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Oriana Fallaci (1929-2006) 

Tiger oder Papiertiger? - Über die Unfähigkeit der Menschen, Gefahren zu erkennen

Von Hans-Jürgen Geese 

Der Grundgedanke von „panta rhei“ (griechisch für „alles fließt) liegt darin, dass in dieser Welt alles einem ständigen Wandel unterliegt. Der griechische Philosoph Heraklit, dem diese Erkenntnis zugeschrieben wird, lebte vor etwa 2.500 Jahren. Niemand wird diese simple Wahrheit, vor allem heute, in Frage stellen.

Man sollte also annehmen, dass die sogenannte Führungselite einer jeden Gesellschaft auf Erden, in unserer Zeit Politikerkaste genannt, sich über die aktuellen Veränderungen und über die zu erwartenden Veränderungen so ihre Gedanken macht und diese dann der Bevölkerung mitteilt und zur Diskussion stellt. Schließlich geht es um den Einfluss auf unser aller Lebensverhältnisse.

Manche dieser Veränderungen haben eine lange Geschichte, was bedeutet, dass es Entwicklungen gibt, deren Entstehen und Lebenslauf irgendwann von klugen Menschen identifiziert hätten werden müssen. Und sollte es sich um eine Gefahr handeln, dann hätten sofort die Alarmglocken geläutet werden müssen. Nur ganz wenige einschneidende Ereignisse fallen sozusagen über Nacht vom Himmel. In manchen Fällen baut sich die Gefahr sogar über viele hunderte von Jahren auf. Wie zum Beispiel die Eroberung Europas durch die Moslems.

Die Türken vor Wien

Die berühmte italienische Journalistin Oriana Fallaci (1929-2006) war bekannt für ihre radikale, kompromisslose Suche nach der Wahrheit. Im Anschluss an ihr Interview mit Henry Kissinger fasste sie ihr Verhältnis zu Politikern folgendermaßen zusammen: Nicht alle Politiker sprechen die Wahrheit und sie als Journalistin verstehe sogar, dass sie manchmal nicht die Wahrheit sagen können. Allerdings bestehe ihre Aufgabe als Journalistin darin, die Wahrheit zu berichten.

In ihrem Bestseller „La Forza della Ragione“ (Die Kraft der Vernunft), der im Jahre 2004 herauskam, setzte sie sich mit der Eroberung Europas durch den Islam auseinander. Sie präsentierte die ganze Geschichte der Kriegsführung des Islams vom Jahre 635, drei Jahre nach dem Tode von Mohammed, bis in unsere Zeit. 635 eroberten die Moslems das christliche Syrien und das christliche Palästina. 638 eroberten sie Jerusalem. 711 begann die Eroberung Spaniens. Bald standen ihre Heere in Frankreich. Erst 732 konnten sie in der Schlacht bei Poitiers-Tours vom Heer des Karl Martel besiegt werden. Und so ging es weiter. 1621 und 1672 fielen die Ottomanen in Polen ein. 1683 standen sie wieder einmal vor Wien. Der Traum der ottomanischen Herrscher: „Der islamische Staat Europa.“ Der Großwesir Kara Mustafa hatte eine gigantische Armee mobilisiert.

Oriana Fallaci spricht in ihrem Buch von 600.000 Soldaten, tausend Kanonen, 40.000 Pferden, 20.000 Kamelen, 20.000 Elefanten, nebst vielem anderen Getier, plus riesigen Mengen an Verpflegung und 25.000 Zelten. Es sah fürwahr nicht gut aus für Wien und für den Rest von Europa.

Ich zitiere: „Tatsache ist, dass im Jahre 1683 die Europäer intelligenter waren als heute... Abgesehen von den Franzosen kamen sie aus allen Teilen Europas, um die Hauptstadt zu verteidigen, die inzwischen als das Bollwerk der Christenheit angesehen wurde. Ja, sie alle kamen: Engländer, Spanier, Deutsche, Ukrainer, Polen, Italiener...“

Am 12. September im Jahre des Herrn 1683 schlug das vereinigte europäische Heer der Christen die gigantische Armee des Herrn Großwesir. Es war das letzte Mal, dass eine moslemische Armee versuchte, Europa zu erobern. Aber es war nicht das letzte Mal, dass jemand versuchte, Europa zu erobern.

