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Die Einladung Europas an Russland
Von Hans-Jürgen Geese
In der Geschichts- und Politikwissenschaft sprechen wir von zwei grundlegenden Denkrichtungen: Idealismus und Realismus. Diese Begriffe helfen einzuordnen, wie Geschichte in der Vergangenheit ablief und wie Geschichte in der Gegenwart abläuft.
Die Idealisten glauben an die Kraft der Moral, der Werte, der Ideologien und Religionen und sonstiger Denkkonstrukte. Freiheit und Demokratie vor allem seien die Grundlagen eines Staates in unserer Zeit.
Die Realisten hingegen vertreten die Auffassung, dass Geschichte von materiellen Faktoren, von Machtverhältnissen und Eigeninteressen bestimmt sei.
Das eindrucksvollste Beispiel der letzten Jahre für einen Konflikt der beiden Denkrichtungen bot der Besuch der damaligen deutschen Außenministerin Annalena Baerbock am 14. April 2023 in China, als sie sich einen Schlagabtausch mit chinesischen Politikern lieferte. Und sie ließ nicht locker. Im September desselben Jahres legte sie nach, bezeichnete den chinesischen Präsidenten Xi Jinping sogar als „Diktator“. Man kommt nicht umhin, der Frau zu bestätigen, dass sie keinen Anstand und von den Verhältnissen in China keine Ahnung hat.
Diese moralische Selbstbeweihräucherung hat in deutschen Landen lange Tradition. Der letzte Auswuchs von deutschem Idealismus ist eine sogenannte „feminine Außenpolitik“, die leider in Ländern wie China oder Russland, sagen wir mal, eher auf Unverständnis stößt. Dennoch: Wir sind die Guten, die sind die Bösen. Immer. Und dann machen die halt in Berlin: Augen zu und drauf los.
Neben den Idealisten und den Realisten gibt es noch eine dritte Kategorie von Politikern. Das sind die Hasardeure, getriebene Geisteskranke, die einfach darauf aus sind, das Schicksal herauszufordern. Sie glauben, wie besessen, sie seien von den Göttern auf die Erde gesandt, um dort das Paradies einzurichten.
Die Geschichte hat gezeigt, dass, wenn man den Hasardeuren nicht rechtzeitig kompromisslos entgegentritt, deren Handeln unweigerlich in die Katastrophe führen wird.
Einmarsch ins Rheinland am 7. März 1936
Entsprechend der Vereinbarungen im Versailler Vertrag, nach Ende des Ersten Weltkrieges, war das Rheinland eine entmilitarisierte Zone. Aber am 7. März 1936 marschierten etwa 30.000 Soldaten der Wehrmacht ins Rheinland ein.
Adolf Hitler hatte den Befehl gegeben, dass, sollten die Franzosen militärisch eingreifen, dass diese Truppen sich sofort wieder zurückziehen sollten.
Aber weder die Franzosen noch die Engländer konnten sich dazu durchringen, ihr Militär einzusetzen. Ein riesiger, ein strategischer Fehler.
Der Zeitpunkt für den Einmarsch war von deutscher Seite klug gewählt. Frankreich befand sich im Wahlkampf, und der kommende französische Ministerpräsident Leon Blum (ab 4. Juni 1936) vertrat die Ansicht, dass der Staat vor allem durch sein moralisches Ansehen unantastbar und unverletzlich sei und er daher die Politik verfolgen würde, andere Staaten zu zwingen, seinem Beispiel zu folgen. Der Mann muss als der Vorläufer von Annalena Baerbock gelten.
Wenn Sie einen Mann wie Adolf Hitler ermutigen, dann wird der sich nehmen, was er sich nehmen will. Übrigens trifft die gleiche Annahme auch auf Donald Trump zu. Die Iraner haben das endlich kapiert und verhalten sich entsprechend.
Die aktuelle deutsche Außenpolitik
Die aktuelle deutsche Außenpolitik hat sich angeblich mit Haut und Haaren dem Idealismus verschrieben. Daher können Sie mit Ihrer Verstandeskraft dem Tun und Lassen dieser Bundesregierung keinen Sinn abgewinnen. Da gibt es nichts zu verstehen. Sie sollen das nur glauben. Und keine dummen Fragen stellen. Idealismus pur. Man muss inzwischen davon ausgehen: Bis in den Untergang.
Bei einer realistischen Betrachtung des Weltgeschehens kann man eigentlich nur zu der Schlussfolgerung gelangen, dass die Amerikaner die mit Abstand kriegswütigste Nation auf Erden sind, die seit ihrer Gründung, vor demnächst 250 Jahren, fast ununterbrochen Krieg geführt haben. Auch gegen Deutschland. Und eben diese Amerikaner sind die großen Freunde der Deutschen? Wirklich?
Ein anderer angeblicher Freund sei Israel, ein Staat, der über die letzten Jahre zehntausende wehrlose Frauen und Kinder abgeschlachtet hat und jeden Tag so weitermacht. Aufschrei der Idealisten aus Berlin? Nein. Nichts. Schweigen.
