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Demokratie heute: Schein und Wahrheit

Eine philosophische Betrachtung von unserem neuseeländischen Gastautor H. J. Geese

Heute ist ein großer Tag in Ihrem Leben. Sie bekommen Einblick in die Zukunft und erfahren, wie Sie selbst Ihren eigenen Beitrag zu einem besseren und gerechteren Leben in Deutschland leisten können. Denn das alte System löst sich gerade vor unser aller Augen auf. Ein neues System wird schließlich an seinen Platz treten.

Wie Sie tagtäglich am eigenen Leibe erfahren, werden immer mehr der von der Verfassung garantierten Grundrechte eingeschränkt oder gar missachtet. Und auf der höheren Ebene unterwerfen sich die Bundesländer, die doch, laut Absicht unserer Gründerväter, die Bundesregierung kontrollieren und, falls notwendig, in ihre Schranken weisen und eine gewisse Autarkie für die Länder selbst garantieren sollen. Aber die Bundesländer kapitulieren vor dem Berliner Diktat. Und zwar alle. Selbst die doch sonst so fesch auftrumpfenden Großmäuler aus Bayern haben ihre stolzen Löwen zu Bettvorlegern verarbeiten lassen. „Mia san mia?“ Der Spruch gehört wahrscheinlich mittlerweile in die Geschichtsbücher unter das Kapitel: „Es war einmal vor langer, langer Zeit in einem wunderbaren Land...“

Die Webseite der Bundesregierung belehrt uns: „Die bundesstaatliche Ordnung in Deutschland darf nach Artikel 79 GG auch mit einer noch so großen Mehrheit nicht abgeschafft werden.“ Das müsste mal jemand der Frau Merkel mitteilen. Die wird das nicht jucken. Denn solche Grundlagen unserer Gesellschaft gelten mittlerweile als lediglich lästige Formalitäten. Wen interessiert schon noch das Gesetz? Selbst die Richter sind da inzwischen äußerst großzügig. Man kann ja schließlich nicht seinen Arbeitgeber, die Regierung, anklagen.

Diktatur wie einst – nur in neuem Gewande

Übrigens sind auch die USA ein Bundesstaat. Was bei uns Bayern einst war, das ist dort Texas. Und Texas lässt sich momentan wahrlich nicht von der Regierung in Washington unterbuttern. Florida auch nicht – und viele andere Bundesstaaten ebenfalls nicht. Der Witz in einem Bundesstaat ist ja, wie gesagt, die Kontrolle der Zentralregierung durch die Länder. Dieses Konstrukt ist ein Hauptpfeiler unserer bundesdeutschen Verfassung und Freiheit. Leider sind unsere Landesfürsten allesamt eingeknickt, mitsamt ihrer Richterschaft und anderen hochgeborenen Damen und Herren in einst hoheitsvollen Ländern wie Bayern, Sachsen oder Baden. Sie wurden gewogen und für zu leicht befunden.

Mittlerweile erscheinen die schlimmsten Erfahrungen der deutschen Geschichte wie Schreckgespenste am Horizont. Die Tyrannei, die Diktatur wie dereinst – nur in neuem Gewande. Der Herr Boris Reitschuster, einer der aufrechtesten Journalisten in Deutschland, ist auf der Suche nach einer Wohnung in Moskau. Viele andere aufrechte Damen und Herren werden wie vor 85 Jahren im Ausland Schutz suchen. Meine neuseeländische Frau hört nicht auf, mir zu erzählen, wie klug es doch war, schon vor Jahren Deutschland verlassen zu haben. Es gibt Millionen von Deutschen, überall auf der Welt, die mit Bangen in die Heimat schauen. Wir alle haben doch Familie zurückgelassen. Was soll jetzt nur werden?

