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Putins Dilemma

Von Hans-Jürgen Geese 

Bei Betrachtung der Entwicklung der Geschichte der letzten zweitausend Jahre wird man feststellen, dass wirkliche Neuordnungen von Gesellschaften und von Beziehungen zwischen Staatengemeinschaften stets nach verheerenden Kriegen stattgefunden haben. Der Krieg scheint wahrlich der Vater aller Dinge zu sein.

Nach dem 30jährigen Krieg wurde über 300 deutschen Fürstentümern und einer Anzahl freier Städte die Souveränität garantiert. Niemand wäre damals auch nur auf die Idee gekommen, die alle in einem Staat zu vereinigen. Ein Alptraum. Denn das Kräftegleichgewicht in Europa wäre völlig aus den Fugen geraten. Wer weiß was diese Deutschen schon damals angerichtet hätten?

Nach Napoleon, nach dem Wiener Kongress 1815, verblieben noch 39 deutsche Staaten. Napoleon hatte bereits vorher im Staatenwirrwarr der deutschen Lande kräftig aufgeräumt und auch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation 1806 abgeschafft. Wie bei dem Westfälischen Frieden 1648 war man auch am Ende des Wiener Kongresses 1815 der Ansicht, dass die Vereinigung aller deutschen Nationen in einem einzigen Staat die Einladung zu einer Katastrophe sei.

Friedrich von Gentz, einer der führenden Diplomaten auf dem Wiener Kongress, betrachtete die Vereinigung aller deutschen Stämme zu einem ungeteilten Staat als einen „durch tausendjährige Erfahrung widerlegten und endlich abgetanen Traum.“ Ein deutscher Nationalstaat würde das Mächtegleichgewicht in Europa, und damit die Voraussetzung für den Frieden in Europa, aus den Angeln heben.

Der französische Außenminister Talleyrand schrieb von Wien an seinen König Ludwig XVIII.: „Wer kann die Konsequenzen einschätzen, wenn sich die Massen der Deutschen vereinigten und aggressiv würden? Wer könnte die stoppen?“

Hier ist Friedrich von Gentz mit seiner prophetischen Vorhersage aus dem Jahre 1815: Wenn die Vereinigung aller Deutschen sich durchsetzte, dann „werden verwüstete Länder und mit Blut bedeckte Ruinen das einzige Erbe sein, das unsere Nachfahren erwartet.“

Die Vereinigungskriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich lieferten einen kleinen Vorgeschmack auf das, was dann später folgte. Man muss es aber Bismarck zugestehen, dass er es zumindest verstand, nach 1871 im Kräftegleichgewicht in Europa den Frieden zu bewahren. Als er aber 1890 rausgeschmissen wurde und als dann ein durchgeknallter Kaiser die Marschroute im deutschen Reich vorgab, war es nur eine Frage der Zeit bis die großen Kriege ausbrachen.

Ein Forscher der Geschichte der Deutschen kann eigentlich nur zu der gleichen Schlussfolgerung gelangen wie damals die klugen Leute im Jahre 1648 und 1815:
Die Vereinigung aller Deutschen in einem einzigen Staat wird immer in die Katastrophe führen. Und wenn Sie es nicht glauben, dann fragen Sie Friedrich Merz, der jetzt schon wieder beschlossen hat, dass es Krieg geben muss. Wäre er der Herrscher über Buxtehude, dann wäre er niemals auf diese Idee gekommen.

Gorbatschow war ein Idiot

Wir alle liebten einst „Gorbi“, den Mann, der Russland in eine Demokratie verwandeln wollte. Das ist eine genau so absurde Idee wie die Vereinigung aller Deutschen in einem demokratischen Staat. Der Beweis ist, dass es heute, nach all den Unbilden über die letzten 40 Jahre, weder in Russland noch in der Bundesrepublik eine Demokratie gibt. Gorbatschow war, was wir im Deutschen einen Traumtänzer nennen, ein Mann, der seinen Blick für die reale Welt verloren hat.