Das offensichtliche Dilemma ist also, dass, trotz Entscheidung für eine wertebestimmte Außenpolitik, sich die Bundesregierung nicht an ihre eigenen Vorgaben hält. Faule Kompromisse ohne Ende. Lügen ohne Ende. Kriege ohne Ende.
Da diese Außenpolitik mit einer von der Realität und von Interessen geleiteten Außenpolitik wirklich nichts zu tun hat und da sie in ihrem sinnlosen Herumwurschteln auch ihre angeblichen Ideale verrät, kann man doch wohl nur zu einer Schlussfolgerung gelangen: Die deutsche Regierung betreibt keine Politik im Interesse des deutschen Volkes. Die deutsche Politik ist fremdbestimmt.
Die Politikerkaste
In einer Demokratie sind die Politiker Teil des Volkes. Sie stammen aus dem Volk. Sie wurden von dem Volk gewählt. Direkt. So weit die Theorie.
Was allerdings in der westlichen Welt über die letzten vierzig Jahre geschah ist, dass sich eine unabhängige Politikerkaste bildete, die in einem Zustand von politischer Inzucht lebt. Wichtige Positionen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft werden immer wieder an dieselben Personen vergeben. Wenn Sie einmal zu dieser Kaste dazugehören, dann haben Sie für den Rest ihres Lebens ausgesorgt. Annalena Baerbock wurde eben nicht wegen Unfähigkeit gefeuert. Sie ist seit September 2025 die Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Ihr monatliches Grundgehalt beträgt 13.000 Euro brutto.
Ein eindrucksvolles Beispiel, wie man heutzutage Politiker oder Politikerin wird liefert die Bundesvorsitzende der Grünen (Bündnis 90/Die Grünen), Franziska Brantner. Sie müssen sich mal den Lebensweg der Frau anschauen. Das ist der heute typische Werdegang, wie man in die politische Führungsriege gelangt, ohne je im Leben wirklich gearbeitet zu haben. Die Frau hat sich ihr Leben lang auf Schulen, Universitäten, bei NGOs, Stiftungen, internationalen Organisationen und Parteien herumgetrieben. Ihr Karriereweg war vorgegeben, denn sie hat sich den gewünschten Idealen verschrieben. Eine von angeblichen Werten getriebene Frau, deren Ideale perfekt mit den Idealen Amerikas und Israels übereinstimmen. Die Frau kann gar nicht anders als Karriere zu machen.
Wir lernen: Die Politiker heute werden, so wie Franziska Brantner, ausgeguckt und gefördert und danach in die Parteien eingeschleust. Und das war es dann.
So hat sich also diese Politikerkaste gebildet, die mit der Vertretung des Volkes so gut wie nichts mehr zu tun hat. Das sind Vertreter von Interessen, die nicht die Interessen des Volkes sind. Und, man muss das sagen, viele von diesem neuen Typ von Politiker, sind Frauen. Diese pseudogebildeten Frauen sind einfach ideal für die Politik im Westen. Schauen Sie sich um in Europa. Es wimmelt doch geradezu in allen Ländern von diesen kriegsgeilen Politikweibern. Die waren natürlich fast alle in Amerika, haben da studiert und schwärmen von dem Land.
Amerika versus Russland
Was immer auch die Vereinigten Staaten von Amerika über die letzten 120 Jahre Deutschland angetan haben, es ist alles vergeben und vergessen. Die Amerikaner sind unsere Freunde und Verbündete.
Was immer auch Russland und die Sowjetunion uns über die letzten 120 Jahre angetan haben, wir haben es nicht vergessen und auch nicht vergeben. Russland ist unser Feind. Außenminister Johann Wadephul, Zitat: „Russland wird immer ein Feind und eine Gefahr für unsere europäische Sicherheit sein.“
Der deutsche Kanzler Friedrich Merz hat während seiner gesamten Amtszeit bisher keinerlei Kontakt zu dem russische Präsidenten Vladimir Putin gesucht.
Die Bundesregierung unterstützt in dem aktuellen Krieg die Ukraine mit Geld und Waffen. Diese Waffen richten in Russland immer größere Schäden in der Infrastruktur und in der russischen Industrie an. Diese Waffen töten Russen.
Das Vorgehen der Bundesregierung verstößt gegen die Vorgaben des Grundgesetzes. Das Vorgehen der Bundesregierung bedeutet im internationalen Recht eine Kriegserklärung der Bundesregierung an Russland.
Russland hat über die letzten Jahre großzügig über das Vorgehen der Bundesregierung hinweg gesehen. Obwohl die Bundesrepublik Russland angegriffen hat, hat Russland bisher nicht die Bundesrepublik angegriffen.
Frage: Wie groß muss der Schaden sein, den die deutschen, die europäischen Waffen in Russland anrichten, bevor die Russen sich wehren werden?
Die Regeln der Diplomatie
Die Regeln der Diplomatie basieren auf einer Vertretung der Interessen der jeweiligen Staaten. Welche Interessen hat die Bundesrepublik? Welche Interessen hat Russland? Man kann verhandeln, um einen Kompromiss zu suchen.
