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Leben in Zeiten der Angst

Ein Essay von Hubert von Brunn

Angst ist ein äußerst komplexes Phänomen in der menschlichen Psyche. Da ist zum einen die archaische Angst als schützendes Alarmsystem, das uns hilft, gefährliche Situationen zu erkennen und zu vermeiden. Dem gegenüber steht die Angst als Projektion – hauptsächlich Verlust- und Versagensängste. Dieses Angstpotential schützt nicht, sondern es lähmt, blockiert und macht krank.

Nach dem Ende des „Kalten Krieges“ durften wir für rd. 30 Jahre weitgehend angstfrei und unbeschwert unser Leben genießen. Ungeheuerlich! Wie kommen ausgerechnet die Deutschen dazu, Lebensfreude zu verbreiten. Die haben sich gefälligst Asche aufs Haupt zu streuen – und zwar für immer. Da die Nummer mit den Nazi-Verbrechen ziemlich ausgelutscht war und vor allem die jüngere Generation überhaupt nicht mehr erreicht hat, musste ein neues Schreckensszenario entwickelt werden, das den Menschen Angst macht. Klimawandel war nun der medial gepuschte Begriff des Horrors, der den Bürgern in vielfacher Hinsicht ein schlechtes Gewissen bescherte: Fleisch essen, Auto fahren, mit dem Flieger verreisen und noch so manches andere, das den Menschen Freude macht, wurde als grober Frevel verdammt.

Angst vor dem Klimawandel

Eine kleine autistische Göre aus Schweden, Greta, wurde zur Leitfigur dieser Angstkampagne und hat hierzulande ganz schnell jede Menge Unterstützer gefunden: Fridays for Future war geboren. Tausende Jugendliche fanden es viel „geiler“ freitags auf die Straße zu gehen und lärmend für den „Klimawandel“ zu demonstrieren, als dem Unterricht in der Schule zu folgen. Ihren Eltern und Großeltern warfen sie vor, mit ihrem „klimaschädlichen“ Verhalten der jungen Generation die Zukunft zu rauben. (Dass sie mit dem spritfressenden SUV zur Schule gebracht wurden, haben sie großzügiger Weise ausgeblendet.) Szenen des Untergangs von apokalyptischem Ausmaß wurden an die Wand gemalt – und allmählich machte sich in weiten Teilen der Bevölkerung eine diffuse Angst breit, die Jungen mögen mit ihren Weltuntergangs-Szenarien womöglich doch recht haben.

Erst recht als sich eine radikale Gruppe von Weltrettern, die sich „Letzte Generation“ nennt, in Erscheinung trat und mit ihren Aktionen nicht nur sich selbst, sondern viele andere Menschen in Gefahr brachte. Diese Aktivisten erzeugten mit ihren Störmanövern reichlich Wut bei den Autofahrern, die sie behinderten, bei nicht wenigen aber verstärkten sie die durch Fridays for Future initiierte Angst vor dem Weltuntergang. Völlig bescheuerte Eltern leisteten dem Tun ihrer Sprösslinge auch noch Vorschub. An der Stelle haben die Helikoptermütter ihre gluckenhafte Aufsicht zugunsten ihrer links-ökologischen Ideologie vernachlässigt.

Angst vor Corona

Ausgerechnet ein fieses Virus, das sich Anfang 2020 – vermutlich aus China kommend – auf der Welt breit machte, nahm den Klima-Aktivisten auch medial den Wind aus den Segeln. Jetzt drehte sich plötzlich alles nur noch um Covid-19. In allen Nachrichtensendungen auf allen Kanälen wurden und werden täglich Statistiken des Schreckens veröffentlicht: Neuinfektionen, 7-Tage-Inzidenz, Hospitalisierung, Auslastung der Intensivbetten, Todesfälle. Das Ganze verbunden mit mehr oder weniger sinnvollen Verhaltensregeln: Abstand, Maskenpflicht, 2 G, 2 G+, 3 G, Ausgangssperren, Lockdown – und natürlich immer der Appell impfen, impfen, impfen, inzwischen ist sogar von allgemeiner Impfpflicht die Rede. Im Grundgesetz garantierte Freiheiten werden rigoros eingeschränkt.