Gorbatschow erhielt den Friedensnobelpreis im Jahre 1990. Den Russen ging es dreckig. Im August 1991 erschienen daher ein paar Militärs auf seinem Feriendomizil auf der Krim und erklärten ihn für abgesetzt. Anschließend schrieb Gorbi viele Bücher. Fragen Sie mal die Russen, was die von Gorbatschow halten?

Deng Xiaoping, der Architekt des modernen Chinas, hielt Gorbatschow, laut Aussage von Dengs jüngstem Sohn, für einen Idioten.

Viele Russen sahen damals China als ein Modell an, an dem man sich orientieren sollte. Man kann doch in einem riesigen chinesischen oder russischen Reich nicht mit Demokratie kommen. Liberale Politik in Russland oder China führt ins Chaos und in wirtschaftliche Not. Quod erat demonstrandum. Was zu beweisen war.

Was hielt übrigens Vladimir Putin von Gorbatschow? Putin sagte, dass Gorbatschow über „das größte geopolitische Desaster des Jahrhunderts“ präsidierte.

Im Nachhinein kann man sich doch nur noch immer wundern, wie damals solch ein rohstoffreiches Land von heute auf morgen zusammenbrechen konnte und den Westen um Geld und Hilfe anbettelte? Wie unfähig muss man sein, nicht die Strukturen des eigenen Staates gut genug zu kennen, um zumindest für das Überleben der Bevölkerung zu sorgen? Dazu war Gorbi nicht in der Lage. Er schuf Chaos im Namen von Freiheit und Demokratie und hoffte auf das beste.

Der amerikanische Ökonom Professor Jeffrey Sachs erzählte viele Male, wie er damals als Berater in Polen von der amerikanischen Regierung für Polen milliardenschwere Unterstützung erhielt. Als er aber um Finanzhilfe für Russland bat, wurde er abgewimmelt. Russland war und ist als Beute vorgesehen.

Die Bundesregierung hat Russland den Krieg erklärt

Der deutsche Außenminister Wadephul sagte: “Russland wird immer ein Feind für uns bleiben, wie immer auch der Krieg in der Ukraine enden möge.“

Die Bundesregierung liefert Waffen an die Ukraine. Damit wird sie nach internationalem Recht zum Kriegsteilnehmer und zum legitimen Ziel für die Russen.

Eine Anzahl deutscher Politiker scheint geradezu begeistert von der Aussicht zu sein, gegen Russland Krieg zu führen. Warum verhalten die sich so?

Die Bundesregierung unter Friedrich Merz treibt die größte Aufrüstung und Modernisierung in der Geschichte der Bundeswehr voran. Ziel ist es, die Streitkräfte zur stärksten konventionellen Armee in Europa zu machen.

Soweit zu den Fakten. Was die Bevölkerung von all dem denkt, scheint der Bundesregierung egal zu sein. Wie heute in der westlichen Politik üblich: Die machen einfach. Frage: Ist das wahre Demokratie? Oder Demokratie als Feigenblatt?

Der Krieg in der Ukraine

Offiziell wird der Krieg in der Ukraine von der russischen Regierung nicht als „Krieg“ bezeichnet, sondern als „militärische Spezialoperation.“ Da aber mittlerweile eine Reihe von NATO Ländern mit in den Krieg verwickelt sind ist es geradezu naiv, nicht mehr von einem ausgewachsenen Krieg zu sprechen.

Warum Spezialoperation? Nun, in einem Kriegsfall würde Russland eine Generalmobilmachung anordnen. Dazu ist es bisher nicht gekommen. Die Ausrufung eines Krieges würde wohl auch in der russischen Bevölkerung anders aufgenommen werden als die Sprechweise von der „militärischen Spezialoperation“.

