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Die Hälfte der Deutschen ist für Atomenergie – Den Grünen ist das egal

Von Hubert von Brunn 

Einer aktuellen INSA-Umfrage zufolge würden gut 50 Prozent der Deutschen den weiteren Einsatz von Atomkraftwerken zur Energiegewinnung befürworten. Aber seit wann interessieren sich die grünen Weltverbesserer in unserer Regierung für des Volkes Stimme jenseits des eigenen ideologischen Klientels? Ende 2022 werden die letzten drei AKWs abgeschaltet – und damit basta!

Deutschland wird dann die einzige Industrienation der Welt sein, die komplett auf Atomstrom verzichtet. Atomraftwerke, die nachweislich über die höchsten Sicherheitsstandards verfügen, gehen vom Netz, während in unserer unmittelbarer Nachbarschaft (Belgien, Frankreich, Polen) veraltete und durchaus störanfällige Anlagen munter weiter Strom produzieren, den wir dann für teures Geld dort einkaufen dürfen. Denn eines ist sicher: Wenn bis 2030 – wie von den Ökos gefordert – auch die letzten Kohlekraftwerke ihren Betrieb eingestellt haben, wird Deutschland von Energielieferungen aus dem Ausland abhängig sein. Die Blütenträume der Grünen, den Energiebedarf bis dahin weitestgehend mit Wind- und Solaranlagen decken zu können, dürfen getrost in Utopia verortet werden. Wenn man sich ansieht, welche minimalen Fortschritte auf diesem Sektor in den letzten Jahren erzielt wurden, wie irrsinnig langsam Planungs- und Genehmigungsverfahren vorangehen, wie auf der anderen Seite Einspruchsverfahren von Bürgern die Realisierung einer Windkraftanlage verzögern können – dann fasst man sich an den Kopf und fragt: Wie soll das gehen? Die Hälfte der von INSA Befragten hat sich diese Frage wohl gestellt und ist zu einem anderen Ergebnis gekommen, als die für dieses Problem zuständigen Minister Steffi Lemke (Umwelt) und Robert Habeck (Energie).

Die Energie-Effizienz von Atomkraftwerken ist unschlagbar

Für diese beiden grünen Chef-Ideologen ist Atomstrom per se Teufelswerk. „Zur Atomenergie ist nicht mehr viel zu sagen“, bemerkte Habeck herablassend auf Journalisten-Anfrage. Wenn man die ideologischen Scheuklappen beiseite lässt und sich mit den Fakten beschäftigt, dann gibt es dazu sehr wohl noch einiges zu sagen. Betrachten wir die Effizienz: „Um ein mittleres Kernkraftwerk durch Windkraft zu ersetzen, benötigt man 3.000 Windturbinen, wobei der Flächenbedarf dafür 500-mal höher ist“, sagt der Physiker und Autor Vince Ebert. Umweltschonend sieht anders aus. Zu einem ähnlich ernüchternden Ergebnis kommt auch RWE. Nach deren Berechnungen kann ein AKW 3,5 Mio. Haushalte mit Strom versorgen. Macht aufs ganze Land bezogen 15 Reaktoren. Ein Windrad liefert – bei Wind – Strom für max. 3.500 Haushalte. Um die gleiche Ausbeute zu erhalten, bräuchte man also rd. 15.000 Windräder (onshore). Dabei dürfen wir in der Gesamtschau den sukzessiven Ausstieg der heute noch 74 aktiven Kohlekraftwerke (siehe oben) nicht außer Acht lassen. Um diesen Energieverlust auszugleichen, werden ganze Wälder von Windrädern erforderlich sein. Wo sollen die stehen?

