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Klimawandel: Forderungen aus Wolkenkuckucksheim

Von Hubert von Brunn 

„Gebt den Kindern das Kommando (…) Kinder an die Macht“ forderte dereinst Herbert Grölemeier und alle Eltern, die jegliche Art von Erziehung für eine Art Folter halten, klatschten Beifall. Wir kommen der Sache näher. Am Freitag waren in Berlin wieder mehr als 10.000 Fridays-for-Future-Kids auf der Straße, um lautstark zu fordern, dass Deutschland die Welt retten muss.

Alles, was aus den Sondierungsgesprächen der Ampel bisher zum Thema Klimaschutz verlautbart wurde, reicht den Greta-Jüngern nicht. Unter dem Motto „Ihr lasst uns keine Wahl“ stellen sie Maximalforderungen, die nicht nur unbezahlbar wären, sondern das Ende der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt bedeuten würden: Strikte Einhaltung der 1,5-Grad-Marke, verbindlicher Kohleausstieg bis 2030, Einbaustopp für fossile Verbrennungsmotoren ab 2025, sofortiger Neu- und Ausbaustopp für Autobahnen und Bundesstraßen und so manches mehr aus Wolkenkuckucksheim. Man könnte das ja abtun mit : „Na ja, junge Leute schießen halt schon mal über das Ziel hinaus“ und es dabei belassen. Aber so einfach ist das nicht. Die Grüne Jugend, die Linke und die Jusos, von denen Heerscharen im neuen Giganto-Parlament sitzen, unterstützen zu großen Teilen die Forderungen der pubertierenden Revoluzzer. Sie werden bei Abstimmungen, bei denen es ums Klima geht, so manchen vernünftigen Beschluss torpedieren. Die gemäßigten Genossen um Olaf Scholz und die FDP werden da so manches blaue Wunder erleben.

Halbfertige Menschen wollen die Politik des Landes bestimmen

Nach Berechnungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und der Boston Consulting Group (BCG) erzwingt die Umsetzung der bereits beschlossenen Klima-Maßnahmen bis 2030 Mehrinvestitionen in Höhe von 860 (!) Milliarden Euro, also knapp 100 Milliarden/Jahr. Allein für den Ausbau der Strom- und Fernwärmenetze sowie der Ladetankstellen für E-Autos veranschlagen die Experten Ausgaben von insgesamt 240 Mrd. Euro. Den Grünen reicht das aber noch nicht. Sie fordern – allen voran die Vortänzerin Baerbock, aus deren Mund kein Satz kommt, in dem nicht mindesten einmal das Wort „Klima“ vorkommt – 50 Milliarden Investitionszuschüsse zusätzlich pro Jahr, „damit wir das Land in Schuss halten und klimaneutral werden“. Wirklich eindrucksvoll, wie die Wolkenkuckucksheimer mit den Milliarden nur so um sich werfen. Auf die Frage, woher das Geld kommen soll, herrscht dezentes Schweigen.

Von den FfF-Kids, für die das Schulschwänzen zugunsten der Demo ja irgendwie auch eine Gaudi ist, kann man nicht mehr erwarten. Sie sind gewohnt, dass Mutti sie mit dem SUV zur Schule bringt und wieder abholt, Vati drei bis vier schicke Urlaube auf den Malediven, in Davos oder auf einem Kreuzfahrschiff finanziert und ansonsten der Strom aus der Steckdose kommt und das Geld für alle die Must-Haves von der Bank. Das sind junge Leute, die – von einigen Ausnahmen abgesehen – nie erlebt haben, was es heißt, Geld zu verdienen, damit zu wirtschaften und für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Sie sind aufgewachsen im Wohlstand, wenn nicht im Luxus, müssen sich um nichts kümmern, gewohnt, dass Papi und Mami schon alles richten. Wie kann es sein, dass Menschen mitten in der körperlichen und geistigen Entwicklung, also halbfertig, Menschen ohne jegliche Lebenserfahrung, und logischerweise nicht in der Lage, komplexe Zusammenhänge zu überreißen – wie kann es sein, dass dieses intellektuelle Mittelmaß sich anheischig macht, die Politik dieses Landes bestimmen zu wollen?

Atom-Politik: „Wir sind die Geisterfahrer auf der Autobahn“

Weil man sie lässt und noch dazu anstachelt: „Gebt den Kindern das Kommando“! Problematisch wird es allerdings, wenn – wie bereits angesprochen – dieses unausgegorene Gedankengut Einzug hält in die Parlamente und sich dort eine Grundhaltung etabliert, die eine vernünftige, sachorientierte Politik des Ausgleichs unmöglich macht. Nehmen wir nur einmal die Forderung der Klima-Aktivisten nach einem vorgezogenen Kohle-Ausstieg bereits 2030. Schon der im so genannten „Kohlekompromiss“ vereinbarte Ausstiegstermin 2038 ist mehr als problematisch. Ganz einfach, weil Deutschland nicht in der Lage sein wird, den für Industrie und Privathaushalte nötigen Strom allein aus Erneuerbaren Energien zu erzeugen. Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hat dazu eine klare Meinung: „Wenn jetzt einer glaubt, wir können in anderthalb Jahren die Zahl der Windräder um 50 Prozent erhöhen – dann ist das nicht von dieser Welt. Das werden wir nie schaffen.“ Und vergessen wir nicht: Im nächsten Jahr sollen die letzten noch im Betrieb befindlichen Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Frau Merkel hat das so verfügt, weil 2011 im fernen Japan das Kernkraftwerk Fukushima von einem Tsunami zerstört wurde. Diese Logik hat mich schon vor zehn Jahren sprachlos gemacht. Eine einsame Entscheidung des Irrsinns, bar jeder Vernunft und jeder Weitsicht.

