------------------------------------

-------------------------------------

---------------------------------------

Mozambique: Gas und Öl und Milliarden – die Geschichte wird wiederholt

Von Peter Haisenko 

Wer sagt, Geschichte wiederholt sich (nicht), vergisst etwas Wesentliches. Geschichte, Politik, wird gemacht, sie geschieht nicht. Wenn es einmal erfolgreich gelungen ist, wird es wiederholt. Immer wieder. In Mozambique versucht jetzt offensichtlich wieder die südafrikanische SASOL fremde Energiekonzerne mit derselben Methode wie 2003 zu vertreiben.

Vor lauter Corona und Klima gehen andere Ereignisse unter. So auch das, was gerade in Mozambique abläuft. Dort gibt es Gas und Öl und allein die Gasvorkommen im Norden werden auf einen Wert von etwa 60 Milliarden Dollar geschätzt. Ich habe davon erfahren durch unseren Autor Florian Stumfall, der im AnderweltVerlag das Werk „Tripoli Charlie“ verlegt hat. Er ist ein intimer Kenner Afrikas und hat noch immer zuverlässige Kontakte dorthin. So kann ich berichten, was in Mozambique gerade abläuft. Es geht um die Ausbeutung des genannten Gasfeldes und wer den Reibach machen darf.

Die französische Total ist schon vor Ort, einer der größten Konzerne dieser Welt, hauptsächlich mit Kohlenwasserstoffen befasst. Auch der US-Konzern Exxon betreibt ein LNG-Projekt dort. (LNG = Liquid Natural Gas – verflüssigtes Erdgas.) Beide haben sich jetzt zurückgezogen. Nicht ganz freiwillig, aber zumindest vorübergehend. Es ist schon erstaunlich, dass sich Öl-Multis von einem Fressplatz zurückziehen. Es wird auch mit der offiziellen Begründung nicht wirklich plausibler. Es heißt nämlich, der Islamische Staat (IS) habe gegen den französischen Konzern und seine Förderung von Flüssigerdgas im Norden von Mozambique schwerwiegende und gefährliche Angriffe vorgetragen. In der Küstenstadt Palma habe, so wird es dargestellt, der IS Dutzende von Zivilisten getötet, unweit von Gasfeldern. Etwas abwegig erscheint die Ansage, es handele dabei sich um höhere Gewalt, was den zeitweiligen Rückzug rechtfertige. Ist der IS jetzt „höhere Gewalt“?

Hilferuf an die ehemalige Kolonialmacht Portugal

Mozambique ist ein Flächenstaat im Osten Afrikas, südlich des Äquators. Mit seinen 801.590 km² ist er mehr als doppelt so groß wie die BRD, hat aber nur etwa 30 Millionen Einwohner. Das Land liegt klimatisch günstig und mancher, der dort eine Zeitlang verweilte, bezeichnete es als dem „Paradies nahe“ und wollte nicht mehr fortgehen. Mozambique war portugiesische Kolonie, bis sich mal wieder England dafür interessierte. Ich stelle einen Ausschnitt aus Wikipedia ans Ende, in dem man etwas von der wechselvollen Geschichte erfährt und ein weiteres Beispiel, warum es unsinnig ist, mit England (oder heute den USA) Verträge abzuschließen. Mozambique schließt im Norden an die ehemalige deutsche Kolonie Tansania an und im Süden an Südafrika. Darum geht es.

Offiziell wird also in der Hauptstadt Maputo erklärt, der IS ist schuld daran, dass sich Total und Exxon zurückziehen. Erstaunen muss allerdings, dass in dieser prekären Lage, die sowohl den ausländischen Gas-Firmen als auch der Regierung große Sorgen bereitet, diese, nämlich die Regierung in Maputo, nicht die allmächtigen USA, noch die sich als Großmacht fühlenden Franzosen gegen den IS zu Hilfe ruft, sondern die ehemalige Kolonialmacht Portugal. Maputo unterzeichnete mit Lissabon dieser Tage ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit. Portugals Verteidigungsminister, Joao Gomes Cravinho erklärte, die beinhalte ein wichtiges Trainings-Vorhaben für Spezialeinheiten des Militärs von Mozambique, zusammen mit erheblichen Kräften aus Portugal.

1975 wurde Mozambique aus der portugiesischen Kolonialherrschaft entlassen. Seit 1995 ist das Land Mitglied des britischen Commonwealth of Nations. Mit Kamerun, Ruanda und Namibia gehört Mozambique zu den Commonwealth-Staaten, die ehemals keine britische Kolonie waren. So ist es umso erstaunlicher, dass sie nicht England um Hilfe bitten, sondern Portugal. Aber Mozambique ist nicht das einzige Land – nicht nur in Afrika – das mit England schlechte Erfahrungen gemacht hat. Wer mischt da jetzt noch mit?