Bestandsaufnahme mit Blick in die Geschichte

Aber lassen wir einen Augenblick die Emotionen beiseite für eine kühle Bestandsaufnahme mithilfe der Annalen der Weltgeschichte. Angeblich wurde ja Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine Demokratie, also ein Land, im dem das Volk herrscht, zwar nicht direkt, sondern über gewählte Vertreter, aber immerhin. Im Grundgesetz übrigens erscheint das Wort „Demokratie“ (Substantiv) nicht ein einziges Mal, nur das Wort „demokratisch“ (Adjektiv). Und noch eines: Das Grundgesetz ist keine Verfassung. Wir haben keine Verfassung. Der neue Staat „Bundesrepublik Deutschland“ hatte von Anfang an einen vorläufigen, politisch noch im Unbestimmten verbleibenden Charakter, welchen die Ministerpräsidenten und der Parlamentarische Rat durch die Wahl des Wortes „Grundgesetz“ und nicht „Verfassung“ betonen wollten. Nein, wir haben keine Verfassung. Warum? Weil wir kein unabhängiger, selbständiger, freier Staat sind. Wir sind eine Kolonie. Aber das nur nebenbei. Auch in der amerikanischen Verfassung ist nirgendwo von Demokratie und nicht mal von demokratisch die Rede. Auch nicht in der französischen Verfassung nach der Revolution von 1789. Die amerikanischen Gründerväter hatten geradezu einen Horror vor der Demokratie, einer Regierung durch den Pöbel. Vor allem eine Beteiligung von Frauen oder Eingeborenen oder Schwarzen war für sie einfach undenkbar. Daran erkennen Sie doch schon, dass das mit der Demokratie irgendwie nicht so richtig auf festen Füßen steht. Und diese Einsicht ist korrekt.

Selbst die Griechen, sozusagen die Erfinder des Konzeptes der Demokratie, verstanden unter diesem Herrschaftssystem immer (immer!) nur die Herrschaft einer Elite über die Mehrheit. Ja, es gab in Athen tatsächlich Demokratie. Aber eben nicht für alle. Frauen, Ausländer, Minderjährige und Sklaven blieben außen vor. Aber dann, nachdem die alle aussortiert waren, dann ging es zur Sache. Im alten Athen wurde nicht wie bei uns gewählt. Drei allgemeine Regeln galten. Erstens: Es wurde nur direkt gewählt. Zweitens: Alle wichtigen Entscheidungen wurden von der Gesamtheit der Wähler direkt getroffen. Drittens: Die meisten Verwaltungs- und Regierungsposten wurden per Los vergeben.

Demokratieverständnis der alten Griechen: Der Bürger ist auch Politiker

Bevor Sie jetzt vor Schreck beim Lesen steckenbleiben will ich Ihnen schnell auf die Sprünge helfen: Die Grundregel einer richtigen Demokratie ist, dass es keinen Unterschied zwischen Politiker und Bürger gibt. Man kann auch sagen, es gibt keine Politiker, zumindest keine Berufspolitiker. Nun werden Sie wahrscheinlich vorbringen, dass infolge des Losverfahrens auch einige „Nieten“ gezogen wurden. Das ist korrekt. Aber die Athener lernten über die Jahre, dass dieser Nachteil durch die Vorteile bei weitem übertroffen wurde.

Was sollten Sie sonst noch wissen? Ach ja, gewählt wurden die „Machthaber“ für ein Jahr. Korruption war so gut wie unbekannt. Es ging wegen der dem System inhärenten Sicherheitsmechanismen nicht um persönliche Vorteile, sondern um die Sache selbst. Parteien existierten nicht. Also kein Parteienklüngel. Das Wohl der Gemeinschaft insgesamt stand im Mittelpunkt des Entscheidungsprozesses. Da es viele Jobs in der Verwaltung gab, konnte es vorkommen, dass der Bürger über die Jahre durch diese Lotterie in viele Positionen kam. Sie können sich vorstellen wie gebildet die Bürger über die Jahre wurden. Die Athener charakterisierten ihr System als „pragmatisch.“ Übrigens wurden die obersten Kriegsherren natürlich nicht per Los bestimmt. Die wurden direkt gewählt. Das galt auch für die Finanzexperten. Die Griechen damals waren nicht auf den Kopf gefallen.

Und so blühte Athen. Wenn Sie also Demokratie wollen, richtige Demokratie, nicht diesen Schwachsinn, den wir momentan praktizieren, dann brauchen Sie nur die alten Griechen zu kopieren. So einfach. Noch einmal die Grundregel: Jeder wahre Bürger ist in die Gemeinschaft als Bürger und Herrscher gleichzeitig integriert. Jeder Bürger muss Aufgaben in der Gemeinschaft übernehmen, da es keine Politiker gibt. Das wichtigste Gut der Athener war ihre Freiheit. Zitat: „Die Basis unseres demokratischen Staates ist Freiheit. Das Prinzip der Freiheit besteht darin, dass alle regieren und dass alle von allen regiert werden.“

Wenn Sie das der Frau Merkel vorsichtig nahebringen und die sich dann bereit erklärt, diese Prinzipien in Deutschland umzusetzen, wenn Sie das schaffen, gebe ich Ihnen einen ganzen Taler.

