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„Blitzkrieg“ ohne Krieg

Von unserem neuseeländischen Gastautor Hans-Jürgen Geese 

Sie können das Wort „Blitzkrieg“ überall auf der Welt aussprechen, und die Menschen werden nicken. Sie verstehen. Vielmehr, sie glauben zu verstehen. Dabei ist die eigentliche Bedeutung, der Kern des Konzeptes vom Blitzkrieg, nicht einmal in Deutschland bekannt.

Normalerweise verbinden wir das Wort mit dem Zweiten Weltkrieg, mit dem Angriff der Deutschen Wehrmacht auf Polen, Frankreich und die Sowjetunion. Vor unserem geistigen Auge erscheinen Panzerverbände, die in Kombination mit Stukas in bis dahin unvorstellbarer Geschwindigkeit die feindlichen Verbände zerschmettern und dann unaufhaltsam weiter vordringen, so schnell, dass die Reaktion des Gegners auf einen Angriff durch die Schaffung von neuen Tatbeständen bereits überholt ist. Die Deutschen sind schon längst woanders.

Wenn Sie sich damals die Ausgangslage, vor dem Angriff der Wehrmacht im Westen im Mai 1940, angeschaut hätten, dann hätten Sie als Außenseiter wahrscheinlich die Chancen eines Sieges für die Deutschen als sehr gering eingeschätzt. Auf der Gegenseite hatten Frankreich, Belgien, die Niederlande und Großbritannien fast doppelt so viele Soldaten wie Deutschland, 50 % mehr Panzer, 90 % mehr Artillerie, selbst bei den Flugzeugen (Bomber und Kampfflugzeuge) hatten sie eine leichte Übermacht. Die erste Schlacht begann am 10. Mai 1940. Am 25. Juni war alles vorbei. Nicht nur die Deutschen, die ganze Welt staunte. Wie war so etwas überhaupt möglich?

Wenn Sie den kurzen Zeitraum der Wiederbewaffnung nach 1933 und die sehr beschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten Deutschlands in Betracht ziehen, wird es nicht überraschen, dass die deutschen Panzer und die deutschen Flugzeuge den Waffen der Gegner technisch nicht überlegen waren. Im Gegenteil. Panzer 1 und Panzer 2 waren relativ leicht auszuschalten. Bewaffnung und Panzerung gehobener Durchschnitt. Etwa 80 % der Deutschen Soldaten gehörten zur Infanterie. Die gingen zu Fuß. Die Motorisierung konnte nicht allumfassend sein, wie bei den Engländern zum Beispiel. Aus einem einfachen Grund: Die Deutschen hatten nicht viel Benzin. Also, wie um alles in der Welt konnten die Deutschen dann, trotz all der Beschränkungen und anfangs meistens mittelmäßiger Ausrüstung, die Alliierten innerhalb von sechs Wochen in die Knie zwingen?

Lernen von Napoleon

Es ist eigentlich erstaunlich, dass nicht die Franzosen von den Kriegskünsten Napoleons lernten, sondern die Preußen. Nach den verheerenden Niederlagen gingen die Preußen gnadenlos mit sich ins Gericht, analysierten ihre Schwächen und suchten nach den Stärken des Feindes. Sie fanden heraus, was die Armee Napoleons so erfolgreich machte. Und dann, dann verbesserten sie das Konzept, so, dass sie gegen jede Armee der Welt unschlagbar waren.

Die erste Verbesserung bestand darin, einen unabhängigen Generalstab zu bilden, der für die Entwicklung von Strategien zuständig war. Und für die Analyse des Status Quo. Also für Kritik! Vor allem der Ergebnisse von Manövern. Nach dem Sieg gegen Polen wurde nicht gefeiert, sondern analysiert, gelernt und schonungslos kritisiert und verbessert. Wo lagen die Fehler, was lief falsch, welche Schwächen zeigten sich und so weiter? Ohne die Erfahrungen und die Lektionen des Polenfeldzuges hätte der Krieg im Westen wahrscheinlich in einer Katastrophe geendet. Die Deutschen damals logen sich nicht in die Tasche. Vorschläge zur Optimierung von Verhalten und Waffen wurden diskutiert und, wenn praktikabel, zumeist sofort umgesetzt. Es war ein Wettlauf mit der Zeit. Denn Frankreich und England hatten Deutschland den Krieg erklärt.