Die Atommüll-Entsorgung ist zweifelsohne ein kritisches und mit vielen Problemen behaftetes Thema, das man ernst nehmen muss. Aber auch hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Während das Atom-Endlager in Gorleben durch jahrelange heftigste Proteste verhindert worden ist, werden in einem Endlager im hessischen Herfa-Neurode derzeit 2,7 Mio. Tonnen giftigster Chemikalien wie Arsen gelagert und kein Mensch regt sich darüber auf. Während sich die gefährlichen Gamma-Strahlen des Atommülls im Laufe von Jahrhunderten abbauen, bleiben Gifte wie Arsen für immer hochgiftig. Da baut sich nichts ab. Allein dieses Beispiel zeigt, wie emotional aufgeladen und an vielen Stellen irrational die Diskussion um die Verwendung der Atomkraft zur Energiegewinnung ist. Ganz abgesehen davon, dass inzwischen neuartige Reaktoren konzipiert wurden, die mit Atommüll aus alten Reaktoren zum Laufen gebracht werden können. Diese Technologie hätte man weiter verfolgen und unterstützen müssen, anstatt Atomenergie in Bausch und Bogen zu verteufeln. Und noch eins: Auch bei Windrädern entsteht Sondermüll, denn die Flügel bestehen aus Verbundwerkstoffen, die nicht recycelt werden können. Bis Ende 2022 müssen 2.500 Flügel entsorgt werden. Bei 25 Tonnen Gewicht macht das 95.000 Tonnen Sondermüll.

Unser Nachbar Frankreich baut munter neue Atomkraftwerke

Werfen wir noch mal einen kurzen Blick darauf, wie andere Industrienationen mit Atomenergie umgehen. Die meisten AKWs sind in den USA in Betrieb (94), an zweiter Stelle liegt Frankreich mit 56 Anlagen. Und unsere Nachbarn denken nicht daran, der in Deutschland grassierenden Atom-Hysterie zu folgen. Im Gegenteil. Erst im Februar hat Präsident Macron angekündigt, sein Land wolle sechs neue Atomkraftwerke bauen, bis 2050 könnten acht weitere folgen. Na dann wissen wir wenigstens jetzt schon, wer uns in den nächsten Jahren zuverlässig mit Strom versorgt. Bei Gas und Öl werden derzeit alle Register gezogen, um der Abhängigkeit von Russland zu entkommen. Bei Strom hingegen begeben wir uns ohne Not in die Abhängigkeit Frankreichs und anderer Nachbarn, die dann nach Belieben die Preise diktieren können. Sieht so eine vorausschauende, nachhaltige Energiepolitik aus? In meinen Augen ist das der blanke Irrsinn. Das hat selbst Finanzminister Christian Lindner erkannt, indem er bemerkte, Deutschland sollte sich bei der Atomenergie „einer Debatte nicht verschließen, die überall auf der Welt geführt wird“. Und weiter: „Wegen des Klimaschutzes und der Energieabhängigkeit von Russland sollten alle Möglichkeiten erwogen werden“.

Da hat der FDP-Chef, der in letzter Zeit ganz und gar nicht durch besonders kluge Bemerkungen und Aktionen aufgefallen ist, ausnahmsweise mal recht. Und sofort handelt er sich natürlich von seinen grünen Kabinettsmitgliedern Lemke und Habeck heftige Schelte ein. Nun hat die Ampel, in der es ohnehin an allen Ecken und Kanten rumpelt, noch ein weiteres Streitthema. Lindners Vorstoß für eine neue Debatte über Atomkraft mag auch befördert worden sein durch die Ansage der Chefs der Betreiber der Atomkraftwerke, die noch Strom liefern, dass ein weiterer Betrieb über den 31. 12. 2022 hinaus durchaus denkbar wäre. So teilte RWE, der Betreiber für das Kernkraftwerk Emsland in Lingen mit, dass die Anlage „auf den Auslaufbetrieb zum Ende des Jahres ausgerichtet“ sei. Und weiter: „Ein Weiterbetrieb wäre mit hohen Hürden technischer als auch genehmigungsrechtlicher Natur verbunden“. Heißt: Würde die Politik jetzt das Signal zum Umsteuern geben, könnten die Betreiber durchaus noch entsprechend reagieren. Aber – davon ist auszugehen – das wird nicht passieren. Die Ökos habe das Erbe, das Merkel 2011 mit ihrer genialen Energiewende in Gang gesetzt hat, dankbar angenommen und werden davon nicht abgehen. So hat die Raute auch hier ihre unrühmliche Spur hinterlassen.

Lesen Sie dazu auch: www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20221/das-desaster-der-energieversorgung-teil-3-ohne-den-atomstrom-unserer-nachbarn-gehen-bei-uns-die-lichter-aus/

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