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Die Entmenschlichung der Menschen
Von Hans-Jürgen Geese
Der englische Pfarrer William Lee erfand im Jahre 1589 die erste mechanische Strickmaschine, die sechsmal schneller arbeitete als ein Handstricker. Der gute Mister Lee bat daher die Königin Elizabeth um ein Patent auf diese offensichtlich wichtige Erfindung. Elizabeth verweigerte jedoch das Patent und sprach dann die berühmten Worte, die durch die Jahrhunderte hallen sollten:
„Thou aimest high, Master Lee. Consider thou what the invention could do to my poor subjects. It would assuredly bring to them ruin by depriving them of employment, thus making them beggars.“ (Sie haben sich ein hohes Ziel gesetzt, Meister Lee. Bedenken Sie jedoch was die Erfindung meinen armen Untertanen antun könnte. Diese Erfindung würde sie sicherlich ruinieren, indem sie ihnen die Arbeit raubt und sie dadurch zu Bettlern macht.).
Alle Technologien werden Selbstläufer
Der erste mechanische Webstuhl wurde im Jahre 1785 von dem Engländer Edmund Cartright erfunden. Textilien konnten jetzt industriell in großen Fabriken hergestellt werden. Zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten.
Die Weber erhoben sich. Es kam zu Aufständen. Schließlich musste die englische Regierung hart durchgreifen. Sie erließ ein Gesetz, das die Vernichtung von mechanischen Webstühlen mit der Todesstrafe belegte. Hunderte wurden aufgehängt oder nach Australien verschifft, bevor sich die Situation beruhigte.
Der Aufstand der Weber war sinnlos. Wie auch die Entscheidung der Königin Elizabeth sinnlos war. Der Pfarrer William Lee brachte seine Erfindung nach Frankreich, wo sie großen Erfolg hatte. Der „Fortschritt“ ist nicht aufzuhalten.
Sie können sich heute der Verbreitung der Künstlichen Intelligenz (KI) entgegenstellen. Es wird nichts nutzen. Selbst mächtige Nationen könnten die eindrucksvollsten Gesetze erlassen und mit allen möglichen Strafen drohen. Allein, die Verbreitung von KI wird nicht zu stoppen sein. Und sollte KI oder sollten andere Erfindungen sogar den Untergang der Menschheit zur Folge haben, so wird geschehen, was geschehen muss. Wer wollte unseren Untergang aufhalten?
Denn wenn es schon schwierig genug ist, auch nur einen einzigen Menschen zu einer klugen Einsicht zu bewegen, so wird es nie gelingen, die Mehrheit der Menschheit mit solcher Segnung zu beglücken. Es gibt Beispiele zuhauf.
Zum Beispiel wird der momentane Konflikt mit dem Iran zur Folge haben, dass mehr Länder auf Erden, die ihre Souveränität erhalten wollen, zu der einzigen Waffe greifen werden, die ihnen diese Souveränität garantiert: Der Atomwaffe.
Alle Vernunft auf Erden hat nicht ausgereicht, um die Israelis und Amerikaner davon zu überzeugen, dass sie unbedingt den Iran in Ruhe lassen müssen, andernfalls werde ein Angriff verheerende Folgen für die Menschheit haben.
Man muss heutzutage leider die nüchterne Feststellung machen: Sollte der Mensch tatsächlich bei seiner Schöpfung im Garten Eden mit Vernunft ausgestattet gewesen sein, dann hat er diese Vernunft, im Laufe der Jahrtausende, langsam aber sicher, immer weiter verloren. Viel ist nicht mehr übrig geblieben.
Hier, bei der Vernunft, finden Sie die wohl eindrucksvollste Demonstration, dass der Mensch seine Menschlichkeit mehr oder weniger bereits aufgegeben hat. Wie sonst ist zu erklären, dass all die Kriege nicht ausreichten, um endlich Frieden auf Erden zu erhalten. Trotz all der tollen Technologien, die doch der Welt endlich den völlig aufgeklärten Bürger hätten bescheren müssen. Oder etwa nicht?
Homo urbanus iPhonicus
Sie können natürlich von dem Handy halten was Sie wollen. Ich habe so ein Ding nicht. Meiner Ansicht nach ist das Teufelszeug. Es schmerzt, die Kinder und Jugendlichen vor dem Ding verblöden zu sehen. Noch schlimmer ist, dass junge Menschen süchtig werden und die virtuelle Welt als die ihnen eigene Welt betrachten. Mit allen Konsequenzen. Wir hatten in unserer Familie den Fall, dass ein Mädchen sich das Leben zu nehmen versuchte, weil sie mit den Reaktionen auf das, was sie da in das Maschinchen eingab, nicht umgehen konnte.
