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Der Prophet gilt nichts im eigenen Land – vor allem nicht in Deutschland

Von unserem neuseeländischen Gastautor Hans-Jürgen Geese 

Ein Freund von mir machte mich auf einen Beitrag des Kabarettisten Christoph Sieber aufmerksam, der am 29. August 2012 auf 3Sat lief. Hier sind Auszüge:

„Darf ich Ihnen was sagen, ganz unter uns – wir brauchen Sie gar nicht mehr... Sie sind nicht nur arbeitslos. Sie sind auch überflüssig. Wir machen Ihnen ein Angebot: 361 Euro im Monat Hartz IV. Und dafür halten Sie die Klappe. Schweigegeld... Wir werden Ihnen alles nehmen, nur den Fernseher nicht. Versprochen. Egal, wie groß er ist. Wir werden dafür sorgen, dass dort nichts Relevantes läuft, was Ihren Alltag in irgendeiner Weise stören wird. Wir werden dafür sorgen, dass im Discount der Alkohol so billig bleibt, dass Sie sich wenigstens einmal die Woche die Hucke zusaufen können. Alle vier Jahre veranstalten wir Wahlen. Damit es so aussieht als würden wir uns für Ihre Meinung interessieren. Und damit es so aussieht als würde sich überhaupt etwas ändern. Alle zwei Jahre ein sportliches Highlight, damit das kollektive Dahinsiechen vom kollektiven Freudentaumel übertüncht wird... Und wenn Sie das alles als Gott gegeben gefressen haben, ihre Arbeitslosigkeit, Ihre Sinnlosigkeit und 2,1 Billionen Staatsschulden, dann kürzen wir Ihnen die Bezüge, damit Sie sehen wie schön Sie es vorher hatten. Und falls dann noch einer die Klappe aufmacht, dann haben wir in der Hinterhand noch immer den internationalen Terrorismus... Und dann machen wir Ihnen so lange Angst, dass es Ihnen durch Mark und Bein fährt. Und spätestens dann, spätestens dann, fressen Sie uns aus der Hand. Ich wünsche Ihnen eine glückliche Zukunft.“

Fast neun Jahre ist das her. Ich weiß nicht, ob der Herr Sieber das heute noch im Fernsehen sagen dürfte. Das deutsche Kabarett, das einst so bewunderte und wirkungsmächtige deutsche Kabarett, hat sich weitgehend zurückgezogen (oder ist zurückgezogen worden). Volker Pispers gibt es noch auf Youtube. Und auch den Georg Schramm. Aber eben nicht mehr aktuell im wirklichen Leben.

Pandemie der Dummheit

Der Luther schaute dem Volk aufs Maul, damit er so schrieb, dass die Leute es auch wirklich lesen wollten und auch wirklich verstanden. Das deutsche Kabarett spiegelte einst die Probleme der Zeit so wider, dass man, wie von Stachelschweinen gepiesackt, aufgeweckt und zum Denken angeregt wurde – ein Prozess, der heute, auch offiziell, nicht mehr erwünscht ist. Wir erleben eine unaufhaltsam grassierende Verblödung der Weltbevölkerung, gegen die es keinen Impfstoff gibt. Das Virus kommt und geht. Ob das mit der Verblödung sich ähnlich verhalten wird, muss wohl leider stark bezweifelt werden.

Aber Sie können auf keinen Fall behaupten, Sie hätten nicht gewusst, was sich da gerade, hier und heute, vor Ihren Augen abspielt. Der Christoph Sieber sprach den Text vor 9 Jahren. Der Warren Buffett sprach seine Worte vom Krieg Arm gegen Reich im Jahre 2005. Er erklärte das hübsch und sagte voraus, dass die Klasse der Reichen den Krieg gewinnen wird. Und hat er nicht recht gehabt?

Was haben die Leute nicht einst gelacht, wenn sie Pispers und Schramm zuhörten. Nur die wenigsten bekamen mit, dass die das alles wirklich ernst meinten. Das war keine Unterhaltung. Das war Aufklärung! Da sprachen Propheten.