Die erste Regel aller Regeln

Im Europa des 18. Jahrhunderts gab es hunderte von Kleinstaaten und Fürstentümern und Freistädten. Und die hatten alle ihre eigene Armee. Mochte diese Armee auch klein sein. Die meisten Soldaten in diesen Armeen waren aus allen Teilen Europas angeheuert. Wenn Sie so wollen, waren das Berufssoldaten. Allerdings ohne Loyalität einem bestimmten Dienstherrn gegenüber. Wenn ein anderer Fürst mehr bot, dann wechselten sie womöglich die Fronten. Der Soldateska in Europa ging es vor allem um die Soldateska. Man kannte sich und man respektierte bestimmte Regeln. Berufsethos nannte man das. Vor allem wollte man vermeiden, tot geschossen zu werden.

Sie werden es in Filmen gesehen haben, wie die Linien der Heere aufmarschierten, so wie bei einer Parade oder gar in einem Ballet. Alles sehr eindrucksvoll. Und darum ging es vor allem. Sollte der Gegner einsehen, dass er unmöglich gegen einen überlegenen Feind gewinnen konnte, dann wurde verhandelt und man einigte sich.

Verhandlungen allgemein, die Diplomatie insbesondere, hatten ihre Blütezeit. Auch das Verheiraten der Herrscherhäuser untereinander war sehr populär. Krieg nur, wenn es denn unbedingt sein musste. Wobei man sich große Verluste gar nicht leisten konnte. Denn der Unterhalt dieser Soldateska war teuer.

So also lebte man in Europa über lange Zeit eigentlich recht friedlich, wobei natürlich alles relativ ist. Und so hätte man auch eigentlich recht friedlich weiterleben können in einem System, in Gesellschaften, in denen jeder seinen ihm vom lieben Gott vorgesehen Platz einnahm. Es war doch alles so schön.

Bis jemand auftauchte, der die erste aller Regeln für großen Erfolg kannte: Zuerst musst Du alle geltenden Regeln über den Haufen werfen und neue Regeln einführen. Und so geschah es. Durch wen? Der Herr hieß Napoleon Bonaparte.

Wie aus Soldaten Bürger in Uniform wurden

Die französische Revolution warf das ganze schöne Gesellschaftssystem in Europa durcheinander. Diese Emporkömmlinge in Frankreich wollten doch tatsächlich Gottes Ordnung herausfordern. Denen würde man es zeigen. Und so beschlossen die europäischen Mächte, eine Armee gen Frankreich zu schicken.

In der Schlacht bei Valmy 1792 wurde die allerdings von der Bürgerarmee der Franzosen geschlagen. Von Zivilisten? Dabei ging es in dieser ersten Schlacht noch drunter und drüber zu. Von Disziplin auf Seiten der Franzosen fast keine Spur. Bis sich ein gewisser Herr Napoleon der Sache annahm, Zucht und Ordnung und einen Grad von Motivation, von Begeisterung in die Armee der Franzosen einpflanzte, die aus diesem zusammengewürfelten Haufen Zivilisten eine unwiderstehliche Kampfmaschine machte. So etwas hatte die Welt noch nie gesehen.

Napoleons Armee lief eben nicht wie zu einem Ballet auf, sondern suchte Schutz wo sich Schutz bot, knallte die Linien der aufmarschierten Gegner wie auf einem Schützenfest ab und brachte zudem noch die Kanonen so nah an die Front heran, dass ganze Einheiten des Feindes zusammengeschossen wurden. Die Verluste der Gegner waren ungeheuerlich. Nun, das war dem Napoleon egal. Erfolg zählt.

Geld spielte erst einmal eine untergeordnete Rolle. Schließlich hatte Frankreich jetzt das ganze Land mobilisiert. Es war der totale Krieg. Und der geschlagene Gegner wurde natürlich zur Kasse gebeten. Die Fürsten und Könige zitterten in Europa. Was tun? Diese Bürger in Uniform waren hoch motivierte Gegner einer völlig neuen Art, die für die Ehre Frankreichs, für den Ruhm ihres Feldherren oder für irgendwelche Menschenrechte der Revolution ihr Leben zu geben bereit waren. Hunderttausende, angeführt von einem militärischen Genie.

Ein Land nach dem anderen in Europa unterwarf sich dem Bonaparte. Der hatte tatsächlich vor, ganz Europa zu erobern. Nach Russland sollte das ottomanische Reich dran sein. So der Plan. Und das wäre es dann gewesen.

