------------------------------------

-------------------------------------

---------------------------------------

Der tägliche Corona-Kampf in der Altenpflege: Zwischen Empathie und Gehorsam

Dieser Tage ist uns ein bemerkenswertes Dokument zugespielt worden, das wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Es ist der Brief einer Altenpflegerin an einen Freund, in dem sie in sehr eindringlicher Weise von den Ängsten und Nöten der Bewohner berichtet, aber auch von den Ängsten und Nöten der Betreuer. Von der schweren Aufgabe, die sie Tag für Tag in Zeiten von Corona zu bewältigen haben und von den von außen an sie herangetragenen Vorhaltungen, derer sie sich immer wieder erwehren müssen. Lesen Sie selbst: 

Lieber H.W.,

danke für die Zusendung. Sie bestätigt das was ich schon lange weiß erneut. Ich habe mich selbst mit dem Thema: Was sind Viren und speziell Corona-Viren befaßt.

Diese "Pandemie" macht mir keine Angst (der ganzen Familie nicht), obwohl ich im Altenheim arbeite - oder vielleicht gerade deswegen? In unserem Heim gibt es keine Coronafälle und hat auch keiner Angst - also weder Personal noch Bewohner. 

Die Bewohner hatten unter dem Verdikt des Einschlusses im Haus zu Anfang und der Besucherregelung sehr gelitten. Man hat sie wie Kriminelle im Gefängnis gehalten, eigentlich schlimmer, weil die Besuchstage strenger gehandhabt wurden. Mir tun vor allem die Bewohner leid, die im mittleren Demenzstadium sind und das alles zwar von der Logik her nicht mehr verstehen können, aber emotional darunter leiden, daß ihre Kinder und Enkel bzw. Ehepartner nicht mehr kommen. Die Demenzen (2 + 3 Stadium) sind in den Monaten von Ende März bis Ende Mai verschlimmert worden, was dazu geführt hat, daß die im Stadium 3 ihre sie besuchenden Angehörigen nicht mehr erkennen können und wir, das Personal ihre Bezugspersonen sind. Das ist zwar schön für uns, aber traurig für die Angehörigen, die das hilflos macht. Krank wurde keiner - es gab die übliche Quarantäne nach KH Aufenthalten von 2 Wochen, die dann endeten. 

In dieser Zeit des Einschlusses kam kein Friseur/Podologin, keine Krankengymnastik, Arzt nur in wirklich notwendigen Fällen d.h. es gab keine der üblichen Visiten. Gerade die durch Krankengymnasten nicht durchgeführten Lymphdrainagen haben zu Verschlechterungen geführt, da wo sie notwendig sind. Seit 2 Wochen dürfen Angehörige mit ihren Elternteilen spazieren gehen; wir das Personal müssen uns noch immer auf den - glücklicherweise - vorhandenen Garten beschränken. Gerade die Rollstuhlfahrer haben die Ausfahrten immer als schöne Abwechslung gehabt....

Diejenigen die noch klar bei Verstand sind, haben immer wieder im Gespräch betont, daß sie nicht geschützt werden wollen und nicht gefragt wurden. 

Natürlich hatten wir neben strikten Hygienevorschriften auch die Pflicht nur mit Mundschutz zu arbeiten. Kann dir aber sagen, daß wir das sehr lässig tun, außer bei den Bettlägrigen. Die Dementen benötigen neben Nähe auch die Mimik - auch um das erkennen zu erleichtern und zur Kommunikation, das ist nämlich das was sie noch verstehen, da Demenz eben über die Emotionale Schiene verstanden werden muß! Das ist hier nicht anders wie bei kleinen Kindern. Wenn ich also einen Dementen begrüße nehme ich die Maske herunter, damit ich erkannt und wahrgenommen werde. Vorlesen und Singen sind Leistungen die essentiell sind, mit Maske aber schlecht durchführbar - auch für mich selber (CO² !). Jeder von uns Betreuern macht das. Wir gucken halt immer, ob von den Vorgesetzten jemand in der Nähe ist ;-) . Singgruppen im Gerontobereich sollen auf max 6 Personen mit Distanz (!) durchgeführt werden, dabei ist das ein Angebot das im Gerontobereich besonders gut funktioniert - auch für diejenigen die nicht mehr singen und nur noch zuhören. Generell sollen Gruppengrößen so sein. 