Der Vorgang erinnert an das Jahr 2003

Es muss ein ziemlich starker Spieler sein, wenn sich internationale Großkonzerne wie Total und Exxon derart beeindrucken lassen, dass sie den Schwanz einziehen. Blickt man zum Beispiel nach Mali, haben sich Frankreich und Deutschland schnell gegen den IS in Stellung gebracht und agieren vor Ort. Warum also nicht auch in Mozambique? Schließlich geht es um Gas und Öl und Milliarden Dollar. Da bleibt nur noch Südafrika, die wegen ihrer geographischen Nähe ziemlich nonchalant dort agieren können. Südafrika und deren Öl-Konzern SASOL.

Der ganze Vorgang erinnert an das Jahr 2003, ebenfalls in Mozambique. Allerdings im Süden, bei Pande und Termane. Als die damals bei der Ausbeutung federführenden, längst vom ANC regierten Südafrikaner mit ihrem Energie-Monopolisten SASOL einen Bürgerkrieg anzettelten, um die Konkurrenz aus Europa und China abzuschrecken. Geschichte wiederholt sich nicht? Oh doch! Vor allem dann, wenn es schon einmal so trefflich funktioniert hat. Diese Geschichte ist nachzulesen in dem ersten der drei Afrika-Romane unter dem Titel „Tripoli Charlie“ von Florian Stumfall, der im AnderweltVerlag zu bestellen ist.

In diesem Roman erfahren Sie viel darüber, wie in Afrika Politik gemacht wird, ohne Rücksicht auf Menschenleben. Von ganz im Süden, über Angola und eben Mozambique bis Libyen und dem Mord an Gaddafi dort. Und wer Afrika kennt, nicht nur vom Strand in Kenia, der weiß, dass die Erzählungen von Florian Stumfall die ungeschminkte grausame Realität schildern. Wer immer noch der Zuwanderung aus Afrika die Stange hält, wird bei Lektüre dieses spannenden Werks eines Besseren belehrt. Es sei denn, er will Deutschland mit afrikanischen Verhältnissen beglücken.

Hier können Sie Ihr Exemplar „Tripoli Charlie“ direkt beim Verlag bestellen oder Sie bemühen Ihren Buchhändler. Und hier können Sie drei Rezensionen einsehen:
https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20202/von-warlords-und-buergerrechtlern/
https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2019/tripoli-charlie-feuer-der-hochfinanz-in-afrika/
https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2017/tripoli-charlie-feuer-der-hochfinanz-in-afrika/


Und hier, wie versprochen, ein Auszug aus Wikipedia über die Geschichte Mozambiques um 1900:

1890 musste Portugal britischem Druck nachgeben und auf die Verbindung Angolas und Mosambiks zu einem geschlossenen südafrikanischen Kolonialreich verzichten. Stattdessen nahm in den portugiesischen Kolonien der Einfluss britischen Kapitals beträchtlich zu. Verhandlungen über ein britisch-deutsches Bündnis führten aber schon 1898 zum Angola-Vertrag: Für den Fall, dass Portugal Geld brauchen sollte, vereinbarten Deutschland und Großbritannien eine gemeinsame Anleihe, für die die portugiesischen Kolonien als Pfand vorgesehen waren. Im Falle der erwarteten Zahlungsunfähigkeit Portugals sollten Angola und Nordmosambik an Deutschland, Südmosambik an Großbritannien fallen. Deutschland verzichtete dafür auf die Unterstützung der Buren in deren Kampf gegen Großbritannien. Das Abkommen wurde am 30. August 1898 geschlossen, aber niemals umgesetzt und schon 1899 durch die Verlängerung der britischen Schutzgarantie (Windsorvertrag) für Portugal und all seine Besitzungen unterlaufen. 1913 wurde dann ein neuer Vertrag zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich geschlossen, bei dem Mosambik geteilt wurde. Der Bereich nördlich des Sambesi wurde Deutschland zugesprochen und der Bereich südlich davon England. Am 27. Juli 1914 gab Reichskanzler Theodor von Bethmann-Hollweg London die Zustimmung für die Veröffentlichung des bis dahin geheimgehaltenen Vertrages.[30] Dann machte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 seine Umsetzung unmöglich. So blieben Angola und Mosambik zunächst im Besitz Portugals. Während des Krieges jedoch erklärte Südafrika 1915 ganz Mosambik zum Eroberungsziel, und ab 1917 zogen sich die deutschen Kolonialtruppen aus Deutsch-Ostafrika kämpfend nach Mosambik zurück und besetzten bis 1918 tatsächlich weite Teile der Nordhälfte. Als Entschädigung erhielt Portugiesisch-Ostafrika beim Frieden von Versailles 1919 das Kionga-Dreieck.

Nach oben