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Quelle: NZZ

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Worum geht es wirklich bei Trumps Amok-Lauf?

Von Peter Haisenko 

Die USA haben Probleme. Riesige Probleme. Natürliche und selbstgemachte. Das Grundproblem ist ihr Weltbeherrschungsanspruch. Dafür brauchen sie ein übergroßes Militär, das sie sich nicht mehr leisten können. Die USA befinden sich in einem ähnlichen Zustand wie das British Empire im ausgehenden 19. Jahrhundert.

So wie England vor dem Ersten Weltkrieg könnten die USA nahezu alle ihre Probleme auflösen, wenn sie ihre Wirtschaft von der dominanten Kriegswirtschaft zurückführten zu ziviler Produktion. Zu friedlicher Zusammenarbeit ohne den Anspruch, die Welt beherrschen zu wollen. Genau das befindet sich aber offensichtlich nicht in den möglichen Denkmustern der Angelsachsen. Man bedenke, schon das British Empire war aufgebaut auf Piraterie. Auf Eroberung und Ausbeutung, Mord und Totschlag. Die USA selbst auf Völkermord an den Indianern und Landraub. Wen wundert es da, dass Trump in seiner Not genau in dieses archaische Muster zurückfällt. Es fehlt an Öl und Rohstoffen und so überfallen wir mal eben Venezuela und Grönland steht schon auf der Speisekarte. Aber Moment – den USA fehlt es an Öl und Gas?

Bis weit in die 2000er Jahre zählten die USA zu den größten Ölimporteuren. Die ausgelutschten inländischen Förderkapazitäten konnten den eigenen Bedarf nicht decken. Allerdings konnten sie schon damals ihre Importe nur mit frisch „gedrucktem“ Geld „bezahlen“. Warum sonst haben sie den Irak etc. mit brutalen Angriffskriegen überzogen? Dann wurde die Fracking-Technologie erfunden und angewendet. Fortan schwammen die USA in einem Energieüberfluss. Das hatte aber einen Haken. Die US-Produkte waren preislich nicht wettbewerbsfähig, denn bei einem Ölpreis unter 80 $/Barrel war die Förderung ein Verlustgeschäft. Na ja, kein Problem, die weltweiten Preise in diese Höhen zu treiben. Das ging auch eine Weile gut bis 2022. Da wurde sichtbar, dass Russland mit seinem preiswerten Öl und Gas enorme Gewinne einfahren konnte. Da mussten dann Sanktionen her so weit, dass Präsident Biden Nordstream sprengen ließ.

Die Ölqualität ist ein Problem

Damit war das Problem aber nicht gelöst. Vor allem deswegen, weil die amerikanischen Frackingprodukte schlechte Qualität haben. Für hochwertige Endprodukte sind sie ungeeignet. Die USA selbst brauchen für diese russisches Öl oder eben venezolanisches. Letzteres zu kaufen haben sich die USA aber verboten und bei russischem kann Russland den Hahn zudrehen. Langfristige Lieferverträge mit Russland haben die USA nicht. Dazu kommt, dass selbst die USA sich zieren, anderen den Kauf von russischem Öl zu verbieten und selbst kräftig zuzulangen. Da blieb nur noch der Rückfall zur alten Gewohnheit der Piraterie. Alle gekaperten Tankschiffe haben das gute venezolanische Öl geladen und das Raubgut wurde einfach in die USA verbracht. Man darf gespannt sein, wann die USA Venezuela ganz besetzen. Schon jetzt sagt Trump, Venezuela dürfe Öl nur mit Genehmigung der USA an irgendjemanden verkaufen. Nur so können die USA verhindern, dass der Ölpreis zu tief sinkt und die US-Frackingindustrie zusammenbricht. Das als einen Rückfall in koloniale Muster zu beschreiben wäre zu wenig. Völkerrecht? Erst gestern hat Trump gesagt, das interessiere ihn nicht – er brauche kein Völkerrecht. Er ist das Völkerrecht...