Tatsache ist, dass die Ukraine, ohne die Hilfe des Westens, schon längst hätte kapitulieren müssen. Tatsache ist, dass es sich beim Ukraine Krieg jetzt um einen Krieg der NATO gegen Russland handelt. Die BRD ist real Russlands Feind!

Aber auch in Europa redet man um den heißen Brei herum. Niemand unter den NATO Politikern spricht von einem aktuellen Krieg der NATO gegen Russland.

Die Eskalationsleiter

Nun, die Realität hat inzwischen alle Wunschvorstellungen sowohl der europäischen als auch der russischen Politiker eingeholt und überholt. Das liegt vor allem an der zunehmenden Eskalation des Krieges durch die Westmächte.

Die Ukraine verfügt jetzt über Drohnen der nächsten Generation, die tief im russischen Territorium Ziele vernichten können. Diese Drohnen oder zumindest wesentliche Teile dieser Drohnen stammen aus westlichen Ländern. Die Leitsysteme über Satelliten werden ebenfalls vom Westen bereitgestellt.

Nach einem massiven Drohnenangriff durch die Ukraine erfolgt stets ein Vergeltungsschlag Russlands. So geht das bisher hin und her, ohne dass ein Kriegsende kurzfristig absehbar ist.

Russland gewinnt auf dem Schlachtfeld

Auch wenn die Landgewinne der Russen momentan nicht spektakulär sind, so machen sie dennoch Fortschritte auf dem Schlachtfeld. Die Ukrainer haben große Mühe, die Verteidigungslinie über eine Strecke von etwa eintausend Kilometer aufrecht zu erhalten. Da die eigenen menschlichen Reserven fast erschöpft sind setzen die Ukrainer immer mehr Söldner ein, die vom Westen bezahlt werden. Mittlerweile sind es zehntausende von Söldnern.

Es ist absehbar, dass die russischen Streitkräfte bis an den Dnjepr Fluss vordringen werden. Sie mögen gar Odessa erobern. Aber das wird dennoch nicht das Ende des Krieges bedeuten. Denn dieser Krieg ist nicht auf dem Schlachtfeld zu gewinnen. Die Russen haben nicht die notwendige Anzahl von Soldaten, um die gesamte Ukraine (schon gar nicht Europa) zu erobern und zu besetzen. Zudem wären die wirtschaftlichen Konsequenzen für Russland verheerend.

Ergo: Solange die westlichen Staaten die Ukraine finanziell und militärisch unterstützen kann dieser Krieg noch viele Jahre weitergehen. Er mag gar in einen unendlichen Konflikt ausarten. Wie in Korea. Das liegt im Interesse des Westens.

Welches strategische Ziel verfolgt der Westen?

Letztendlich geht es um einen vom Westen gewünschten radikalen Systemwechsel in Russland. Unter der Kontrolle des Westens. Russland soll die ganz große Beute werden, von der der Westen seit vielen, vielen Jahren träumt. Denn ohne Russland kann es unmöglich eine Weltherrschaft des Kapitalismus geben.

Der Westen wird daher jeden geforderten Preis zahlen. Momentan zahlen allerdings die Ukrainer mit ihrem Leben. Das ukrainische Volk blutet aus.

Wenn die ukrainischen Streitkräfte am Ende sind, dann werden die Europäer ihre eigenen Streitkräfte einsetzen müssen. Dafür wird momentan aufgerüstet.

Selbstverständlich wird Russland in diesem langfristigen Prozess zusehends militärisch und wirtschaftlich geschwächt. Die kompromisslose Verfolgung dieser Politik ist die Vorgabe an alle westeuropäischen Politiker. Der Herr Merz ist geradezu besessen davon. Dass die eigene Bevölkerung dabei vor die Hunde gehen könnte ist dem Mann völlig egal. Gleiches gilt für Frankreich, England etc.

