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Die Inflation der Leugnungen

Von Peter Haisenko 

Als der Teufel noch ein kleiner Bub war und ich auch, kannte ich nur die Gottesleugnung. Dann kam eine neue hinzu und während der letzten Jahre erleben wir eine Inflation an Leugnungen. Aber kann man etwas leugnen, von dem man annimmt, es ist falsch oder es gibt es nicht?

Sucht man im Netz nach der Bedeutung des Begriffs „leugnen“, muss man erkennen, dass auch der „politisch korrekt“ angepasst worden ist. So finden sich bei duden.de folgende Bedeutungen für "leugnen":
a) „(etwas, was einem zur Last gelegt oder über einen behauptet wird) für nicht zutreffend oder bestehend erklären“
b) „(etwas Offenkundiges wider besseres Wissen) für unwahr oder nicht vorhanden erklären und nicht gelten lassen (meist verneint) „
c) „(etwas, was als Lehre, Weltanschauung o. Ä. oder allgemein anerkannt ist und vertreten wird) für nicht bestehend erklären“

Zu a): Wie kann es als Leugnung bezeichnet werden, wenn Vorwürfen widersprochen wird, die nicht den Tatsachen entsprechen? Bei dieser Definition wird eines der Grundelemente der rechtsstaatlichen Demokratie beiseite gelegt. Die Unschuldsvermutung. Es wird von vornherein bestimmt, dass die erhobenen Anschuldigungen Tatsachen sind.
Zu b): Hier wird „Offenkundiges“ zur unumstößlichen Wahrheit erklärt und behauptet, dass der „Leugner“ die Offenkundigkeit im Stillen anerkennt, anerkennen muss. „Offenkundig“ hat aber keinen Anspruch darauf, dass es tatsächlich der Wahrheit entspricht. Und wider besseres Wissen? Es ist eben genau dieses bessere Wissen, das dem „Leugner“ das Recht gibt, dieser Offensichtlichkeit zu widersprechen.
Zu c): Die Lehre, Weltanschauung o.Ä, werden nicht dadurch zur Wahrheit, weil sie „allgemein anerkannt und vertreten wird“. Das gilt auch für sogenannten „wissenschaftlichen Konsens“ und die Lehre. Gerade die Wissenschaft lebt von der andauernden Überprüfung der Richtigkeit von „Erkenntnissen“. Die Lehre ist solange gültig, bis sie widerlegt wird. Und Weltanschauung? Das ist lächerlich, denn gerade die Weltanschauung ist steten Änderungen unterworfen, je nach politischer Lage.

Es gibt keinen Gottesbeweis

Beginnen wir da mit der Gottesleugnung. Bis heute ist es nicht gelungen, einen „Gottesbeweis“ zu erbringen. Wer folglich der Auffassung ist, es gibt keinen Gott, darf diese solange aufrecht erhalten, bis der Gottesnachweis erbracht ist. Wie kann also jemand Leugner genannt werden, der sich auf das Fehlen eines Gottesnachweises bezieht? Ganz rational, aber unchristlich. Ähnlich ist es mit der „Unfehlbarkeit“ des Papstes. Das darf man glauben oder eben nicht. Das sind kirchliche Dogmen, die mit nichts belegt werden können. Die kann man anerkennen, daran glauben, oder nicht. Wer nicht daran glaubt, kann folglich nicht als Leugner diffamiert werden. Sind denn etwa evangelische Christen „Papst-Leugner“? Kommt der Begriff „Ketzer“ dem heutigen Leugner gleich, weil bei beiden ein Dogma als absolute Wahrheit behauptet wird, aber nicht nachgewiesen werden kann? Es spielt dabei keine Rolle, ob man an die Existenz eines oder mehrerer Götter glaubt. Es geht darum, dass die katholische Kirche ihre Dogmen zur einzig möglichen Wahrheit erklärt hat. So fügt Duden als Beispiel zu c) an: „das Dasein Gottes, die Unsterblichkeit leugnen.“ Wer also Dogmen ablehnt, hinterfragt, soll ein Leugner sein?

Der Staat hat die Rolle der Kirche übernommen

Die zweite Leugnung die ich kennenlernte ist die „Holocaust-Leugnung“. Die steht sogar im Gesetz. Damit habe ich ein Problem. Bei meinen Recherchen zu meinem Werk über das 20. Jahrhundert wollte ich mehr darüber wissen und habe recherchiert. Versucht, wissenschaftlich zu recherchieren. Ich wollte den Nachweis erbringen, dass alles so abgelaufen ist, wie uns erzählt wird. Das konnte ich nicht, weil der Zugang zu Archiven dieses Inhalts nicht gestattet ist. Schon bei dem Versuch läuft man Gefahr, sich strafbar zu machen. So muss ich schweren Herzens auch das Ausmaß des Holocaust in den Bereich eines Dogmas ablegen. Und nein, ich streite nicht ab, dass es ihn genauso gegeben hat, aber es wird mir verwehrt, den wissenschaftlichen Beweis dafür zu erstellen. So müssen Zweifel bleiben und zweifeln ist nicht leugnen. Jeder Zweifel kann nur getilgt werden durch allgemein zugängliche Beweisketten.

