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Deutschland gutes Land - Satire zur Piraterie

Von Hubert von Brunn 20.04.2009

Deutsche Gefängnisse genießen einen exzellenten Ruf – weltweit. Der Komfort unserer staatlich subventionierten Viersterne-Unterkünfte hinter Gittern hat sich inzwischen selbst bis zu den somalischen Piraten herumgesprochen. Nachdem deutsche Marinesoldaten sie an der Ausübung ihres Piratenhandwerks gehindert und in Haftanstalten mit deutlich geringerem Standard (ohne Stern) nach Kenia verbracht haben, pochen die Freibeuter in Badelatschen nun auf ihr gutes Recht und verklagen die Bundesregierung auf mindestens 10.000 Euro Schadenersatz pro Nase. Die Zustände im kenianischen Knast – Zellen mit Mehrfachbelegung, keine ordentlichen Betten, keine Einzeltoilette, einseitiger Speiseplan etc. – empfinden sie nach Aussage ihrer deutschen (!) Anwälte als „inakzeptabel“ und ihre Auslieferung an Kenia mithin als „unrechtmäßig“.

Über die Fakten zu diesem juristischen Kabinettstücken wurde erstmals am 16. April 2009 in vielen Zeitungen berichtet. Die freudige Erregung in Teilen der Anwaltszunft über dieses unerwartete lukrative Betätigungsfeld (selbstverständlich sollen die Kosten des Verfahrens vom deutschen Steuerzahler getragen werden) wurde ebenso wenig kommentiert wie die potenzielle Möglichkeit einer gütlichen Einigung vor Gericht. Denkbar wäre folgender Deal:

Abgesehen von einer angemessenen Haftentschädigung für die Zeit im Kenia-Knast verzichtet der Pirat auf die Zahlung von Schadenersatz. Im Gegenzug wird er mit einer Bundeswehrmaschine nach Deutschland geflogen und in einer Justizvollzugsanstalt seiner Wahl untergebracht. Vorausgesetzt, die Mindestanforderungen an die Unterkunft werden erfüllt, als da sind: geräumige, helle Einzelzelle mit separater Toilette, bequemes Bett, Fernseher, ordentliche Kleidung, muslimgerechtes Essen usw. usw. – erklärt sich der somalische Staatsgast bereit, einen Sprachkurs für Deutsch zu machen, in den Anstaltswerkstätten je nach Fähigkeit auch gegen geringes Entgelt zu arbeiten und keine Gefangenenrevolte anzuzetteln.

Den ersten somalischen Piraten, der in Genuss dieses fiktiven Deals kam, treffen wir ein Jahr nach seiner Übersiedelung von Kenia nach Deutschland zu einem fiktiven Interview.

Reporter: Herr Mumba Lunga (Name geändert), Sie leben nun seit einem Jahr in diesem schönen, neuen Gefängnis. Wie fühlen Sie sich?

M.L.  O ich fühlen prima. Deutschland gutes Land, Deutschland reiches Land. Leben hier in Knast viel besser als in Hütte in Somalia.

Reporter: Sie haben damals die Bundesregierung auf Schadenersatz verklagt, weil Ihnen das Gefängnis in Kenia nicht gefallen hat. Wie kamen Sie auf diese Idee?

M.L. Kenia Knast Scheiße. Zelle schmutzig, zu viele Leute da. Essen ganz schlecht und müssen in Eimer kacken. Kenia ganz Scheiße. Aber ich mit Kenia nix zu tun. Ich gefangen von deutsche Soldaten, also ich muss gehen in deutsche Gefängnis.

Reporter: Aber Sie sind Pirat und haben in internationalen Gewässern mit Waffengewalt Schiffe gekapert. Sie haben andere Menschen bedroht, sie gekidnappt, ganze Schiffsladungen geraubt, Lösegeld erpresst…

M.L. Ja klar. Musst Du nehmen, was kommt und was sich lohnt.

Reporter: Und was lohnt sich?

M.L. Große Frachter von reiche Land, voll beladen und weit weg von Kriegsschiff.

Reporter: Sie bekennen sich offen zu Ihrem Piratentum. Doch Piraterie ist nun mal ein schweres Verbrechen und wird hart bestraft…

M.L. …aber nix Strafe in Kenia Knast!

Reporter: Warum nicht? Denken Sie nicht, dass die Staatengemeinschaft das Recht hat, Ihnen und Ihresgleichen das Handwerk zu legen, ohne danach zu fragen, in welchem Land Sie gerne Ihre Strafe absitzen möchten, wenn man Sie erwischt?

M.L.  Erwischt ist Scheiße, aber ich auch habe Recht. Wenn schon Strafe, dann fair und demokratisch, mit Menschenrechte und so…

Reporter: Ich sehe, Sie sind gut informiert.

M.L. Ja, ja, deutscher Anwalt guter Anwalt.

Reporter: Bei Ihren Überfällen haben Sie aber ganz und gar nicht nach Menschenrechten gefragt. Wo war denn Ihre Fairness als Sie Ihre Geiseln misshandelten, sie wochenlang ihrer Freiheit beraubten…

M.L.  …das ist andere Sache. Gesetze von Piraten auf See sind ganz anders.

Reporter: Und warum sollen diese Gesetze für Sie jetzt nicht gelten?

M.L.  Weil ich jetzt nix Pirat, ich jetzt Gefangener in deutsche Knast. Das ist besondere Situation.

Reporter: Aha, verstehe. Wie es aussieht, werden Sie diese besondere Situation noch weitere fünf Jahre…

M.L. Nein, nein, nix da! Nix fünf Jahre. Noch zwei Jahre, höchstens, dann draußen, sagt Anwalt.

Reporter: Sagt der Anwalt, so so. Und dann? Wie geht es dann weiter?

M.L. Wenn ich raus, ich sagen Asyl, und weil in Somalia Bürgerkrieg, ich bekommen Asyl. Deutschland gutes Land.

Reporter:  Und dann?

M.L. Dann ich gehen nach Norden, wo Nordsee ist.

Reporter: Und was wollen Sie dort tun?

M.L. Ich treffen mich mit andere Kumpels aus Somalia, die so gemacht wie ich. Dann wir besorgen Schnellboot und Kalaschnikow und Panzerfaust, fahren hinaus aufs Meer und kapern Schiffe.

Reporter: Verstehe ich Sie richtig? Nach Ihrer Entlassung aus dem Gefängnis wollen Sie wieder als Pirat tätig werden und die Nordsee unsicher machen?

M.L. Na ja, Pirat ist einzige, was wirklich gut kann, und Nordsee ist gut für Geschäft. Viele Schiffe dort und keine andere Piraten. Das wird schöne Zeit.

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