Wäre ich Pispers, ich hätte auch irgendwann das Handtuch geworfen. Denn irgendwann ist doch alles gesagt. Und es ist alles gesagt. So wie auch inzwischen eigentlich alles geschrieben wurde. Wenn Sie die aktuelle Situation der Herrschaft des Neoliberalismus verstehen wollen, des Schweinesystems unserer Zeit, dann haben Sie die Wahl unter Tausenden von Büchern. An den Büchern liegt es nicht, wenn Sie bildungsresistent sind. Und auch nicht an den Kabarettisten.

Das Problem mit der Eigenverantwortung

Ich bin der Meinung, dass es keinen Sinn mehr macht, Bücher der Aufklärung zu schreiben. Noch einmal: Es ist alles gesagt. Alles geschrieben. Aber leider ist die stillschweigende Vereinbarung im Lande, dass die Verlage weiterhin solche Bücher drucken dürfen. So wie auch, nach wie vor, Demonstrationen stattfinden dürfen. Warum? Weil sie harmlos sind. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass diese Bücher und diese Demonstrationen irgendetwas verändern werden in deutschen Landen. Demonstrationen sind ein ähnliches pseudodemokratisches Instrument wie Wahlen, über die Herr Kurt Tucholsky vor über 100 Jahren der Welt offenbarte, dass sie völlig sinnlos seien. Aber niemand hörte und hört auf ihn. Tucholsky, von Beruf Prophet.

OK, ich bin auch für Demonstrationen. Klar. Aber man muss eiskalt erkennen, dass Demonstrationen nicht die Lösung sind und auch nicht letztendlich auf eine Lösung hinauslaufen. Es wird doch nicht eintreten, dass eines Tages fünf Millionen in Berlin demonstrieren, Frau Merkel schaut aus dem Fenster und sagt dann zum Volke: „Ok, ich sehe ein, es ist Zeit, abzutreten. Ich hol meine Koffer aus dem Keller. Gebt mir doch bitte noch drei Tage zum Packen.“ Das wird nie passieren.

Die dumme Sache mit der Demokratie ist leider, dass die richtige Demokratie den mündigen Bürger voraussetzt, also einen Bürger mit Eigenverantwortung, der sich für sich selbst und für die Gemeinschaft zu engagieren bereit ist, ein Bürger, der schlicht und einfach keine Berufspolitiker mehr braucht, die bekanntlich unsere Interessen, selbst unsere Grundrechte, für ihre Karrierewünsche missbrauchen. Aufgeklärte und verdammt wütende Bürger braucht das Land. Wie uns der Herr Sieber im obigen Text aufzeigte, geht die Entwicklung in Deutschland aber gerade in die umgekehrte Richtung.

Ich bin stark dafür, dass Menschen, die sich nicht für das Gemeinwohl einsetzen wollen, denen Gemeinschaft völlig egal ist, dass die zwar toleriert werden, aber nicht in Entscheidungen eingebunden werden sollten, die die Gemeinschaft betreffen. Die machen eben ihr eigenes Ding, und das ist auch in Ordnung, solange sie die Rechte der anderen respektieren. Wir können doch nicht jeden durchgeknallten Millionär einbuchten, nur weil der leider geldsüchtig ist. Das ist wie mit Drogen. Der braucht den Zaster nun mal, sonst dreht er durch.

Die Idee von nur einem Kamm und alles darüber scheren, ist Käse

Spätestens seit der sogenannten Wiedervereinigung haben wir gelernt, dass man eben nicht alles über einen Kamm scheren sollte. Und wenn doch, dann hätte man zumindest die Leute fragen müssen ob sie damit einverstanden wären.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Es gibt ja wohl kein Naturgesetz, das unumkehrbar festlegt, dass vom Menschen geschaffene Fehler nicht auch von Menschen wieder korrigiert werden können. Sie können. Allerdings wird das kein Zuckerschlecken werden. Denn die aktuell Mächtigen dieser Welt sind vehement gegen eine Veränderung des Paradieses für ein paar Auserwählte.

