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„Und sie wiederholt sich doch...“

Von unserem neuseeländischen Gastautor Hans-Jürgen Geese

Geschichte wiederholt sich tatsächlich, da die menschliche Natur konstant ist. Allerdings wiederholt sich Geschichte natürlich in Abwandlungen, die den Umständen und Geschehnissen der jeweiligen Zeit angepasst sind. Ein Hitler wäre im Jahre 1950 in den U.S.A. nicht möglich gewesen. Aber ein Joe McCarthy schon.

Im Jahre 1950 fand im U.S. Bundesstaat Maryland eine Senatorenwahl statt. Senator Millard Tydings hatte diese Wahl bereits viermal mit überwältigender Mehrheit gewonnen. Selbst der ehemalige Präsident Franklin Roosevelt hatte gegen ihn nicht den Hauch einer Chance. Der Ausgang der Wahl war auch 1950 eigentlich reine Formsache.

Doch dann machte der Herr Tydings einen Fehler. Er beschuldigte einen gewissen Senator Joe McCarthy, ein Verschwörungstheoretiker zu sein. Der Herr Tydings wagte es, diesen allmächtigen Boss der U.S. Inquisition, der mit Vorliebe Hexenjagden auf unschuldige Opfer veranstaltete, er wagte es, diesen Liebling des Volkes, in aller Öffentlichkeit vorzuführen. Der angeblich heilige Krieg des Joe McCarthy gegen angebliche Kommunisten, so behauptete er, dieser heilige Krieg sei eine Fata Morgana. Harte Worte vom schneidigen Herrn Tydings. Die Schlagzeilen in den Zeitungen überschlugen sich. Alle Welt wartete darauf, wie der von blankem Hass angetriebene Verteidiger der amerikanischen Freiheit gegen die Pest des Kommunismus darauf reagieren würde. Nun, die Unterstützer von McCarthy (über 50 % der Bevölkerung) sollten nicht enttäuscht werden.

Die vernichtende Machtmaschinerie des Joe McCarthy

Trotz der eigentlich aussichtslosen Ausgangsposition für jeden alternativen Kandidaten bei der Senatorenwahl nahm McCarthy die Herausforderung an. Er war ein fanatischer Pokerspieler, bekannt für seine tollkühnen Bluffs, bekannt für seine hohen Einsätze. McCarthy beschloss, einen Herausforderer mit Namen John Marshall Butler zu unterstützen. Wobei unterstützen eigentlich nicht das rechte Wort ist. McCarthy mobilisierte sein kolossales Netzwerk von Geldgebern, Marketingstrategen, Schnüfflern und Mediengiganten. Um es kurz zu halten: Millard Tydings wurde in aller Öffentlichkeit „fertig gemacht.“ Der relativ unbekannte John Marshall Butler gewann gegen den bisher hochverehrten, eigentlich unbesiegbaren Statthalter von Maryland.

Um diese Überraschung zu verstehen, müssen Sie wissen, dass in den 50er Jahren nicht der Präsident der mächtigste Mann in den Vereinigten Staaten von Amerika war. Der mächtigste Mann in den Vereinigten Staaten von Amerika hieß Joe McCarthy. Der berühmt-berüchtigte Senator hatte eine Machtmaschinerie aufgebaut, die jeden Menschen im Lande vernichten konnte. Obwohl er nie, nie einen einzigen wirklich großen kommunistischen Spion oder Verräter präsentieren konnte. Trotzdem. Das attraktive Narrativ des Einzelkämpfers gegen die bösen Kommunisten, die Geschichte vom Helden, vom Kriegsveteran, vom Patrioten, vom auserwählten Mann Gottes auf der Seite des Volkes, dieses Narrativ war unschlagbar. Es hieß in aller Öffentlichkeit: „A Vote for McCarthy is a Prayer for America“ (Eine Stimme für McCarthy ist ein Gebet für Amerika).