Während der letzten Jahre kamen einige neuartige Leugnungen in den Sprachgebrauch. Zum Beispiel die Corona-Leugner, Klimaleugner und Leugner des Existenzrechts Israels. Hier wird die „Leugnung“ als Herrschaftsinstrument missbraucht. So, wie die katholische Kirche Wissenschaftler diverser Leugnungen bezichtigt hat, die heutzutage als wissenschaftliche Gewissheiten anerkannt sind. Diese Kirche hat versucht, wissenschaftliche Erkenntnisse, die nicht in ihre Dogmen passten, mit dem Mittel der Leugnung zu verbieten. Das ging so weit, dass mancher aufrechte Wissenschaftler auf dem Scheiterhaufen ermordet worden ist. Wir sehen heute, wie mittelalterlich der Umgang mit „Corona-Leugnern“ ist. Da werden aufrechte Menschen seit Jahren im Gefängnis gehalten, ohne konkrete Anklage und wider deutsches Recht. Gab es da nicht einmal ein Gesetz, dass die Dauer der Untersuchungshaft auf nicht länger als ein halbes Jahr festgelegt hat? Ach ja, das gilt für Schwerverbrecher, aber doch nicht für Corona-Leugner oder „Reichsbürger“.

Ein „Leugner“ wird des Rechts auf Widerspruch beraubt

An diesem Beispiel kann man erkennen, welche Macht mit dem Konstrukt der Leugnung ausgeübt wird. Jenseits gültigen Rechts. „Klimaleugner“ werden zwar nicht eingesperrt, aber sozial ausgegrenzt bis zum Verlust ihrer universitären Laufbahn. Sie werden ihrer Lebensgrundlage beraubt. Und wieder wird der „allgemeine Konsens“ als alleingültige Wissenschaft verkauft. Wissenschaft ist aber kein demokratisches Verfahren, bei dem eine Mehrheit über die Ergebnisse abstimmt. Tatsächlich gibt es bis heute keine schlüssigen Nachweise für den menschengemachten Klimawandel. Aber wenn man nicht daran glaubt, ist man ein Leugner. Damit bin ich wieder an dem Punkt, dass man kein Leugner ist, sein kann, wenn man substanziiert eine andere Auffassung vertritt. Das gilt für alle Bereiche.

Wer zum Mittel greift, jemanden als Leugner zu bezeichnen, kann oder will die eigene Position nicht beweisen oder schlüssig verteidigen. Wer andere Leugner nennt, beansprucht für sich den Besitz der einzigen Wahrheit, ohne einen Beweis vorzulegen, vorlegen zu können. Wäre es anders, würden überzeugende Argumente präsentiert. Wer die nicht hat, aber unbedingt Recht haben will, greift zum Leugner. Zu guter Letzt muss ich noch das „Existenzrecht Israels“ beleuchten. Nicht, dass ich das anzweifeln wollte, aber es fehlt mir eine schlüssige Begründung. Woran wird das festgemacht? Kann ein Staat sein Existenzrecht mit erlittenem Unrecht begründen? Und gleichzeitig Unrecht begehen, bis zum Völkermord? Ja, das hat die UNO Israel vorgeworfen. Warum gibt es dann kein Existenzrecht für einen Staat der Indianer innerhalb des nordamerikanischen Kontinents? Oder warum wird der Demokratischen Republik Kongo nicht ebenfalls ein Existenzrecht zuerkannt, nachdem der belgische König die Hälfte der Bevölkerung ermordet hat? Gibt es einen anderen Staat als Israel, dem explizit das Existenzrecht zuerkannt wird? Ach ja, gleiches Recht für alle?

Leugner oder Feinde der Demokratie?

Mit der Demokratie ist es ähnlich. Wer auch nur anzweifelt, dass die Demokratie das einzig seligmachende System ist, wird Demokratie-Feind genannt. Da muss sich Kanzler Helmut Schmidt einreihen, denn er hat gesagt: „Die Demokratie ist alles andere als ideal, aber wir haben zur Zeit nichts besseres.“ Wer auch nur sagt, „Unsere Demokratie“ ist reformbedürftig, wird als Feind der Demokratie bezeichnet. So muss die Demokratie als die Religion der Neuzeit eingestuft werden, denn mit diesem Verhalten beerbt sie den Absolutheitsanspruch der katholischen Kirche und darf somit nicht hinterfragt werden. Und damit komme ich zum Schluss.

Man kann nichts „verleugnen“, von dem man annimmt oder überzeugt ist, dass es falsch ist oder nicht existiert. Eine Leugnung besteht nur dann, wenn man selbst von etwas überzeugt ist, aber das Gegenteil behauptet. Also wider besseres Wissen. Wer an Gott glaubt, aber dessen Existenz abstreitet, der ist ein Gottesleugner. Sowohl die „Gottesleugner“, die „Corona-Leugner als auch die „Klimaleugner“ tun nichts anderes, als ihre Überzeugung vertreten. Das ist die Aufforderung zu einem wissenschaftlichen Dialog und keinesfalls eine Leugnung. Wer die als Leugner bezeichnet, verweigert diesen Dialog, weil er den nicht bestehen kann. Das sind arme Leute im Geiste oder üble Machtpolitiker und Propagandisten. Jedesmal, wenn jemand Leugner genannt wird, sollte man sehr aufmerksam hinsehen. In Wahrheit geht es immer darum, ein Dogma zu schützen, das nicht rational begründet werden kann. Insbesondere dann, wenn die „Leugnung“ strafbewehrt ist. 

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Bin ich ein Leugner, weil ich den Beweis geführt habe, dass es England war, das den Ersten und Zweiten Weltkrieg wollte und orchestriert hat? Leugne ich die „Alleinschuld“ des Deutschen Reichs? Keinesfalls! Ich führe einen soliden Beweis dazu und kann sagen, dass es eben diese Alleinschuld nicht gibt und nie gegeben hat. Die Alleinschuld des DR ist auch ein Dogma, das in Deutschland nicht hinterfragt werden soll. Bestellen Sie Ihr Exemplar „England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“ direkt beim Verlag hier oder erwerben Sie es in Ihrem Buchhandel.

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