Eigeninitiative auf dem Schlachtfeld wird ermutigt

Die zweite Verbesserung, eigentlich eine Revolution: Die Truppen Napoleons operierten in hohem Grade unabhängig von einer zentralen Kommandostelle. Selbst der einzelne Soldat konnte sich in einem Maße auf dem Schlachtfeld frei bewegen, das für die preußischen Soldaten einfach undenkbar war. Die Preußen paradierten auf dem Schlachtfeld in Formation und wurden von den Franzosen in Deckung wie auf dem Schießbudenplatz abgeknallt.

Jetzt kommt der entscheidende Punkt: In der englischen und französischen Sprache gab es ein einziges Wort für „Befehl“ in der Armee. In der deutschen gab und gibt es zwei. Wenn Sie, wie ich, einst bei der Bundeswehr waren, erinnern Sie sich bestimmt an das Konzept der „Auftragstaktik“. Einen Befehl müssen Sie als Soldat wortwörtlich ausführen. Bei einem Auftrag bleibt es letztendlich dem ausführenden Offizier oder sogar dem einfachen Soldaten überlassen, wie er den Auftrag im Einzelnen erfüllt. Er kennt den Auftrag und passt, trotz Vorgabe, die Ausführung gegebenenfalls an die Situation an, die er auf dem Schlachtfeld vorfindet. Denn das Geschehen auf dem Schlachtfeld ist niemals vorhersehbar. Eigeninitiative wird ermutigt.

Im Zweiten Weltkrieg waren die deutschen Waffen zum großen Teil Mittelmaß, wobei sie sich im Laufe des Krieges verbesserten. Die Deutschen Soldaten hingegen waren die besten Soldaten, die die Welt je gesehen hatte. Sie kamen aus einem Land mit einem guten Schulsystem, waren extrem fit, sehr gut ausgebildet, hoch motiviert und durften ihr Ego, ihre Kompetenz, in Eigeninitiativen austoben. Das war für Männer wie Guderian oder Rommel ein Traumszenarium.

Im Krieg, wie auch sonst im Leben, wollen Sie die Initiative auf Ihrer Seite haben, das Geschehen bestimmen und die Gegenseite zum Reagieren verurteilen. Im Idealfall diktieren Sie das Geschehen. Selbst unter nicht idealen Bedingungen werden Sie einen Weg finden, Ihr Ziel zu erreichen. Solch eine derart entfesselte Armee ist nicht aufzuhalten. Solange sie die materiellen Güter erhält, die nun mal für die Kriegsführung notwendig sind. Daran haperte es bei den Deutschen allerdings von Anfang an. Wie Albert Speer in Nürnberg sagte, hätte eigentlich der Krieg spätestens 1943 zu Ende sein können, wenn die Alliierten die Ölversorgung der Deutschen zerstört hätten. So einfach. Aber, wie auch im Ersten Weltkrieg, geschah das erst, nachdem die Amerikaner ernsthaft in den Krieg eingegriffen hatten. Ein wahrlich seltsamer Zufall.

Eine bleierne Resignation liegt über Deutschland

So war das einst in den Zeiten des Hades. Ein sinnloser Krieg begann, mit exzellenten Soldaten, von denen Millionen sinnlos geopfert wurden. Die Blüte einer ganzen Generation, begraben auf den Friedhöfen Europas. Was für ein Wahnsinn doch der Krieg ist. Aber Respekt sollten wir diesen meist sehr jungen Menschen zollen, die doch alle ihre Träume von einem langen Leben hatten. Sie hatten schon aufgrund der wirtschaftlichen Fakten nie eine Chance, diesen Krieg zu gewinnen. Es ist unglaublich, dass sie es dennoch beinahe geschafft hätten.

