht gibt.
Nun denn, wenn man sich der Wahrheit annähern will, sollte man sich zur Einsicht in die eigene Beschränktheit durchgerungen haben. Obendrauf ist unabdingbar, alles bisherige Wissen infrage zu stellen. Nur so kann man wirklich neue Erkenntnisse erlangen. Das Anzweifeln des bisherigen Wissens ist, oder besser war, die Basis wissenschaftlicher Herangehensweise und ein Kerngedanke der Philosophie.
Alles und jedes ist ja verpackt bzw. eingebettet in Geschichten, dünkeldeutsch Narrative, die uns die Möglichkeit geben, die Welt überhaupt zu verstehen. Diese fußen auf bestimmten Prämissen. Wenn die aber schon unplausibel, unlogisch und sogar widersprüchlich sind, taugt das ganze schöne Konstrukt nichts, das darauf errichtet wurde. „Auf Sand gebaut“, hetzt da der Volksmund.
„Wo käme man denn da hin, wenn jemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man nur ginge.“
Das gilt sogar für Klima, Virologie, Terrorismus und viele andere offizielle Narrative. Falls man dabei aber, aufgrund der Unlogik oder Widersprüchlichkeit der dort getroffenen Grundannahmen und eigenen scharfsinnigen Schlussfolgerungen zu einem „falschen“ Ergebnis kommt, ist besser „Maul halten“ angesagt, sonst gibt’s „was auf die Fresse“.
Zeitgenossen, bei denen Denken mit Mühe verbunden ist, müssten sich dafür auch noch in unverschämter Weise belasten durch Betätigung der Hirnfunktionen. Da ist’s doch viel einfacher, das Denken der Obrigkeit zu überlassen. Die wissen ja sicher, was richtig ist.
Allerdings kann man eine Geschichte nur wirklich begreifen, wenn man die Ausgangspunkte, das Prinzip, die Prämissen, die Grundannahmen kennt und verstanden hat. Nur so kann man erfassen, ob da tatsächliche Substanz ist oder nur frei schwebende Blödheit. Nicht von ungefähr kommt ja auch die Redewendung, nach der Wahrheit muss man oft tief graben, was zweifellos für viele mit (zu viel?) Anstrengung verbunden ist. Und was würde sonst aus der Realitätsresistenz?
Die klassische kriminalistische Vorgehensweise „follow the money“ ist ebenfalls zwingend, will man sich der Realität annähern. Die Sesamstraßen-Methode mit dem „wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?“ ist ein guter Ansatz, den Schleier zu lüften, wann, wo, wie, von wem initiiert, organisiert und finanziert die ganze Chose wurde, die Sie glauben sollen.
Nur wer die (Vor-)Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen.
Denken Sie an die Iran-Berichterstattung bei uns. Die ständig als oberseriös bezeichnete Quelle Human Rights Activists News Agency (HRANA) wird z.B. von der CIA durch ihre Tarnorganisation National Endowment for Democracy (NED) finanziert. Wer hätte das gedacht? Diese „unabhängigen“ NGOs haben stets die wohlklingendsten Namen und sind trotzdem nur ausgegliederte Markenlabels von CIA & Co. „Des kennans jetz glam oda ned…“
Bereits 1986 sagte Carl Gershman, langjähriger Präsident der NED: „Es wäre schrecklich, wenn demokratische Gruppen auf der ganzen Welt als von der CIA subventioniert angesehen würden.“
Die schockierend hohen Opferzahlen im Iran von, zwischenzeitlich verkündeten, über 20.000 Toten sind offensichtlich die Todeszahlen aus Gaza, Libanon und Westbank, die seit der Ausrufung des Trump’schen „Friedensplans“ dort aufgelaufen sind. Bevor die da unmerklich vom Winde verweht werden, hat man sie eben schnell anderweitig gegen die Mullahs verwendet. Zu weit hergeholt? Das würde doch keiner glauben?