Der Ökonom und Ex-Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bringt den deutschen Alleingang in der Atom-Politik auf den Punkt: „Wir sind die Geisterfahrer auf der Autobahn.“ In der Tat: Während wir hierzulande hoch moderne und sehr sichere Atomkraftwerke abschalten, produzieren unsere Nachbarn rundum auf z.T. veralteten Anlagen weiter Atomstrom und bauen sogar neue Kraftwerke. Folgerichtig wirft H.-W. Sinn der Öko-Partei eine „Mogelpackung“ vor und sagt: „Wenn Deutschland auf Atomkraft verzichtet, muss es ausländischen Atomstrom kaufen. Es geht gar nicht anders, als die Energiewende mit der Kernkraft hinzukriegen“. Und auch Wolfgang Bosbach äußert sich dazu eindeutig: „Ich kenne Länder, die steigen aus der Kohleverstromung aus ODER aus der Kernenergie – ich kenne nur nicht Länder, die beides gleichzeitig machen.“ – Außer Deutschland, versteht sich. Bei diesem Wahnsinn sind wir wieder einmal Weltspitze mit dem Ergebnis, dass wir dann 2035 bei gestiegenem Energiebedarf von 106 Gigawatt eine Versorgungslücke von 44 Gigawatt haben werden.

Der Nobelpreis für totale Verblödung wurde noch nicht ausgelobt

Diese Zahlen und Fakten interessieren unsere links-grünen Weltverbesserer natürlich überhaupt nicht. Ihnen geht es um die Durchsetzung ihrer Ideologie, koste es, was es wolle. Und wenn wir dann teuren Atomstrom aus Polen oder Frankreich einkaufen müssen, weil hierzulande sonst die Lichter ausgehen, werden sie sagen: „Aber wir sind das erste Land der Welt, das auf gefährliche und klimaschädliche Energiegewinnung verzichtet.“ Meinen die, sie kriegen für ihre großartige Leistung den Nobelpreis? Wohl kaum. Der Nobelpreis für totale Verblödung wurde noch nicht ausgelobt. Derweil gehen die satten und gepamperten FfF-Kids weiter auf die Straße und krakeelen irgendwelche schwachsinnigen Parolen in die Luft, deren wirkliche Bedeutung sie nicht verstehen. Und Papi und Mami werden stolz sein auf ihre Nachkommen, die sich so aufopferungsvoll dafür einsetzen, die Welt zu retten. Wenn die Demo zu Ende ist, werden sie im SUV nach Hause gebracht.

Zugegebenermaßen ist die Verblödung in diesem Zusammenhang nicht allein ein Privileg der Jugend. Detlef Flintz (63), Leitender Redakteur beim WDR, hat vor einigen Tagen in den ARD-Tagesthemen einen Kommentar zur aktuellen Erhöhung der Lebenshaltungskosten und insbesondere der Energiepreise abgegeben: „Er ist da, der Preisschock. Gut so!“ klatscht er dieser für viele Menschen im Lande bedrohlichen Entwicklung Beifall. „Nur, wenn Öl und Gas spürbar teurer werden“, so Flintz weiter, „kriegen wir die Erderwärmung in den Griff. Die Bürger sollten froh sein, dass wir gezwungen werden, Konsum und Produktion zu ändern.“ Wie abgehoben muss man da sein, wenn man mindestens 10.000 Euro im Monat nach Hause trägt? Einmal mehr wird mit so einem Kommentar deutlich, wie stromlinienförmig der ÖRR im Kielwasser der Regierung schwimmt. Bloß keine Kritik. Die da oben haben immer Recht und die da unten sollen sich gefälligst warm anziehen. Und für derart unverschämte Kommentare zahlen wir auch noch Rundfunkgebühren.

Nachtrag: Die FfF-Aktivisten verkünden nicht nur unausgegorenen Schwachsinn, nein, Teile von ihnen bewegen sich mit radikalen Parolen inzwischen haarscharf am Rande der Legalität. Die deutsche Greta, Carla Reemtsma, hat ja in einem taz-Artikel klipp und klar eine „Radikalisierung der Aktionsformen“ gefordert. Bei einer Demo vor der SPD-Zentrale in Berlin ging das dann schon mal ziemlich in die Hose. Dort zeigten Aktivisten vom radikalen Flügel Spruchbänder mit dem Slogan: „Wer hat uns verraten…?“ – zu ergänzen mit „die Sozialdemokraten“. Das war zunächst ein Schlagwort der Kommunisten, das später von den Nazis übernommen wurde. Der CDU-Innenexperte Christoph de Vries hat dazu unmissverständlich festgestellt: „Nazi- und Kommunistenrhetorik stehen in Deutschland nicht unter Welpenschutz. Die jüngste Parole gegenüber der SPD ist ungeheuerlich. Und er stellt in den Raum, dass bei einer weiteren Radikalisierung der Weltretter „auch der Verfassungsschutz ein Auge auf diese Entwicklung werfen“ müsse. – Wenn das passiert und Greta Wind davon bekommt, wird sie Gift und Galle spucken: „How Dare You!!!“

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