------------------------------------

-------------------------------------

---------------------------------------

Boni - die Lizenz zum Versagen

Von Hubert von Brunn 24.08.2009

Im Herbst 2008 hat’s ordentlich gekracht im Gebälk der internationalen Finanzwelt. Das milliardenschwere Jonglieren mit faulen Krediten, wertlosen Anleihen und Zertifikaten – und wie diese virtuellen „Produkte“ im Bankendeutsch sonst noch heißen mögen – hat sich als gigantischer Schwindel entlarvt und das globale Finanzsystem an den Rand des Abgrunds getrieben. Hunderte von Milliarden Euro Steuergelder wurden von den Regierungen weltweit in das marode Bankensystem gepumpt, um zu verhindern, dass das wankende Kartenhaus völlig einstürzt.

Was da im Einzelnen geschehen ist und wie es so weit kommen konnte, durchschauen sowieso nur Investmentbanker, Broker und andere Insider des giergesteuerten Spekulantentums. Der kleine Anleger, der gutgläubig sein Erspartes der Bank seines Vertrauens zur Verfügung stellte in der Hoffnung, auf diese Weise einen Beitrag zu seiner Altersvorsorge leisten zu können, hat das Nachsehen. Er kann betrübt feststellen, dass sein Geld futsch ist und er eines Tages doch allein von einer schmalen Rente wird leben müssen – falls es diese dann überhaupt noch gibt.

Ein bemerkenswertes Phänomen ist im Zuge dieses Bankenskandals in den Blickpunkt gerückt, von dem viele gar nicht wussten, dass es in der Weise existiert: das Boni-System. So mancher Nicht-Lateiner – und meines Wissens bilden die Inhaber des Großen Latinums eine klare Minderheit in der Bevölkerung – konnten mit dem Begriff „Boni“ erst einmal überhaupt nichts anfangen. Nun, es ist, wie wir inzwischen alle wissen, die Mehrzahl von „Bonus“, was in der lateinischen Grundform schlicht „gut“ bedeutet, also das Gegenteil von „schlecht“. Im erweiterten Sinn ist ein Bonus eine „Gutschrift“ bzw. eine „Sondervergütung“, und noch etwas spezieller steht „Bonus“ in der Wirtschaft entweder:

-    für eine einmalige Gewinnausschüttung in Form einer Zusatzdividende bei Kapitalgesellschaften oder

-    für eine Gewinnbeteiligung der Versicherungsnehmer an den     Überschüssen einer Versicherung oder

-    für einen nachträglich gewährten Lieferantenrabatt (Treueprämie) an den Kunden.

Dieses Grundverständnis von „Bonus“ impliziert in jedem Falle, dass etwas Positives, eine wie immer auch geartete besondere Leistung  vorausgegangen sein muss, wodurch sich die Gewährung von Sondervergütungen (Boni) rechtfertigen lässt. In keinem der o.g. Beispiele sind Bonuszahlungen bei Verlust, nachweislichem Fehlverhalten, Misswirtschaft und dergleichen vorgesehen.

Anders im Bankenwesen und vorderhand im Investmentbanking, also dort, wo mit sehr großen Summen spekuliert wird, und das Risiko sehr großer Verluste entsprechend hoch ist. Dort werden neben einem respektablen Gehalt Boni gezahlt auf Gedeih und Verderb, ganz egal was unter dem Strich dabei herauskommt. Ein einfaches Beispiel mag diesen systematisierten Wahnsinn illustrieren.

Ein Investmentbanker investiert – das ist, wie der Name schon sagt, sein Job – 100 Millionen Euro in irgendein Paket von „Wert“-Papieren, das irgendeine andere Bank auf den Markt geworfen hat. Mit seiner feinen Spekulantennase erkennt unser Investmentbanker (nennen wir ihn der Einfachheit halber Greedy) sofort das Schnäppchen, da die andere Bank, die ihren Plunder loswerden will, in leuchtenden Farben und mit eindrucksvollen Charts ausmalt, welche gewaltige Gewinnmarge dieser Deal beinhaltet. Greedy zückt seinen Taschenrechner, tippt geschwind ein paar Zahlen hinein und ballt nach kurzer Rechenoperation die Siegesfaust, wie Bobbele in seinen besten Tagen. In drei Jahren wird seine Bank aus dem Einsatz von 100 Millionen einen Gewinn von summa summarum 300 Millionen Euro gemacht haben. Wenn das nichts ist? Und er, Greedy, der geniale, hat diesen Deal eingefädelt. Sofort gibt er das Zahlenwerk in den Computer ein, schickt es an die zuständige Bonusabteilung seiner Bank und bekommt wenige Tage die Bestätigung einer Bonuszahlung in Höhe von 3 Millionen Euro auf sein Konto. Greedy ist happy.