Die Realität lässt grüßen: Irgendetwas ist aus dem Ruder gelaufen

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass das mit der Erleuchtung von Frau Merkel in absehbarer Zeit nicht eintreffen wird. Wir wollen uns daher nicht von der Realität verabschieden. Aber es ist doch interessant zu wissen, unter welchen Umständen wahre Demokratie überhaupt jemals für einen Teil der Gesellschaft tatsächlich funktioniert hat auf Erden.

Die meisten Menschen haben kaum eine Vorstellung über den langen Entwicklungsweg, den unsere derzeitige Ausgabe von angeblicher Demokratie durchlaufen musste. Trotz all der Makel. Als der englische Philosoph, Abgeordnete und einer der größten Denker seiner Zeit, John Stuart Mill, in der Mitte des 19. Jahrhunderts vorschlug, Frauen das Wahlrecht zu geben, wurde er für verrückt erklärt. Wenn Ihnen jetzt, nach unserer kleinen Revue durch die Geschichte, die letzten Illusionen durch die Lappen entfleucht sein sollten, dann könnten Sie sich eventuell zum Trost mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Mensch vielleicht doch nicht diese Krone der Schöpfung ist, von der die Bibel berichtet: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel...“ (1. Mose 1, 26). Irgendetwas ist da offensichtlich aus dem Ruder gelaufen. Der Liebe Gott hätte sich eben auch zum Thema Demokratie in der Bibel eingehend auslassen sollen. Gleich am Anfang. Dann hätten wir uns viel Ärger ersparen können.

Denn eines haben wir doch wohl über all die Jahre aus den Erfahrungen mit den Plagen und Segnungen der Demokratie gelernt. Vor allem aus den letzten Jahren. So wie bisher kann es nicht weitergehen. Die Parteien vor allem sind der Fluch aller Demokratien. Die professionellen Politiker ebenfalls. Die Politik gehört in die Hände der Bürger, zumindest derjenigen Bürger, die sich für das Gemeinwohl einsetzen wollen. Wie bei den Griechen darf es keine Unterscheidung mehr zwischen Bürger und Politiker geben. Der Bürger selbst ist für die Führung der Gemeinschaft mitverantwortlich. Der Bürger ist aber auch in hohem Maße für sein eigenes Leben verantwortlich. Er muss wieder mehr Selbständigkeit erlernen und seine eigenen Künste der Überlebensfähigkeit entwickeln und ausbauen. Selbst ist der Mann. Selbst ist die Frau. Und damit das realistisch umzusetzen ist, müssen Sie in den kommenden Jahren der Härten von vorn herein akzeptieren, dass die Ansprüche radikal zurückgefahren werden müssen. Was Menschen meiner Generation nicht allzu schwer fallen wird. Denken Sie an die Lehren Athens und der Germanen: Das wichtigste ist erst einmal die Freiheit. Wenn Sie sich darauf einlassen wollen, dann lassen Sie uns im ganz Kleinen anfangen.

Das wahre Leben: Säen, pflegen, ernten

Sie haben jetzt die ungeheure Gelegenheit, in ein paar Minuten zu einer tiefen Erkenntnis zu gelangen, die potentiell Ihr zukünftiges Leben revolutionär umgestalten könnte. Auch wenn es vielleicht nicht sehr offensichtlich daherkommt. Hierzu eine kleine Geschichte aus meinem persönlichen Alltag:

In unserem Garten wachsen Kürbisse der Familie „Butter Cup“. Das ist ein fester Kürbis mit einem Nussgeschmack. Sie können damit Kartoffeln ersetzen. Oder kleine Stücke des Fruchtfleisches einem Salat zufügen. Oder eine kremige, sahnige, wohlschmeckende Suppe daraus machen. Butter Cup ist sehr gesund. Dieser Kürbis ist Teil meiner Nahrung an fast jedem Tag der Woche. Wenn ich einen neuen Kürbis aufschneide, dann nehme ich die Kerne heraus und lege sie unter Erde in einen Topf. Der Topf steht draußen im Freien. Nach ein paar Wochen erscheint die neue Pflanze. Noch ein paar Wochen später suche ich der Pflanze einen schönen Platz im Garten. Den Rest überlasse ich dem Segen Gottes. Und so wird das weitergehen. Bis in alle Ewigkeit. Wegen der Klimaunterschiede wird sich das nicht so konsequent in Deutschland umsetzen lassen, es sei denn sie haben ein Gewächshaus, was wir auch haben.

