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Der Islam und das US-Wahlrecht haben ein Problem: Reformunfähigkeit

Von Peter Haisenko 

Anfang des 20. Jahrhunderts hat eine Krankheit um sich gegriffen, die die Zeit bis heute verseucht hat: Der „Denkmalschutz“ im weiteren Sinn. Obwohl Wissenschaft und Technik Fortschritte in nie dagewesenem Ausmaß und Tempo gemacht haben, dürfen dem angepasste Veränderungen nicht vorgenommen werden.

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten. Will man folglich verstehen, warum dies und das in der Gegenwart „geschieht“, muss man nach der Wurzel, nach dem Ursprung suchen. Wenn das gefunden, verstanden ist, wird meist unverständlich, warum an alten Zöpfen so beharrlich festgehalten wird; warum Verfahren und Vorschriften nicht reformiert werden. Ich beginne mit dem Islam.

Überkommene Regeln im Koran bestimmen den Islam

Alkohol und Schweinefleisch sind verboten im Islam und die Beschneidung ist ein heiliges Ritual. Warum ist der als schädlich benannte Konsum von Tabak nicht verboten? Ganz einfach: Zu Zeiten Mohameds gab es keinen Tabak in der alten Welt und Rauchen war unbekannt. Mohamed konnte seinen Jüngern gar nicht verbieten, was er selbst nicht kannte. Über das Alkoholverbot muss nichts weiter gesagt werden. Aber wie steht es mit dem Schweinefleisch und der Beschneidung? Schweine können Trichinen haben, die den Mensch bei Verzehr befallen können. Das haben wohl weise Männer schon frühzeitig erkannt und noch einen weiteren Zusammenhang. Trichinen können die Hoden besiedeln und Männer unfruchtbar machen. Seid fruchtbar und mehret euch, geht dann nicht mehr. So einfach ist das.

Die Beschneidung ist eine lebenserhaltende Schutzmaßnahme für Wüstenbewohner. Wer oft monatelang zu wenig Wasser zum Waschen der intimen Regionen hat, läuft Gefahr, sich eine gefährliche Entzündung unter der Vorhaut zuzuziehen, die ebenfalls eine Gefahr für die Fruchtbarkeit sein kann. Seiet fruchtbar...siehe oben. Die täglichen Regeln der Hygiene werden also im Koran gelehrt, inklusive der häufigen Waschungen. Zu Zeiten Mohameds war der Koran unter anderem eine Anleitung zum Erhalt der Gesundheit und der Zeugungsfähigkeit, ebenso wie das rituelle (Heil-)Fasten Ramadan. Allerdings ist das Wissen seither fortgeschritten und die ehedem lebenserhaltenden Regeln könnten reformiert werden. Genau das findet nicht statt. Nichts darf verändert werden und die Tendenz ist eher so, dass fundamentalistisch die besonders strenge Einhaltung überkommener Regeln gefordert wird. Der Islam ist der Moderne nicht angepasst worden.

The Winner Takes it All

Nun zum US-Wahlrecht. Das ist ein echtes Relikt der Zeit vor 1900. Als die amerikanische Verfassung am 17. September 1787 verabschiedet wurde, dauerte eine Reise vom einen Ende der 13 Gründerstaaten zum anderen mehrere Wochen bis Monate. Selbst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als schon Eisenbahnen vom Atlantik bis zum Pazifik unterwegs waren, war die Reise vom äußeren Westen bis Washington noch sehr beschwerlich und dauerte immer noch Wochen. So erklärt sich das Wahlsystem mit den Wahlmännern und die vorgeschriebenen Fristen, zwischen Wahl, Versammlung der Wahlmänner und schließlich nach zwei Wochen der Vereidigung des neuen Präsidenten. Kann das noch als zeitgemäß gesehen werden, in Zeiten von Düsenflugzeugen und Internet?

Auch das System, dass die Wahlmänner, oder sollte man heute besser geschlechtsneutral Wahlleute sagen, geschlossen nur für einen Kandidat stimmen dürfen, ganz gleich, wie knapp das Ergebnis war, erklärt sich so halbwegs. Allerdings sollte dabei nicht vergessen werden, dass die amerikanische Verfassung stark von Menschen geprägt wurde, die im angelsächsischen Denken verhaftet waren. Dort gilt nämlich: „the winner takes it all“. In anderen Worten: Nur ein totaler Sieg, ein vernichtender Sieg über den Gegner, ist ein Sieg. Kurz und gut, das amerikanische Wahlsystem ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten und müsste dringend reformiert werden – wie der Islam.

