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Nicht nur in Corona-Zeiten – Am Konjunktiv muss jede Gesellschaft scheitern

Von Peter Haisenko 

Der Konjunktiv wird auch als Möglichkeitsform bezeichnet. Er zeigt aber nicht an, dass etwas möglich ist. Vielmehr schließt er aus, dass etwas unmöglich sein kann. Seit zu langer Zeit werden Handlungsmaximen daran ausgerichtet, auch dem unwahrscheinlichsten Fall vorzubeugen. Das muss letztlich zum Stillstand jeglicher fortschrittlicher Entwicklung führen. Hin zu einer Gesellschaft, die nur noch in Angst vor möglichem Unheil erstarrt ist.

Schon als Jugendliche haben wir den Satz formuliert: „Das Leben an sich ist gefährlich und endet meistens tödlich.“ Weniger humorig betrachtet gilt: Mit jeder Geburt ist unausweichlich ein Tod programmiert. Er ist nur eine Frage der Zeit. Dazu kommt, dass das Leben ohne den Tod sinnlos wäre. Alles wäre aufschiebbar bis ans Ende der Zeit. Nichts mehr wäre von Bedeutung. Für manche Menschen ist die Aussicht auf den Tod auch eine Hoffnung. Nämlich die Hoffnung, dass ihr Elend ein natürliches Ende finden wird. Wer sich vor dem Tod fürchtet, hat in seinem Leben verdammt viel falsch gemacht und weiß, dass er das alles auch getan hat. Wer immer versucht hat, ein „gottgefälliges“ Leben zu führen, muss keine Angst vor dem haben, was nach dem Tod kommen könnte und damit bin ich mitten im Konjunktiv.

Die Fähigkeit des Menschen, Möglichkeiten zu erwägen, ist relativ

Es könnte sein, dass nach dem Tod die Hölle kommt, oder das Fegefeuer oder was sich sonst an „Strafen“ für ein liederliches Leben in Religionslehren finden lässt. Hier wird schon deutlich, wie Menschen schon immer mit der Androhung einer unbeweisbaren Möglichkeit diszipliniert werden sollen. Dieses an sich religiöse Verfahren hat sich schon lange in der Politik etabliert. Allerdings wird es da zumeist umgekehrt verwendet. Die Totschlagsfrage lautet: Können Sie ausschließen, dass dieses oder jenes passieren könnte? Weil es sich hier um eine Möglichkeit handelt, kann die Antwort in den allermeisten Fällen nur ein kurzes „Nein“ sein. Nein, niemand kann ausschließen, dass ein technisches Gerät (z.B. Atomkraftwerk) havariert oder jemand vom Blitz erschlagen wird. Es könnte auch sein, dass die Erde morgen von einem Meteoriten getroffen wird, der alles Leben auf diesem Planeten auslöscht. Ja, es könnte sein.

Ein wesentliches Merkmal des Menschseins ist die Fähigkeit, Möglichkeiten zu erwägen, bevor man handelt. Das beginnt in früher Kindheit, sobald das Kind erkennt, dass seine Handlungen Folgen haben. Der nächste Schritt ist dann, Wahrscheinlichkeiten in eine Entscheidung einzubinden. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich erwischt und bestraft werde, wenn ich den Fernseher trotz Verbot einschalte? Wie wahrscheinlich ist es, dass ich mir wieder die Finger verbrenne, wenn ich nochmals auf die heiße Herdplatte fasse? Diese Art der Erwägungen zieht sich dann durch das gesamte Leben. Allerdings gibt es Bereiche, wo Wahrscheinlichkeiten, Abwägungen und Folgen so komplex sein können, dass sie die intellektuellen Fähigkeiten der Meisten überfordern. Dafür, und nur dafür, haben wir Regierungen, die mit Sachverstand und Unterstützung von Fachleuten nach bestem Wissen und Gewissen Wahrscheinlichkeiten abschätzen und allgemein tragfähige Entscheidungen treffen. Zumindest sollte es so sein.

