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Das Emblem von SAVAK

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Persien und die ewige Schuld Englands

Von Peter Haisenko 

Über Jahrhunderte lebten die Perser unauffällig und friedlich abseits der geopolitischen Stürme. Dann kamen die Engländer und fortan gehört auch der Iran zu den geschundenen Ländern. Bevor jetzt jemand über Mullahs schimpft, frage ich Sie, ob Ihnen SAVAK noch ein Begriff ist.

Was ich über Persien und England gesagt habe, kann auf die ganze Welt extrapoliert werden und man wird fast keinen Fehler machen. Schließlich gibt es nur 22 Länder, die noch nie von England überfallen worden sind. Betrachtet man diese genauer, wird die Liste kürzer. Es sind nämlich: Andorra, Weißrussland, Bolivien, Burundi, Zentralafrika, Tschad, Kongo, Guatemala, Elfenbeinküste, Kirgisien, Lichtenstein, Luxemburg, Mali, die Marshall-Inseln, Monaco, die Mongolei, Paraguay, Sao Tome und Principe, Schweden, Tadschikistan, Usbekistan und ja, der Vatikan. Es sind also ganz kleine unbedeutende Länder oder andere, die für eine Seemacht unerreichbar sind. Heute will ich vor allem auf Persien eingehen und warum dieses Land erst so spät von England angegriffen worden ist, dafür aber nachhaltig zerstörerisch.

Die wichtigste Kolonie Englands war Indien. Bevor der Suez-Kanal in Betrieb ging, war der Weg nach Indien weit. Er führte um die Südspitze Afrikas herum und dann nahezu frei durch den Indischen Ozean. Sie war weitgehend frei von Piratenangriffen. Mit dem Suezkanal aber führte der Weg jetzt dicht an der Arabischen Halbinsel entlang und einige Emirate am gleichnamigen Golf betrieben nicht nur Handel mit Fernost, sondern auch Piraterie dort. Persien zählte nicht dazu. Geschickt hat London den kleinen Emiraten wie Dubai oder Fudscheira mit wenigen tausend Pfund freies Geleit abgekauft. So weit war für England wieder alles in Ordnung. Und zwar auch deswegen, weil fast die ganze Arabische Halbinsel zum Osmanischen Reich gehörte und auch das betrieb keine Piraterie. Dann aber, um 1900, geschahen zwei wesentliche Dinge.

Öl und Ibn Saud

Ibn Saud, der Araber, begann ein Reich zu erobern ebendort. Das veränderte die gesamte politische Lage. Wichtiger aber war die Entdeckung von Öl in der Nähe von Mossul, das zum Osmanischen Reich gehörte und das Deutsche Reich hatte sich den Zugriff auf dieses Öl gesichert, indem es die Bagdad-Bahn baute. Das war die Urkatastrophe für England. Zu dieser Zeit gab es nur Öl in den USA, Mexiko, Russland/Baku und jetzt eben in Mossul. Die Briten erkannten schnell den militärischen Nutzen von Öl und stellten ihre Kriegsflotte auf Öl um. Damit vervierfachten sie die Reichweite ihrer Schlachtschiffe, aber sie hatten keinen gesicherten Zugriff auf das Öl. Mit der Bagdad-Bahn hatten die Deutschen nicht nur einen schnellen Transportweg nach Deutschland, sondern auch vertraglich gesicherten Zugriff. Dieser Umstand ist einer der Gründe, warum England den Ersten Weltkrieg unbedingt brauchte und herstellte. Dazu musste auch das Osmanische Reich zerstört werden, was gelungen ist. Persien blieb davon immer noch unberührt.

Nach dem WKI herrschte folgender Zustand: Das Osmanische Reich gab es nicht mehr. Dafür gab es jetzt das Großreich Saudi-Arabien. Na ja, ein echtes Reich war es nicht, aber nach modernen Massstäben war es der erste „radikal-islamistische Staat“. Persien hingegen war ein religionsoffenes Land, das in seiner Verfassung allen Religionen das Existenzrecht ausspricht. Inklusive dem Judentum und das gilt bis heute. Perser sind keine Araber/Semiten. Sie zählen sich zu den Ariern. England hatte die Kontrolle über die Gebiete südlich des Rests des Osmanischen Reichs und hat sich so die Ölfelder in Mossul angeeignet. Den Gewinn aus dem Öl teilten die Briten mit den USA und Frankreich, behielten aber den Löwenanteil für sich. Für Bagdad ließen sie gerade mal fünf (5 !) Prozent übrig. Wie Piraten halt so sind. Bagdad konnte sich dagegen nicht wehren.