Faktisch mache ich aber meine Arbeit so wie immer, die Leute sitzen ja auch wie immer beisammen. Anfangs wurde versucht irgendwie die Distanzregel der Regierung umzusetzen, das ging aber nicht lange, weil sich diejenigen, die dann umgesetzt wurden bestraft und benachteiligt fühlten. Für Heimbewohner ist der feste Sitzplatz so wichtig wie für Christen in der Kirche oder Männer im Stammlokal. Und im beschützenden Bereich ging das sowieso nie, denn da wird viel herumgelaufen und man ißt und trinkt von Bechern und Tellern was grad so erreichbar ist. Isso. Da ißt dann die Muslima schon mal das Wurstbrot :-) - die weiß ja nicht mehr, daß sie ein religiöses Verbot hat. 

Ich hab auch schon die Todesfallzahlen bei Destatis verifiziert - auch schon den "Spezialisten" auf FB aufgezeigt. Einer, er war CEO in einem globalen Konzern und ist BWL/Statistik Fachmann (Zahlenmensch), der versucht - auch mir - immer wieder per Statistikberechnungen aufzuzeigen, daß die Lage ernst ist und das Maskentragen sehr wichtig. Da wird man schon nachdenklich, daß so Intelligente Menschen (er sprach immer wieder von seinem hohen IQ) sich so in die Angstschleife hat treiben lassen. Natürlich weiß ich warum. Er erlitt einen großen Herzinfarkt und ist mit Glück (er sagt wohl Gottes Hilfe, da sehr gläubig) noch mal davon gekommen, es stand Spitz auf Knopf. Gleichzeitig verlor er seinen Vater und so verstehe ich das Trauma insbesondere, weil er Risikoperson ist. Interessant in dem Fall ist - er ist ja nicht der einzige Intelligente meiner Freundesliste - , der Effekt, daß man sich dann immer genau die Statistiken sucht, die sein eigenes Fehldenken beweisen und soviel verstehe ich von Mathematik schon, daß die Statistikrechnungen natürlich auch so angelegt werden können, daß die Zahlen die man gefühlsmäßig sehen will auch so ausgerechnet werden. 

Derzeit kommen ständig Postings die darlegen sollen, daß Schweden alles falsch macht, obwohl es gegenteilige Statistiken gibt und auch die WHO bestätigt hat, daß Schweden richtig liegen könnte, wird das aber so nicht wahrgenommen. Jeder Artikel der also die Sicht unterstützt wird mit Triumpf gepostet. Also klammern sich diese Leute an ihre Wahrnehmung, die für sie Wahrheit/Fakt darstellt. Beide - der andere ist Mediziner! - haben Menschen gekannt die obwohl nicht Risikogruppe und angeblich Pumperlgsund an Corona gestorben sind. Was habe ich mit denen debattiert, wenn ich darauf bestand in "an" und "mit" Corona zu trennen und obwohl das inzwischen die üblichen Formulieren nun sind, hat keiner zu mir ein Wort verlauten lassen, weil....ich Nichtakademiker richtig lag und sie noch nicht soweit sind ihren Irrtum sich selbst einzugestehen, denn: es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ich denke da gibts jede Menge von diesen Leuten. Jedenfalls bei deren Followern, die ihm huldigen. Auch mein eigner Bruder hat mich gescholten und offen die Frage formuliert, ob ich denn nicht längst falsch abgebogen sei und als VT Anhänger Aluhutträger.....vielleicht bin ich auch AfD-Anhänger....man weiß es nicht. Ja er ist auch Herzinfarkt-Geschädigter und leidet unter seinen eigenen Urängsten. 

Jetzt hätte ich ja nun wirklich allen Grund vor dem kommenden Crash, die eigenen Umsatzrückgänge und der Zukunft im Allgemeinen große Ängste auszubilden. Hab ich aber nicht. Ich war noch nie so klar, aber auch ruhig in der Psyche wie aktuell. Ich spare mir die Kraft auf für die unruhigen Zeiten, die da kommen werden. Ich hoffe noch immer, daß die Bürger irgendwann sagen: Nun ist aber mal gut! Ich denke aber wir sind noch nicht auf Grund gelaufen. Ich genieße den Tag und die Stunde, mehr kann man nicht tun. Seit ich im Heim arbeite weiß ich, das zählt! Der Rest wird sich finden.

Ich hoffe es war nicht zu lang für Dich. Bleib gesund weiterhin. Ich bleib es auch. Werde im Herbst wieder Accerola-Zink und Vitamin D nehmen für die Immunität. Mit ersterem habe ich schon 2 Jahre jeder Grippesaison getrotzt. 

Liebe Grüße, Ruth 

Anmerkung der Red.: Um die Authentizität zu wahren, haben wir die in dem Brief vorkommenden Fehler nicht korrigiert.

Nach oben