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Gibt es eine neue Pandemie – Die „Mohren“-Paranoia?

Von Hubert von Brunn

Im Zuge der sich seit dem gewaltsamen Tod des schwarzen Amerikaners George Floyd rasant ausbreitenden Rassismus-Hysterie, will die progressive Multikulti-Weltstadt Berlin natürlich wieder einmal ganz vorne mitmischen. In bester Bilderstürmer-Manier und bar jeglichen geschichtlichen Verständnisses haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) beschlossen, den U-Bahnhof „Mohrenstraße“ im Berliner Zentrum umzubenennen. Auch den Ersatz hatte man gleich bei der Hand: U-Bahnhof „Glinkastraße“.

Diese „aus Verständnis und Respekt für die teils kontroverse Debatte um den Straßennamen“ getroffene Entscheidung der BVG wurde von den R2G-Senatoren und -Innen spontan bejubelt. Mit der Umbenennung „setzt die BVG ein klares Zeichen gegen Diskriminierung“, schwärmte anderntags Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Seit ihrer Inbetriebnahme 1908 hat die Station schon mehrere Namen gehabt: „Kaiserhof“ „Thälmannplatz“ (von 1950 bis 1986), „Otto-Grotewohl-Straße“ (von 1986 bis 1991). Seit 1991 ist die nahegelegene Mohrenstraße namensgebend. Damals hat sich offensichtlich niemand daran gestört. Warum auch? Schließlich heißt die Mohrenstraße in Berlin schon seit dem Jahre 1707 so. Zu der Zeit wurde Preußen von Friedrich I. regiert und es ist nicht überliefert, dass der Preußenkönig Sklavenhandel betrieben hat.

Vor 300 Jahren war die „Mohrenstraße“ eine Geste der Wertschätzung

Vielmehr pflegte er gute Beziehungen zu etlichen afrikanischen Staaten und überließ den Delegationen, die nach Berlin kamen, Häuser und Wohnungen in der Nähe des Schlosses. Dunkelhäutige Menschen wurden im damaligen Berlin also hauptsächlich in dieser Gegend gesehen und so bot es sich an, die Straße, in der sie wohnten, „Mohrenstraße“ zu nennen. Das war eine Geste der Wertschätzung. Von Diskriminierung keine Spur. Genaugenommen ist die Umbenennung des U-Bahnhofes jetzt ein rassistischer Akt in umgekehrte Richtung. Eine vor mehr als 300 Jahren von höchster Stelle verordnete Ehrung wird diskreditiert, nur weil eine ungebildete, uninformierte, ideologisch einäugige Clique von Pseudo-Gutmenschen den rabiaten Polizeieinsatz gegen einen Schwarzen in den USA zum Vorwand nimmt, die negroide Rasse in toto unter sprachlichen Artenschutz zu stellen. – Ach so! Das Wort „Rasse“ soll ja auch aus dem Grundgesetz, Art. 3, gestrichen werden. Als logische Konsequenz muss dann aber auch der Begriff „Rassismus“ aus dem Sprachgebrauch entfernt werden. Zu dumm, denn damit entfällt ein zentraler Begriff der linken Agitation. Das zu durchschauen, erfordert natürlich ein paar funktionierende graue Zellen, deren Existenz man in manchen Hirnen leider vergeblich sucht.

Woher kommt der „Mohr“ überhaupt? Es ist eine phonetische Entsprechung des französischen Wortes „maure“ – in der Schreibweise eben eingedeutscht. Mit dem Unterschied, dass in unserem Sprachgebrauch mit „Mauren“ die Araber und Nordwestafrikaner im Spanien des Mittelalters gemeint sind, während in Frankreich Schwarzafrikaner bis heute „maure“ genannt werden. Niemand stört sich daran. Hierzulande hingegen wurde der „Sarotti-Mohr“ – einst liebenswertes Markenzeichen für leckere Schokolade – schon abgeschafft, ebenso das Naschwerk „Mohrenkopf“, auch „Negerkuss“ genannt; Uncle Ben’s Reis darf den freundlich lächelnden schwarzen Mann nicht mehr als Markenzeichen benutzen und das amerikanische Bürgerkriegs-Epos „Vom Winde verweht“ steht inzwischen auf dem Index. Wie viel Verblödung von selbst ernannten Sprachwächtern muss ein halbwegs gebildeter Mitteleuropäer – für einen solchen halte ich mich – in diesem Kontext noch ertragen? Und was macht der weiße Biodeutsche mit dem Nachnamen „Mohr“? Allein im Berliner Telefonbuch gibt es 82 Einträge, in ganz Deutschland werden es Tausende sein. Müssen die jetzt alle einen neuen Namen beantragen, damit sie nicht dem Vorwurf des Rassismus aus der linken Ecke ausgesetzt sind? Arme Menschen!

