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Erzwungene Landung in Minsk? – Die Geschichte stinkt!

Von Peter Haisenko 

Die Informationen, wie es zur Landung der Ryan-Air in Minsk kam, sind dünn. Umso ausführlicher das darauf folgende Geschrei gegen Lukaschenko. Eines sollte dabei klar sein: Die Entscheidung, wo gelandet wird, trifft ausschließlich der Kapitän.

Man sollte sich die Landkarte ansehen. Warum fliegt ein Flugzeug auf dem Weg von Griechenland nach Litauen überhaupt über Weißrussland? Möglicherweise weil die Gebühren für den Überflug günstiger sind, als über Polen. Sieht man die Landkarte und den aufgezeichneten Flugweg an, stellt man schnell fest, dass das Flugzeug schon im Anflug auf Vilnius war und nur wenige Flugminuten von der litauischen Grenze entfernt. Von dort flog der Kapitän dann in einer weiten Schleife nach Minsk und zögerte so die Landung um eine knappe halbe Stunde hinaus. Bei einer Bombendrohung kann der Kapitän Luftnotlage erklären und damit steht er über allen Vorschriften. Er darf alles tun und anfordern, was er für nötig hält und es steht ihm jede Unterstützung zu. Dieses eherne Gesetz ist allen Fliegern „heilig“. Auch oder besonders Kampfpiloten. Warum hat sich der Kapitän entschieden, in Minsk zu landen?

Ein halbwegs erfahrener Kapitän weiß, dass noch niemals eine Bombe an Bord eines Flugzeugs war, das eine Bombendrohung erhalten hat. So sollte man mit Bombendrohungen einigermaßen entspannt umgehen und ich weiß, wovon ich spreche. Wenn also der Kapitän der Ryan-Air nach Absolvieren von bereits mehr als zwei Stunden Flugzeit entschieden hat, sich wegen einer Bombendrohung den zusätzlichen Stress anzutun, einen Flughafen anzufliegen, den er nicht kennt, ist das schon an sich fragwürdig. Noch dazu, weil er mit dieser Aktion länger in der Luft bleiben musste, als unbedingt notwendig. Ach ja, er wurde dazu gezwungen, wird behauptet. Aber das kann nur jemand glauben, der sich mit der Materie nicht auskennt.

Niemand konnte eine Landung in Minsk erzwingen

Litauen, Vilnius, gehört zur EU. Auch auf den Flughäfen wird nach westlichen Standards gearbeitet. In Weißrussland, Minsk, eher nicht. Also nochmals: Warum landet der Kapitän in Minsk? Konnte er dazu gezwungen werden? Wie und von wem? Eines kann ich ausschließen: Die Regierung von Weißrussland und deren Luftverkehrskontrolle kann es nicht. Selbst wenn sie ein Kampfflugzeug zur Begleitung geschickt haben sollten, wie behauptet wird, können sie keine Landung in Minsk erzwingen. Um das zu erreichen, müsste mit einem Abschuss gedroht werden und das wird niemand wegen einer Bombendrohung tun. Ebenfalls nicht, um einen Passagier verhaften zu wollen. Weißrussland schon gar nicht, denn da wird besonders genau hingesehen. Folglich war der Kapitän der Ryan-Air entweder ein Schwachkopf oder Teil eines perfiden Plans.

Wenn wir freundlicherweise davon ausgehen, dass auch in den Cockpits der Ryan-Air keine Schwachköpfe sitzen, dann bleibt nur noch die geplante Aktion übrig. Nachdem bis jetzt alle Versuche gescheitert sind, Weißrussland in den Zustand der Ukraine zu versetzen, inklusive Mordversuchen am Präsident, sollen mit dieser Aktion neue Anlässe geschaffen werden, weitere Sanktionen gegen Weißrussland zu begründen. Wie dabei schon wieder mit doppelten Standards vorgegangen wird, sollte jeder erkennen können, dessen Gedächtnis weiter als drei Wochen reicht. Es gibt genügend Beispiele, wo Flüge vom Westen oder auch der Ukraine zu außerplanmäßigen Landungen gezwungen worden sind. Ohne dass sofort Rufe nach Sanktionen auch nur geflüstert worden wären. Der spektakulärste war wohl der Fall Evo Morales, dem Präsident von Bolivien, 2013. Wer sich nicht daran erinnert, der kann sich hier in einem Spiegel-Artikel kundig machen:
https://www.spiegel.de/politik/ausland/morales-flugzeug-in-wien-gestoppt-snowden-nicht-an-bord-a-909146.html?fbclid=IwAR3fFChaUN_4yPdgcKP2HrlNtXMUVgVTd2sKZQ5cmiirFqunkTqQmYo5WJo

