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Russische Gaslieferungen – Moskau dreht den Spieß um
Von Peter Haisenko
Der Überfall Israels und der USA auf den Iran hat die Lage am internationalen Gasmarkt verändert. Die Golfstaaten können nicht liefern. Die Preise explodieren und die Gasspeicher der BRD sind fast leer. Die EU hat verboten vom 1. November 2027 an Gas aus Russland zu beziehen. Warum sollte Moskau bis dahin weiter Gas liefern?
Die Arroganz der EU gegenüber Russland ist selbstmörderisch. Glauben die EU-Diktatoren ernsthaft, Russland wäre darauf angewiesen, Gas nach Europa zu verkaufen? Vor allem Flüssiggas? Glauben die wirklich, Russland würde wie ein braver Hund stillhalten, bis das Embargo aktiviert wird? So ähnlich, wie die wohl annehmen, Russland würde tatenlos zusehen, bis Europa und natürlich die BRD ihre Kriegsfähigkeit gegen Russland erreicht hat? Und nein, Russland wird die EU nicht militärisch angreifen. Das ist unnötig, denn Moskau hat andere Möglichkeiten, die gewaltfrei und erheblich effektiver sind.
Russland hält sich an Verträge. Erst vor wenigen Tagen hat Präsident Putin zum wiederholten mal angeboten, Gas durch den intakten Strang zwei von Nordstream zu liefern. Sofort, wenn es gewünscht wäre. Das entspricht gültigen Verträgen, aber die Abnahme wird von der BRD verweigert. Tatsächlich ist es aber so, dass die EU im letzten Jahr so viel Gas aus Russland importiert hat, wie selten zuvor. Flüssig oder über Rohrleitungen. Gas durch „Turkstream“ und die „Druschba-Röhre“. Allerdings ist mir nicht bekannt, dass es Verträge über die Lieferung von Flüssiggas mit Russland gibt. Das heißt, sollte Russland die Flüssiggaslieferungen an die EU einstellen, wäre das kein Vertragsbruch. Das Angebot der Lieferung über Nordstream 2 bleibt bestehen, eben weil es vertraglich ausgemacht ist. Die BRD muss nur den Hahn aufdrehen und nahezu alle wirtschaftlichen Probleme wären beseitigt. Sogar der Lieferpreis wäre auf dem vertraglich vereinbarten günstigen Niveau. Russland hält sich an Verträge, auch in Kriegszeiten.
Gas und Marktwirtschaft
Nun hat Moskau aber angekündigt, die Gasexporte nach Europa einzustellen. Mit der einfachen Begründung, dass es in der momentanen Lage besser ist, Gas auf dem freien Markt zu Marktpreisen zu verkaufen. Das eröffnet den Zugang zu neuen Kunden, die nicht vorhaben, innerhalb vorbestimmter Zeit die Abnahme zu verweigern. Das ist logisch, denn wer würde nicht einen zuverlässigen Kunden vorziehen gegenüber einem, der schon angekündigt hat, die Geschäftsbeziehung abzubrechen? Dazu schreibt die Autorin Lea Verstl auf ntv:
„Mit seiner Drohung, den Gashahn zuzudrehen, entblößt Wladimir Putin die Achillesferse der EU. Seine Muskeln kann der russische Präsident jetzt spielen lassen, da der Krieg im Iran die Gaspreise bereits in die Höhe schießen lässt. Putin weiß: In dieser Gemengelage sorgen zusätzliche Drohungen aus Moskau auf den Energiemärkten für neue Unsicherheiten und Preissprünge. Besondere Genugtuung dürfte Putin die Gewissheit geben, Europas Inkonsequenz propagandistisch auszuschlachten: Seht her, das habt ihr Heuchler nun davon – ihr verurteilt den Krieg in der Ukraine, aber füllt weiter meine Kriegskasse mit euren Energiekäufen!“
Russland hat sich unabhängig vom Westen gemacht
Sie führt dann noch an: „Und damit hat Putin völlig recht. Wie kann das denn sein: Im vierten Kriegsjahr 2025 wurde aus den EU-Mitgliedstaaten laut Angaben des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) jeden Monat insgesamt knapp eine Milliarde Euro für russisches Gas an Moskau überwiesen.“ Mit dieser wahrscheinlich richtigen Aussage belegt sie aber den ganzen Irrsinn der BRD- und EU-Politik. Eine Milliarde pro Monat? Also 12 Milliarden pro Jahr? Wo doch russisches Auslandsvermögen in Höhe von etwa 300 Milliarden Euro bereits „eingefroren“, also geraubt ist. Geraubt, weil dieser Vorgang nicht durch internationales Recht gedeckt ist. Und da soll es jetzt auf eine Milliarde mehr oder weniger ankommen? Wo doch der Raub der 300 Milliarden keinen ernsthaften Schaden für Russland angerichtet hat.
Für Europa sieht das allerdings ganz anders aus. Insbesondere für die BRD, denn die kann nicht einmal mehr auf Atomkraft zurückgreifen. Katar und Kuweit haben ihre Produktion von Flüssiggas eingestellt. Wann das wieder aufgenommen werden kann, steht in den Sternen. Die USA allein können Europas Bedarf nicht decken, selbst wenn sie es wollten und das ist zweifelhaft. Schließlich wollen sie die Konkurrenz Europas minimieren, was sie schon mit der Sprengung der Nordstream-Röhren begonnen haben. Norwegen hat schon gesagt, dass es seine Gaslieferungen nicht steigern kann. Ein ernsthafter Gasmangel in Europa wird die gesamte Industrie lahmlegen. In jedem Fall die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Industrie zerstören.
Und das Öl?