Dummerweise entpuppt sich Greedys vermeintliches Schnäppchen schon nach wenigen Monaten als totaler Rohrkrepierer. Was er da eingekauft hat, ist überhaupt nichts wert. Nullkommanull, niente! Er hat sich verzockt, das Geld ist weg. Seine Bank muss jetzt nicht nur auf den erwarteten Gewinn verzichten, sondern hat 100 Millionen ihres Kapitals (plus 3 Millionen für Greedys Bonus) in den Sand gesetzt. Greedy hat also nachweislich nichts Gutes für seinen Arbeitgeber und die unzähligen kleinen Anleger, die ihm ihr Geld anvertrauten, geleistet. Das muss ihn aber nicht weiter interessieren. Seinen Bonus hat er im Sack. Und sollte die Bank auf die Idee kommen, ihn wegen dieses Flops vor die Tür zu setzen, wird er auch nicht weinen. Ein goldener Handschlag mit einer satten Abfindung ist ihm sicher. Die Verluste der Bank werden dann auf Nachfrage vom Staat ausgeglichen und alles ist gut. Auf ein Neues.

An der Stelle gerät der normale Arbeitnehmer einigermaßen ins Grübeln. Üblicherweise ist es doch so: Ein Mensch erlernt einen Beruf. Die erworbenen Kenntnisse, seine Talente und seinen Fleiß bietet er dann einem Unternehmen an, das genau dieses Know-how gebrauchen kann, und ihn dafür entsprechend entlohnt. Dabei gehen beide Seiten davon aus, dass mit dem vereinbarten Lohn/Gehalt plus Urlaubs- und Weihnachtsgeld grundsätzlich alle Leistungen, die der Mitarbeiter für das Unternehmen einbringt, adäquat honoriert sind. Und es wird selbstverständlich weiter davon ausgegangen, dass der Mitarbeiter seine Arbeit ausschließlich zum Wohle der Firma einsetzt und alles unterlässt, was ihr schaden könnte. Und um ganz sicher zu gehen, wird ihm im Falle eines grob fahrlässigen Verhaltens die fristlose Kündigung schon zu Beginn des Arbeitsverhältnisses vertraglich in Aussicht gestellt. Das ist die Regel, und niemand außerhalb der virtuellen Welt der Banker findet solche Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer widersinnig oder gar anstößig.

Vielleicht nicht mehr lange, denn von den Bankern lernen, heißt siegen lernen, und wenn nun die Mitarbeiter in allen anderen Branchen der Wirtschaft auch einmal etwas vom großen Kuchen abhaben wollen und auf regelmäßige Bonuszahlungen bestehen, ganz egal ob sie ihre Arbeit gut machen oder ob sie Pfusch abliefern – dann wird’s düster.

Anhand von zwei Fallbeispielen will ich Ihnen einen Eindruck davon vermitteln, welche Auswirkungen auf das Wirtschaftsgefüge in unserem Lande eine flächendeckende „Bonisierung“ von Industrie und Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung mit sich brächte.

Fallbeispiel 1: Fred der Fernfahrer

Fred ist beigeistert von seinem nagelneuen Autotransporter, den er seit einer Woche unter dem Hintern hat. Ein Supergerät mit komfortabler Schlafkabine, GPS, Fernseher und Kühlschrank im Cockpit und einem Turbodiesel mit rund 300 PS unter der Haube. Alles vom Feinsten, wie auch seine Ladung: 16 hochwertige Sportcoupés und Limousinen hinten auf der Zugmaschine und auf dem Anhänger.

