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Werte-Umbruch an der Zeitenwende

Von Hans-Jörg Müllenmeister

Man hat den Eindruck, dass unsere Werte- & Wertpapier-Gesellschaft nur von materiellen Gütern bestimmt ist. Diese Unwerte sind zu Selbstläufern geworden. Im Feuer des Selbstbetrugs schmolzen ethische Werte dahin, etwa Disziplin, Ehrlichkeit, Freiheit, Zuverlässigkeit, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung, Freundschaft und Harmonie.

Mit zunehmender Digitalisierung in unserem Leben erodieren die inneren Werte des fremdbestimmten „analogen“ Menschen: Das Lebenswerte verkommt seit Corona mehr und mehr zu einem willenlosen Zombie. Ist es nicht bezeichnend, dass gerade im Zeitenwechsel eines Wirtschaftszyklus’ menschliche Missetaten gehäuft auftreten. Nichts ist mehr berechenbar in diesem Weltmeer des Wahns, in der entwerteten Welt der Willkür. 

Da läuft was mächtig aus dem Ruder in der einstigen Spaßgesellschaft

Statt sich von den Medien verdummen und moralisch entreichern zu lassen, sollten wir wachsam unsere innere Werteskala regelmäßig überprüfen und neu justieren. Da platzen mit lautem Getöse nervig-frech in den Medien ‒ wie ungebetene Gäste ‒ lautstark die Werbeblöcke für allerlei Alltagsgüter mitten hinein. Sind das die vermittelten Werte? In Endlosschleifen serviert man uns kriminelle Entartungen der Gesellschaft, statt erbauliche, niveauvolle Berichte zu senden. TV-Beiträge vertreten kaum noch Werte, eher zeigt man Schrotthaufen menschlicher Auswüchse. Marktwerte, Profite und niedrige Unterhaltungswerte sind Trumpf, flankiert von saftigen GEZ-Zwangsgebühren. Für all den gesendeten Unsinn muss der Bürger unter Strafandrohung seinen Obolus entrichten. Mir erschließt sich nicht, warum wir nichts dagegen unternehmen. Bestimmt geht es auch anders. Wie sagte Immanuel Kant: „Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“.

Am Ende einer sattmachenden Epoche läuft sich das Konstrukt Mensch charakterlich tot mit der ewigen Gier nach mehr Wohlstand und materiellem Besitz. Dabei häufen sich windige Betrugsmanöver nach dem Rezept von Geldgier ohne Reue. Auch die Repressalien von Staat und Gesellschaft gegen ehrliche Berichterstattung wachsen sich immer bedrohlicher aus. 

Sichere „Werte“ aus dem Hut zaubern

In der Zeitenwende der Werte verdichten sich Scheinversprechen und Betrugsmanöver. Windige Finanzexperten unterbreiten in allen Schattierungen ein vermeintlich gutes, aber nur für kurze Zeit gültiges Angebot. Zeitdruck und das Vertrauen ihrer Opfer werden professionell aufgebaut. Ehe man das Opfer endgültig nass rasiert, wird es eingeseift durch eine erste kleine Investition, die bereits einen hübschen Gewinn abwirft. Jetzt beginnt die Gierphase des illegalen Schneeballsystems. Mit viel Fantasie und Geschick zaubert man neue Modelle und schnelle Verdienste aus dem Hut. Geschickt nutzen diese Finanzakrobaten das Interesse ihrer Opfer an schnellen, hohen Gewinnen. Die Habgier obsiegt. Deshalb ist Vorsicht geboten: Misstrauen Sie den vermeintlich genialen Geschäftsideen, hohen Renditen und Gewinn-Versprechen. Ob Kettenbriefe, Schneeball- oder Ponzi-Systeme schillerndster Art ‒ diese Systeme laufen, solange die Zahl der Geprellten exponentiell steigt. Kurzfristige Scheingewinne werden nur mit den „Beiträgen“ der neuen Teilnehmer (den Schafen) gedeckt.

Vielgestaltig sind die Manöver. So erzielt der Einsteiger im Warentermingeschäft (Commodity) oh, welch ein Glück, gleich mit seinem ersten Deal ‒ in der Anfettungsphase ‒ „gekonnt“ einen Gewinn. Den „zahlt“ das Brokerhaus gern aus der Portokasse. Es liegt in der Psychologie des Menschen, dass er sich dann selbst als Kenner der Materie und als Glückspilz empfindet; er ist angespornt, das vermeintlich sichere Spiel weiter zu betreiben – letztlich mit Totalverlust. Anders ergeht es dem reinrassigen Spekulanten, der ohne einen Cent in der Tasche Austern bestellt in der wagen Hoffnung, mit einer darin gefundenen Perle zahlen zu können.