Frage: Braucht der Mensch im Jahre 2026 unbedingt ein Handy? Ich bezweifele das. Aber das spielt keine Rolle. Das Handy wird nicht aufzuhalten sein. Und das, was man die Singularität nennt, ein Übertreffen der menschlichen Intelligenz durch KI und letztendlich die Verschmelzung von Mensch und Maschine, wird geschehen. Ob es sich dann bei dem sogenannten neuen Menschen noch wirklich um einen Menschen handelt, kann und muss ernsthaft in Frage gestellt werden.
Menschlich oder unmenschlich?
Wenn „menschlich“ die guten Eigenschaften des Menschen beschreibt, die sogenannte Humanität, wie zum Beispiel Güte, Empathie, Mitgefühl, Respekt, Toleranz, und wenn „unmenschlich“ die dunklen Seiten des Menschen ausdrückt, wie z.B. Mitmenschen zu schaden, sie gar zu verderben, dann wird es schwer fallen, unsere Zeit als besonders tugendhaft zu bezeichnen.
Es gibt keinerlei Anzeichen, dass der Mensch auf dem Wege von der Unmenschlichkeit zur Menschlichkeit sich bewegt. Eher umgekehrt.
Der Krieg in der Ukraine geht unvermindert weiter. Etwa 2 Millionen Tote, und die Welt tut das mit einem Achselzucken ab. In Gaza starben bisher bereits über hunderttausend Frauen und Kinder. Und nur wenige regen sich darüber auf.
Ist den Menschen das Mitgefühl abhanden gekommen? Oder ist es ihnen ausgetrieben worden? Oder war es nie bei der Mehrheit der Menschen vorhanden?
Schlimmer noch: Ist „menschlich“ oder „unmenschlich“ überhaupt ein Kriterium in unserem täglichen Leben, ein Kriterium, das wirklich eine überragende Rolle im Ablauf dieses, unseres Lebens spielt? Messen und beurteilen wir die Politiker entsprechend? Fordern wir gegenüber den Politikern mehr Menschlichkeit in solchem Masse, dass diese Politiker nicht umhin können, darauf einzugehen? Sind die Medien ebenfalls entsprechend ausgerichtet?
Das scheinen naive Fragen zu sein. Denn Menschlichkeit ist leider in unserem politischen und wirtschaftlichen System keine Kategorie von Bedeutung. Diese Entscheidung wurde vor etwa 100 Jahren endgültig gefällt. Es war die wichtigste Endscheidung überhaupt.
Der Kapitalismus ist ein entmenschlichtes Wirtschaftssystem
Angesichts der offensichtlichen Tatsachen wird wohl niemand behaupten, dass es im Kapitalismus keine wirtschaftlichen Krisen gäbe. Der Kapitalismus mag hingegen sogar Krisen unbedingt brauchen, um überhaupt überleben zu können.
Kein Wunder daher, dass sich vor über 100 Jahren Alternativen zum kapitalistischen System zu Worte meldeten. Wenn der Kapitalismus so eine Art von Paradies auf Erden eingerichtet hätte, dann wäre es nie zu diesem Aufmucken von Alternativen gekommen. Aber Kapitalismus bedeutete und bedeutet letzten Endes immer eine Ausbeutung der Schwachen. Und so kam was kommen musste.
Drei Alternativen boten sich an: Kommunismus, Faschismus und der New Deal von Präsident Roosevelt (also eine Art von Sozialismus). Alle scheiterten letztendlich aus einem einzigen Grund: Es ist so gut wie unmöglich, ein sozial gerechtes System aufzubauen, wenn ein Grossteil des Geldes für Rüstung ausgegeben wird. Der Kapitalismus provozierte daher alle drei Alternativen in den Krieg.
Sie haben auf der Schule gelernt, den Kommunismus und den Faschismus im Nachhinein, nach Ende von Kriegen, zu beurteilen. Damals, in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, waren aber Kommunismus und Faschismus international als ernsthafte Alternativen zum Kapitalismus im Gespräch.
Mussolini war ein Sozialrevolutionär. Er entwickelte Italien. Er entwickelte die Landwirtschaft, er ließ Krankenhäuser bauen, er förderte die Bildung. Der Mann erhielt im Jahre 1937 einen Ehrendoktortitel von der Universität Lausanne in der Schweiz. Warum wohl?
