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Das falsche Spiel mit Russlands angeblichen Angriffsplänen

Von Peter Haisenko 

Für den Westen geht es im Ukraine-Konflikt vor allem um Gesichtswahrung. Mit den Drohungen gegen Russland für den Fall eines Angriffs gegen die Ukraine werden die Voraussetzungen für die Behauptung geschaffen, man habe Russland von diesem Angriff abschrecken können. So soll die „Überlegenheit“ des Westens demonstriert werden.

Schon seit geraumer Zeit grassiert in politischen Kreisen die Methode, ein Problem zu erfinden, das es eigentlich nicht gibt, um dann stolz die Lösung für dieses erfundene Problem zu präsentieren. So kann man als Macher und Retter auftreten und den ahnungslosen Bürgern weismachen, wie kompetent man für das Wohlergehen seiner Bürger agiert. Das wird landesintern praktiziert und noch mehr auf internationaler Ebene. Ich erinnere dazu an den Umgang mit dem Iran im Zusammenhang mit Atomwaffen.

Der Iran hat den Atomwaffensperrvertrag vor langer Zeit unterschrieben und fortlaufend bekräftigt, dass man sich daran gebunden fühlt; dass man keine Absicht hege, eigene Atomwaffen zu bauen. Das wurde vom Westen einfach als unglaubwürdig hingestellt und der Iran wurde mit Sanktionen überzogen, um ihn von etwas abzuhalten, was er von Anfang an nicht tun wollte. So könnte man annehmen, dass es nie um iranische Atomwaffen ging, sondern nur darum, aggressiv Sanktionen gegen einen Staat begründen zu können, der sich der US-Hegemonie widersetzt.

Man kann so behaupten, mit diesen Maßnahmen Iran vom Bau von Atomwaffen abgeschreckt zu haben, obwohl er solche gar nicht bauen wollte. Der Westen hat dann augenscheinlich richtig gehandelt und mit seinen Aktionen die Welt vor einem aggressiven Iran gerettet. Dass sich der Iran jetzt eventuell durch das Verhalten des Westens genötigt fühlen könnte, zum Selbstschutz doch Atomwaffen zu bauen, sei einfach in den Raum gestellt. Vergessen wir dazu nicht: Iran hat bezüglich des Atomwaffensperrvertrags den exakt gleichen Status wie Deutschland. Auch Deutschland hat die Fähigkeit, jederzeit Atomwaffen herzustellen, aber man glaubt einfach, dass man sich an den Atomwaffensperrvertrag halten wird. Deutschland ist vollständig unter Kontrolle der USA, der Iran eben nicht.

Russlands Ansage, die Ukraine nicht angreifen zu wollen, wird beiseite gewischt

Nun zu Russland. Da geht es los mit unablässigem „Framing“ in der Wortwahl. Es wird nicht einfach gesagt, man bereite Maßnahmen vor für den Fall, Russland würde die Ukraine angreifen. Mantra-artig wird ein „erneut“ oder „wieder“ vor den Angriff gestellt und so vermittelt, Russland hätte die Ukraine schon einmal angegriffen. Wann, wie und wo muss nicht angeführt werden. Es wird einfach kolportiert und es ist einfach nicht wahr. Dennoch wiederholen alle MS-Medien andauernd diese gelogenen Adjektive.

Aktuell wird den Menschen Angst gemacht mit der Behauptung, die Ukraine stehe kurz vor einem Einmarsch russischer Truppen und müsse davor geschützt werden. Dass in der Ukraine selbst gewichtige Stimmen dem widersprechen, nämlich dass man dort keine neue Bedrohung erkennen könne, wird unterschlagen. Ebenso wird die klare Ansage Russlands beiseite gewischt, dass man keine Absicht hegt, einen Angriff auf die Ukraine zu starten. Man bezichtigt also Russland der Lüge, wenn es seine Friedfertigkeit betont. Nebenbei wird auch ausgeblendet, dass Russland überhaupt kein Interesse haben kann, sich einen derart desolaten und korrupten Staat wie die Ukraine ans Bein zu binden. Einen Staat, von dem selbst die EU sagt, dass er auf lange Zeit nicht einmal mit dem Geld der EU zu einem EU- oder NATO-tauglichen Staat gemacht werden kann.