Wenn Sie heute sich das Gelaber dieser Bundeskanzlerin anhören, dieses Gewäsch von „alternativlos“, dann können Sie schon allein daran erkennen, wie tief dieses Land gesunken ist. Probleme werden nicht mehr angegangen, geschweige denn gelöst. Eine bleierne Resignation liegt über dem Land der Deutschen. Die Negativauslese der Dichter und Denker peinigt ein ganzes Volk, das nicht einmal wagt, dagegen aufzustehen und das Gesindel in die Wüste zu schicken. Stellen Sie sich einmal vor, was die Deutschen von 1940, in Grauen, vom Himmel aus hier unten sehen? Erschüttert und voller Gram und Trauer werden sie sich in Tränen abwenden von einem Land, das ihnen doch so viel bedeutete. Man kann sich als Deutscher heute eigentlich nur schämen im ehrenvollen Angedenken an diese Männer.

Das kollektive Gedächtnis der Deutschen

Kultur ist mehr als nur eine gemeinsame Sprache. Kultur ist vor allem das Gedächtnis eines Volkes über einen langen Zeitraum. Man nennt das heute ein kollektives Gedächtnis. Das kollektive Gedächtnis der Chinesen geht mindestens 5.000 Jahre zurück. Und die Chinesen sind sehr besorgt um dieses kollektive Gedächtnis. Jede neue Generation lernt die Weisheiten der Vorfahren, lernt die chinesische Geschichte in Einzelheiten, verehrt die Vorfahren und ist stolz darauf, zu dem Volk der Chinesen zu gehören.

So etwas würde niemand in der Öffentlichkeit in Deutschland über Deutschland und die Deutschen sagen. Dennoch ist es so: Auch die Deutschen verfügen über ein kollektives Gedächtnis, das Tausende von Jahren zurück reicht. Was unsere Vorfahren einst erlebten, was sie lernten, was sie erlitten, was sie dachten, wurde auf die folgenden Generationen übertragen und lebt in uns weiter. Aber dieses Erbe soll nicht nur nicht gepflegt, es soll in uns allen zerstört werden. Für immer.

Was den jungen Deutschen heute eingetrichtert wird, ist, dass sie lediglich als Individuum zählen, dass sie als unbeschriebenes Blatt auf diese Welt kamen, dass sie sich die von Pseudoautoritäten vorgegebenen Regeln des aktuellen Geschehens auf Erden aneignen sollen, das Beste aus ihrem Dasein hier machen und dann folgenlos im Tode wieder verschwinden. Und natürlich sollen sie vor allem das Leben genießen, sich amüsieren, konsumieren, Suchtverhalten entwickeln. Und sich unbedingt anpassen, einordnen, gehorchen. Vergesst eure Ideale und Spinnereien. Dieses eine Leben ist alles was ihr habt. Mit dem Tode ist dann alles vorbei. Einen Gott gibt es nicht. Geschichte braucht ihr nicht zu lernen. Denn die hat mit euch ohnehin nichts zu tun. Den Sinn des Lebens braucht ihr nicht zu suchen. Den gibt es nämlich nicht. Du, als Mensch, du bist nichts weiter als Mittel zum Zweck. Fremdbestimmt. Und, wehe, du sagst das. Muck bloß nicht auf. Wer denkst du wer du bist? Du bist nicht mehr als ein total verblödeter Sklave. Du weißt nichts. Du verstehst nichts. Also halt bloß die Schnauze!

Der „Blitzkrieg“ wahrer Demokraten ist unsere Zukunft

Die Amerikaner sehen sich als das auserwählte Volk Gottes. Die Juden ebenfalls. Auch die Chinesen. Und wer will es ihnen verübeln, solange sie ihren Anspruch nicht per Gewalt durchsetzen und die anderen ausmerzen wollen? Die Amerikaner, die Juden, die Chinesen, die sagen das in aller Öffentlichkeit. Und keiner regt sich darüber auf. Auch die Russen sind übrigens sehr stolz auf ihre Kultur und ihre Geschichte und schauen voller Verachtung auf den dekadenten Westen.