Jetzt hat die BVG ein Problem: Rassismus vs. Antisemitismus

Zurück nach Berlin-Mitte. In ihrem Vorstoß zur Umbenennung der U-Bahnstation „Mohrenstraße“ hat die BVG, wie oben schon gesagt, die Alternative bereits mitgeliefert: die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene „Glinkastraße“. Inzwischen haben jedoch einige fleißige Journalisten recherchiert und herausgefunden, dass der russische Komponist Michail Iwanowitsch Glinka ein ausgemachter Antisemit war. Dem entsprechend bezeichnete der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin das Vorhaben auch als „Verschlimmbesserung“. Nun hat die BVG also ein bemerkenswertes Problem: Vom vermeintlichen Rassismus zum nachgewiesenen Antisemitismus. Angesichts dieser Erkenntnisse hat Wirtschaftssenatorin und BVG-Aufsichtsratsvorsitzende Ramona Pop dann auch schnell eine 180-Grad-Wende vollzogen und verkündet: „Schnellschüsse sind in solchen Angelegenheiten nicht angebracht“. Es tut mir leid, aber die Verlogenheit der rot-grünen Mischpoke im Berliner Senat verursacht bei mir nur noch Brechreiz.

Abgesehen von dem inhaltlichen Irrsinn gilt es natürlich auch noch einen anderen, den finanziellen Aspekt, zu beleuchten. Schließlich bedeutet die Umbenennung eines U-Bahnhofs, dass Millionen von Fahrplänen und Übersichtskarten in die Tonne getreten und durch neue ersetzt werden müssen. Das kostet den Steuerzahler richtig viel Geld, denn die BVG selbst verfügt nicht über die nötigen Mittel. Hat doch der R2G-Senat erst vor wenigen Wochen die Idee verbreitet, für alle Berliner ein Zwangsticket für 750 €/Jahr einführen zu wollen, um den chronisch klammen Verkehrsbetrieben finanziell unter die Arme zu greifen. (Wir haben darüber berichtet: www.anderweltonline.com/politik/irrsinn-aus-der-hauptstadt/) Einem normal denkenden Menschen, der sorgsam mit dem ihm zur Verfügung stehenden Geld haushalten muss, damit der über die Runden kommt, fällt da nichts mehr ein. Die Straße selbst soll – so wurde aus dem Roten Rathaus verlautet – vorerst weiterhin „Mohrenstraße“ heißen. Eine mögliche Umbenennung solle geprüft werden. Wenn das kommt, wird’s noch einmal richtig teuer.

Auch Köln hat eine „Mohrenstraße“ und will sie umbenennen

Und jetzt kommt die Domstadt Köln daher, die im heldenhaften Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung der Hauptstadt nicht nachstehen will. Auch in der Kölner Innenstadt gibt es eine „Mohrenstraße“ und der SPD-Ortsverein Südstadt möchte diese nun umbenennen. Wie es in Köln zu der Namensgebung kam, ist unklar. Egal: „Mohr“ ist böse, rassistisch und diskriminiert – wen auch immer. Die Kölner Afrikanistik-Professorin Marianne Bechhaus-Gerst hat immerhin eine Idee: „Der Name soll an den Heiligen Gregorius Maurus und andere Soldaten der Thebäischen Legion erinnern, die afrikanischer Herkunft waren.“ Also war es auch hier offensichtlich als Ehrung gemeint und keineswegs diskriminierend. Die Volte, die Frau Professorin an der Stelle vollzieht, lässt mich einmal mehr den Geisteszustand mancher Menschen in Zweifel ziehen. „Dass es sich hier um eine Ehrung handelt, ändert aber nichts daran, dass die Bezeichnung rassistisch ist“, sagte sie einer Kölner Zeitung.

Von ideologisch verblendeten Politikern, linksgedrehten Aktivisten und dem Mainstream willfährig ergebenen Journalisten erwarte ich schon lange nicht mehr den Einsatz des gesunden Menschenverstands. Wenn, wie hier, aber auch eine anerkannte Wissenschaftlerin einen derartigen Schwachsinn von sich gibt, dann leistet das meiner Verzweiflung Vorschub und ich bin geneigt, vor Wut in die Tischkante zu beißen. Das werde ich natürlich mit Rücksicht auf mein Gebiss sein lassen, aber ich werde nicht damit aufhören, bissige Kommentare zu formulieren, wenn der Schwachsinn überhand nimmt.

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