Gab es ein Problem mit Kommunismus in Amerika? Nein. Waren die Russen auf breiter Front aktiv in Amerika? Nein. McCarthy propagierte ein Problem, das gar nicht existierte und verkaufte es der amerikanischen Bevölkerung, die plötzlich etwas wahrnahm, was gar nicht existierte. Und McCarthy bot sich dann selbstlos als Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit an. Um ein Problem zu lösen, das gar nicht existierte. Eine Meisterleistung von Marketing. Respekt. So kann man auch Karriere machen. Was ist Marketing anderes als den Menschen ein Produkt, eine Dienstleistung zu verkaufen, die sie nicht brauchen. Und die Medien spielten mit!

Die brutale Hexenjagd forderte viele Opfer

Wenn McCarthy sich sein Opfer ausgesucht hatte, ließ er seine Bluthunde los. Seine Schnüffler suchten nach Dreck, mit dem sie auf das Opfer schmeißen konnten, die gingen akribisch sein ganzes Leben durch, wühlten in Papierkörben, suchten und suchten. Und wenn sie nichts finden sollten, dann behaupteten sie einfach. Lügengebäude wurden aufgetürmt. Das Opfer hatte nie eine Chance. Manch einer, der sich die Schande ersparen wollte, obwohl vollkommen unschuldig, nahm sich das Leben. Beobachter im Ausland schüttelten entsetzt den Kopf. Das sollte Demokratie sein? Das sollte das freie Amerika sein?

Nun, letztendlich machte auch Joe McCarthy einen Fehler. Er legte sich mit den höchsten Militärs an. Er konnte einfach nicht widerstehen. Je höher das Risiko, desto stärker der Kribbel, der Adrenalinstoß, der Kick. Es endete dann wie es enden musste. Die Militärs drehten schlicht und einfach den Spieß um und präsentierten dem amerikanischen Volk einen Psychopathen, einen Alkoholiker, einen Größenwahnsinnigen. Eine einzige Vorführung des Herrn McCarthy im Fernsehen reichte eigentlich schon aus, um den angewiderten „anständigen“ Amerikanern zu zeigen, wen sie da all die Jahre unterstützt hatten. Joe McCarthy soff sich dann bald zu Tode. Im Mai im Jahre 1957 wurde er mit militärischen Ehren zu Grabe getragen.

Wir müssen aus der Geschichte lernen

Eine unheimliche Erkenntnis drängt sich auf: Wenn es einem einzigen Mann, der aus armseligen Verhältnissen kommend sich eine Karriere aufgebaut hatte, wenn es so einem einzigen Mann gelang, ein ganzes Volk in Geiselhaft zu nehmen, wie leicht muss es dann für eine Gruppe von entschlossenen Männern sein, die über noch viel umfangreichere finanzielle Mittel und Beziehungen verfügen, um das Gleiche oder noch Schlimmeres zu tun? Nur eben ein bisschen weniger aufgeregt und ein bisschen weniger offensichtlich. Professioneller. Joe McCarthy war so eine Art Probedurchlauf in einer Zeit, die wir längst vergessen haben. Aber wir hätten sie nicht vergessen dürfen. Das war ein großer Fehler!

Die Präsidenten Eisenhower und Kennedy warnten dann in den 60-er Jahren vor einer neuen Macht, die das Land fest im Griff hatte und beherrschte. Auch diese eindeutig belegten, auf Tonträgern erhaltenen Warnungen, haben wir vergessen. Kennedy hatte dem mafiösen, im Untergrund arbeitenden System, den Kampf angesagt. Diese Kriegserklärung musste er mit seinem Leben bezahlen. Heute nennt man viele unbeliebte Fakten der Geschichte Verschwörungstheorien, um die Glaubwürdigkeit von wahren geschichtlichen Ereignissen zu zerstören.