Nur die Deutschen dürfen Ähnliches nicht sagen. Ist das nicht seltsam? Dabei haben wir doch eine erstaunliche Kultur vorzuweisen, eine ungemein reiche Geschichte. Mit einer langen Tradition von Gemeinökonomie. Und wir verfügen über die umfassendste, präziseste, filigranste, gefühlsschwerste, tiefgehendste und auch logischste Sprache auf Erden. Eine Sprache wie geschaffen für Genies. Und das soll alles nichts gelten, wegen 12 Jahren? 12 Jahre in Tausenden? Was haben der Goethe oder der Kant oder der Schiller mit jenen 12 Jahren zu tun? Und wann wird das endlich alles vorbei sein? Wann dürfen wir uns wieder wie die Amerikaner oder die Chinesen verhalten? Nie wieder?

Sie sehen schon, wenn Sie ein paar doch so offensichtliche Fragen stellen, dann offenbart sich der ganze Wahnsinn. Allerdings, wir müssten doch, von uns aus, durch Eigeninitiative, erwachsen genug sein, unser Leben endlich wieder selbst zu bestimmen, nach 76 Jahren. Die Amerikaner kontrollieren was in Deutschland passiert. Und wir lassen das mit uns machen. Die behandeln uns wie Sklaven, weil wir uns so behandeln lassen. Zum Sklavendasein gehören immer zwei.

Es müsste doch mal jemand, ganz höflich, die Amerikaner bitten, unser Land zu verlassen. Und dann machen wir eine Volksbefragung, wählen eine Gruppe von weisen Männern und Frauen, die eine Verfassung ausarbeiten, die dann von der Mehrheit des Volkes angenommen werden muss. Hoffentlich wird es dann keine Parteien mehr geben. Und hoffentlich wird dann wahre Demokratie im Lande ausbrechen. In einem Land mit wirklichen Demokraten. Ohne Armee. Neutral. Und dann werden wir mal so richtig loslegen. Wir sind doch die Meister im Blitzkrieg. Allerdings dann eben ohne Krieg. Das Konzept vom Blitzkrieg ist eigentlich eine Lebensphilosophie. Eine deutsche Lebensphilosophie. Das Konzept von „Zack-zack“ und „nicht kleckern, klotzen“ und unbedingtem Perfektionismus, so wie der liebe Gott sich das vorstellt. Und mit tiefer Demut vor der Natur und unendlicher Dankbarkeit. Ein umfassendes Leben. In den Deutschen steckt eine unglaubliche Kreativität und Schöpferkraft. Die sollten wir austoben. In Frieden und Freiheit. Zum Segen aller. Wir Deutschen sind ein großes Volk.

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Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Ist es nicht beeindruckend, wie Hans-Jürgen Geese vom anderen Ende der Welt die Lage auch in Deutschland treffend analysiert? Da können wir Ihnen nur empfehlen, das Werk desselben Autors zu genießen. Mit dem Titel „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ spannt Geese den Bogen von Neuseeland zu Deutschland. Seine messerscharfen Analysen zeigen auf, wie die Bürger weltweit von den immer gleichen Akteuren mit den immer gleichen Methoden unterdrückt und ausgebeutet, ja zu Sklaven gemacht werden. Täuschen Sie sich nicht. Was Geese in Neuseeland wie unter dem Brennglas aufzeigt, findet auch in Deutschland statt. Es ist nur nicht so leicht zu erkennen. „Ausverkauf vom Traum Neuseeland“ ist erhältlich im Buchhandel oder bestellen Sie Ihr Exemplar direkt beim Verlag hier. 

Hier können Sie eine Rezension zu diesem Werk ansehen: 
https://www.anderweltonline.com/kultur/kultur-2020/ausverkauf-vom-traum-neuseeland-wie-ein-bluehendes-land-verramscht-wurde/ 

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