Stolz wie Oskar brettert Fred über die Autobahn und freut sich schon auf die nächste Steigung, wo er mit seinem Supertruck an den lahmen Kisten, die brav hintereinander fahrend den Berg erklimmen,  <//span>vorbeiziehen kann. Das Überholverbot für Lkw interessiert ihn wenig. Seine Aufmerksamkeit gilt viel mehr den aufregenden Bildern von drallen nackten Frauen in dem Sexmagazin, das er vor sich auf dem Lenkrad zu liegen hat. Derlei Lektüre zur Erbauung auf langweiligen Autobahnstrecken hat Fred immer an Bord. Sonst ginge die Zeit ja nie rum.

Jetzt ruft auch noch sein Kumpel Michi an, der gerade mit seiner Karre irgendwo in Norddeutschland herumgurkt, und die beiden halten ein Schwätzchen. Die Tachonadel zeigt konstant 100 km/h, während Fred dem Michi ausführlich schildert, was der da gerade vor sich auf dem Lenkrad sieht. Als er wieder von dem Lustblättchen aufblickt, muss er erkennen, dass er dem vor ihm fahrenden Polen mit seiner alten Rostlaube viel zu schnell viel zu nahe gekommen ist. Voll in die Eisen gehen oder nach links ziehen auf die mittlere Spur. In Bruchteilen von Sekunden muss Fred handeln und er entscheidet sich für die linke Spur. Die Zeit, um in den Rückspiegel zu sehen, hat er nicht mehr. Pech für den BMW, der gerade im Überholvorgang auf gleicher Höhe mit dem Führerhaus des Transporters ist. Es kracht, der BMW fliegt auf die linke Spur und knallt dort in das nächste Auto, und noch eins, und noch eins… Da fährt dem Fred der Schreck in die Glieder und instinktiv reißt er das Steuer nach rechts. Das hätte er besser nicht tun sollen, denn jetzt gerät sein tonnenschweres Gefährt ins Schlingern, und Freds Bemühungen dagegen zu steuern, bleiben erfolglos. Im Rückspiegel sieht er, wie der Anhänger sich daran macht, die Zugmaschine zu überholen. „Scheiße“ brüllt Fred, und dann hört er nur noch Krachen und Bersten und Splittern und alles dreht sich. Dann ist Totenstille und Fred kann aus der geborstenen Frontscheibe seines umgestürzten Trucks ins Freie klettern. Glück gehabt.

Einige Tage später entwickelt sich zwischen Fred und seinem Chef (in der Branche duzt man sich meist) folgender Dialog:

Chef: „Mensch Fred, was haste denn da angestellt?“

Fred: „Keine Ahnung, Chef. Plötzlich ging der Pole vor mir ohne Grund auf die Bremse. Was soll ich machen? Einfach hinten drauf fahren? Da bin ich nach links gezogen. Reflex, du kennst das…

Chef: „…und hast den BMW abgeschossen.“

Fred: „Woher soll ich wissen, dass der ausgerechnet in dem Moment überholen muss? Du weißt doch, wie die fahren, wie die Blöden. Denken, sie sind alleine auf der Straße.“

Chef: „Und ist den Anderen was passiert?“

Fred: „Nö, nicht dass ich wüsste. Ein paar Schrammen, vielleicht, aber nichts Ernstes. Jede Menge zerbeultes Blech halt.“

Chef: „Ja, und unser schöner neuer Truck ist auch hinüber, und die Ladung…!“

Fred: „Ach Chef, nun mach dich nicht verrückt. Ist doch alles halb so wild. In ein paar Wochen hast du die Kohle von der Versicherung und kaufst dir einen neuen Truck. Wo ist das Problem?“

Chef: „Na ja, schon, aber gefallen tuts mir nicht. – Außerdem habe ich bis dahin keinen Transporter, auf dem du fahren kannst.“

Fred: „Auch das ist überhaupt kein Problem. Ich lass’ mich so lange krankschreiben, was nach so einem Unfall ja das Normalste von der Welt ist. Dann sparst du Geld und ich ruh mich ein wenig aus.“

Chef: „Hast recht, Fred, so machen wir’s. Dann geh’ rüber zu Anja und hol’ dir deinen Bonusscheck ab. Sie weiß Bescheid.