Die Kurzfassung: Das Flugzeug von Evo Morales wurde zur Landung in Wien gezwungen, weil die folgenden Staaten auf der geplanten Route kurzfristig und ohne Begründung die Überflugrechte zurückgezogen hatten. Warum? Es wurde vermutet, von der CIA kolportiert, dass Edward Snowden mit an Bord sei. Der Staatsfeind Nummer eins der USA. War er aber nicht. Die Reaktionen der Westpresse? Damals hatten die deutschen Medien lediglich von "Aufregung in Südamerika" geschrieben, sie selbst hielten das wohl für normal. Dabei darf nicht vergessen werden, der Flug von Evo Morales stand unter diplomatischer Immunität. Soviel dazu, wie sich der Wertewesten an Völkerrecht und elementare diplomatische Gepflogenheiten hält. „Freies Geleit“ für diplomatische Emissäre ist eine der ältesten Errungenschaften der zivilisierten Gesellschaft.

Wer war die Quelle der Bombendrohung?

Noch ein Beispiel: 2016 zwang die Ukraine eine Maschine Weißrusslands zur Landung in Kiew, sogar ohne Bombenausrede, und holten den regierungskritischen Journalisten Martirosyan aus dem Flugzeug. Darüber herrschte dröhnendes Schweigen in denselben Medien, die sich jetzt überschlagen vor Eifer. Dass der Kapitän in diesem Fall einer Landeaufforderung gehorchte, ist nachvollziehbar. Schließlich war schon damals bekannt, dass es nicht das erste Mal wäre, wenn die Ukraine ein Verkehrsflugzeug abschießt. Siehe MH 17 und andere vorher. Natürlich „aus Versehen“. Es gibt noch mehr Beispiele, etwa die Türkei im Oktober 2012, als ein syrisches Passagierflugzeug auf dem Weg von Moskau nach Damaskus zur Landung in Ankara gezwungen wurde. Man vermutete Waffen an Bord, aber die gab es nicht. Wieder befanden unsere Medien die Vorgänge nicht einmal für berichtenswert. Das sollte man im Gedächtnis behalten, wenn man jetzt den Rummel um die Landung in Minsk bewerten will.

Zurück zum aktuellen Fall. Selbst nach intensiver Recherche konnte ich keine Informationen darüber finden, wer die Quelle der Bombendrohung war. Ich erachte es als sehr unwahrscheinlich, dass diese in Weißrussland zu finden ist. Es ist eher anzunehmen, dass der Flugkontrolle in Minsk diese Drohung aus einem anderen Land zugestellt worden ist, von wem auch immer, und diese dann pflichtgemäß an die Ryan-Air weitergeleitet wurde. Dass aus diesem Anlass ein Kampfflugzeug aufgestiegen ist, zur Begleitung, entspricht internationalen Standards. Ebenfalls wie im Westen ist man in solchen Fällen froh und dankbar, einen Grund zu haben, ein ziviles Flugzeug auffinden, ansteuern und begleiten zu dürfen. Übungshalber und gegen die Langeweile der Kampfpiloten. Deswegen nochmals: Warum ist der Ryan-Air-Kapitän in Minsk gelandet?

Die NATO kennt die Wahrheit

Hätte man ein Interesse an der Wahrheit, wäre es ganz einfach. Man müsste nur den Funkverkehr analysieren und den Voice-Recorder der Ryan-Air. Das gibt Aufschluss über den Ablauf und vor allem darüber, ob der Kampfpilot den Kapitän der Ryan-Air bedroht und so zur Landung veranlasst hat. Der Voice-Recorder steht nicht mehr zur Verfügung, die Aufzeichnungen werden zyklisch gelöscht, aber wir können sicher sein, dass der Funkverkehr von den AWACS-Flugzeugen der NATO aufgezeichnet worden ist. Schließlich tummeln die sich unablässig an der europäischen Ostgrenze. Allerdings werden die das nicht herausgeben, ebenso wenig, wie sie das im Fall der MH 17 getan haben.