Zu einer Verhandlung ist es aber bisher nicht gekommen. An ihre Stelle ist ein Prozess der Eskalation getreten. Die Europäer versuchen, die Russen immer weiter zu provozieren, immer mehr Schaden anzurichten. wobei sie davon ausgehen, dass die Russen es nicht wagen werden, ein Land der NATO anzugreifen.
Es gehört zum Prozedere der Diplomatie, dass man sich in die Situation des Gegenübers hineinversetzt und versucht, dessen Position zu verstehen.
Es gehört zum Prozedere der Diplomatie, dass man Vertrauen aufbaut. Keine Vereinbarung ist von Wert, wenn man nicht davon ausgehen kann, dass die Gegenseite sich an die Vereinbarung halten wird.
Es ist daher momentan völlig sinnlos, sich mit Amerika oder mit Israel auf Verhandlungen einzulassen, da beide Staaten absichtlich und hinterhältig Vereinbarungen brechen. Sie setzen auf das Recht des Stärkeren.
In Anbetracht dieser Gegebenheiten kann man nur zu der logischen Schlussfolgerung gelangen, dass es lediglich eine Frage der Zeit ist, bis die Eskalationsschraube hoch genug gedreht sein wird, damit ein Krieg in Europa unbedingt ausbrechen muss.
Die Russen sehen das genau so und haben sich entsprechend vorbereitet. Die große Frage aktuell in Russland ist lediglich, wie lange man sich das noch anschauen soll? Ist es nicht besser, jetzt den großen Krieg mit Vergeltungsschlägen zu verhindern, bevor er sich gar zu einem Weltkrieg auswachsen könnte?
Die Russen haben nicht vor, den gleichen Fehler wie damals die Franzosen und die Engländer im Jahre 1936 zu begehen. Die Entscheidung ist bereits gefallen. Ich wiederhole: Eine Frage verbleibt: Wie lange werden die Russen noch warten?
Die Realität könnte die Schlafwandler in Europa aufwecken
Abgesehen von der Durchsetzung der Interessen Russlands könnte ein Angriff russischer Raketen auf Ziele in Europa zudem bewirken, dass die europäische Bevölkerung aus ihrem Schlaf aufwacht und dass in der Panik des Augenblickes die Realisten über die Schlafwandler gewinnen und es zu einer realitätsbetonten Politik kommen wird.
Man könnte gar behaupten, dass ein begrenzter Angriff der Russen auf Produktionsstätten der Militärindustrie einen positiven Wandel in den Ländern bewirken wird. Denn, realistisch betrachtet, wird Europa sich nicht auf einen Krieg in der Ukraine oder gar in Russland einlassen können. Europa hat dazu einfach nicht die militärischen Möglichkeiten, die Ressourcen, die Soldaten.
Die entscheidende Frage ist also: Was wird Amerika in solch einem Angriffsfall auf ein europäisches Land tun? Wahrscheinlich wird Amerika nicht sofort mit einer Militäraktion reagieren. Denn die Stimmung in Amerika ist schon längst überwiegend gegen jede weitere Einmischung in fremde Angelegenheiten gerichtet. Sollen die Europäer doch ihre eigenen Kriege selbst führen.
Wir werden also wahrscheinlich einen neuen Fall von „Des Kaisers neue Kleider“ erleben. Sobald die Russen ernst machen, werden die Europäer feststellen, dass sie tatsächlich nackt und bloß dem Feind gegenüber stehen. Die schönen Kleider, die wunderbare Wehr, werden sich schnell in nichts weiter als Wunschdenken aufgelöst haben. Die neueste Waffentechnologie der Russen wird siegen.
Man kann nur wünschen, dass die europäischen Politiker, insbesondere die Bundesregierung, sich dann zu einer interessenorientierten Politik verpflichten werden. Was eine weitgehende Loslösung von Amerika und Israel voraussetzt.
Der deutsche Sonderweg
Der Begriff „der deutsche Sonderweg“ hat einen negativen Beiklang, aber die Tatsache, dass der deutsche Weg in die Demokratie anders verlief als bei den übrigen westlichen Demokratien bedeutet doch nicht, dass der deutsche Sonderweg in der Zukunft nicht sehr positiv sein kann.
Dazu gehört unbedingt eine Hinwendung zu Russland. Es ist doch ein Unding, dass die jungen Deutschen nach Amerika pilgern, nach Frankreich und nach England, um zu studieren, aber nicht nach Moskau. Sobald tausende, zehntausende von jungen Deutschen in Russland studieren, und zehntausende Russen in Deutschland, werden sich alle anderen Probleme quasi von allein lösen.
Die aktuelle „Einladung“ Europas an Russland lautet, dass Russland Europa angreifen soll. Und so wird es kommen. Ohne eine Invasion natürlich.
Die darauf folgende Einladung an Russland wird dann lauten, dass wir endlich zueinander finden werden, finden müssen, so wir denn leben wollen. In Frieden.
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https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2020/ausverkauf-vom-traum-neuseeland-wie-ein-bluehendes-land-verramscht-wurde/