Betrachten wir dazu die Ereignisse um die Baltischen Staaten. Seit Jahren marschiert die NATO in den Baltischen Staaten und in Polen an Russlands Grenzen auf und hält Manöver ab. Das wird begründet mit der erfundenen Annahme, Russland wolle diesen Teil Europas besetzen. Dass das blanker Unsinn ist, ist selbsterklärend. Aber auf diese Weise kann man wiederum behaupten, man hätte Russland von einem Überfall abgehalten, den es aber nie machen wollte und will. Kommt aber gut: Wir sind so stark, dass wir Russland in seine Schranken weisen können. Die Realität ist aber, dass man außer Ressourcenverschwendung durch Manöver und Truppenbewegungen gar nichts erreicht hat, denn was angeblich verhindert werden sollte, stand gar nicht zur Diskussion.

Drohszenario gegen Russland wegen einer angeblichen Bedrohung, die nicht existiert

Jetzt also wieder die Ukraine. Russland wird die Ukraine nicht angreifen. Sagt Russland selbst und unabhängige Analysten sehen das auch so. Warum also wird dann dieser Zirkus abgehalten? Ich denke, es ist ganz einfach: Es geht wieder um Gesichtswahrung. Die Methodik funktioniert beispielhaft folgendermaßen: Der als solcher bekannte Schulklassenrüpel, Schläger, pickt sich ein Opfer heraus und droht diesem, er werde ihn verprügeln, wenn er von ihm geschlagen werden sollte. Dass dieses Opfer gar nicht die Absicht hat, zuzuschlagen, spielt keine Rolle. Aber der Schläger kann anschließend seinen Status festigen, indem er behauptet, er wäre angegriffen worden, wenn er seine Drohung nicht ausgesprochen hätte. Er, der Rüpel, kann sich so als Friedenswahrer und Sieger aufführen, obwohl ein Angriff gegen ihn niemals geplant war.

Nach diesem Muster sollten die Aktionen des Westens um den Ukraine-Konflikt analysiert werden. Der Westen behauptet, Russland stehe kurz vor einem Einmarsch in die Ukraine. Russland widerspricht und sagt klar, man wolle das nicht tun. Der Westen sagt, das wäre eine Lüge, ohne das irgendwie zu begründen. Der Westen baut ein Drohszenario gegen Russland auf, wegen einer angeblichen Bedrohung, die es nicht gibt. Es wird „verhandelt“, wobei zu beachten ist, was sich gerade die USA unter „Verhandlungen“ vorstellen. Nämlich dass die Amerikaner mit ultimativen Forderungen in Verhandlungen einsteigen und diese nur so enden können, dass die USA alle ihre Forderungen durchgesetzt haben. Jedes anderslautende Ergebnis wird einfach nicht akzeptiert.

Mit Russland geht das aber so nicht mehr. Die USA wissen, dass sie Russland auf europäischem Terrain militärisch nicht schlagen können. Also versucht man es jetzt mit „diplomatischen Erfolgen“, die aber herbei konstruiert werden müssen. Man droht Russland mit schrecklichen Folgen, sollte es etwas tun, was es gar nicht tun will. Ganz gleich, wie die „Verhandlungen“ ausgehen, kann man dann großspurig behaupten, man hätte erfolgreich verhandelt, weil Russland die Ukraine nicht angegriffen hat. Dass die Verhandlungen überhaupt kein Ergebnis gebracht haben, also wieder einmal am imperialen Anspruch der USA gescheitert sind, spielt dann keine Rolle mehr. Der Westen hat Russland in die Knie gezwungen, weil man es daran gehindert hat, etwas zu tun, was es gar nicht tun wollte.