Das Salting und das Pump-and-Dump

Schon zur Goldgräberzeit gab es derartige Anfettungsmanöver. Davon wusste schon Mark Twain als Journalist zu berichten. Damals gab es die hochgeschätzte Methode des salting“, nämlich einen unergiebigen Claim mit Goldteilchen „zu salzen“. Der Besitzer eines Claims streute Goldkörner an bestimmten Stellen und forderte den nichtsahnenden Käufer auf, den Sand doch versuchsweise auszuwaschen, um den Verkauf auf der Stelle festzumachen, wo der Naivling auf Goldstaub stieß. Unter geschickten Goldgräbern war es gebräuchlich, das „Bestücken mit Gold“ mit einer Gewehrladung (feiner Goldstaub statt Bleischrot) vorzunehmen. Ein paar gewiefte Chinesen mit Kaufabsicht wurden dadurch an der Nase herumgeführt, dass man nach mehrfach unergiebigen Bodenproben aus einem Versteck eine tote Schlange warf, eben an die Stelle, die jene Chinesen zuvor als neue Probestelle auswählten. Man schoss mit Goldstaub auf die tote Schlange, und schon war der Claim für die Chinesen attraktiv. 

Beim Einschätzen von Wertzuwächsen sind wir oft überfordert

Die Crux ist: Wir Menschen haben kaum ein sicheres Gespür für Wertzuwächse, vor allem wenn es sich um einen Wert handelt, der sich in gleichen zeitlichen Abständen immer um denselben Faktor ändert. Dieses sog. exponentielle Wachstum hat es in sich. Einige Beispiele aus dem Leben führen das vor Augen:

Reden wir bewusst nicht über den Zinseszinseffekt, der ja selbst an Sonn- und Feiertagen für uns arbeitet. Bleiben wir in der Natur und betrachten ein Gewässer mit Seerosen, deren „Grünfläche“ sich jeden Tage verdoppelt. Nach 50 Tagen sei der See komplett mit Seerosen bedeckt. Man könnte fragen: Nach wie viel Tagen war der See damit zur Hälfte bedeckt? Spontan kommt man nicht drauf. Es ist der Tag davor: der 49. Tag!

Arbeit für 10 Tage. Ein Arbeiter kann zwischen zwei Alternativen wählen: Entweder er bekommt direkt für jeden Arbeitstag 50 Euro bar auf Kralle oder aber am ersten Arbeitstage einen Micker-Lohn von 2 Euro, der sich aber für jeden folgenden Arbeitstag bis zum zehnten, also letzten Arbeitstag verdoppeln soll. Dass er im ersten Fall nur 10 x 50 € = 500 € verdient, ist einzusehen. Frappierend, denn im zweiten Fall verdient er wesentlich mehr, nämlich (2+4+8+..+1024) € = 2046 €. Für ihn lohnt es sich über die Angebote nachzudenken, um nicht auf den Trick reinzufallen.

Selbst ohne Wachstumsprozess zeigt sich Verblüffendes. Wenn man z.B. auf dem Markt Äpfel nicht nach ihrem Gewicht, sondern nach ihrem Durchmesser verkauft, fühlt sich die Hausfrau spätestens dann veräppelt, wenn sie für den doppelt so großen Apfel den ehrlichen, vierfach höheren Preis zahlen soll. Warum? Bei einem doppelt so großen Durchmesser wächst das Volumen, damit auch das Gewicht um Faktor vier, demnach auch der Wert des Apfels um Faktor vier. Selbst dieses einfache Beispiel zeigt: Spontan arbeitet die „Denkstube Mensch“ eher eindimensional.

Der Fehlgriff zu Anlage-Diamanten

Die verbrannten „Kinder“ der 1970-er Jahre sind ins Greisenalter gekommen. Man beschwatzte sie mit den damals heiß propagierten 1-Karat-Anlage-Diamanten (die waren seinerzeit wirklich rar). Die Schmach der Verlustgeschäfte ist nach 50 Jahren vergessen. Erneut blüht das alte Geschäftsmodell wieder auf. Nur stichwortartig sei darauf eingegangen, denn nach einem halben Jahrhundert haben sich die Anlage-Bedingungen zudem dramatisch verschlechtert. Inzwischen gibt es Diamanten wie Sand am Meer, darunter extrem viele Diamantsynthesen (Fälschungsmöglichkeit, Echtheitsfrage).