Und damit kommen wir zurück zu den Propheten. Wenn der Prophet Warren Buffet, einer der reichsten Männer auf Erden, den Sieg seiner Klasse voraussagt, dann sollten wir ihm zuhören. Der Mann ist intelligent. Und seine Vorhersage scheint doch tatsächlich einzutreten. Allerdings in einer Art und Weise, die sich eben ein wenig anders einstellt, als wir das erwartet hatten. Denn er hätte doch gestern Abend sagen können: „Seht ihr, wir haben tatsächlich gewonnen. Und jetzt, jetzt lasset uns teilen und gemeinsam glücklich sein.“ Aber das hat er nicht gesagt. Er und seine Genossen, diese Ganoven, die wollen uns rücksichtslos unterwerfen, ausbeuten und, wenn es sein muss, vernichten. Gnadenlos.

Wir erleben momentan die systematische Zerstörung aller westlichen Gesellschaften, die Auflösung von Solidaritäten, bei gleichzeitiger Etablierung von machtvollen Netzwerken, die alle von der Klasse der Reichen etabliert, finanziert und kontrolliert werden. Privatisierung ist das Stichwort. Und da der Staat indirekt auch mittlerweile privatisiert ist, hat die Gemeinschaft der Bürger keine Möglichkeit mehr, sich gegen die Übertragung aller Macht in die Hände einiger weniger finanziell sehr reicher Männer und Frauen (fast ausschließlich Männer) zu wehren. Da können Sie demonstrieren bis Ihre Sandalen dampfen.

Von der Arroganz der Macht

Mindestens 80 % der klügsten Köpfe auf Erden arbeiten für die Eliten, für die Herrscher dieser Welt. Diese Form von Übermacht ist dermaßen überwältigend, dass der Warren Buffet, in gemütlicher Stimmung, ohne Vorbehalt die Wahrheiten ausplauderte, die doch eigentlich geheim bleiben sollten. Aber er weiß, dass die Situation der Gegenseite hoffnungslos ist. In seiner Arroganz, von Mitleid würde ich nicht sprechen, in seiner Arroganz spricht er offen aus, was mit uns geschieht. Denn wir sind ohnehin entweder zu dämlich, die Konsequenzen seiner Ausführungen zu verstehen oder/und dagegen etwas als Alternative aufzubieten.

Die Arroganz der Macht. Jean–Claude Juncker, einst Präsident der Europäischen Kommission. Zitat: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Das sagte der Mann 1999. In aller Öffentlichkeit. Und keiner schmiss ihn raus. Warum nicht? Nun, der Mann ist ein Handlanger der Eliten, der ist geschützt, an den kommen Sie nicht heran. Kein Gericht der Welt kann den verurteilen.

Macht ist eine Form von Energie

Politiker haben Macht. Gerichte haben Macht. Medien haben Macht. Macht ist eine Form von Energie. Die Eliten verstehen, mit dieser Energie umzugehen, sie zu kontrollieren und wirkungsvoll einzusetzen. Wir, die Unterlinge, hingegen verschleudern Energie. Da kommen Hunderttausende von Menschen zu Demonstrationen, vielleicht sogar Millionen, eine unglaubliche Ansammlung von Energie, aber sie wird immer und immer wieder zerstreut. Wohingegen sie bei den Eliten auf ein konkretes Ziel ausgerichtet, wie bei einem Laser gebündelt sein muss. Effektivität! Die richtigen Dinge tun. Effizienz! Die Dinge richtig tun. Nein, das ist kein intellektuelles Wunderwerk. Das ist simple Logik. Laser. Verstehen Sie? Ganz einfach. Es ist wirklich ganz einfach.

Allerdings bedarf es eines neuen Denkens unter uns, dem tumben Volk. Wie gesagt, wir haben nur 20 % der Denkleistung auf unserer Seite. Ich habe das in einem Buch beschrieben, das allerdings kein Verlag im Jahre 2021 herausgeben will. Weil es kein Buch ist, so wie man gemeinhin Buch definiert. Wenn Sie einem Verlag ein Buch anbieten, dann hat der Verlag eine konkrete Vorstellung von einem Buch. Sollte Ihr Buch diesen Vorstellungen nicht entsprechen, dann wird das nichts. Die schicken Ihnen die tollsten Begründungen, warum das Buch entweder nicht in den Verlag passt oder irgendwelchen Regeln widerspricht, denen sie anhängen und so weiter. Keiner, nicht einer von all diesen Verlagen hat bisher verstanden, dass es nicht darum geht, sondern um die neue Umsetzung von Energie in hoch effektiver Form, ohne dass die Mistgabeln aus den Museen herausgeholt werden müssen.