Juristen treffen keine Entscheidungen – sie verbeißen sich in Spitzfindigkeiten

Besonders in Deutschland haben wir da ein Problem. Nicht ein Ministerium ist besetzt mit einem Fachmann für seinen Bereich. Beinahe überall sind es Juristen und die lösen keine Probleme. (Natürlich gibt es auch Ausnahmen.) Sie schaffen welche, auch wenn es eigentlich keine gibt. Davon leben Juristen. Juristen verbeißen sich in Spitzfindigkeiten. Von ihnen kommt der Terminus, „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“. Dass das in sich großer Unsinn ist, sollte offensichtlich sein, denn es bleibt so oder so nur eine Wahrscheinlichkeit; eine Möglichkeit, die zutreffen kann – oder eben nicht. Was den meisten Juristen fehlt, ist die mathematische Zuordnungsfähigkeit. Nur mit dieser kann eine Entscheidung aufgrund von Wahrscheinlichkeiten qualifiziert getroffen werden.

Juristen sind Feiglinge. Sie treffen keine Entscheidungen, die sie persönlich haftbar machen könnten. Sie verstecken sich hinter Gesetzen, die sie mit aller Spitzfindigkeit so auslegen, dass sie ihren Zielen dienen oder aber juristisch nicht angreifbar sind. Dazu gehört, eben keine qualitativen Abwägungen zu treffen, denn die sind immer angreifbar. Das hat zur Folge, dass wir uns heute in einer Welt wiederfinden, in der auch die geringste Schadenswahrscheinlichkeit zum Anlass genommen wird, Gesetze und Vorschriften so zu gestalten, dass auch diese minimale Möglichkeit möglichst ausgeschlossen werden kann.

Es geht so weit, dass selbst menschliche Dummheit durch Vorschriften unschädlich gemacht werden soll. In Gebrauchsanweisungen füllen folglich die „Warnhinweise“ mehrere Seiten, was man alles nicht mit dem Produkt tun darf, obwohl die meisten davon selbstverständlich sein sollten für jeden, der noch einen Rest an Hirn im Kopf hat. Fehlt aber der Hinweis auf ein völlig verblödetes Verhalten, auf das noch niemand gekommen ist und es kommt zum Schaden, dann sind Juristen wieder in ihrem Element. Sie klagen und die Warnhinweise in den Gebrauchsanweisungen werden noch länger. Hallo liebe Grüne, habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wie viele Bäume für diesen irrsinnigen Papierverbrauch geopfert werden müssen? Auch für den Genderwahnsinn?

Ein Restrisiko bleibt immer – Man muss es nur zugeben

So schön und humanistisch es erscheinen mag, selbst auf die Bedürfnisse der kleinsten Randgruppen Rücksicht zu nehmen, alles auch für die Dümmsten kompatibel zu gestalten: Jede Gesellschaft wird über kurz oder lang an dieser intellektuellen Verengung ersticken, wenn sie übertrieben wird. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn mit der Methode des Ausschließens von imaginären Möglichkeiten Politik gemacht wird. Wie war das mit der Atomkraft? Da gab es ein schweres Erdbeben mit einem Tsunami in Japan. Fukushima. Das nahm die Kanzlerin zum Anlass, entgegen ihrer früheren Überzeugung die Atommeiler in Deutschland stillzulegen. Ging in diese Entscheidung auch nur ansatzweise die Überlegung ein, ob es in Deutschland katastrophale Erdbeben gibt oder gar Tsunamis? Die gibt es natürlich nicht, aber wer könnte das „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ oder überhaupt ausschließen? Damit ist die Diskussion beendet.

In diesem Zusammenhang sollte auch über das „Restrisiko“ gesprochen werden. Dieser Begriff beinhaltet den Versuch, ein mögliches Risiko auszuschließen – Entschuldigung, das ist doppelt gemoppelt, entspricht aber dem allgemeinen Sprachgebrauch. Aber er trägt wieder die Grundüberlegung in sich, dass letztlich nichts, aber auch gar nichts ausgeschlossen werden kann. So sehr man sich auch bemühen mag, es kann nicht gelingen. Wenn aber von einem Restrisiko gesprochen wird, hat man eine Abwägung getroffen. Nämlich die, dass man bereit ist, in diesem Fall das hehre Ziel aufzugeben, vollständige Eliminierung jeglichen Risikos erreichen zu wollen. Geht doch, möchte man ausrufen! Ja schon, wenn es politisch erwünscht ist.