Unkundige Finanzberater sprechen pauschal davon, dass Diamanten zuletzt um mehr als 30 % im Preis gestiegen seien. Soll das etwa ein ernst zu nehmender Kaufanreiz sein? Das ist doch eher eine flapsige Aussage des „Anfettens“. D i e kommerziellen Diamanten gibt es nicht unisono: Die Stein-Individualisten haben keinen handelbaren Einheitspreis, den man – wie das homogene Gold – im Chart darstellen kann. Ihr spezifischer Charakter bezüglich Farbsättigung, Reinheit und Schliff ist das eine, ihr Gewicht (Größe) das andere. Das homogene Gold ist beliebig teilbar, Diamanten dagegen ohne Extremverlust zweimal nicht: Zum einen wegen des hohen Schleifverlustes (z.B. 50%), zum anderen haben z.B. zwei Halbkaräter-Diamant-Brillanten nur jeweils einen Bruchteil des Einkaräters an „Restwert“: etwa nur 30 %. Klar, diese Diamanten verkauft man in plombierten Save-Boxen mit Zertifikat ‒ jederzeit umtauschbar gegen größere Stein-Individuen; das erweiterte Geschäftsmodell eröffnet so weitere hübsche Tricks. Die eigentliche Crux ist aber: Wer nimmt Ihnen im schlechtesten Fall so einen „eingekastelten“ Edelstein ab? (Fungibilität). Ja aber... die Preissteigerung! Vergessen Sie's. Als blutiger Laie holen Sie sich bloß die dazu passende blutige Nase. Basta!

Pause für alle destruktiven „Abreißbirnen“

Gewisse Institutionen, Staaten und Finanz-Unternehmen, ja auch Amateur-Ganoven nutzen das im Chaos erzeugte Angstklima, um den Werteverfall der Gesellschaft zu steigern, natürlich nur um des eigenen Profites Willen. Näher betrachtet, sind das alles Handlungen zu mehr Lug und Betrug. Diese Nepper wissen selbst nicht, wohin sich alles entwickelt, denn unsere wirre Zukunft ist kaum noch kalkulierbar ‒ mit und ohne Glaskugel. Vielleicht wäre es gar nicht mal so schlecht, in einer Besinnungsphase zur Entschleunigung einfach alles mal ruhen zu lassen. Die kluge Natur gönnt sich ja auch eine Winterpause. Also Sendepause für alles: Ein Stopp für all den ausgestrahlten Blödsinn, Stopp für alle wiederkäuenden Printmedien, Stopp für alle windigen Geschäfte, Stopp dem Krieg (Welch eine vernichtende irre „Bevorratung“, denn weltweit gibt es über 13.000 Atomsprengköpfe).

Ja, ich weiß, dieser Aufruf zum besinnlichen Innehalten wäre weltfremd, denn das entspräche nicht dem menschlichen Naturell. Fast ist man eher geneigt, für die Zukunft eine Art Dystopie zu entwerfen, also eine erschreckende oder nicht wünschenswerte Gesellschaftsordnung. Eine sichere Erkenntnis bleibt:

Der Betrug schmückt sich mit herrlichen Gewändern, allein die Wahrheit zieht im schlichten Kleid durchs Land. Der Philosoph Arthur Schopenhauer sagte schon:

Was Wert hat, wird nicht geachtet, 
und was geachtet wird, 
hat keinen Wert.

 

Gibt es einen Ausweg aus dem Gier- und Betrugssystem? Ja, den gibt es! Peter Haisenko und Hubert von Brunn haben mit ihrem Werk „Die Humane Marktwirtschaft“ einen Weg aufgezeigt für ein System, das Gier nicht mehr fördert und ohne Inflation eine stabil planbare Zukunft ermöglicht. Als Sahnehäubchen obendrauf kommt dieses System ohne Lohnsteuer aus. Geht nicht? Geht doch! Machen Sie sich selbst ein Bild und Bestellen Sie Ihr Exemplar „Die Humane Marktwirtschaft“ direkt beim Verlag hier oder erwerben Sie es in Ihrem Buchhandel. 

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