Außerplanmäßige Landungen sind normalerweise unbedingt zu vermeiden

Ich sehe hier ein Muster. Chodorkowsky und Nawalny. Beide wurden zurück nach Russland geschickt, vom Westen und dessen Geheimdiensten, in dem sicheren Wissen, dass sie dort eine Gefängnisstrafe erwartet. Anschließend konnten beide und können immer noch verwendet werden, Attacken gegen das böse Unrechtsregime Putins zu fahren und fortlaufend nach Gusto Sanktionen zu begründen. Mit der hochgelobten „Oppositionsführerin“ Weißrusslands, Tichanowskaja, hat das nicht funktioniert. Die ist offensichtlich nicht so naiv, für die Interessen des Westens einen jahrelangen Gefängnisaufenthalt zu riskieren. Sie hat sich schlank nach Litauen verabschiedet. Da brauchte es wohl jemand anderes, einen weißrussischen „Nawalny“, dem allerdings nicht einmal die Wahl gelassen wurde. Der „Blogger“ Protassevich, der mit Haftbefehl gesuchte Weißrusse. Inwieweit der zu Recht auf der Fahndungsliste Weißrusslands steht, wird nicht einmal angedacht. Man bedenke, dass in Deutschland sogar Ausländer auf der Fahndungsliste stehen, wegen „Volksverhetzung“, die es in ihren Heimatländern so nicht gibt.

Um noch einmal zu verdeutlichen, wie absurd es ist, diese Ryan-Air in Minsk zu landen, beschreibe ich kurz, was das einzig vernünftige Vorgehen gewesen wäre. Man befindet sich im weißrussischen Luftraum, etwa eine halbe Stunde vor der geplanten Landung in Litauen/Vilnius. Da wird eine Bombendrohung mitgeteilt. Unspezifisch, wie üblich. Hat sie einen Zeitzünder oder einen, der auf Druck reagiert? Man weiß es nicht. Wenn es ein Zeitzünder wäre, hätte die Explosion wahrscheinlich schon stattgefunden. Wäre es ein Druckzünder, der auf steigenden Druck im Anflug reagiert, ist es gleichgültig, wo man landet. Dann lieber in einem Land mit westlichen Standards. Und ja, manch einer will so schnell wie möglich landen. Aber warum in Minsk, wo doch die Flugzeit nach Vilnius wesentlich kürzer wäre? Gerade Kapitäne der Ryan-Air sind angehalten, ihren Flugplan möglichst genau einzuhalten, außerplanmäßige Landungen unbedingt zu vermeiden. Und wie gesagt, noch niemals war eine Bombe an Bord, wenn es eine Bombenwarnung gegeben hat.

Wenn also der Ryan-Air-Kapitän kein Schwachkopf war, dann bleibt nur noch ein perfide geplanter Schachzug gegen Lukaschenko übrig. Für den Kapitän war das gefahrlos, für seinen Passagier nicht. Der Wertewesten hat sein Ziel erreicht, nach einem Jahr abflauenden Interesses an Weißrussland die Sache wieder hochzufahren, um seinem Ziel eines Umsturzes dort näher zu kommen. Und so erkennt man an der unterschiedlichen Berichterstattung der Fälle wieder einmal, was "Haltungsjournalismus" bedeutet, dem wohl inzwischen die gesamte Qualitätsmedienwelt Deutschlands angehört, nämlich Propaganda. Und zwar Propaganda im Sinne eines transatlantischen Krieges gegen jede Fraternisierung mit "dem Feind", der nun wieder mal im Osten zu suchen ist. Die Nato lauert nur darauf, mit ihrem Aufmarsch an den Ostgrenzen. 

Nachtrag 26.05.2021: Weißrussland hat den Funkverkehr veröffentlicht und der beweist einwandfrei, dass es eine freie Entscheidung des Kapitäns war, seinen Flug in Minsk zu landen. Hier hat sich ein Kollege große Mühe gemacht und die komplette Aufzeichnung des Sprechfunkverkehrs übersetzt und aufgeschrieben: 
https://www.anti-spiegel.ru/2021/kompletter-funkverkehr-veroeffentlicht-ryanair-piloten-haben-selbst-entschieden-in-minsk-zu-landen/ 

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