Öl in Arabien und Persien

Mitte der 1930er Jahre entdeckten amerikanische Ölfirmen riesige Ölvorkommen auf der Arabischen Halbinsel. Sie gründeten die ARAMCO, die arabisch-amerikanische Ölgesellschaft und bezahlten an die Saudis einen Cent pro gefördertem Barrel Öl. Ein Barrel (Fass) = 159 Liter. Die Saudis wussten fortan nicht mehr wohin mit dem Geld, aber es war ein zumindest nominal ordentlicher Vertrag. Dann dauerte es nicht mehr lang, bis auch in Persien große Ölvorkommen gefunden wurden. Anders als die Saudis hat Teheran keinen Exklusivvertrag mit den USA über das Öl abgeschlossen. Das brachte die Engländer wieder auf den Plan. Obwohl die mit dem WKII schon genügend Probleme hatten, ist es ihnen gelungen, Persien unter ihre Kontrolle zu bringen, mit ihren überlegenen Waffen. Und wieder, anders als die USA, hat London beinahe das gesamte Öl Persiens geraubt und wieder ein System etabliert, das für Persien weniger als fünf Prozent der Ölförderung zur eigenen Nutzung übrig ließ. Teheran konnte nichts gegen diesen Gewaltakt tun.

Mit dem Ende des WKII hatte sich die Welt verändert. Die Demokratie war zur neuen Weltreligion erklärt worden. Dadurch ergaben sich für das von England beraubte Persien neue Perspektiven. Persien wählte Anfang der 1950er Jahre eine demokratisch legitimierte Regierung unter dem Chef Mossadeq. Der tat, was er seinen Wählern versprochen hatte. Er renationalisierte das persische Öl. Der englische Raubzug war beendet. Wie hätten die Demokratiebringer dagegen sein können? Es war ja demokratisch. Aber hat sich London jemals um Demokratie oder Recht gekümmert? Noch dazu, wenn ihm das Öl genommen wird? Allerdings waren die Herren in London nicht in der Lage, in Folge des WKII, diesen demokratischen Akt zu revidieren. So taten sie das, was sie immer getan haben: Sie haben die USA zur Hilfe gerufen.

Auch Demokraten dürfen kein Öl nationalisieren

Nun waren auch die USA gar nicht glücklich über den Gedanken, dass auch ihnen ein dahergelaufener Demokrat ihr Recht auf Ausbeutung fremden Öls streitig machen könnte. So einen Präzedenzfall durfte es nicht geben und so waren sie mehr als willig, dem Spuk in Persien ein Ende zu bereiten. Demokratie hin oder her. Die CIA schickte den Neffen von dem verstorbenen Präsident Roosevelt nach Persien, ausgestattet mit unbegrenzten finanziellen Mitteln. Es kam, wie es geplant war.

Die demokratische Regierung Mossadeq wurde gestürzt und Schah Reza Pahlavi ist „installiert“ worden, ohne jegliche demokratische Legitimation, also gegen den Volkswillen. Und weil es gegen den Volkswillen war, musste sofort ein restriktives Terrorregime etabliert werden. Das ausführende Organ hieß ab sofort SAVAK. Dieser Inlandsgeheimdienst ließ von Anfang an keine Opposition zu, mit aller Gewalt. Demokratie? Blödsinn! Schließlich war die Kontrolle über das persische Öl wieder hergestellt und mehr. Der Schah kaufte ab sofort jede Menge teure US-Waffen. Die amerikanisch-englische Welt war wieder in Ordnung. Es gab niemanden, der da für internationales Recht und Ordnung hätte einstehen können. Und ja, nach Völkerrecht war das alles illegal, aber hat das jemals die USA oder England irritiert?

Ich war 1976 das erste mal in Teheran. Und ja, für einen unbeteiligten war alles sehr in Ordnung. Keine Schleier oder andere islamische Vorschriften und Teheran war bunt. Aber der Schein hat getrogen. Es war ein Regime, das keine Opposition duldete und das geht letztlich nur mit massivem Terror. Nicht nur im Iran selbst formierte sich eine schlagkräftige Opposition. Auch in Berlin gab es Demonstrationen, die oft genug in Gewalt ausarteten. Nicht nur gegen die SAVAK, sondern auch gegen goldene Kloschüsseln für die Schahtreuen. Die Situation eskalierte und wurde unhaltbar. Die allgemeine Stimmung war klar: Der Schah muss weg! Allerdings habe ich schon damals, 1978, meine Stimme erhoben mit der Frage: Wollt ihr in Persien wirklich einen islamistischen Gottesstaat wie in Saudi-Arabien? Nun, genau so kam es und seither, verkürzt ausgeführt, ist der Iran der Erzfeind der USA und Israels und wird mit Sanktionen gequält, die allesamt illegal sind.

Demokratie, dann der Schah, dann Mullahs und jetzt wieder ein Schah?