Es gibt immer mehr als nur ein einziges Genie

Carl von Clausewitz war auch ein Genie. Der General fiel nach der Niederlage der preußischen Armee in Kriegsgefangenschaft und hatte in Frankreich Zeit, das Genie des Herrn Napoleon Bonaparte eingehend zu studieren. Als er wieder die Freiheit erlangt hatte ging er nach Russland und bot dem Zaren seine Dienste an. Clausewitz kämpfte auf russischer Seite gegen Napoleon. Die Russen siegten.

Und dann mobilisierte Europa noch einmal. In der Völkerschlacht bei Leipzig erhoben sich die Europäer gegen den Tyrannen. Das französische Volk konnte unmöglich gegen alle Völker Europas gewinnen. Und so kam es zum Ende der Geschichte von Napoleon Bonaparte, der sich Europa unterwerfen wollte.

Die Unterscheidung von Tiger und Papiertiger

Wenn Sie eine mögliche Gefahr einschätzen wollen, brauchen Sie Informationen. Momentan wird Russland als eine Gefahr für die Bundesrepublik und für Europa allgemein dargestellt. Obwohl es dafür keine konkreten Anhaltspunkte gibt. Warum sollte Russland Europa erobern wollen? Diesen Saustall? Der Pleite ist. Allerdings könnte die Kriegsgefahr eintreten, sollte der Westen Russland zu einer Reaktion provozieren. Präsident Putin hat klar gemacht, dass eine weitere Eskalation des Westens durchaus zu einem Militärschlag führen könnte.

Die Situation in der Ukraine ist für die ukrainische Armee hoffnungslos. Russland wird diesen Konflikt gewinnen. Der Westen hat nicht die Ressourcen, um dagegenzuhalten. Nicht einmal die gesamte NATO. Das ist nun mal ein Fakt, der allerdings von den Politikern im Westen nicht anerkannt wird. Der Westen hält nach wie vor an der Illusion fest, dass die NATO ein Tiger und dass Russland ein Papiertiger sei. Obwohl die Realität genau das Gegenteil aussagt.

Die Mehrheit der Menschen im Westen ist inzwischen nicht mehr in der Lage, eine politische Situation realistisch einzuschätzen. Diese Unfähigkeit rührt vor allem von der Manipulation durch die Medien, die eben nicht mehr, wie einst Oriana Fallaci, die Wahrheit zu berichten sich verpflichtet fühlen, sondern die nur noch einer vorgegebenen Ideologie frönen. Und die Ideologie hat nun einmal festgelegt, dass Russland unser Feind sei. Obwohl es dafür gar keinen Grund gibt. Schließlich hat uns Russland nichts getan. Im Gegenteil, die Russen haben doch wohl seit 1990 immer und immer wieder versucht, unsere Freunde zu werden.

Wir, im Westen, haben diesen Konflikt in der Ukraine ausgelöst. Und wie wird dieser Konflikt enden? Nicht nur mit einer neutralen Ukraine. Was Wladimir Putin will ist viel mehr als nur ein Ende des militärischen Konfliktes. Die Russen wollen eine neue Friedensordnung in Europa. Sie wollen ewigen Frieden. Und diesen Frieden kann man eben nicht erreichen, indem man nur einen Waffenstillstand ausruft oder diesen Konflikt lediglich militärisch zu einem Ende bringt.

Wie Willi Brandt 1969 sagte: „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein und werden – im Innern und nach außen.“ Seine Entspannungspolitik lebte auch von der Aufforderung an uns alle, reif zu werden: „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ Das ist alles kaputt. Was ist eine „Demokratie“ wert, die alle vier Jahre ihre Meinung ändert? Was ist eine „Demokratie“ wert, die die Realität verleugnet?

