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Trump hat den Iran-Krieg verloren
Von Peter Haisenko
Es sollte ein Blitzkrieg werden und binnen weniger Tage sollte eine neue, Israel- und US-freundliche Regierung in Teheran an der Macht sein. So jedenfalls hat es Netanjahu Trump schmackhaft gemacht und ihn in dieses Abenteuer getrieben. Der Iran war aber bestens auf diesen Überfall vorbereitet und so kam es ganz anders. Teheran führt diese zwei Psychopathen ordentlich vor.
Seit 47 Jahren wird der Iran mit Sanktionen und Embargos gequält. Ebenso lange steht der Iran nur Tage vor der Fertigstellung seiner Atombombe. Ja, er könnte das, aber Teheran beteuert aufrichtig, dass sie diese Waffe nicht haben wollen. Begründet wird das mit dem Argument, dass sich eine derart schreckliche Waffe nicht mit ihrer Religion verträgt. Der Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und so seine religiöse Überzeugung vor aller Welt demonstriert. Damit befindet sich der Iran im gleichen Zustand wie die BRD, abgesehen von der religiösen Motivation. Warum glauben weder die USA noch Israel den vertraglich gesicherten Beteuerungen Teherans? Leider ist diese Antwort einfach. Sowohl Israel als auch die USA haben sich noch nie an Verträge gehalten. Wie können diese beiden da glauben, dass sich der Iran an seine Selbstverpflichtung halten wird, ohne erkennen zu müssen, dass sie die einzigen Schurkenstaaten auf Erden sind, deren vertragliche Verpflichtungen nicht das Papier wert sind, auf dem es steht?
Der Iran verfügt über ein sehr hohes Niveau an Bildung und hervorragende Wissenschaftler an den Universitäten. So ist es gelungen, auch auf militärischem Gebiet ein Niveau zu erreichen, das dem Westen zumindest gleichwertig ist. Trotz all der Sanktionen. Die Leistungen der Iraner sind zu bewundern. Zudem befindet sich der Iran auf einem hohen moralischen Niveau. Er hat über Jahrhunderte niemanden angegriffen und auch bei seinen Abwehrschlägen versucht er, keine Zivilisten zu treffen. Persien ist eine der ältesten Kulturen der Welt und war im Mittelalter Europa voraus, solange es sich nicht um Waffentechnik handelte. Die brauchte er nicht, denn er wollte niemanden angreifen. Der militärische Vorteil Teherans liegt darin, dass er eine Verteidigungsarmee betreibt, die nicht für Angriffe ausgelegt ist wie das US-Militär.
Flugzeugträger sind Angriffswaffen
Das US-Militär ist eine reine Angriffsarmee, ausgelegt weltweit Terror auszuüben. Das bedingt logistische Probleme, wenn sie auf einen wehrhaften Gegner treffen. Eben wie jetzt auf den Iran. Buchstäblich müssen die USA ihr Kriegsgerät um die halbe Welt karren, bis es im Persischen Golf zum Einsatz kommen kann. Aus diesem Grund haben die USA rund um den Persischen Golf eine Unzahl von Militärbasen eingerichtet, die gut aufgestellt, geschützt und aufmunitioniert waren. Waren... Das gilt auch für Israel. Schon im letzten Jahr mit dem „Zwölftagekrieg“ sah es nicht gut aus für Israel. Die USA haben sich da kaum engagiert, außer mit Waffenlieferungen und eigenen Abwehrraketen. Dennoch war die Abwehrkapazität Israels weitgehend erschöpft und hätte der Iran diesen Waffenstillstand nicht akzeptiert, wäre nicht auszuschließen gewesen, dass Israel einen militärischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch erlebt. Ja, der Iran will keinen Krieg und so hat er diesem für ihn unvorteilhaften Waffenstillstand zugestimmt und sich auch daran gehalten.
Ganz anders Israel und die USA. Die haben die Zeit des Waffenstillstands genutzt, sich wieder aufzumunitionieren für den nächsten Überfall. Aber auch der Iran hat die Zeit genutzt, seine Raketen noch besser zu machen und Unmengen davon herzustellen. Im Krieg letzten Jahres hat der Iran vor allem seine alten Waffen benutzt und die neuesten zurückgehalten. So, wie es auch diesmal gelaufen ist. Es ist eine einfache Rechnung. Selbst die billigen Drohnen werden mit millionenteuren Abwehrwaffen bekämpft und so bleibt dann fast nichts mehr übrig, wenn die moderneren Raketen eingesetzt werden. Auch das ist eine Lehre aus dem letzten Krieg. Diesmal war es so weit, dass sowohl die Abfangquote Israels und der USA von ursprünglich etwa 90 Prozent auf nur noch zehn Prozent abgesunken ist.