Das Phänomen Donald Trump

Auf Donald Trump trifft ein Großteil des Persönlichkeitsprofils von Joe McCarthy zu. Auch er ein Psychopath, größenwahnsinnig, skrupellos. Auch er überzeugend besessen von dem Traum, Amerika zu dienen, das Land wieder zu seiner angestammten Größe zu verhelfen. Das Volk spürte seine Authentizität, die Ehrlichkeit dieser Antriebskraft. Was das Phänomen Trump zum Teil erklärt. Allerdings trat Trump zu einer Zeit auf, in der bereits ein fest etabliertes, anderes Team auf der Gegenseite ganz andere Pläne für das Land hegte. Er hatte nicht das Format von Kennedy, und daher war es ein relativ leichtes Unterfangen, ihn wieder aus dem Verkehr zu ziehen. Man brauchte ihn nicht einmal zu ermorden.

Wie lange werden die Amerikaner sich an Trump erinnern? Wir Menschen verfügen in der Regel über ein sehr schlechtes Gedächtnis. Dazu kommt, dass oftmals die falschen Daten dort abgelagert sind. Der Mensch müßte doch über ein Orientierungssystem verfügen, das es ihm erlaubt, Ereignisse im Rahmen von langfristigen, geschichtlichen Entwicklungen einzuordnen. Und Trends zu erkennen. Dann würde er nicht immer und immer wieder die gleichen Fehler begehen, auf die gleichen Tricks hereinfallen und irgendwelchen Despoten hinterherlaufen, die nun wirklich nicht das Wohl des Volkes bei ihrem Handeln im Sinn haben. Er würde die Muster erkennen, die doch so oft bereits im Laufe der Geschichte aufgetreten sind. Vor allem auch die psychischen Verhaltensweisen dieser sogenannten Politiker. Es ist nun mal leider so, dass ganz bestimmte, skrupellose, narzisstisch veranlagte, von den falschen Sponsoren geförderte, größenwahnsinnige Figuren vor allem sich in den oberen Etagen der Politik tummeln. Der Job entspricht ihrer Natur. Anständige Menschen lassen sich eben nicht auf diese abstoßenden Spielchen ein. Nein, noch schlimmer: Die würden heute gar nicht erst in die oberen Etagen der Parteien gelassen werden, eine Voraussetzung, um wirklich Einfluss ausüben zu können. Das war früher einmal anders. Aber Kompromisse brauchen die Herrscher dieser Welt heute nicht mehr einzugehen.

Demokratie muss vor allem die Notwendigkeit des ausgebildeten Demokraten im Volke als Voraussetzung von wahrhaftig funktionierender Demokratie erkennen. Ohne Demokraten keine Demokratie. Und die Erkenntnis muss endlich um sich greifen, dass der Mensch nun mal nicht als Demokrat geboren wird. Demokratie muss demzufolge unbedingt ein Hauptfach in der Schule werden, in dem der junge Mensch lernt, die Geschichte in ihren wesentlichen Teilen zu kennen, die Mittel der Manipulation zu durchschauen und Zivilcourage zu entwickeln, um in der Lage zu sein, entschlossen für Freiheit einzustehen. Vor allem in der Stunde der Not. Denn das kann man tatsächlich alles lernen. Für die Versäumnisse, uns dieser Aufgabe gestellt zu haben, bezahlen wir momentan einen hohen Preis. Es könnte sogar bereits zu spät sein. Das Volk wacht einfach nicht auf.

Das Erbe von Joe McCarthy

Natürlich sollten wir nicht die Methoden von Joe McCarthy kopieren, die mit ethischem Leben nichts zu tun haben. Außerdem machen das bereits andere, die auf der Gegenseite, die uns momentan einschüchtern, uns manipulieren und die mit gefilterter Wahrheit ihre Pläne vorantreiben.

Um des Friedens des Volkes willens ist es wirklich einfacher, die Wirkungsweise von aktueller Macht zu durchschauen, wenn man in die Geschichte zurückgeht und dort, aus der Analyse der Vergangenheit, zur „parteilosen“ Erkenntnis aktueller Zusammenhänge gelangt, ohne sich in der Gegenwart beweisen und rechtfertigen zu müssen, was manchmal gar Freundschaften und Familienbande zerstört. Beobachten aus der Distanz. Denken ohne den Konformitätsdruck.