Mit dem Corona-Wahnsinn wird die Kraft der Konjunktive auf die Spitze getrieben. Da hat es „Fachleute“ gegeben, die allein in Deutschland Millionen Tote an die Wand gemalt haben. Nein, sie haben nicht gewagt zu behaupten, es wird geschehen. Das kann niemand, aber genauso wenig kann diese Möglichkeit ausgeschlossen werden. Da liegt der Hase im Pfeffer: Können Sie ausschließen, dass das geschehen wird? Nein, das kann niemand. So ist die Methode. Man stellt eine Möglichkeit in den Raum, so absurd sie auch sein mag, unterlegt das mit Aussagen ausgewählter „Fachleute“ in dem gesicherten Wissen, dass niemand, der ernst genommen werden will, behaupten wird, dass das nicht eintreffen könnte. Es ist ja eine Möglichkeit und eine Möglichkeit bleibt nun mal eine Möglichkeit und das ist unbestreitbar.

Die unumstößliche Wahrheit ist: Jedes Leben endet mit dem Tod!

Die Politik der Vermeidung von Möglichkeiten, die der Konjunktive, hat sich wie Mehltau übers Land gelegt. Man muss einen Maulkorb tragen, weil man die Möglichkeit ausschließen soll, zum Mörder zu werden, indem man seine Oma angesteckt hat. Ja, das könnte geschehen! Aber wie wahrscheinlich ist das? Damit bin ich zurück bei der individuellen Abschätzung von möglichen Folgen des Handelns, die wesentlich ist für das Menschsein. Mit den Corona-Diktaten wird den Menschen genau das verboten. Es ist unter Strafe verboten zu entscheiden, den Maulkorb auf dem Bahnsteig abzulegen, auch wenn sich im Umkreis von zehn Metern oder mehr niemand anderer aufhält. Wer es dennoch tut, wird vor allem aufpassen, ob ein Polizist in der Nähe ist – und allein das ist einer Demokratie unwürdig.

Die Kanzlerin hat gesagt, man müsse die Zügel weiter anziehen. Ja sind wir denn Kinder, die erzogen werden müssen? Oder Herdentiere bar jeden Urteilsvermögens? Das ist nicht neu. Schon während der letzten Jahre war immer wieder zu hören, dass die aufmüpfigen Bürger durch intensivere „Aufklärung“ zur „Vernunft“ gebracht werden müssen. Das ist die Arroganz der Macht, die nicht einmal mehr die über weite Strecken gleichgeschaltete „Vierte Gewalt“ fürchten muss. Es sind die Systemmedien, die die Konjunktive unreflektiert wiedergeben. Die Möglichkeiten wie unausweichliche Fakten präsentieren und jedes Gegenargument mit Adjektiven wie Leugner und Covidioten im Sinne der Regierung abbürsten.

Eine Gesellschaft, die sich Verordnungen und Gesetze gefallen lässt, die mit noch so unwahrscheinlichen Möglichkeiten, mit gezielt gesetzten Konjunktiven begründet sind, ist dem Untergang geweiht. Das ist das Ende jeder fortschrittlichen Entwicklung. Niemand kann sich gegen alle Unwägbarkeiten schützen. Allein der Versuch kann nur in die Agonie führen. Der Schutz des Lebens steht über allem? Vielleicht, aber welche Art von Leben bleibt denn noch übrig, wenn so gut wie jede Entäußerung von Lebensfreude verboten wird? Wie gesagt, jedes Leben endet mit dem Tod, aber bis es so weit ist, wollen wir ein Leben führen, das zu leben lohnt. In diesem Sinn einen Spaß zum Schluss: Fragt ein Mann seinen Arzt: Wenn ich jetzt das Rauchen aufgebe, das Trinken und auch das mit den Mädels, werde ich dann länger leben? Hmmm, sagt der Arzt, das kann ich nicht versprechen, aber es kommt Ihnen sicher länger vor.

Passend dazu empfehle ich dieses erstaunliche Video (4 Min.) von einer ZDF-Sendung, die genau darauf eingeht, wie mit Möglichkeiten, also Konjunktiven, unsere Grundrechte eingeschränkt werden:
https://www.zdf.de/politik/berlin-direkt/berlin-direkt-clip-1-400.html?fbclid=IwAR0jQ7ATldg-A11qmZGYQSWmaH5UQzrRpzyPql6fq2-rz4MMMWp0fIWn600 

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