So viel zu Öl und Gas. Doch nun zu anderen Rohstoffen inklusive „seltener Erden“. Dieser Markt wird mittlerweile dominiert von China. Trump, die USA, haben China zum Feind erklärt, warum auch immer. Allein das ist verrückt, denn ohne Produkte aus China geht in USA nichts. Nicht einmal das US-Militär kann ohne chinesische Lieferungen auskommen. Aber war das Verhalten der Angelsachsen jemals rational bestimmt? Wäre dem so gewesen, hätte es weder den Ersten noch den Zweiten Weltkrieg gegeben. Und nein, das Deutsche Reich wollte beide Kriege nicht, aber Churchill und Wilson schon und Roosevelt auch. An allen Kriegen des 20. Jahrhunderts haben die USA klotzig verdient, bis zum Vietnamkrieg. Mit diesem begann der Abstieg. Der Dollar musste vom Gold entkoppelt werden und damit begann der Exitus der US-Industrie vom amerikanischen Kontinent und das stete Anwachsen des US-Außenhandelsdefizits. Nur der Petrodollar hielt den Dollar im Geschäft. Ach ja, Venezuela verkauft Öl gegen andere Währungen.

Importe müssen bezahlt werden

Angesichts des beispiellosen Schuldenstands der USA und des Außenhandelsdefizits wird unübersehbar, dass die USA über Kurz oder Lang ihre Importe nicht mehr bezahlen können. Die aktuelle Frage ist nur noch, wie lange es dauern wird, bis die US-Handelspartner auf einem direkten Warenaustausch bestehen werden. Das heißt, nur noch Waren gegen Ware und nicht mehr Ware gegen wertlose Dollar. So, wie der Handel mit Russland während der 1990er Jahre abgewickelt worden ist. Damit ist aber auch klar, dass die USA einen großen Teil ihrer Importe nicht mehr tätigen können. Sowohl was Öl betrifft als auch Rohstoffe. Das bedeutet aber auch, dass die US-Industrie nicht einmal mehr das produzieren kann, was eigentlich sowieso niemand haben will. Zum Beispiel Autos oder Boeings.

Die USA würden sich fortan auf dem Niveau eines Entwicklungslands befinden, weitgehend abhängig vom guten Willen der Länder des Rests der Welt. Vor allem von China. Hat man das verstanden, versteht man auch, warum Trump gerade Amok läuft. Wie an seinen Versuchen daran etwas mit seiner Zollpolitik zu ändern sichtbar geworden ist, hat Trump das zumindest ansatzweise verstanden. So muss seine aktuelle Politik unter zwei Aspekten gesehen werden. Völliger Irrsinn mit dem Plan, den Militärhaushalt um 50 Prozent zu erhöhen, denn das wird die Grundsituation drastisch verschlechtern. Oder dient das dem Ziel: Wenn wir schon untergehen, dann der Rest der Welt mit uns. Das wäre die britische Methode, die zum Ersten Weltkrieg geführt hat. Der andere Aspekt ist zwar rationaler, aber keineswegs weniger perfide, oder besser verzweifelt. Der lautet: Solange wir – die USA – noch eine starke Armee haben und die Welt es zulässt, reißen wir uns die Länder unter den Nagel, die die Rohstoffe haben, die wir unbedingt brauchen.

Also zunächst Venezuela und Grönland

In beiden Ländern kennen sich die USA aus. Die US-Ölfirmen waren lange genug in Venezuela um genau zu wissen, was in dessen Boden alles schlummert. Dasselbe gilt für Grönland, nur ohne die Ölfirmen, dafür aber mit dem Militär. Neu wäre eine Besetzung Grönlands durch die USA übrigens nicht, denn bereits 1940 haben die USA Grönland, Island und andere kleinere Inseln im Nordatlantik besetzt, auch völkerrechtswidrig aber mit Unterstützung Englands. Ach ja, England und das Völkerrecht ist auch so ein Thema. Allerdings wird die Annexion Grönlands zunächst keinen Vorteil für die USA bringen, denn es wird lange dauern, Jahrzehnte, bis dort gewinnbringend Rohstoffe gefördert werden können. Das ist zu spät für die Rettung der USA. Also deswegen die Aufstockung des Militärs?