Fred: „Ach ja, gutes Stichwort. Du wolltest mich ab diesem Monat doch höher einstufen.“

Chef: „Hab’ ich ja – obwohl du es eigentlich nicht verdient hättest, nach dem Mist, den du da gebaut hast.“

Fred: „Ja, ja, komm wieder runter. Das haben wir doch geklärt. – Wie viel ist es denn jetzt?“

Chef: „Sechstausend.“

Fred: „Na schön, für ein paar nette Tage am Gardasee wird’s reichen. – Also, bis dann Chef. Sag’ Bescheid, wenn die neue Karre da ist und ich wieder auf die Piste kann. Muss doch noch ein bisschen an meinem Bonuskonto arbeiten.“

Fallbeispiel 2: Dr. Manfred Müller, Lebensmittelchemiker

Dr. Müller ist ein umgänglicher Zeitgenossen und ein Mann, der sein Handwerk versteht. Deshalb ist er auch seit fünf Jahren Chefchemiker bei einem renommierten Hersteller für Tütensuppen und Fertigkost jeder Art. Er hat die Verantwortung, wenn tonnenweise tief     gefrorene Gemüseschnipsel, Fleischextrakte, Geschmacksverstärker, Gewürzmischungen und sonstige Ingredienzien in großen Tanks zusammengemischt und in Tüten abgefüllt werden. Sein Problem ist, dass er zur Schussligkeit neigt und die Belastungen des Alltags ihn mitunter überfordern.

So auch an jenem Montag, an dem unter seiner Aufsicht die Rezeptur für 50 Tonnen Tomatensuppe angesetzt wird. Ein schrecklicher Tag, den er besser im Bett verbracht hätte.

Es geht schon los am Frühstückstisch, wo er sich seine neue, bunt gemusterte Seidenkrawatte mit Eigelb bekleckert. Dann steht er eine halbe Stunde mit seinem Auto im Stau und kommt zu spät. Im Grunde nicht tragisch, denn seine Mitarbeiter wissen ja Bescheid, doch niemand wagt, den Mischvorgang für das Suppenpulver ohne sein Beisein in Gang zu setzen. Das ist Chefsache.

Grade als Dr. Müller den Computer, der die Beimengung der jeweiligen Zutaten steuert, überprüft, ruft seine Frau an und fordert ihn auf, jetzt endlich ein Machtwort zu sprechen. Sie sei mit Marc-Jonas in einem exklusiven Geschäft für trendy Fußbekleidung, und der Junge inszeniere dort einen regelrechten Zwergenaufstand. Jene bestimmten Sneakers der Marke Soundso, die sich der Sechsjährige gewünscht hat und die ihm als Geburtstagsgeschenk versprochen waren, seien nicht mehr vorrätig, worüber sich Marc-Jonas schrecklich aufrege. Zwei Tage zu warten, bis seine erwählten Sneakers geliefert würden, käme für ihn nicht in Frage, und er werde sich nur beruhigen, wenn er stattdessen einen bestimmten Schuh bekäme, den er gerade im Regal entdeckt habe. Dieses Modell, so Frau Müller, sei aber noch mal 150 Euro teurer, und sie wolle die Entscheidung über diese zusätzliche Ausgabe nicht alleine treffen.

Für Dr. Müller, der noch immer mit dem Eigelb auf seiner neuen Krawatte hadert, ist Marc-Jonas’ Schuhproblem ein zusätzlicher Störfaktor gerade jetzt in einer Phase höchster Konzentration. Unwirsch weist er seine Gattin an, zu kaufen, was der Knabe verlangt, und ihn nicht weiter mit solchen Banalitäten zu belästigen.

Nach diesem Telefonintermezzo hat Dr. Müller ein wenig den Überblick verloren und als er sich wieder dem Computer zuwendet, kann er dort keine Bestätigung für die Beimengung von Salz finden. Also geht er hinüber zum Salzsilo, programmiert die erforderliche Menge, (was er selbstverständlich im Kopf hat), und betätigt die Schleuse manuell per Knopfdruck. Zurück an seinem Computer, blinkt ihn ein großes, rotes Warnfeld mit der Inschrift SALZ entgegen. Der Chefchemiker weiß sofort, dass er diese Rezeptur der Tomatensuppe nicht zur Abfüllanlage weiterzuleiten braucht, sondern gleich in den Gully leiten kippen. Mit der doppelten Ration Salz wird die Suppe nicht zu genießen sein.