Ich habe es zu meiner Mission gemacht, mehr Pflanzen zu züchten als ich brauche. Die gebe ich dann ab. An Nachbarn, Mitglieder der Kirchengemeinde, Leute in der Bibliothek usw. Und ich spreche dann darüber, was für ein Geschenk doch die Schöpfung ist. Und frage, wie in drei Teufels Namen es nur dazu kommen konnte, dass irgend so ein Idiot uns dieses mausetote Geldsystem aufschwätzte. Denn Geld ist tot. Das können Sie pflanzen, aber da kommt nichts. Versuchen Sie mal! Die Natur hingegen lebt. Und der Kürbis, den mir die Natur schenkt, der Kürbis, welch Wunder, der kostet mich nicht einen Cent.

Hier liegt die Lösung unserer vermaledeiten Zeit: Wir müssen uns auf unser Menschsein zurückbesinnen, auf unsere Existenz als Teil (nicht Herrscher!) der Natur. Zurück! Wir müssen wieder lernen, mit und in der Natur zu leben, wir müssen wieder lernen, mit den anderen Menschen zu reden, mit ihnen zusammenarbeiten, mit den Menschen in der Nachbarschaft, mit den Menschen in der Gemeinde. Wir können doch den Wahnsinn um uns herum in hohem Masse ignorieren und noch einmal von vorne anfangen. Zumindest anfangen. Dabei werden Sie ein Geheimnis der Natur erleben: Energie erwächst aus der Tat. Energie der Tat verschwendet sich nicht, braucht sich nicht auf. Sie wächst wie meine Kürbisse.

Die Dinge selbst in die Hand nehmen, macht frei

Letztes Jahr hörte ich von einer Geschichte, die sich an einer Schule im Norden, dem ärmsten Teil Neuseelands, abspielte. Ein ehemaliger Bauhandwerker ging zu dieser Schule und schlug vor, dass unter seiner Anleitung die älteren Schüler ein richtiges Haus bauen sollten. Und so geschah es. Die bauten das Haus auf dem Schulhof. Das Haus wurde dann anschließend auf einem großflächigen Anhänger an den Ort seiner Bestimmung gebracht. Eine dankbare Familie hatte ein wunderbares Heim. Ein einfacher Mensch hatte eine Lösung für ein Problem gefunden. Nicht die Regierung. Sie müssen ein für allemal kapieren, dass die Regierung nicht mehr dafür da ist, Probleme in Ihrem Leben zu lösen. Diese Zeiten sind vorbei! Ich wiederhole: Diese Zeiten sind vorbei! Für immer!

Vor ein paar Tagen kam heraus, dass unsere tolle Regierung in Neuseeland, trotz der rasant steigenden Obdachlosigkeit und trotz eskalierender Spekulation mit Immobilien, es in über drei Jahren nicht nur nicht geschafft hat, mehr Häuser für die einkommensschwachen Bürger zu bauen, die Gesamtzahl (neu gebaut minus abgerissen minus verkauft an Privatunternehmen) hat sogar abgenommen. Hier von Inkompetenz zu sprechen wäre geradezu ein Kompliment. Solche Typen haben wir gewählt! Um es auf den Punkt zu bringen: Das ganze System ist kaputt!

Aber es ist noch viel schlimmer. Jetzt kommt der absolute Hammer: In Neuseeland ist nur noch etwa 15 % der Fläche für Ackerbau im weitesten Sinne geeignet. Über die letzten 20 Jahre, so lernten wir dieser Tage in den Nachrichten, hat sich diese Fläche um etwa 50 % verringert. Man nennt das kollektiven Suizid. Ein Volk, das so bescheuert ist, sich selbst die Lebensgrundlage zu entziehen, hat es nicht verdient zu überleben. Was wollen Sie da noch diskutieren? Neuseeland war einst ein Paradies. Bis der weiße Mann auftauchte mit seinen Investmentberatern, Anwälten, multinationalen Konsumfetischisten und ihren lebensfernen Politikern, von der Mission getrieben, das Paradies auszubeuten.