Wie gesagt, könnten die USA nahezu alle ihre Probleme einfach auflösen, wenn sie sich von ihrer Kriegs- und Dominanzpolitik verabschiedeten und sich einfach anständig benähmen. Allerdings ist das nicht so einfach, denn allen US-Präsidenten ist ein gemeinsames Manko in die Wiege gelegt: Sie sind Amerikaner. Das bedeutet, sie sind arrogant und nicht fähig zu einem vernünftigen Umgang mit Staaten, von denen sie glauben, sie dominieren und ausbeuten zu können. Zudem haben sie sich daran gewöhnt, ungestraft überall „Regimechanges“ durchführen zu können, wenn ihnen eine Staatsführung nicht gefällt. Sind die USA jemals für irgendetwas zur Rechenschaft gezogen worden? Nicht einmal dann, wenn sie den Krieg verloren haben, wie in Vietnam. Sie genießen das „Recht des Schulhofrüpels“ jeden nach Belieben kujonieren zu können. Aber die Welt hat sich verändert.

Trump und die falschen Berater

Ich bezweifle, Trump hat das verstanden. Bis das eine ausreichende Anzahl an Amerikanern verstehen wird, müssen die USA erstmal richtig eins auf die Nase bekommen. Ich denke, bis es so weit ist, machen sie noch Nägel mit Köpfen, also annektieren Venezuela und Grönland und was noch sonst, um dann sagen zu können, das ist doch schon lange unseres und ihr habt nichts dagegen unternommen. Also habt ihr zugestimmt. Doch betrachten wir die Lage realistisch. Glaubt irgendjemand, irgendjemand werde Grönland verteidigen gegen eine US-Besetzung? Real, mit Waffen? Genauso wenig wie Venezuela! Also nimmt sich Trump das, von dem er weiß, dass es die USA für ihr Überleben brauchen. Und Europa? Wer soll Europa gegen amerikanische Übergriffe verteidigen? Europa selbst? Selten so gelacht.

Nicht nur Trump hat ganz schlechte Berater. Berater, die nicht verstehen, wie sich die Weltlage während der letzten 20 Jahre verändert hat. Oder nicht verstehen wollen. Dazu kommt, dass zu viel Einfluss von Khasaren auf die US-Regierungen ausgeübt wird und wir wissen, wie die in Palästina ohne jegliche Rücksichtnahme herumberserkern. Aber, der Krug geht so lange zum Brunnen... In diesem Sinn hat Trumps Amok-Lauf eine rationale Komponente. Es ist der letzte Versuch, die USA vor dem totalen Untergang zu retten. Das gibt ihm aber nicht das Recht, so zu handeln. Aber es läuft in alter amerikanischer – oder britischer? - Tradition. Und nein, einen Atomkrieg wird Trump nicht anzetteln. Denn das wäre dann das erste mal, dass die USA direkt von Schäden betroffen sein werden und das sind sie gar nicht gewohnt. In diesem Sinn besteht dann doch noch Hoffnung, dass Trump keine Bodeninvasion in Venezuela starten wird und auch Grönland Grönland sein lässt. Es bleibt spannend, aber Russland und China stehen schon als Sieger fest. So oder so.

Und ganz zum Schluss noch ein ganz ketzerischer Gedanke: Das einzige, was Deutschland und Europa vor amerikanischen Übergriffen schützen könnte, wäre ein (Verteidigungs-)Bündnis mit der Russischen Föderation. Europa ging es immer gut, wenn es mit Russland zusammengearbeitet hat. 

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Wussten Sie, dass die USA bereits im Sommer 1941 dem Deutschen Reich den Krieg erklärt hatte? Nein, nicht offiziell, sondern praktisch. Präsident Roosevelt hatte der US-Marine den Befehl erteilt, „shoot on every german ship on sight“, schießt auf jedes deutsche Schiff, sobald sie eines sehen. Ach ja, fühlt sich da jetzt jemand an Venezuela erinnert? Auf welchem Weg ist Trump da? Erfahren Sie mehr darüber und lesen Sie das Werk „England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“. Bestellen Sie Ihr Exemplar direkt beim Verlag hier oder erwerben Sie es in Ihrem Buchhandel.

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