Der historische Mensch ist der gleiche Mensch wie in der Gegenwart. Die menschliche Natur hat sich doch nicht geändert. Was der Herr Machiavelli erkannte, gilt noch heute: Letztendlich ist es für die Herrscher besser, gefürchtet anstatt geliebt zu werden. Mit Angst können sie ein ganzes Volk leicht kontrollieren. Und jetzt sind die Herrscher dieser Welt auf den eigentlich perfekten Trick gestoßen. Denn nichts ist stärker als die Angst vor dem Tode. Dieses Spiel mit dem Tode, das Spiel mit einem Virus, das tötet, dieses Spiel kann beliebig lange weitergespielt werden. Es sei denn, die Erben von Joe McCarthy überreizen ihre Karten und der Bluff wird offensichtlich. Selbst der dümmste Deutsche wird bei der offensichtlichen Offensichtlichkeit sich hoffentlich der Erkenntnis von Wahrheit nicht widersetzen können, aufschreien und zurückfordern, was wir per Intention unserer Väter nie hätten verlieren dürfen: Unsere unaufhebbaren Grundrechte. Aber wir brauchen nicht einmal die Mehrheit. Wie wir aus der Geschichte der Auflösung der DDR gelernt haben, reicht eine entschlossene Minderheit durchaus. Sie muss lediglich organisiert und auf ein ganz bestimmtes, ganz konkretes Ziel hingesteuert werden. Wie ein Laser. So einfach.

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Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Ist es nicht beeindruckend, wie Hans-Jürgen Geese vom anderen Ende der Welt die Lage auch in Deutschland treffend analysiert? Da können wir Ihnen nur empfehlen, das Werk desselben Autors zu genießen. Mit dem Titel „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ spannt Geese den Bogen von Neuseeland zu Deutschland. Seine messerscharfen Analysen zeigen auf, wie die Bürger weltweit von den immer gleichen Akteuren mit den immer gleichen Methoden unterdrückt und ausgebeutet, ja zu Sklaven gemacht werden. Täuschen Sie sich nicht. Was Geese in Neuseeland wie unter dem Brennglas aufzeigt, findet auch in Deutschland statt. Es ist nur nicht so leicht zu erkennen. „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ ist erhältlich im Buchhandel oder bestellen Sie Ihr Exemplar direkt beim Verlag hier. 

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https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2020/ausverkauf-vom-traum-neuseeland-wie-ein-bluehendes-land-verramscht-wurde/ 

 

Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten. So ist klar, dass man die Parallelen zur Gegenwart nur erkennen kann,  wenn man die wahre Geschichte des letzten Jahrhunderts kennt. Werfen wir dazu einen Blick auf die in Deutschland befohlene Geschichtsschreibung. Lange wurde jeder als „Geschichtsrevisionist“ oder „Verschwörungstheoretiker“ verurteilt, der infrage stellte, dass dem Deutschen Reich die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg angelastet werden muss. Wie mittlerweile nicht mehr zu leugnen ist, wurde dieser Krieg, diese „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, schon mehr als zehn Jahre vor seinem Beginn in England generalstabsmäßig geplant. Mittlerweile sind es viele Historiker, die mit ihren Forschungen nachweisen, dass der deutsche Kaiser Wilhelm II diesen Schicksalskrieg bis zur letzten Minute verhindern wollte. Die Briten ließen ihm keine Chance. Der beste dieser Historiker ist Reinhard Leube. Seine Werke lesen sich flüssig und spannend. Jetzt ist sein fünfter Band aus der Druckerei gekommen: „Katz und Maus Spiele“. Es beweist unter anderem eine alte „Verschwörungstheorie“, dass Hitler mit seinem Angriff Stalin nur um Tage zuvorgekommen ist.

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