„Mist, verdammter“, schimpft er in sich hinein und macht sich auf den Weg zum Direktor, um sein Missgeschick zu melden. Dieser ist natürlich „not amused“ über den neuerlichen Produktionsausfall, den damit verbundenen Kosten, den Ärger mit den Kunden, die vergeblich auf ihre Lieferung warten und all den anderen Scherereien, mit denen er sich jetzt rumzuschlagen hat.

„Mensch Müller, was machen Sie denn bloß für einen Blödsinn?“ raunzt der Direktor ihn an. „Das ist jetzt schon das dritte Mal in diesem Jahr, und immer montags. Reißen Sie sich doch mal zusammen, Mann.“

Zerknirscht berichtet Dr. Müller von den Missgeschicken und Ablenkungen, die ihm dieser Tag von Anfang an beschert hat, und der vorübergehenden Computerstörung, der zufolge er nicht sehen konnte, dass schon Salz beigemischt war.

Direktor: „Ach, verschonen Sie mich doch mit Ihrem privaten Kram, das interessiert mich nicht. Wissen Sie eigentlich welchen Schaden Sie mit Ihrer Schussligkeit inzwischen verursacht haben?“

Dr. Müller: „Nicht so genau, aber ein paar Milliönchen werden es schon sein.“

Direktor: „Das können Sie laut sagen. Das Dumme ist nur: die Finanzspritze, die ich dem EU-Strukturfonds aus dem Kreuz geleiert habe, ist dafür drauf gegangen, Ihre beiden letzten Flops auszugleichen. Und womit soll ich jetzt diesen Schaden bezahlen?“

Dr. Müller: „Also ich an Ihrer Stelle würde mich direkt an den Finanzminister wenden. Und dann aber nicht kleckern, sondern klotzen, verstehen Sie. Sagen Sie dem, sie brauchen 250 Millionen Euro, ansonsten verlagern Sie die Produktion nach China oder Sie machen den Laden ganz dicht. In jedem Falle müssten Sie dann die Leute nach Hause schicken.“

Dr. Müllers Vorschlag hinterlässt Wirkung beim Direktor. „Könnte funktionieren. Finanzspritze oder Verlust von Arbeitsplätzen – das hat sich schon oft bewährt. Gute Idee, Müller, das könnte funktionieren.“

Dr. Müller: „Na sehen Se. Das ist doch mindestens der doppelte Bonus in diesem Monat wert, oder?“

Direktor: „Müller, Müller, Sie haben Nerven. Ich kann mir diesen Monat selber nur 100.000 genehmigen, und Sie liegen doch schon ganz weit vorne mit 25.000. – Nee, nee, verdoppeln ist nicht.“

Dr. Müller: „Gut, dann einigen wir uns darauf. 35.000 in diesem und in den nächsten beiden Monaten. Das ist doch ein fairer Kompromiss.“

Direktor: „Meinetwegen, 35.000 in den nächsten drei Monaten. Und wenn das mit dem Finanzminister klappt, gibt’s Ende des Jahres noch mal ordentlich was obendrauf. – Aber tun Sie mir einen Gefallen: Kommen Sie nicht mehr montags, das ist, glaube ich, besser für alle Beteiligten.

Die beiden Männer schütteln sich freundschaftlich die Hände.

Dr. Müller: „Abgemacht! Montags werden Sie mich hier nicht mehr sehen.“

Das ist absurd, finden Sie? Ja, das ist es, und mehr als das: es ist hirnrissig, vollkommen daneben, pervers und sonst etwas. Bemerkenswert nur, dass es hier der Fiktion bedarf, um das Ausmaß der Absurditäten in der Wirklichkeit des Bankenwesens zu entlarven.

Ob eine flächendeckende Bonisierung, die dann in etwa nach dem Muster der oben skizzierten Fallbeispiele ablaufen könnte, tatsächlich in allen Bereichen der Wirtschaft Einzug halten wird, ist gegenwärtig schwer vorherzusagen. Das wird nicht zuletzt von den Gewerkschaften abhängen und deren Überlegungen, das Bonbussystem der Banken als vorbildlich anzuerkennen und es dann auf die jeweiligen Bedürfnisse ihrer Mitglieder maßgeschneidert in allen Betrieben zu installieren. Bei den Banken, so viel ist sicher, wird weiterhin mit sehr viel Geld um sich geworfen, um unfähigen Mitarbeitern mit Blanco-Boni fürs Versagen das Leben zu versüßen.

Nach oben