Das Erfinden von Problemen, die es gar nicht gibt, hat Methode

Es ist wie mit Corona. Man behauptet einfach, die irrsinnigen Maßnahmen hätten Schlimmeres verhindert und entzieht sich so der Pflicht, einen Nachweis für die Wirksamkeit der Maßnahmen vorlegen zu müssen. Der Gegenbeweis ist nur schwer, wenn überhaupt, zu führen. Auch im Fall der Russlandpolitik ist der Gegenbeweis kaum zu führen. Die notorischen Russlandhasser werden selbstverständlich darauf beharren, dass Russland nur deswegen nicht angegriffen hat, weil die Sanktionen und Drohungen gewirkt haben. So ist es von Anfang an gleichgültig, ob die Verhandlungen irgendein positives Ergebnis haben werden. Im Gegenteil ist das vom Westen nicht erwünscht, denn mit dem von mir erwarteten Scheitern gibt es auch keinen Grund, irgendwelche Sanktionen gegen Russland aufzuheben.

Die Transatlantiker werden selbstverständlich sagen, die Verhandlungen wären an der Kompromisslosigkeit Russlands gescheitert. Aber man habe immerhin verhindern können, dass die Ukraine angegriffen worden ist. Wir haben also Erfolg gehabt, wir haben wieder einmal gesiegt und können so unsere „harte“ Grundhaltung gegenüber Russland nur bestätigt und bekräftigt sehen.

Die Wahrheit ist aber, dass die Verhandlungen an der kompromisslosen Haltung der USA, des „Wertewestens“, gescheitert sind, denn von dieser Seite ist weder Deeskalation gewünscht, noch Beendigung des Sanktionsregimes. So wird genau diese Methodik auch in diesem Fall bestätigt, dass man Probleme erfindet, die es gar nicht gibt, um dann als strahlender Retter vor dem angeblichen Problem reüssieren zu können. Es ist ein perfides, falsches Spiel, mit den angeblichen Angriffsplänen des „aggressiven“ Russland, bei dem der Westen nur gewinnen kann, weil er Herr über die Regeln und die Medien ist. Der Westen konnte seine Überlegenheit demonstrieren, auch seine moralische, indem er das größte Land der Erde von einer Aggression abhalten konnte, die dieses Land gar nicht vorhatte. Die Frage ist, wie lange das noch gutgehen soll, bis es der Dümmste auch erkannt hat.

Dass der Westen keine Deeskalation mit Russland wünscht, hat der Vorgang um den Vize-Admiral Schönbach gezeigt, der wegen konstruktiver Vorschläge zur Deeskalation gefeuert worden ist:
https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20221/vize-admiral-will-frieden-und-wird-gefeuert/

https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20221/die-wahrheiten-des-vize-admirals-und-die-arroganz-der-ukrainer/

Zum Abschluss sei noch ein Blick in die Geschichte anempfohlen. Merke: Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten. Die aktuelle Situation erinnert stark an die Abläufe vor dem Ersten Weltkrieg. Mit dem Unterschied, dass diesmal nicht Deutschland, sondern Russland eingekreist und von einer geschickt eingefädelten „Allianz“ bedroht wird. Lesen Sie dazu den ersten Band der Geschichtsreihe von Reinhard Leube und es wird Ihnen wahrscheinlich ähnlich gehen wie mir. Die Parallelen sind beängstigend und wir wissen, welch katastrophale Folgen diese Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts hatte und bis heute hat. Und wieder wird Deutschland instrumentalisiert als Feind Russlands. Genau darum geht es, wie Herr Friedmann vom Chicago-Institut gesagt hat: Die USA arbeiten seit mehr als 100 Jahren daran, die deutsch-russische Freundschaft und Zusammenarbeit zu verhindern. Die anenzephalen Psychopathen in den deutschen Führungskreisen arbeiten wieder einmal am eigenen Untergang. Ja, das wird verstehen, wer Leubes Werke gelesen hat und man sollte mit dem ersten Band beginnen: „Londoner Außenpolitik & Adolf Hitler“, „gibt es einen blinden Fleck?“ Bestellen Sie ihr persönliches Exemplar direkt beim Verlag hier oder erwerben Sie es in Ihrem Buchhandel. 

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