Die US-Arsenale sind aufgebraucht
Die Militärbasen der USA in den Emiraten sind bis zur Unbrauchbarkeit zerstört. Die milliardenteuren Radarsysteme sind nahezu vollständig ausgeschaltet und können nicht in kurzer Zeit ersetzt werden. Zum einen, weil die Produktion für Ersatz Jahre benötigen wird und zum anderen, weil Teheran den Seetransport durch die Straße von Hormus unmöglich gemacht hat. Zudem hat der Iran demonstriert, dass er in der Lage ist, amerikanische Schiffe in seiner Nähe zu zerstören, inklusive Flugzeugträgern. Deswegen haben die USA ihre Kriegsflotte aus dem Einsatzbereich der iranischen Raketen zurückgezogen, auf über 1.000 Kilometer vom Iran entfernt. Das aber macht den Einsatz der Flugzeuge auf den Trägern schwierig. Jeder Einsatz im Iran muss von Tankflugzeugen begleitet werden und jedes einzelne Tankmanöver ist ein kritischer Moment. Auch die Tankflugzeuge selbst sind eine eher leichte Beute. Können die Trägerflugzeuge nicht luftbetankt werden, kommen sie vielleicht noch bis Isfahan, aber nicht mehr zurück auf ihren Träger. Sie müssten anschließend im Indischen Ozean notwassern. Auch, weil die Basen im Persischen Golf nicht mehr zur Verfügung stehen.
Die USA sind in keiner guten Lage. Warum sonst hat Trump den Waffenstillstand ausgerufen? Das haben die USA noch nie gemacht, solange sie sich im Vorteil wähnten. Und dann zwei Wochen. Warum zwei Wochen? Wer Frieden will, beendet den Krieg, aber nicht nur für zwei Wochen. Trump hat gedacht, zwei Wochen würden ausreichen, seine Truppen wieder mit Munition zu versorgen. Sie waren leergeschossen. Auch die Abwehrmunition gegen Drohnen und Raketen. Wäre der Krieg nicht unterbrochen worden, wäre es für die US-Schiffe ausgegangen wie bei der Entenjagd im Englischen Garten in München. Das mit dem Nachschub hat aber nicht so funktioniert und so wurde von Trump der Waffenstillstand verlängert, verlängert, verlängert bis auf unbestimmte Zeit. Aber die Straße von Hormus. Trump verhält sich wie dumme Kinder. Nein, wir sperren diesen Verkehrsweg, nicht der Iran. Das können sie aber nicht wirklich und sind zurückgefallen in die alte englische Tradition der Piraterie. Weit draußen, in internationalen Gewässern, überfallen sie Handelsschiffe und Kapern die Ladung. Das hat Trump jetzt offen zugegeben. Alles im Widerspruch zu internationalen Abkommen.
Reparationsforderungen an die USA
Schon vor Wochen hat Teheran seine Bedingungen für einen Friedensschluss bekanntgegeben. Die sind sensationell. Noch nie hat es jemand gewagt, Reparationen von den USA zu fordern für den unbegründeten Angriff auf sein Land. Nun weiß der Iran, dass die USA gar nicht in der Lage wären, irgendjemandem Reparationen zu leisten. Israel schon gar nicht. So haben die klugen Strategen in Teheran einen Kompromiss vorgeschlagen. Sie verlangen eine Mautgebühr für die Durchfahrt der Straße von Hormus. Zwei Millionen Dollar für einen Öltanker. Das soll erhoben werden, bis den Reparationsforderungen des Iran Genüge getan ist. Das heißt, wieder einmal soll die Weltgemeinschaft für die USA ihre Schulden bezahlen. Zwei Millionen? Ist das nicht sehr viel? Ist es nicht. Es ist gerade mal ein Prozent des Werts der Ladung. Wenn also jemand rational handelt, ist es Teheran. Eine weitere Forderung des Iran ist die Aufhebung aller, ja aller Sanktionen und Embargos. Alles andere wäre dummes Zeug. Das übliche Vorgehen mit ein bisschen „Lockerung“ hier oder dort ist keine Grundlage für dauerhaften Frieden.
Aber auch innerhalb der USA kommt es für Trump dicke. Da gibt es ein Gesetz das verlangt die Zustimmung des Congress, wenn ein Krieg länger als 60 Tage dauert. Nebenbei bemerkt ist auch dieses Gesetz ein Freibrief für Präsidenten, mal eben überall einen Blitzkrieg vom Zaum zu brechen. Ja, so war es geplant und der Iran hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trump wird diese Zustimmung nicht erhalten. Die Amerikaner wollen diesen Krieg mit klarer Mehrheit nicht. So, wie es auch in Deutschland keine Mehrheit für die Milliardenkredite, besser Geschenke, an Kiew gibt. Offizielle Zahlen aus den USA sprechen von bislang aufgelaufenen Kosten für den Irankrieg über 25 Milliarden Dollar. Das dürfte aber im Faktor fünf zu niedrig gegriffen sein. Und dann noch die Benzinpreise auch in den USA. Da kommt wenig Freude auf und die „Midterms“, die Zwischenwahlen, stehen für den November an.