Der Nationalsozialismus war eine Art von Sozialismus. Hitler bot Abrüstung an. Niemand schien daran ein Interesse zu haben. Der Sozialismus, der unter Hitler in Deutschland praktiziert wurde, fand damals internationale Anerkennung.
Kapitalismus mit menschlichem Antlitz
Um den Kapitalismus in den U.S.A. überhaupt zu retten, war Präsident Roosevelt in den 30er Jahren bereit, dramatische Eingriffe des Staates in den Wirtschaftsprozess zu erzwingen, bevor der Kapitalismus kollabierte. Die Arbeitslosigkeit stieg unaufhörlich, auf über 24 %!!!. Die alten Tricks griffen nicht mehr.
Roosevelt erhöhte die Steuern für die obersten Einkommen auf über 90 %. Eine gigantische Umverteilung fand statt. Arbeitsplätze wurden vom Staat geschaffen.
Etwa 30 Jahre später verfolgte sogar Präsident Lyndon B. Johnson noch immer diese Vision von einer „Great Society“, mit der zentralen Initiative, die sich „Krieg gegen Armut“ nannte.
In der Bundesrepublik steht der Name Willy Brandt nicht nur für eine neue Ostpolitik der Versöhnung und Verständigung, sondern auch für die Errichtung einer gerechten Gesellschaft.
Anmerkung der Red.: Lesen Sie dazu:
https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20261/warum-durfte-willy-brandt-nicht-kanzler-bleiben/
Das durfte natürlich nicht geschehen, und so verschwanden in den 70er Jahren alle Politiker auf Erden, die sich an sozialen Experimenten und der Errichtung einer gerechten Gesellschaft versuchten. Alle!
Heute herrscht der Kapitalismus im Westen unangefochten. Dieser Kapitalismus war und ist die unbedingte Voraussetzung für die Errichtung der jetzt anstehenden endgültigen Entmenschlichung der Menschen.
Die Privatwirtschaft hat den Staat übernommen
Die weltweit führenden Medienhäuser sind in privatem Besitz. Die Technologiekonzerne sind in privatem Besitz. Viele frühere Aufgaben des Staates sind inzwischen in die Privatwirtschaft transferiert.
Es ist daher logisch, dass die Privatwirtschaft versucht, ihre Leute in die Regierungen im Westen einzuschleusen. Und das ist vor allem in den führenden Industrienationen im Westen inzwischen ganz großartig gelungen.
Man kann daher eigentlich schon seit geraumer Zeit nicht mehr von Demokratie reden. Die Kandidaten in der Politik werden von der Wirtschaft direkt oder indirekt ausgewählt. Siehe Merz. Oder wollen Sie diese Behauptung anfechten?
Und die Medien haben inzwischen gelernt, die Wähler so zu analysieren und zu beeinflussen, dass der Wahlausgang mehr oder weniger vorgegeben ist. Der erste Kandidat, der mit Hilfe der neuen Medien auf den Thron gehoben wurde, war Obama. Seitdem sind die Manipulationen aber noch viel ausgeklügelter.
Sie als Konsument und Wähler geben freiwillig, jeden Tag, Ihre Daten an Google und Facebook und X und an die anderen sozialen Plattformen ab. Die Algorithmen nehmen sich der Daten an und spucken dann entsprechend die Botschaften aus, die Sie hören wollen, um Ihren Wunschkandidaten aus der vorgegebenen Liste zu wählen. Gesponsert das Ganze mit Millionen und Millionen von Euros oder Dollars. Das Ergebnis: Eine Demokratie, die man sich leisten können muss.
Da Kapitalismus immer (immer!) zur Konzentration von Geld und Macht in den Händen von wenigen führt, wird zwangsweise die Demokratie eines Tages nur noch zum Schein aufrecht erhalten werden können. Solange wie möglich, um das tumbe Volk bei Laune zu halten. Bald wird das allerdings nicht mehr nötig sein.
Sie möchten gerne weiterhin Mensch bleiben?
Das wird schwierig sein. Mit der Übernahme des Handys haben Sie bereits Ihre Souveränität als freier Mensch aufgegeben. Sie sind ein Sklave. Sie glauben mir das nicht? Nun, Sie sind eingebunden in ein System, das Ihnen immer weniger Freiräume erlaubt. Ihre Meinungsfreiheit ist bereits futsch. Um das alles zu verstehen müssen Sie dieses System verstehen, durchschauen. Das System.