Da gibt es aber noch das amerikanische Rechtssystem. Es ist dem englischen angelehnt und es ist ein System der Rechtsfortschreibung. Das heißt, Gesetze als solche sind nicht unbedingt bindend für Gerichte. Man kann sich auf uralte Urteile berufen, auf Entscheidungen, die ohne weiteres 150 Jahre oder älter sein können. So ist das Studium der Rechtswissenschaften in USA mehr ein Auswendiglernen alter Urteile, die man dann dem Gericht vorhalten kann. Jeder Richter scheut sich, ein altes Urteil als obsolet zu bezeichnen und mit einem eigenen neue Standards zu setzen.

Die USA sind ein Mischmasch der Kulturen aus aller Herren Länder

Da kann ein Europäer, nein, kein Brite, nur ungläubig den Kopf schütteln. Napoleon, der kleine große Franzose, hatte der Welt mit seinem „Code Napoleon“ ein auf Gesetzen basiertes Rechtssystem geschenkt, dass alle Welt – außer eben die englische – dankbar umgesetzt hat. Aber auch das System der Rechtsfortschreibung hatte im jungen Amerika, in der Abgeschiedenheit des „Wilden Westens“, durchaus seine Berechtigung, seine Vorteile. Ebenso wie die absolute Macht der Richter, die weniger Gesetzen verpflichtet waren, als ihrem Rechtsempfinden. Nur leben wir jetzt im 21. Jahrhundert und auch dieses System ist überfällig für eine Grundrenovierung – wie der Islam.

Der Islam ist die jüngste Religion von Bedeutung, wie die USA der jüngste Staat sind. Es ist bekannt, dass die USA von Anfang an unter dem Mangel an jahrhundertealten Traditionen und Werten leiden. Die Geschichte der weißen Amerikaner ist eine kurze und sie ist geprägt von Gewalt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie zum Beispiel die Sklavenhaltung und die Vernichtung der Ureinwohner. Da kann man durchaus Parallelen sehen zum Islam. Ist es also der Mangel an eigener Geschichte, an eigenen jahrhundertealten Traditionen, der das verbissene bis irrsinnige Festhalten an dem Bisschen selbst Geschaffenen erklären kann? Verwandt mit dem allgegenwärtigen Vaterkomplex, der in zu vielen Hollywoodproduktionen thematisiert wird?

In den USA gibt es keine indigene Kultur oder Tradition, die in der heutigen Gesellschaft von Bedeutung wäre. Das Erbe der „Indianer“, die man in Reservate verbannt hat, wurde solide ausgerottet. Es gibt überhaupt keine eigenständig gewachsene Kultur. Es ist ein Mischmasch aus den Kulturen der Zuwanderer aus aller Herren Länder. Aber auch diese Kulturen sind nicht unbeschädigt dort angekommen. So ist es nicht verwunderlich, dass manch einer im Zusammenhang mit den USA vom Fehlen jeglicher Kultur spricht. Auch hier kann eine Parallele zum Islam gesehen werden. Mohamed hat sich für den Koran bei älteren Religionen bedient. Er erkennt sowohl das Alte Testament als auch Jesus in seinen Lehren an. Ist es also ein Mangel an eigenständiger Kultur, der notwendige, zeitgemäße Reformen verhindert?