Der moderne Mensch und seine Illusionen von Wundern

Neuseeland ist größer als Großbritannien, mit lediglich 5 Millionen Einwohnern. Jede Familie könnte ein kleines Grundstück mit einem Haus und einem Garten haben. Das wäre überhaupt kein Problem. Aber wir haben nicht einmal genug Holz, obwohl die Wälder genug Holz enthalten. Warum? Das Holz geht zum großen Teil nach China. Wir müssen China beliefern. Wenn wir die nicht beliefern, dann kriegen wir nichts mehr aus China. Man nennt das Freihandel! China ist der größte Handelspartner. Etwa ein Drittel des Außenhandels läuft mit China. Und dann haben wir das Problem mit den Lieferketten, die mehr und mehr zusammenbrechen. Die Preise für Überseecontainer stiegen bis zu 600 %.

Wie soll das weitergehen? Sie müssen erkennen, dass die Welt um Sie herum allmählich auseinander bricht. Die Regale hier bei uns werden leerer und leerer. Das wird auch in Deutschland passieren. Sie müssen sich in der Gemeinschaft, in der Gemeinde organisieren. Saatgut ist sehr wichtig. Saatgut ist Leben. Wasser ist Leben. Freundschaft und Liebe sind Leben.

In ihrer Ignoranz und Dummheit haben diese Politiker die Wirklichkeit verdreht, sie definieren die Probleme zu einer Perversität: Es geht heute bei denen entweder um Kokolores oder ums Geld. Was ist deren Lösung? Einfach. Wir müssen an mehr Geld herankommen. Ohne etwas zu schaffen. Die Grundlagen des Schaffens sind hier in Neuseeland weitestgehend zerstört. Die Touristen, die Haupteinnahmequelle, die Touristen, die kommen nicht mehr. Und auch die Studenten aus Übersee, die kommen nicht mehr. Und der Export geht in die Knie. Aber wir brauchen doch Geld, Devisen, um all die tollen Sachen zu importieren, die wir aber nicht bezahlen können. Was also machen?

Einfach: Es müssen noch mehr Menschen ins Land einwandern, die dann gezwungen werden, Geld mitzubringen, als eine Bedingung. Und mit diesem Geld (also Devisen) können wir dann im Ausland weiterhin einkaufen gehen. Denn die Verkäufer in Übersee wollen Devisen, keine Neuseelanddollar. Und sollte auch das nicht reichen, dann machen wir eben noch mehr Schulden. Ist das ein Ausweg? Nein, es macht alles nur noch schlimmer. Wir werden bald all die Menschen nicht mehr ernähren können. Bitte bekommen Sie jetzt keinen Schock, aber einer muss es Ihnen ja mal verklickern: Politiker sind keine tollen Typen da oben auf dem Podest, die, von Demut getrieben, uns die Glückseligkeit bescheren und alle Probleme lösen. Das sind Idioten!

Der langfristige Prozess der Versklavung

Vor etwa 20 Jahren wurden in Neuseeland die kleinen Gemeinden in große Einheiten zusammengefasst. Wir hier leben etwa 50 Kilometer nördlich von Auckland. Aber gehören jetzt zu Auckland. Früher konnten sie zum Büro der Gemeindeverwaltung gehen und die Probleme persönlich, direkt mit einem Menschen lösen, der Teil der Gemeinde war und sich hier auskannte. Heute versuchen sie per Telefon auszumachen, wer denn überhaupt da unten in Auckland der Ansprechpartner ist. Telefonieren! Sie hören, dass „Ihr Anruf für uns sehr wichtig ist, bitte haben Sie ein wenig Geduld, Sie sind Nummer 35 in der Warteschleife.“

Wie total verblödet sind wir doch, wir Menschen. Wie konnten wir das mit uns machen lassen? Wir haben doch gelernt und immer gewusst, dass wahre Demokratie und wirkliche Gemeinschaft nur in einem kleinen, überschaubaren Rahmen gelebt werden können. Zu spät.

Aber ist es wirklich zu spät? Wie steht es um die Jugend? Die Jugend träumt von technischen Wundern, von irgendwelchen Batterieautos, die mithilfe von Rohstoffen hergestellt werden müssen, die aus dem ausgebeuteten Tansania, aus dem unterjochten Kenia und anderen Ländern der Dritten Welt stammen, deren Bevölkerung es noch beschissener geht als den Obdachlosen in Neuseeland. Die Importe gelangen auf riesigen Schiffen hierher, die die Ozeane versauen und Dreck in die Luft blasen. Aber egal. Zukunft ist Zukunft. Und die Zukunft heißt angeblich digitale Zukunft. Und in jener digitalen Zukunft kann sich der Mensch demnächst sogar digital ernähren. Und angeblich auch digital scheißen.