Die Verlage denken, dass sie noch weitere 10 oder 20 Jahre wie bisher weitermachen können in ihrer Welt der Illusionen. Die leben in der Welt von gestern. Dabei haben unsere Feinde längst die Zukunft erfunden. Die Verlage wurschteln weiter vor sich hin, machen schöne Bücher, bewegt von den Gesetzen von Ästhetik, konventioneller Logik und all den millionenfach durchgeleierten Regeln, die sie brav gelernt haben. Da wird das nichts mit Revolution. Bücher erklären normalerweise. Aber wir brauchen Bücher, die eine Handlungsanweisung sind, die zur Tat anleiten, herausgegeben von Verlagen, die kapiert haben wie so ein verdammter Laser funktioniert.

An den Propheten hat es nie gelegen

Die Germanen vor zweitausend Jahren schrieben keine Bücher. Aber sie hatten eine Schrift. Die Runen. 24 Zeichen. Rune bedeutet „Geheimnis“. Die 24 Runen waren heilig, sie enthielten die Kraft der Götter. Die Frage der Germanen lautete: „Was wollen die Götter, das wir tun?“ Uns ist dieses Verständnis von Schrift verloren gegangen. Wenn Sie im Jahre 2021 ein Buch schreiben und es ruft nicht zur Tat auf, dann haben Sie in der heutigen Zeit Ihre Berufung verfehlt.

Es geht nicht darum, dass demnächst zehn Millionen in Berlin demonstrieren. Es geht darum, deren Energie in eine einzige Tat umzusetzen. Friedlich. Machtvoll. Unaufhaltsam. So haben es Warren Buffet und seine Gangsterkollegen gemacht. Und so müssen wir es machen. Friedlich. Intelligent. Machtvoll. Unaufhaltsam. Dann kann der olle, arme, geldbesessene, kranke Buffett auf seiner Ukulele herumklimpern und täglich seinen Zaster zählen. Wen wird das noch interessieren?

Es hat immer Propheten gegeben. An den Propheten hat es nie gelegen. Wenn Sie mir nicht glauben, dann schlagen Sie mal in der Bibel nach. Der Mensch ist ein seltsam Wesen, ein Widerspruch in sich. Er ahnt oder weiß gar, was er tun muss, aber er tut es nicht. Er ist sich selbst der größte Feind. Vor allem heute. Er muss doch endlich seine Souveränität zurückfordern, die er an diese Verbrecher abgegeben hat. Aber das zu erkennen, scheint nicht so einfach zu sein. Und dann, dann muss er seinen Arsch hochkriegen. Es braucht wirklich nicht viel Anstrengung, aber ohne diesen Arsch in Bewegung, ohne die Umsetzung der Energie von Millionen von Ärschen in gebündelte Energie, wird das alles nichts. So einfach.

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Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Ist es nicht beeindruckend, wie Hans-Jürgen Geese vom anderen Ende der Welt die Lage auch in Deutschland treffend analysiert? Da können wir Ihnen nur empfehlen, das Werk desselben Autors zu genießen. Mit dem Titel „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ spannt Geese den Bogen von Neuseeland zu Deutschland. Seine messerscharfen Analysen zeigen auf, wie die Bürger weltweit von den immer gleichen Akteuren mit den immer gleichen Methoden unterdrückt und ausgebeutet, ja zu Sklaven gemacht werden. Täuschen Sie sich nicht. Was Geese in Neuseeland wie unter dem Brennglas aufzeigt, findet auch in Deutschland statt. Es ist nur nicht so leicht zu erkennen. „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ ist erhältlich im Buchhandel oder bestellen Sie Ihr Exemplar direkt beim Verlag hier. Und um auf obigen Artikel Bezug zu nehmen: Dieses Buch enthält Handlungsvorschläge. 

Hier können Sie eine Rezension zu diesem Werk ansehen: 
https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2020/ausverkauf-vom-traum-neuseeland-wie-ein-bluehendes-land-verramscht-wurde/ 

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