Diese unmittelbare Bedrohung, die im Alltag an jeder Ecke lauert, jagt vielen Menschen richtig Angst ein. In den Medien unterfüttert von Bildern aus Intensivstationen, wo hilflose Patienten an Kabeln und Schläuchen hängend ums Überleben kämpfen. Das will niemand. Indem aber pausenlos postuliert wird, dass jeder jederzeit in eine solche Situation geraten könnte, wird ein unglaubliches Angstszenario aufgebaut. Bei nicht wenigen Zeitgenossen geht die Panik sogar so weit, dass sie allein im Auto sitzend, beim Joggen im Wald oder beim Fahrradfahren im Park nicht auf die Gesichtsmaske verzichten wollen. Die Angst vor diesem Virus ist gewaltig – und jetzt mutiert es auch noch. Rette sich wer kann!

Die andere Seite der pandemischen Angst sind die Millionen Menschen, deren Existenz von den staatlich verordneten Vorschriften und Verboten unmittelbar bedroht wird: Gastwirte, Künstler, Einzelhandelsgeschäfte, Friseure und andere, die „körpernahe Dienste“ leisten… Von heute auf morgen hat man ihnen ihre Kunden genommen und wo keine Kunden, da keine Einnahmen. Heerscharen von Angestellten mussten entlassen werden, Zig-Tausende von Selbständigen mussten aufgeben und haben ihre Geschäfte geschlossen. Diese Situation birgt ein ungeheures Angstpotential. Wenn du morgens dein Lokal, deine Boutique, deinen Friseursalon öffnest und genau weißt, die Tageseinnahmen werden einmal mehr bei weitem nicht die laufenden Kosten decken – von Gewinn ganz zu schweigen. Wenn du weißt, dass deine finanziellen Rücklagen schmelzen wie die Butter in der Sonne und du an einer Hand abzählen kannst, wie viele Tage du noch durchhalten kannst. Dann macht sich Angst breit – Existenzangst. Die dramatisch angestiegene Suizid-Rate ist Ausdruck der um sich greifenden Verzweiflung.

Neben den Verlustängsten spielen in diesem Kontext aber auch die Versagensängste eine nicht unerhebliche Rolle: Home Office, Home Schooling, Stress am Arbeitsplatz, Stress in der Familie. Viele haben Angst, diesen zusätzlichen Belastungen nicht gewachsen zu sein, haben Angst, unter dem Druck, dem sie ausgesetzt sind als Eltern, Lehrer, Lebenspartner, Arbeitnehmer, zu versagen. Das macht krank. Die Praxen von Psychologen und Therapeuten sind überfüllt, viele nehmen keine neuen Patienten mehr an, die Telefonseelsorge ist Nacht für Nacht überlastet. Wohl dem, der in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis noch ein Gegenüber hat, mit dem er über sein Nöte und Ängste reden kann. Der gemeine Deutsche will doch nur seine Arbeit machen, in Ruhe und Frieden leben und ab und zu ein bisschen Spaß haben. Da machen ihm das Klima und Corona einen dicken Strich durch die Rechnung und belasten sein Lebensgefühl mit diffusen Ängsten.