Die Zahlen sind ja jetzt im Hirn. Auftrag erfüllt!
Unser bunter Kanzler-Starschnitt, der lässig coole Fritze Merz, hatte auf seinem Indien-Trip anscheinend auch eine Erleuchtung. Er hat der Wahrheit seinen Tribut gezollt und zum Besten gegeben: „Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen." Wo er Recht hat, hat er Recht.
Das hat er zwar nicht auf „UnsereDemokratie“ gemünzt, sondern auf den Iran, aber es trifft exakt auf das "Imperium der Lügen" zu. Ist das hier wieder ein ganz besonders abgefeimtes Stück von Projektion? Wobei..., das ist eigentlich überhaupt nichts mehr Besonderes, sondern allüberall und permanent gelebte Praxis.
Die Sache im Iran entwickelt sich indessen mehr und mehr zum Äquivalent eines feuchten Furzes. Unangenehm, aber bei den voll geschissenen Hosen der Anführer des „Imperiums der Lügen“ auch nicht mehr von Belang. „Nix haud mea so hi, wias soi. Des hättns gonz anders gwoild.“
Wenn die Sonne untergeht, dann haben sogar die kleinsten Wichte gewaltige Schatten.
John Stockwell, früher Leiter einer CIA-Taskforce, sorgte wesentlich dafür, beispielsweise Kuba mittels Lug und Trug zu dämonisieren: „Wir wussten von keiner einzigen Gräueltat, die von den Kubanern begangen worden wäre. Es war reine, unverfälschte, falsche Propaganda, um die Illusion zu schaffen, dass Kommunisten Babys zum Frühstück essen.“
Doch das machen die schon lange nicht mehr. Garantiert nicht. Nie und nimmer. Das mit Irak (Brutkastenlüge), Syrien (Giftgas-Fassbomben-Lüge), Libyen und den paar anderen kleinen Schummeleien sollten wir nicht so hoch hängen. Hey, wir alle lügen doch über 200 mal am Tag. Oder zweimal. Egal.
Der frühere US-Außenminister Mike Pompeo gab erst kürzlich auf X zum Besten: „Frohes Neues Jahr an alle Iraner auf den Straßen. Auch an alle Mossad-Agenten, die neben ihnen herlaufen…“. „Woins no was wissen?“
Wer kontrolliert eigentlich CIA & Co.? Gibt es da eine Organisation, bei der es sich „um den Onkel in der Familie der Geheimdienste handelt, über den man niemals spricht“? Könnten die was entgegen den Interessen der Ultra-Hyper-Mega-Reichen-Clans der Rockefellers, Rothschilds, etc., unternehmen? Die „Good Ol' Boys“ der Upperclass aus der City-of-London mit ihrem feinen Netzwerk-Gespinst sollte man auch dabei nicht aus dem Blickfeld verlieren.
Außerdem: Wer widerspricht schon dem, der am Geldspeicher-Hahn sitzt und auf-, aber auch zudrehen kann? Wer will andererseits schon „überraschend und unerwartet“ versterben?
Unser Irrweg führt geradewegs in die Sackgasse eines inneren Infantilismus.
Wir haben nur noch Augen fürs Äußere, fürs Aufgesetzte, für die Attitüde, die überzeichnete Symbolik, das Dumpfe und das Simple. So funktioniert auch die KI. Zusammenhänge zu erspüren, zu konkretisieren und neue, wirklich kreative und logische Schlussfolgerungen zu ziehen, ist aber einer KI aufgrund ihrer prinzipiellen Wirkungsweise unmöglich.
Indessen nähern sich die digitalen Konsumenten der KI an und die Seele der Menschlichkeit verdampft. Mark Keenan formuliert das so aus: „Wir werden zu Spiegelungen unserer eigenen Spiegelungen – ein lebendiges Echo der Maschine.“ Und CJ Hopkins macht den Kreis rund: „Denn der eigentliche Coup besteht nicht darin, dass KI wie Menschen schreibt. Sondern darin, dass Menschen anfangen, wie KI zu klingen.“ Wir werden zu Erzählern unseres eigenen Verschwindens.
