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Ein Vier-Sterne-General weiter auf Abwegen

Von Bernd Biedermann 

Es ist nur wenige Monate her, dass es Veranlassung gab, dem Generalleutnant der Bundeswehr, Hans-Lothar Domröse, Denkfehler zu attestieren (siehe AnderweltOnline vom 13. Juli 2015). Nunmehr erleben wir, wie sich der Oberbefehlshaber des Kommandos der Vereinten Streitkräfte der NATO für Nord- und Osteuropa in dieser wahrlich angespannten Lage als besonderer Scharfmacher hervortut. Wie er bereits im Juni des Jahres ankündigte, setzt er jetzt in der groß angelegten Übung „Trident Juncture“ die sog. Speerspitze des Bündnisses im Mittelmeer ein.

Mit 36.000 Soldaten, 3.000 Marines, 140 Flugzeugen, 60 Schiffen und sieben U-Booten soll die Stärke der NATO vor allem der Russischen Föderation vor Augen geführt werden. Die nämlich definiert Domröse als Gegner. Er bezieht sich darauf, dass Russland bei drei Alarmierungen mehr als 80.000 Soldaten auf die Beine gestellt habe. Die von der NATO als „snap exercises“ bezeichneten russischen Manöver (snap = (zu)schnappen, knacken, zerbrechen) – eigentlich waren es völlig normale Mobilmachungsübungen – würden dem Bündnis Sorgen bereiten. „Was machen wir denn, wenn der plötzlich ‚snapt‘ und dann nicht mehr aufhört?“ fragt der General. Mein verehrter Deutschlehrer hätte bei einem solchen Satz ein großes A an den Rand geschrieben, was für Ausdruck stand, und mir dann erklärt, dass dieser Gassenjargon nicht nur ein sprachliches Armutszeugnis ist, sondern einer intellektuellen Disqualifikation gleichkommt.

Probleme mit der Dialektik von Ursache und Wirkung

Vier-Sterne-General Domröse

Auf die Idee, dass die zunehmenden Manöveraktivitäten der NATO an Russlands Grenzen bei der russischen Seite Besorgnisse auslösen könnten, kommt der Generalleutnant offensichtlich nicht. Überhaupt scheint er Schwierigkeiten mit der Dialektik von Ursache und Wirkung zu haben. Er behauptet, in der Ukraine seien die Russen einfach „weitergerollt“. (Wieder so eine Wendung, die uns an das Vokabular der Obersten Heeresleitung im II. Weltkrieg erinnert.) Da darf man fragen: Ja wohin sind sie denn gerollt? Vielleicht ins Schwarze Meer? 

Und in diesem Stil geht es weiter bis zum Ende seines Statements. Da redet er von den „vorgeschobenen Basen in Kaliningrad, Syrien und auf der Krim, die womöglich die Verbindung zu den NATO-Verbündeten im Baltikum und in der Türkei abschneiden könnten.“ Aus militärischer Sicht ist die Gleichsetzung von Kaliningrad, Syrien und der Krim als „vorgeschobene Basen“ nicht nur unzutreffend, sie ist unsinnig.

Alles vergessen, was uns die Geschichte lehrt?

Wie der FOCUS am 4.11. berichtete, hat sich Domröse angesichts der schwierigen Sicherheitslage in Afghanistan dafür ausgesprochen, den Bündniseinsatz wieder auszuweiten. Der General fordert sogar Luftschläge. Das sei auch „eine Moralfrage“. Er schwafelt in diesem Zusammenhang von „robuster Beratung“. Unterstützung erhält er dabei von verschiedenen Seiten. Rainer Arnold zum Beispiel, der als Abgeordneter der SPD seit vielen Jahren dem Verteidigungsausschuss des Bundestages angehört, meint dazu: „Das düstere Bild, das Domröse zeichnet, ist gerechtfertigt.“ und behauptet sogar, es gäbe kein Zurück mit Mann und Gerät. – Na was denn sonst? Alles vergessen, was uns die Geschichte lehrt? Das ruhmlose Ende der Kriege des Vereinten Königsreiches von Großbritannien Mitte des 19. Jahrhunderts, oder das der sowjetischen Intervention von 1979 bis 1989?
Wie heißt es in einem Gedicht von Theodor Fontane: „Mit Dreizehntausend der Zug begann, Einer kam heim aus Afghanistan.“

Es bedarf keiner seherischen Fähigkeit, um vorauszusagen, dass der ISAF-Krieg, den die USA ausgelöst und in den sie ihre Verbündeten hineingezogen haben, nicht anders enden wird. Aber Arnold ist nicht allein mit seinem verhängnisvollen Fehlurteil. Sein Genosse Wolfgang Hellmich, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestages, meint: „Wir müssen weitermachen, um die erreichten Erfolge zu sichern.“ Ja welche Erfolge denn?

Elmar Brok, Vorsitzender des Außenausschusses im Europaparlament, bezeichnet Domröse gar als einen der besten Offiziere der Bundeswehr. Wenn dem so wäre, wie gut sind dann die anderen Offiziere der Bundeswehr? Ein guter Bekannter, der lange an exponierter Stellung in der Bundeswehr gedient hat, bestätigte mir, dass General Domröse, was Afghanistan angeht, „nichts, aber auch gar nichts verstanden hat“.

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