Großzügig wie er ist, hat Trump jetzt Indien „erlaubt“, für einen Monat Öl aus Russland einzukaufen. Das sollte man würdigen! Da erlaubt sich ein Imperator darüber zu bestimmen, wer mit wem Handel treiben darf. Nach Belieben. Ach ja, wir schützen den freien Handel und die Demokratie. Demokratie? 60 Prozent der Amerikaner wollen den Iran-Krieg nicht. In Europa sieht es ähnlich aus und Spanien hat da schon eine klare Position bezogen, die allerdings von Trump mit wüsten Drohungen bedacht worden ist. Und Indien? Was wäre, wenn Indien verbietet, Software für US-Konzerne zu programmieren? Microsoft wäre paralysiert und nicht nur die. Aber blicken wir dazu auf Kiew. Selenskij hat die Ölleitung nach Ungarn außer Betrieb gesetzt. Und die EU? Tut nichts. Keine Mahnung an Kiew, geschweige denn die Androhung von Konsequenzen. Geht ja auch nicht, denn dort wird ja „unsere Demokratie“ verteidigt, Da kann man schon ein EU-Land dem Ölmangel preisgeben. Natürlich mit dem Hintergrund, die Wiederwahl Orbans zu sabotieren. Das ist selbstverständlich ein edles Motiv.
Manch einer wundert sich schon lange über Putins Geduld und Zurückhaltung. Putin ist ein Jurist und er tut nichts, was gegen Recht verstoßen könnte. Und nein, der Anschluss des Donbas und der Krim sind völkerrechtlich nicht zu beanstanden. Wäre es anders, wäre man schon längst in Den Haag vorstellig geworden, um Russland verurteilen zu lassen. Sie wissen, dass das dumme Gerede über eine Annexion nicht haltbar ist. Interessanterweise hat das Trump offensichtlich verstanden, was seine Haltung gegenüber Selenskij erklärt. Aber irgendwann ist auch Putins Geduld am Ende und es sieht so aus, als ob der Zeitpunkt gekommen wäre. Seine Position ist logisch. Ihr wollt mein Gas und und Öl nicht haben? Gut, dann helfe ich euch dabei, eure Ansagen konsequent umzusetzen. Wenn ihr schon ab November 2027 kein Gas mehr wollt, dann können wir diesen Wunsch etwas früher Realität werden lassen. Die Grünen werden applaudieren, ob der unausweichlichen Entindustrialisierung Europas.
Wer braucht schon preiswerte Energie?
Man sollte sich sowieso fragen, welchen Sinn es haben kann, erst in eineinhalb Jahren Energieimporte aus Russland zu verweigern. Es geht doch angeblich darum, Russlands Kriegsfähigkeit zu beenden. Der Krieg in der Ukraine wird aber höchstwahrscheinlich schon geraume Zeit vor dem November nächsten Jahres beendet sein. Wenn also Putin in Kürze die Gaslieferungen nach Europa einstellen sollte, dann ist er derjenige, der konsequent im Sinn der Eurokraten handelt. Und sie so gekonnt vorführt, ihnen aufzeigt, wie dämlich sie in ihrem Russlandhass handeln. Oder eben inkonsequent.
Ja, ein bißchen boykottieren wir Russlands Energiegeschäft, aber nur so viel, wie wir gerade noch meinen aushalten zu können. Danke Putin, für das Aufdecken all dieser großmäuligen aber substanzlosen Ansagen aus Brüssel und Berlin. Wie bescheuert ist das denn: Wir brauchen dringend Öl und Gas, aber von dir nehmen wir das nicht. Da zahlen wir lieber ein Mehrfaches an unser Freunde und Beschützer in Übersee und laufen Gefahr, gar nichts mehr zu bekommen. Wer braucht schon preiswertes Öl oder Gas?
Moskaus Geduld ist am Ende
Russland sitzt bei Energie am längeren Hebel und manch einer hat sich gefragt, wann Moskau den Spieß umdrehen wird. Eben wann Russland sagt, wenn ihr euch uns gegenüber so feindselig benehmt, dann zeigen wir euch, wohin das führt. Nicht nur die beste Außenministerin hat gesagt, man befinde sich im Krieg gegen Russland. Mancher sagte sogar, im ewigen Krieg. Kann man da erwarten, dass der erklärte Feind weiterhin brav Energie liefert, mit der erst die Kriegstauglichkeit hergestellt werden kann? Nein, Russland muss gegen die BRD oder Europa nicht zu militärischen Waffen greifen.
Wie unsere kriegslüsternen Führer jetzt lernen müssen, geht das viel einfacher und natürlich konform mit jedem internationalen Recht. Aber bei der Qualität unseres Regierungspersonals müssen die schon wie ein Hund mit der Schnauze in ihre eigenen Haufen gedrückt werden, damit sie vielleicht, vielleicht verstehen, was sie angerichtet haben und weiter anrichten. Dumm nur, dass wir, die einfachen Bürger, darunter zu leiden haben, was bei den Anführern eher unwahrscheinlich ist. Wann wird das Maß voll sein? So voll, dass wirklich Massenproteste den Wahnsinn stoppen werden? Ich erinnere an Wladimir Wladimirowitsch Putin, den gewählten Präsident der Russischen Föderation. Schon vor Jahren stellte er die offensichtliche Frage: „Seht ihr jetzt, was ihr angerichtet habt?“ Diese Frage ist aktueller denn je.
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Lesen Sie dazu auch eine Betrachtung aus dem Jahr 2013, als der NSA-Abhörskandal auch Merkel betroffen hat:
https://www.anderweltonline.com/politik/politik-2013/sind-die-usa-noch-unsere-freunde-falsche-frage/