Angst vor dem Krieg

Und jetzt kommt auch noch der Krieg dazu. Noch haben wir ihn nicht im eigenen Lande, aber die Angst davor ist riesengroß. Noch ist das eine psychologische, eine in die Zukunft projizierte Angst. Nicht zu vergleichen mit der Angst der Menschen in Charkiw, Mariupol oder Kiew, die von heulenden Sirenen aus dem Schlaf gerissen werden, die Nacht im Bunker oder im Keller verbringen, um am nächsten Morgen feststellen zu müssen, dass es ihre Wohnung nicht mehr gibt, dass der gesamte Wohnblock zerbombt ist. Sie kein Wasser und keine Nahrungsmittel mehr haben und nicht wissen, wo sie jetzt leben sollen. Die Angst derer, die Bomben- und Raketeneinschläge in unmittelbarer Nachbarschaft miterleben und jederzeit damit rechnen müssen, dass es auch ihre Behausung trifft, ist existenziell. Hier reden wir von Todesangst.
( Anmerkung von Peter Haisenko: Genau diese Zustände müssen die Menschen in Donezk und Umgebung seit acht Jahren ertragen und niemand hat das angeklagt. Zudem sind die aktuellen Berichte geprägt von Einseitigkeit und manchmal wird sogar zugegeben, dass es dafür keine Bestätigung von unabhängiger Seite gibt. Aber gerade deswegen schüren sie auch bei uns unscharfe Ängste.)

So weit sind wir hierzulande Gott sei Dank noch nicht. Doch die Angst, dass es auch bei uns wieder so sein könnte, ist da – gerade bei alten Menschen, die als Kinder im Zweiten Weltkrieg die Bombennächte in Hamburg, Berlin, Dresden oder Würzburg erlebt haben. Und wenn sie weniger ihr eigenes Schicksal im Auge haben, weil sie sagen, ich werde sowieso bald sterben, haben sie schlaflose Nächte, weil sie sich um ihre Kinder und Enkel sorgen, für die sie beten, dass ihnen dieses Grauen erspart bliebe. Die Angst vor dem Krieg ist allenthalben, auch bei den Jüngeren, die selbst keine Kriegserlebnisse haben. Ein Ergebnis der projizierten Kriegsangst ist heute schon in den Supermärkten zu beobachten: teilweise leere Regale. Die Menschen fangen an zu hamstern. Was vor zwei Jahren das Toilettenpapier war (wegen Corona), ist heute vor allem Sonnenblumenöl und Mehl. Eine wirkliche Knappheit dieser Lebensmittel gibt es nicht. Den Mangel erzeugen die Kunden mit ihren Angstkäufen.

Die Menschen verfolgen mit, wie sich die Situation in der Ukraine zuspitzt und sie befürchten, dass womöglich eine fehlgeleitete Rakete in Polen oder in Litauen einschlägt. Was dann? Muss dann die Nato eingreifen, die eine direkte militärische Konfrontation mit Russland in diesem Konflikt bisher strikt abgelehnt hat? Tritt dann der Bündnisfall ein, bei dem auch unsere Soldaten in den Krieg ziehen müssen? Haben wir dann den Dritten Weltkrieg?

Und dann sind da noch jene, die den worst case vor Augen haben: Den Einsatz von Atombomben. Wer das in Betracht zieht, muss keine Angst mehr haben, weder vor dem Klimawandel noch vor Corona. Wenn eine Atombombe fällt, werden zig andere nachfolgen und um dieser Apokalypse zu entkommen, müsste man auf den Fidschi-Inseln oder auf den Galapagos oder in Grönland leben. Das tun aber die wenigsten. Die Mehrheit der 7,8 Milliarden Menschen auf Erden wird pulverisiert sein. Vielleicht ist es das, was unserem Planeten ein paar hundert oder tausend Jahre später zu einem Neustart für ein besseres Leben derer verhilft, die die Apokalypse überlebt haben. Das klingt zynisch, ich weiß, aber das selbstzerstörerische Agieren der Menschheit muss ohnehin irgendwann in einem großen Knall enden. Ich habe nur immer gehofft, ich muss ihn nicht mehr miterleben.

