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Obama – Gefangener der Wall Street und der „City of London“

Von Peter Haisenko

Jeder, der Eins und Eins zusammenzählen kann, müsste es eigentlich wissen: Wenn die USA ihre Rechnungen nicht mehr mit munter gedruckten oder von der Wall Street ergaunerten Dollar bezahlen können, dann ist Schluss mit lustig im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Obama kann Eins und Eins zusammenzählen, und wenn er es nicht könnte, dann würden die Herren von Goldmann-Sachs es ihm vorrechnen. Obamas Problem dabei ist, er hat nicht die Kontrolle darüber, was an der Wall Street passiert und das hat er gemein mit allen US-Präsidenten, spätestens seit 1971. (Warum 1971? Hier lesen)

Der Fall „Lehman Brothers“ war ein wohlgesetzter Warnschuss. Die Gewaltigen der Wall Street haben gezeigt, was sie können und damit die gesamte (Finanz-)Welt in Aufruhr versetzt. Die Drohung, auch AIG, die größte Versicherung der USA fallen zu lassen, dürfte selbst dem nervenstärksten Präsident die Grenzen seiner Macht vor Augen geführt haben. Spätestens danach war es nicht mehr notwendig, weitere Machtdemonstrationen der Wall Street zu bemühen. Wie funktioniert das?

Allgemein bekannt ist das flagrante Außenhandelsdefizit der USA von mehr als 1.000 Milliarden US-Dollar jährlich. Weniger bekannt ist allerdings, dass etwa 30 Prozent des BIP der USA im Finanzsektor generiert werden. Wenn also der Finanzsektor nicht mehr nach den altbekannten Regeln Geld aus aller Welt in die USA ergaunern darf, dann fehlt den Bürgern der USA etwa 40 Prozent der Geldmenge, die sie derzeit noch ausgeben dürfen. Die Jungs von Goldmann Sachs wissen das, und so weiß es auch Obama. Wenn also Obama etwas tut, was der Wall Street gar nicht passt, dann können die Herren des Gelds die USA einfach „abschalten“, indem sie das Finanzsystem zusammenbrechen lassen.

So etwas würden sie nicht tun, möchte man meinen, weil sie dann den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Weit gefehlt. Erstens haben alle Finanzgrößen luxuriöse Anwesen im Ausland und haben auch sonst gut vorgesorgt: Sie leben in schwer bewachten Gettos, gleichsam wie ein Staat im Staat. Bis deren Privilegien wirklich in Gefahr sind, müsste schon eine fundamentale Revolution ausbrechen.

Ein weiterer Faktor ist allerdings noch weniger Allgemeinwissen: Sowohl die Wall Street als auch die US-Zentralbank werden weitgehend kontrolliert von den Bankern der „City of London“. Selbst die „Bank of England“ hält Anteile am FED, dem Zentralbanksystem der USA, die eine Sperrminorität übersteigen. Angesichts dessen muss schon die Frage gestellt werden, ob der amerikanische Präsident nicht sogar ein Gefangener der Geldelite Großbritanniens ist.

Deutschland unter Kontrolle

Wenn Präsident Obama jetzt Deutschland mit seinem Besuch beehrt, dann ist das eine ganz eigentümliche Situation. Im Jahr 2011 hat Obama vor amerikanischen Soldaten in Deutschland gesagt, dass Deutschland ein besetztes Land ist und das auch bleiben wird, bis 2099. Finanzminister Schäuble hat im selben Jahr noch einen draufgelegt: „Deutschland war seit dem 8. Mai 1945 niemals mehr ein vollständig souveräner Staat.“

Da wird dann also in Deutschland dem Präsident gehuldigt, der Deutschland als besetztes Land bezeichnet, aber selbst dem Diktat der Wall Street folgen muss. Oder sogar dem der „City of London“? So oder so, in dieser Kette befindet sich Deutschland dann auch unter der Kontrolle der angelsächsischen Hochfinanz. Wer wundert sich jetzt noch, dass gerade Deutschland nicht in der Lage ist, wirklich wirksame Maßnahmen gegen die Finanzkrise durchzuführen oder gegen das gesamte Ausbeutersystem aufzumucken? (Zum Beispiel die Finanztransaktionssteuer, die nach letzten Meldungen schon wieder zu scheitern droht.)

Sollten wir also dem de facto machtlosen US-Präsident unsere Hochachtung verweigern? Ich denke nicht! Obama, dem ich nach wie vor ehrenhafte Absichten unterstelle, braucht jede erdenkliche Unterstützung gegen die Falken seines Militärs und gegen die Plutokraten der Wall Street. Ja, noch mehr benötigt er bezüglich Deutschlands eine gesicherte Rückendeckung, wenn er eine Chance haben soll, die USA wieder zu dem zurückzuführen, was sie einmal waren: Eine wirtschaftlich starke Nation, die die Hoffnung der Welt auf Freiheit und Gerechtigkeit verkörperte. Es darf nicht so weiter gehen, dass aufrechte US-Bürger, die ihrem Gewissen folgen und die Missstände bei den Geheimdiensten anprangern, letztlich Zuflucht in Russland oder China suchen müssen. Das war schließlich einmal genau anders herum gewesen und so sollte es auch wieder sein.

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