Unsere Politiker verdrängen dabei, dass sie unmöglich einen Krieg gegen Russland gewinnen können. Denn Russland hat Atomwaffen. Diese Politiker machen dennoch unverdrossen weiter. Befehl ist Befehl. Bis in den Untergang. Augen zu und durch. Wie in der Vergangenheit. Nichts aus der Geschichte gelernt.

Der Konflikt unter der russischen Elite

Was Gorbatschow passierte könnte auch mit Vladimir Putin geschehen. Was für außen stehende Beobachter auffällig ist, beunruhigt auch die eigenen Eliten. Putin redet seit kurzem viel zu viel. Und man muss feststellen, dass er dem Personenkult nicht mehr abgeneigt ist. Er erscheint jetzt fast jeden Tag im russischen Fernsehen. Und er redet und redet und redet. Aber er handelt nicht.

Putin scheint sich selbst der größte Feind zu sein. Je früher er handelt desto geringer ist doch der Schaden auf beiden Seiten. Das ist ganz simple Logik.

Die große Frage lautet also: Wie weit muss der Westen diesen Konflikt noch weiter eskalieren, bis selbst Putin der Geduldsfaden reißt und er den Befehl gibt, die wirklichen Nervenzentren und Produktionszentren der Gegenseite zu zerstören? So wie er von vielen Seiten gedrängt wird. Denn Russland hat die Möglichkeiten, diesem Spuk ein Ende zu bereiten.

Dazu müsste Putin den Konflikt als Krieg der Russen gegen die NATO Länder ausrufen und massiv Produktionsstätten von Militärmaterial in ausgesuchten NATO Ländern zerstören. Was dann?

Würde die NATO dann Russland angreifen? Die Frage ist: Womit? Denn das aktuelle Militärpotential der NATO ist kümmerlich. Und die U.S.A. werden nicht mitmachen. Die NATO würde wahrscheinlich ihre Wunden lecken und nicht weiter Russland provozieren. Putin müsste also den Mut haben, den großen Bluff aufzudecken. Das ist der entscheidende Schachzug in diesem Krieg.

Warum Russland jetzt zum entscheidenden Schlag ausholen sollte

Abgesehen vom russischen Eigeninteresse, diesen Krieg endlich zu einem Ende zu bringen, sollte Putin eine wichtige Überlegung mit in seine Entscheidung einbeziehen: Wenn Russland Militäreinrichtungen im Westen angreift und der Westen klein beigibt, werden wahrscheinlich die Regierungen im Westen wie ein Kartenhaus einstürzen. Und der ganz große Krieg von Merz würde ausbleiben.

Putin würde zum Retter Europas. Wer auch sonst? Denn dass die politischen Systeme im Westen von selbst die notwendigen Regimewechsel bewerkstelligen können ist sehr zu bezweifeln. Diese ausgefuchsten Demokratien sind fast uneinnehmbar durch Wahlen und andere sogenannte demokratische Spielereien.

Was aber, wenn Putin nicht wirklich der Präsident Russlands ist?

Man muss mittlerweile diesen Verdacht aussprechen, denn es erscheint immer eigenartiger, dass Vladimir Putin sich im unendlichen Reden erschöpft, geradezu labert, aber nicht willig ist, die notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Die Frage muss erlaubt sein: Ist Vladimir Putin Mitglied in demselben Club wie Friedrich Merz, Manuel Macron, Donald Trump und alle anderen führenden Politiker im Westen? Ist das alles nur ganz großes Theater? Theater ohne Ende?

Vladimir Putin war mehrere Male beim World Economic Forum in Davos. Wie übrigens auch viele chinesische Politiker. Obwohl der Westen doch jede Glaubwürdigkeit verloren hat. Denn was ist deren Wort, deren Unterschrift noch wert?

Wenn Putin nicht Putin ist, dann sieht es wahrlich düster aus für diese Welt. 

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https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2020/ausverkauf-vom-traum-neuseeland-wie-ein-bluehendes-land-verramscht-wurde/ 

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