Es gibt echten Reformbedarf, um den Anforderungen der Gegenwart zu genügen

Werfen wir dazu einen Blick auf das Judentum, das zu den ältesten Religionen zählt. Obwohl auch dort streng auf Traditionen geachtet wird, hat das Rabbinat seine Auslegungen der Vorschriften stets den Notwendigkeiten der jeweiligen Moderne angepasst. Das zeigte schon manche Skurrilität, hielt die reine Lehre aber stets auf einem in der Gegenwart praktisch funktionsfähigen Niveau. Ich erwähne hierzu das „koschere Kondom“. Als AIDS 1986 zum Problem wurde und Kondome davor schützen konnten, hat das Rabbinat das koschere Kondom für Strenggläubige zur Benutzung erfunden und freigegeben. Der Witz dabei ist, nein das ist kein Witz, dass dieses Kondom mit einem winzigen Loch an irgendeiner Stelle versehen ist, unter Aufsicht des Rabbinats. Dieses Schummelteil ermöglicht – rein theoretisch – eine Befruchtung und erlaubt so den Verkehr mit Kondomen, der ja eigentlich nur zum Zweck der Fortpflanzung gestattet ist. Ist es also so, dass wirklich alte Kulturen und Religionen eher reformwillig sind als solche, die sich erst eine Tradition erfinden müssen?

Die Wahlergebnisse der letzten Jahrzehnte in USA sind oft kritisiert worden. Da wurde dann angeführt, dass amtierende Präsidenten gar keine Stimmenmehrheit im Volk bekommen haben. Nur die Mehrheit der Wahlmännerstimmen. Auch die vor langer Zeit festgelegten Anzahlen der Wahlmänner für jeden Staat entspricht nicht mehr den aktuellen Bevölkerungszahlen. Es gibt also echten Reformbedarf, um den Entwicklungen und Anforderungen der Gegenwart zu genügen. Das gilt leider nicht nur für die USA. Auch in Deutschland mahnt das Verfassungsgericht Reformen an, was aber von der Regierung einfach ignoriert wird. Nun ja, auch das Konstrukt BRD ist ein ganz junger Staat, der noch dazu die alten Werte und Traditionen der Vorgänger verleugnet. Letztlich gehört auch unsere Form der Demokratie dazu, die ebenfalls noch ziemlich jung ist, aber den Status einer unveränderlichen, geradezu gottgegebenen Religion angeheftet bekommen hat.

Wir sollten in der Lage sein, zeitgemäße Veränderungen zu erarbeiten

Die Welt ist an einem Wendepunkt und Grundreformen sind mehr als überfällig. Überall. Da steht auch das Finanzsystem ganz vorne an, das sich auch nicht auf „alte Werte“ oder gar „Naturgesetze“ berufen kann. Aber auch dem hat man einen quasireligiösen Status verpasst, zumindest was seine Grundkonstruktion betrifft. So wie der überholten US-Verfassung, die auch wie eine Religion gehütet wird. Sind wir denn in der Gegenwart so verblödet, dass wir uns nicht in der Lage sehen, zeitgemäße Veränderungen zu erarbeiten, sondern uns dem als unveränderlich unterwerfen, was Denker der letzten Jahrhunderte vorgedacht haben? Waren das nicht auch Menschen, keine Götter, die eben für ihre Zeit passende Ideen verbreitet haben? Die sehr wohl wussten, dass sie ihre Zeit an die Gegebenheiten der Gegenwart anpassen müssen und dass das ein ewigwährender Vorgang sein muss?

Das unreflektierte Festhalten an überholten „Traditionen“ und Ritualen ist eine Krankheit, die in den letzten Jahrzehnten fortschreitend um sich greift. Es ist eine Bankrotterklärung der Mächtigen und ihrer „Berater“, die sich nicht mehr in der Lage sehen, mit dem Schlamassel umzugehen, das sie selbst angerichtet haben. Das bestimmt ist von unstillbarer Gier und Menschenverachtung. Es sind diejenigen, die zwar ein wenig ahnen, dass sie richtig Mist gebaut haben, aber sich fürchten, das zuzugeben. Die nicht einmal in der Lage sind, Gesetze zu ändern oder einfach abzuschaffen, selbst wenn sie sich als untauglich erwiesen haben. Nichts wird sich ändern, wenn wir nicht selbst die Initiative ergreifen und nahezu die gesamte „Führungselite“ aus den Ämtern jagen. Ganz gleich, welcher Fakultät sie angehören. Nur dann wird es möglich sein, den Islam, das US-Wahlrecht und viele andere Bereiche von der Krankheit des Festhaltens an falschen Traditionen zu befreien und zu reformieren, wo es notwendig ist. Wir sind im 21. Jahrhundert und sollten zeitgemäß leben können. Und es könnte dann ein historisch gutes Leben werden.

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