Ist eine Maschine, die die Sprache deutlich besser einzusetzen vermag als die meisten Menschen, nur ein Sprachmodell, das Poesie über Mustererkennung in großen Datenmengen simuliert? Versteht sie die formulierten Aussagen in ihrer ganzen Bedeutungsvielfalt? Kann man hier einen ersten Funken von Selbsterkenntnis ausmachen?
Zur Beantwortung solcher Fragen empfiehlt sich auch hier, das Fundament der Erzählung einzubeziehen. Denn bei der sog. „KI“ handelt es sich im Kern um seit langem bekannte Verfahren von statistischen Analysemethoden. Dies wurde durch den Einsatz massiver Rechenleistung und ungeheurer Datenmengen hochskaliert. "KI" bedient sich aus dem unendlichen Fundus des Internets und formuliert auf Basis von Wahrscheinlichkeiten, welches Wort auf welches Wort folgt. Das ist das Prinzip.
Der totale Wahnsinn liegt im Glauben, dass Technologie und Algorithmen besser wissen, was Wahrheit, Moral und Sinn sind, als der Mensch selbst.
Was bedeutet es, sich seiner selbst bewusst zu sein? Was ist Geist, was ist Bewusstsein?
Die „Realitäts-Imprägnierten“ leiden, ohne zu begreifen, was sich wirklich abspielt. Was machen die erst, wenn das geistige-intellektuelle Hungertuch, auf dem sie kauen, dann mal völlig ausgelutscht ist?
Für diese Zustände liefert, mal wieder, Rainer Mausfeld eine Schlaumeierei ab: „Die Bürger, die beim Frühstück die Süddeutsche Zeitung lesen, nachmittags in Spiegel Online schauen und sich abends die Tagesschau ansehen, sind im Gefühl umfassender Informiertheit so selbstzufrieden, dass sie die Krankheit, an der sie leiden, nicht einmal mehr erkennen können.“
Ein konvenierender Gedanke von Lars Grünewald ergänzt das noch: „Charakteristisch für eine dekadente Gesellschaft ist das ausschließliche Leben in Vergangenheitsvorstellungen.“
„Weißer Mann spricht mit gespaltener Zunge!“
Das mit dem „Great Reset“, das der Onkel Klausi so großspurig mit Beginn von Corona getönt hat, könnte sich tatsächlich dahingehend vollziehen, dass vor allem Europa wieder „resetet“ wird. Und zwar ganz auf Anfang. Also auf die Gegebenheiten wie vor gut 500 Jahren. Geistig und mental sind wir da sowieso schon auf dem Niveau der damals übelsten Auswüchse und hinsichtlich des materiellen Wohlstands auf direktem Weg dahin.
Bei so mancher Neu-Gestaltung der allgemeinen Lebensumstände ertönt der Jubel der Mitmachenden schon zum Ohren betäuben. Hurrah! Hurrah! Die Reichsacht ist wieder da! Es lebe die mittelalterliche Gesinnung! Die Kunst der Existenzvernichtung nennt sich heute zwar „demokratisch sanktioniert“ und nicht mehr „für vogelfrei erklärt“, doch der Effekt ist in einer hoch technisierten Welt ungleich vernichtender.
Ganz demokratisch kann das im „güldenen Werte-Westen“ jeden treffen. So werden sie zum Beispiel zum potenziellen Extremisten, wenn Sie „an den bevorstehenden Zusammenbruch der Regierung und der Wirtschaft glauben”.
„Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ George Orwell
Feiaobnd… Prost, beinand…!
Mehr von Werner Roth finden Sie hier: https://www.anderweltonline.com/satire/