Wer soll sich noch vor dem US-Militär fürchten?
Der Iran-Krieg hat das US-Militär entzaubert. Wenn das nicht einmal in der Lage ist, ein Land zu besiegen, das seit Jahrzehnten unter Sanktionen leidet, wer soll sich dann noch vor dieser Theaterarmee fürchten? Und ja, die gesamte NATO ist eine Theaterarmee mit Waffen, die zwar bei Vorführungen beeindruckend schlagkräftig sind, aber in der Praxis versagen. Das hat der Krieg in der Ukraine deutlich vor Augen geführt. Hört man noch etwas von Leo-Panzern? Oder gar den tollen Abrams aus USA? Die sind sehr schnell zu Schrott geworden. Hyperschallraketen? Die USA versuchen verzweifelt selbst eine funktionsfähige zu bauen. Selbst der Iran hat solche, sogar aus eigener Produktion, und genau das ist das Problem für die USA und Israel.
Da will ich gar nicht an die russische „Oreschnik“ denken. Jede einzelne von diesen kann einen ganzen Flugzeugträgerverband versenken. Vergessen wir nicht: Eine Verteidigungsarmee ist gegenüber einer Angriffsarmee immer im Vorteil. Russland und der Iran kämpfen um ihre Existenz, Israel übrigens nicht. Israel hat den Plan von „Groß-Israel“ nicht aufgegeben und zerstört alles, was in seiner Reichweite ist. Jetzt hat Netanjahu sogar angekündigt, den Süd-Libanon in den Zustand von Gasa bomben zu wollen und der Wertewesten schweigt wie üblich auch dazu.
Die multipolare Welt nimmt Fahrt auf
Der Angriffskrieg auf den Iran verändert das globale Machtgefüge, hat es schon verändert. Die Waffenarsenale der USA sind entleert. Was bleibt da Trump übrig für einen Waffengang mit China oder gar Russland, wenn es nicht einmal für den Iran gereicht hat? Selbst die Golfstaaten haben erkennen müssen, wie wenig der „Schutz“ durch die USA wert ist. Katar hat das schnell erkannt und Teheran zugesagt, dass die USA von ihrem Territorium nicht mehr gegen den Iran vorgehen dürfen. Daraufhin hat der Iran alle Vergeltungsangriffe auf Katar eingestellt. Das wird Schule machen. Die Forderung Teherans für den vollständigen Abzug des US-Militärs aus der Region erhält so Substanz. Die Anwesenheit des US-Militärs bietet keinen Schutz mehr. Im Gegenteil wird das Gastland zum Ziel für Vergeltungsangriffe.
Da ist es geradezu jämmerlich, wenn sich jetzt Trumps Angriffslust auf Kuba kapriziert. Da hat er keine Logistikprobleme und Kuba hat keine Möglichkeit, auf die USA direkt zurückzuschlagen. Ein Angriff auf Kuba wäre der Gipfel aller feigen Angriffe der USA, die keinerlei Gefahren für die USA selbst befürchten lassen. Natürlich hat Trump recht, wenn er behauptet, Kuba würde es besser gehen, wenn die USA die Kontrolle übernähmen. Allerdings wäre das auch ohne Kriegsdrohungen möglich. Trump müsste nur die Embargos und Sanktionen gegen Kuba aufheben. Damit würden sich auch die USA wieder dem Völkerrecht annähern. Um das alles zusammenzufassen reicht ein Satz aus: Die USA müssen ihren Weltbeherrschungsanspruch aufgeben und zurückkehren zum Völkerrecht! Nur dann kann Frieden in der Welt Einzug halten. Ach ja, und Israel natürlich auch.
Wenn Sie nicht glauben, wie sehr der Iran die amerikanischen Basen am Persischen Golf zerstört hat, dann sehen Sie sich dieses Video von ntv an. Es basiert auf Daten von cnn:
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Iranische-Angriffe-legen-US-Militaereinrichtungen-im-Nahen-Osten-lahm-id30780274.html
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Jeder Krieg, auch wenn er weit von uns entfernt ist, berührt die ganze Welt. In diesem Sinn hat Paul Soldan seinen Anti-Kriegs-Roman „Sheikhi“ auf den afrikanischen Kontinent verlegt. Die Welt braucht mehr Friedensliteratur! Kriegstreiber haben wir überall genug. Soldan spricht mit seinem Werk vor allem junge Menschen an, indem er die fiktive Geschichte eines jungen Afrikaners erzählt. Der darf nach langen Wirren erkennen, dass alle Kriege niemals in ihrem eigenen Interesse sind. Die jungen Männer werden von gewieften Propagandisten in einen Hass getrieben, der nicht der ihre ist. Und da ist schon die Parallele zu Europa. Lesen Sie diesen spannenden Roman und geben Sie ihn dann weiter an junge Leute. Bestellen Sie Ihr Exemplar „Sheikhi“ direkt beim Verlag hier oder erwerben Sie es in Ihrem Buchhandel.