Sie glauben vielleicht noch immer, dass eine Wahl heute irgendetwas mit Persönlichkeiten zu tun habe. Das ist ein Irrtum. Alle Politiker sind in ein vorgegebenes System integriert, in dem sie so gut wie keine relevanten Spielräume für freie Entscheidungen mehr haben.
Vorgabe: Die Bundesrepublik muss sich zugrunde richten. Das wird mit der CDU geschehen. Oder mit der CSU, oder mit den Grünen oder mit der SPD oder sogar mit der AfD. Die sind alle Teil desgleichen Systems. Und das System wird total kontrolliert von der Privatwirtschaft. Sie wissen doch, dass Geld die Welt regiert. Früher nicht 100 %. Heute fast bereits 100 %. Haben Sie noch ein wenig Geduld.
Im Kapitalismus regiert der Markt. Haben Sie schon einmal von einem Markt mit menschlichem Antlitz gehört? Na also. In einem Markt regieren Kriterien wie Effizienz, Produktivität, Gewinn, Gewinnperspektiven.
Der Mensch kommt da lediglich als Produktionsfaktor vor. So wie die Schaufel. Oder der Bagger. Oder der Roboter. Der Roboter arbeitet 24/7. KI ebenfalls. Sie Armleuchter dagegen? Na, wie wird das wohl ausgehen?
Sie möchten daher gerne den Kapitalisten um Gnade anbetteln? Viel Glück.
Warum ist der Mensch auf Erden?
Das ist doch wohl die eigentliche Frage. Sind wir auf Erden, um Maschinen zu bauen, die uns letztendlich ersetzen sollen? Sind wir hier, um Selbstmord zu begehen?
In meiner Welt lebt der Mensch auf Erden, um als Mensch zu leben. Und bevor ich auch nur eine Maschine als Alternative zum Menschen in Betracht ziehe, werde ich erst einmal fordern, dass der Mensch sich ernsthaft zu vervollkommnen trachte. Spätestens seit Cicero ist das immer wieder gefordert worden.
Was sich da heute als Bildung ausgibt ist doch wohl nichts anderes als ein kümmerlicher Versuch, den Menschen zu verblöden und ihn trotzdem brav bei der Stange zu halten. Mit Zertifikaten, die seine geistige Armut bescheinigen. Er darf nicht merken, dass er nichts weiter ist als ein Sklave, gebraucht und missbraucht von Verbrechern, die sich diese Welt Untertan zu machen versuchen.
Wenn Sie da mitmachen wollen, dann ist das Ihre eigene Entscheidung. Solange Sie als Sklave zu fressen kriegen mag das Ihnen behagen. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis Ihnen der Fressnapf entzogen wird. Das Hirn haben Sie ja schon abgegeben. Und dann?
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Weiterführend zu diesem Artikel empfehlen wir zwei Werke aus dem AnderweltVerlag:
„Todeskult“ und „Die Humane Marktwirtschaft“.
In ersterem wird die Entmenschlichung intelligent und amüsant analysiert und wohin das führen wird. Im zweiten wird eine Alternative zum Kapitalismus vorgestellt, die das Finanz- und Wirtschaftssystem zurückführt zu Humanismus, der den Menschen dient und nicht dem Kapital. Bestellen Sie Ihre Exemplare direkt beim Verlag hier und hier oder erwerben Sie die in Ihrem Buchhandel.
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Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Ist es nicht beeindruckend, wie Hans-Jürgen Geese vom anderen Ende der Welt die Lage auch in Deutschland treffend analysiert? Da können wir Ihnen nur empfehlen, das Werk desselben Autors zu genießen. Mit dem Titel „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ spannt Geese den Bogen von Neuseeland zu Deutschland. Seine messerscharfen Analysen zeigen auf, wie die Bürger weltweit von den immer gleichen Akteuren mit den immer gleichen Methoden unterdrückt und ausgebeutet, ja zu Sklaven gemacht werden. Täuschen Sie sich nicht. Was Geese in Neuseeland wie unter dem Brennglas aufzeigt, findet auch in Deutschland statt. Es ist nur nicht so leicht zu erkennen. „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ ist erhältlich im Buchhandel oder bestellen Sie Ihr Exemplar direkt beim Verlag hier.
Hier können Sie eine Rezension zu diesem Werk ansehen:
https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2020/ausverkauf-vom-traum-neuseeland-wie-ein-bluehendes-land-verramscht-wurde/