Und jetzt sollen also die Mullahs wieder vertrieben werden. Allerdings ist das im Iran nicht so einfach. „Farbenrevolutionen“ wie in anderen Ländern sind nicht so einfach zu organisieren. Die Bevölkerung Persiens ist ethnisch ziemlich homogen und sie hat einen mehr als berechtigten Zorn, ja Hass auf alles amerikanische. Das Dümmste aber, was Washington tun konnte, war, den Sohn vom ehemaligen Schah ins Spiel zu bringen. Da gibt es noch zu viele Perser, die sich an das erste Terrorregime des alten Schah erinnern können. Nein, das wollen sie auch nicht wieder haben. Egal was. So musste Trump seine Angriffspläne erstmal stoppen. Auch, weil offensichtlich zu viele Mossad-Agenten enttarnt und eliminiert worden sind. So herrscht jetzt im Iran die angespannte Ruhe vor einem möglichen Sturm, dessen Ausgang aber alles andere als vorhersehbar ist. Persien wird nicht zur Ruhe kommen können.

Nun wird gern gesagt, man solle nicht spekulieren was hätte sein können, wenn... Ja das sagen die, die genau wissen, was sie verbrochen haben und was sie damit angerichtet haben. Sie wollen nicht, dass die Welt darüber nachdenkt, wie die Geschichte hätte besser laufen können, wenn sie sich anständig verhalten hätten. Insbesondere im Fall Persien ist die Antwort auf eine solche Frage aber einfach. Ohne den gierigen Raubzug Englands gegen das persische Öl und die folgende Zerschlagung der jungen Demokratie, hätte Persien eines der wohlhabendsten Länder werden können, mit einer Musterdemokratie. Es hätte keinen Schah gegeben, keinen Gottesstaat und auch keinen Krieg oder Sanktionen. Auch das Verhältnis zum jungen Israel wäre problemlos geblieben. Eben so, wie es unter dem Demokraten Mossadeq war. So muss klar festgestellt werden: Der äußerst unbefriedigende Zustand Persiens geht auf das Konto von London. Ebenso wie der Zustand des gesamten Nahen und Mittleren Ostens. England hat hier ewige Schuld auf sich geladen und die westliche Welt ignoriert das einfach.

Aber wenn es schon um Spekulationen geht, stelle ich noch andere Fragen in den Raum. Wie könnte die Welt heute aussehen, wenn England in seinem Weltbeherrschungswahn nicht den WKI angezettelt, hergestellt hätte? Dessen Folge Hitler war, der von England finanziert und an der Macht gehalten worden ist? Wie hätte sich das Zarenreich entwickeln können, wenn London nicht Lenin und seinen Kommunismus mit viel Geld dorthin getragen hätte? Wenn sich England und die USA nicht auf Seiten der Kommunisten in den Bürgerkrieg in Russland eingemischt hätten? Und weiter führend: Wie hätte sich die Sowjetunion entwickeln können, wenn sie nicht andauernd von Sanktionen und Embargos in ihrer Entwicklung erdrosselt worden wäre? Wir werden das nie erfahren können, aber am Beispiel China erhält man eine Idee, wie sich sogar ein kommunistisches Land entwickeln kann, wenn es eben nicht mit Sanktionen und Embargos erdrosselt wird. Wie wäre das Leben in Kuba, ohne die Sanktionen der USA?

Das Unglück der Erde heißt England

Man mag mich nennen, wie man will, aber ich bleibe nach langen Forschungen dabei: Nicht das Deutsche Reich hat Unglück über die Welt gebracht. Es war immer England, der perfide Piratenstaat, der Ausbeutung, Tod und Verderben über nahezu die ganze Welt gebracht hat. Eben auch über Persien. Vergessen wir nicht: Es gibt keinen aktuellen Konflikt oder Krieg, der nicht ursprünglich auf das Treiben Englands zurückzuführen ist. Und ganz aktuell die Ukraine. Die Millionen Tote und all die Zerstörungen hätte es nicht gegeben, wenn Englands Boris Johnson Kiew nicht verboten hätte, Frieden mit Russland zu schließen. Und die USA? Na ja, die wurden eben nicht nur einmal von London zu Kriegshandlungen verführt.

Ich vertrete die Theorie, dass es die englische Sprache ist, die die Angelsachsen nicht zu friedlichem Verhalten kommen lässt. Bedenken Sie: Im Englischen gibt es keine Worte, die das Deutsche „satt“ oder „zufrieden“ gleichwertig abbilden können. So, wie es im Deutschen kein Wort für „nicht durstig“ gibt. Wie könnte das gesamte angelsächsische Wirtschafts- und Finanzsystem jemals satt und zufrieden sein, wenn deren Sprache diese Begriffe nicht einmal kennt? Wenn die Welt folglich irgendwann zum Frieden finden soll, dann müssen all die Verbrechen Englands aufgedeckt und diskutiert werden. Und dann muss England geächtet werden. Von jeglichem Einfluss auf die Weltpolitik abgeschnitten werden. Überall wo England geherrscht hat, hat es Chaos und Verderben hinterlassen. Und selbst in Palästina, in Israel, hat London alles getan, den unstillbaren Hass zwischen Khasaren und Arabern herzustellen. Auch das geteilte Zypern geht auf sein Konto.
Lesen Sie dazu das Kapitel „Israel“ aus dem Werk „England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“. Sie können es hier als PDF kostenlos herunterladen.

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