Generalversammlung der U.N. im Jahre 1974

Oriana Fallaci zitiert in ihrem Buch aus einer Rede, die der algerische Präsident Houari Boumediene im Jahre 1974 vor der U.N. hielt:
„Eines Tages werden Millionen von Männer die südliche Hemisphäre dieses Planeten verlassen, um in die nördliche Hemisphäre hineinzuplatzen. Aber nicht als Freunde. Sie werden hineinplatzen, um zu erobern, und sie werden erobern, indem sie die nördliche Hemisphäre mit ihren Kindern bevölkern. Der Sieg wird uns aus den Schössen unserer Frauen zufallen.“

Muammar Gaddafi hatte im Jahre 2006 ähnliche Kommentare geäußert. Er sagte, der Islam werde „Europa erobern, ohne einen Schuss abzufeuern.“

Thilo Sarrazin hat es den Deutschen vorgerechnet. Das muss nicht unbedingt mit Krieg oder böser Absicht der Moslems zu tun haben. Es ist eine einfache Tatsache, dass die Geburtenrate nun mal einen Einfluss auf die Zukunft der Bevölkerung haben wird. „Deutschland schafft sich ab“ ist eine kühle Begutachtung der Situation im Jahre 2010. Es war eine Warnung, die keine Beachtung fand. Die Situation ist mittlerweile viel schlimmer geworden.

Was einst Helmut Kohl im Jahre 1982 äußerte, nämlich den Wunsch, die türkische Bevölkerung in der Bundesrepublik zu reduzieren, und was einst Angela Merkel im Jahre 2010 sagte: „Multikulti ist gescheitert“, ist inzwischen in der Bundesrepublik verdrängt oder wird als Fehleinschätzung gesehen oder als Ansporn, trotzdem das Unmögliche zu versuchen.

Bedenklich ist, dass man dieses Thema nicht in einer sachlichen Atmosphäre diskutieren kann. Dieses Problem der Invasion existiert doch nicht nur in der Bundesrepublik. Es existiert in allen westeuropäischen Ländern. Und wenn es dieses Thema in der Türkei oder in anderen moslemischen Ländern gäbe würde die Bevölkerung dort auch Sorgen äußern. Denn man kann doch nicht so einfach eine Kultur opfern oder so verwässern, dass nicht mehr viel an Substanz übrig bleibt, nur um irgendwelchen Ideologien genüge zu tun. Das ist doch krank.

Jede Generation hat eine Verantwortung gegenüber der Geschichte und gegenüber der Zukunft. Sie hat nicht das Recht, die Geschichte, nebst Traditionen und Kultur, abzuschaffen und in einem Anfall von Selbstsucht die Zukunft dieser Traditionen und Kulturen zu gefährden.

Kulturen und Traditionen und Sprachen sind sogar von der U.N. und ihren Sonderorganisationen, wie der UNESCO, geschützt. Die kulturelle Vielfalt soll gefördert werden. Die Abschaffung von Kultur wird nicht gefördert.

Polen, Ungarn und Russland haben Recht

Eine Kultur kann nur überleben, wenn die Menschen wahrlich in ihrer Kultur leben und stolz auf diese Kultur sind und bereit, diese Kultur zu schützen.

Das ist heute in Polen und Ungarn und Russland der Fall. Die Menschen in diesen Ländern schauen mit Wehmut und Mitleid und einem Anflug von Verachtung auf Westeuropa. So wie der Rest der Welt.

Es ist einfach, eine Armee zu mobilisieren, um einen Feind physisch zu bekämpfen. Was wir aber in Europa erleben, ist eine „friedliche“ Invasion, die zudem ideologisch von bestimmten Interessen gefördert wird. Die Medien unterstützen die vorgegebene Ideologie, bestimmen die öffentliche Meinung. Die Menschen sind daher eingeschüchtert und nicht bereit, sich dem fast schon unvermeidbaren entgegenzustellen. Die Resignierten warten, warten auf einen Retter. 

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Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Ist es nicht beeindruckend, wie Hans-Jürgen Geese vom anderen Ende der Welt die Lage auch in Deutschland treffend analysiert? Da können wir Ihnen nur empfehlen, das Werk desselben Autors zu genießen. Mit dem Titel „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ spannt Geese den Bogen von Neuseeland zu Deutschland. Seine messerscharfen Analysen zeigen auf, wie die Bürger weltweit von den immer gleichen Akteuren mit den immer gleichen Methoden unterdrückt und ausgebeutet, ja zu Sklaven gemacht werden. Täuschen Sie sich nicht. Was Geese in Neuseeland wie unter dem Brennglas aufzeigt, findet auch in Deutschland statt. Es ist nur nicht so leicht zu erkennen. „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ ist erhältlich im Buchhandel oder bestellen Sie Ihr Exemplar direkt beim Verlag hier. 

Hier können Sie eine Rezension zu diesem Werk ansehen: 
https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2020/ausverkauf-vom-traum-neuseeland-wie-ein-bluehendes-land-verramscht-wurde/ 

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