Diese eingeseifte Jugend sollte sich auf die banalen, altehrwürdigen Grundgesetze des Lebens besinnen und sich für die Schaffung von Kommunen einsetzen, die in der Gemeinschaft von richtigen Menschen die gesunden Grundlagen des Lebens für die Menschen der Kommunen selbst hervorbringen: Säen, pflanzen, hart arbeiten, schließlich ernten. Steht schon in der Bibel: Ihr werdet ernten was ihr sät. Das Grundgesetz der Natur. Das Grundgesetz des Lebens. Und eines Tages, wenn für jeden Menschen auf Erden gesorgt ist, dann könnt ihr auch euer heiliges Handy wieder hervorkramen und davon träumen, zum Mars zu fliegen. Wir können uns nur analog ernähren und verteidigen. Die digitale Welt gehört dem Feind.

Natürlich muss sich die Jugend weitestgehend von ihrem privilegierten Leben verabschieden, ihr Scheiß Handy am besten in den Müll werfen, ihren Konsum von all dem Dreck einschränken, die Ärmel hochkrempeln und ihren praktischen Beitrag im wirklichen Leben leisten. Und kämpfen. Für die Freiheit.

Es mag ja wichtig sein, welches Geschlecht ein Mensch hat und ob seine Haut grün oder blau ist, aber letztendlich sind das alles Tricks der Ablenkung, Teilung und Versklavung. Derlei wichtige Themen können wir später diskutieren. Ein Mensch muss erst einmal essen und trinken. Und eine sichere, angenehme Unterkunft haben. Und was sonst noch so unbedingt zum Leben notwendig ist. Wir reden hier von Freiheit. Das Leben in Freiheit muss man sich erkämpfen. Eure Freiräume der Freiheit sind momentan ganz klein, aber es gibt sie immer noch. Diese Freiräume müsst ihr nutzen, jeden Millimeter, im friedlichen Widerstand. Und der Mensch muss immer im Zentrum allen Denkens und Handelns stehen. Immer. Und dann: Vor Gott sind alle Menschen gleich. Soll ich das tausendmal wiederholen? Da ist kein Unterschied zwischen Jeff Bezos und einem Penner.

Ein Irrenhaus – und Sie mitten drin

Ja, ein Irrenhaus – und Sie mitten drin. Alldieweil ich in Dankbarkeit und Demut mit ein paar Worten Gott preise, und dann meinen Kürbis esse. Die Welt kann mich am Arsch lecken. Ihr seid doch alle verrückt geworden.

PS: Ein letzter Ratschlag noch. Es mag ja sein, dass Sie keinen Garten haben. Aber Sie brauchen nur einen Quadratmeter, um anzufangen. Irgendwo. Und wenn Sie wirklich kein Stückchen Land haben, dann schaffen Sie eben Platz im Kopf. Säen, pflanzen Sie Leben. Es wird Sie inspirieren, Ihnen Mut und Kraft geben, ihr Herz wieder wie bei einem richtigen Menschen schlagen lassen und Sie daran erinnern, worum es wirklich geht auf Erden. Und wie arg uns diese sogenannte Kultur versaut und uns unsere Menschlichkeit weggenommen hat. Der Mensch ist Geist. Der Geist lebt ewig. Was meinen Sie, wie der liebe Gott Sie eines Tages zusammenscheißen wird. So eine erbärmliche Leistung auf Erden!

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Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Ist es nicht beeindruckend, wie Hans-Jürgen Geese vom anderen Ende der Welt die Lage auch in Deutschland treffend analysiert? Da können wir Ihnen nur empfehlen, das Werk desselben Autors zu genießen. Mit dem Titel „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ spannt Geese den Bogen von Neuseeland zu Deutschland. Seine messerscharfen Analysen zeigen auf, wie die Bürger weltweit von den immer gleichen Akteuren mit den immer gleichen Methoden unterdrückt und ausgebeutet, ja zu Sklaven gemacht werden. Täuschen Sie sich nicht. Was Geese in Neuseeland wie unter dem Brennglas aufzeigt, findet auch in Deutschland statt. Es ist nur nicht so leicht zu erkennen. „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ ist erhältlich im Buchhandel oder bestellen Sie Ihr Exemplar direkt beim Verlag hier. 

Hier können Sie eine Rezension zu diesem Werk ansehen: 
https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2020/ausverkauf-vom-traum-neuseeland-wie-ein-bluehendes-land-verramscht-wurde/ 

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