Angst vor dem Alltag

Neben den großen, weltumspannenden Ängsten gibt dann noch die kleinen, ganz privaten Ängste, die für den Einzelnen aber nicht weniger bedrohlich sind: Kann ich meine Miete noch bezahlen? Kann ich meine Heizung noch so weit aufdrehen, dass ich nicht friere? Kann ich es mir noch leisten mit dem Auto zur Arbeit zu fahren? Werde ich im Alter noch genügend Rente haben, um anständig leben zu können? Was, wenn ich es mir nicht mehr leisten kann, im Supermarkt einzukaufen? Muss ich mir mein Essen dann aus der Tonne klauen – und werde dafür auch noch bestraft? Es gibt so viele Menschen in unserem Land, die leben wirklich hart an der Kante. Für sie sind der Klimawandel, Corona und der Krieg in der Ukraine weit weg. Sie leben mehr oder weniger von der Hand in den Mund und ihre Sorge ist, sich und ihre Kinder satt zu bekommen und ein Dach über dem Kopf zu haben. So weit sind wir gekommen in unserer ach so wunderbaren Wohlstandsgesellschaft. Jene, die im Luxus schwelgen, haben Angst, auf die eine oder andere Bequemlichkeit verzichten und womöglich sogar ein wenig von ihrem Reichtum hergeben zu müssen. Die am unteren Ende der sozialen Leiter können sich Angst nicht leisten. Sie müssen Sorge tragen, dass sie überleben – Tag für Tag.

Versuch einer Lösung: Geborgenheit und Nähe

Wenn man meine Betrachtungen zum Phänomen Angst bis hierhin gelesen hat, fragt man sich als geneigter Leser natürlich: Und nun? Was kann ich tun, um an meinen Ängsten nicht zu zerbrechen? – Nun, den Königsweg habe ich nicht. Ich kann bestenfalls ein paar Anregungen geben. Hierzu erzähle ich Ihnen eine kleine Geschichte aus meinem Privatleben. Meine Frau hat fürchterliche Angst vor Gewitter. Wenn sich im Sommer so ein Gewittersturm über unserem Haus zusammenbraut, gerät sie in Panik. Sie kann nicht im Wohnzimmer sitzen, wo die zuckenden Blitze den Raum erhellen, sie kann aber auch nicht ins Schlafzimmer gehen und sich die Decke über den Kopf ziehen, weil das Donnergrollen zu laut ist. Ich spüre ihre Verzweiflung und obwohl ich gerne noch einen Film im Fernsehen angesehen oder mein Buch weitergelesen hätte, lösche ich die Lichter, kuschle mich zu ihr ins Bett, nehme sie in den Arm und flüstere ihr beruhigende Worte ins Ohr. Natürlich kann ich das Gewitter nicht vertreiben und ich kann nicht verhindern, sollte der Blitz das Dach unseres Hauses als Ziel wählen. Was ich aber tun kann, ist, ihr in ihrer Angst das Gefühl von Nähe und Geborgenheit zu geben. Nach kurzer Zeit kann sie beruhigt einschlafen, obwohl es immer noch blitzt und donnert.

Das wird ihre fundamentale Angst vor Blitz und Donner nicht ändern, beim nächsten Gewitter wird sie genauso reagieren. Aber für den Moment kann ich ihr mit meiner Zuwendung die Angst nehmen, ihr das Gefühl geben: Du bist nicht allein, ich bin für dich da. Ich denke, das ist der einzige Weg, angsterfüllten Menschen zur Seite zu stehen. Vorhaltungen wie: Was soll das? Stell dich nicht so an. Es ist doch gar nicht so schlimm. Wird schon werden… führen nicht weiter. Damit wird der verängstigte Mensch nur noch weiter in die Isolation getrieben, in der er sich ohnehin schon befindet, und das hilft ihm nicht weiter. Was ihm hilft, ist das Gefühl von Geborgenheit und Nähe – und Liebe.

Strategie der Sieger oder Wer, wenn nicht ICH?

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