------------------------------------

-------------------------------------

---------------------------------------

Hongkong, Trump und die ewige Perfidie britischer Außenpolitik

Von Peter Haisenko 

Donald Trump hat die Privilegien Hongkongs annulliert. War das ein Kniefall vor Peking oder eine längst überfällige Maßnahme? Um das beurteilen zu können, muss man tief in die Geschichte Hongkongs zurückblicken.

Überall, wo sich das British Empire (BE) zurückziehen musste, hat es Gewalt und Chaos hinterlassen. So kann festgestellt werden, dass es in der Gegenwart kaum einen Konflikt oder Krieg gibt, der nicht in dem perfiden Treiben der Briten begründet ist. Vor allem das 19. Jahrhundert war geprägt von britischen Übergriffen auf Nationen, die an sich stabil waren, aber sich nicht der Herrschaft des British Empire beugen wollten. Das Ganze spielte sich ab unter Begleitung eines stetig anwachsenden Außenhandelsdefizits der Insel im Nordatlantik. Das hinterhältige Piratenvolk mit Regierung in London konnte seine Zahlungsunfähigkeit nur noch verbergen, indem es mit militärischer Gewalt und überlegenen Waffen immer skrupelloser Nationen weltweit überfallen und unfaire „Handelsverträge“ aufgezwungen hat. Mit dem Deutschen Reich und dem Russischen ging das nicht und deswegen gab es den Ersten Weltkrieg und auch den Zweiten.

Unter der Herrschaft der Briten konnte von „Demokratie“ keine Rede sein

Am Beispiel Hongkong werden die perfiden Strategien des BE in abstoßendster Weise sichtbar. 1699 streckte das BE seine Finger nach China aus und 1711 wurde der erste Handelsstützpunkt gegründet. Bis dahin war alles einigermaßen in Ordnung. Im beginnenden 19 Jahrhundert wurde das Außenhandelsdefizit des BE zu einem Problem. Gerade im Handel mit China – Seide, Porzellan und Tee – konnten die Waren von London nicht mehr ordentlich bezahlt werden. So förderte das BE den Opiumanbau in Bengalen, das auch schon unter seinem Einfluss stand und etwas später in Afghanistan, nachdem es mit Waffengewalt destabilisiert wurde, und „bezahlte“ die chinesischen Waren mit diesem Opium. Zu viele Chinesen wurden abhängig von dem Rauschgift und es kam zum ersten Opiumkrieg, der das Ziel hatte, den Chinesen weiterhin Opium aufzwingen zu können. Damit begann eine Orgie der Gewalt seitens des BE.

Sämtliche „Verträge“ zwischen China und dem BE standen unter dem Diktat der überlegenen Waffen des BE. So sind alle diese Verträge bereits damals eigentlich ungültig. Auch der Vertrag über Hongkong, der 99 Jahre dauern sollte. Mit den Kriegen im Fernen Osten, der Landnahme Japans, kam viel Umordnung in die Gegend. Aber bereits früher gab es in Hongkong massive Aufstände gegen die brutale Ausbeutung durch das BE. Sie wurden gewaltsam niedergeschlagen. 1943 versprach London China, alle „ungleichen“ Verträge aufzugeben. Man wusste also in London Bescheid darüber, dass diese Verträge unter schändlichen Bedingungen erzwungen waren. Doch direkt nach dem Sieg über Deutschland entsendete Churchill Kriegsschiffe nach Hongkong und stellte die Herrschaft über Hongkong gewaltsam wieder her. Man wollte sich nicht an seine Zusagen erinnern. Ist es falsch, wenn man sich da an die NATO-Osterweiterung erinnert fühlt?

In den 1960-erJahren gab es diverse Aufstände gegen die brutale Ausbeutung der Briten, die aber alle gewaltsam niedergeschlagen wurden. Der Auslöser war jeweils die wachsende soziale Ungleichheit. Erst in den 1970-er Jahren kam Hongkong einigermaßen zur Ruhe. Von 1983 an war ich zu oft in Hongkong. Zu oft, weil Hongkong für mich zu den abstoßendsten Plätzen der Welt zählt. Es war immer eine subtile Brutalität spürbar und wirklich abstoßend, wie eng sehr arm neben unanständig reich dahinvegetieren musste. Hongkong hatte bereits damals die höchste „Rolls-Royce-Dichte“ der Welt. Wie es auch anders gehen konnte, durfte man im nahen portugiesischen Macao sehen. Das war einfach eine andere Welt, wie man auch in Indien sehen konnte am Beispiel von Goa, das auch portugiesisch geprägt war.

Die ärmere Bevölkerung hat von der Herrschaft Pekings profitiert

1997 lief der „Pachtvertrag“ für Hongkong aus und da wurde es geradezu absurd. Normalerweise, wenn ein Vertrag endet, dann endet er eben. Offensichtlich nicht, wenn er mit den Briten abgeschlossen war. London bestand darauf, dass Peking Hongkong einen Autonomiestatus garantiert für 50 Jahre. Mit welchem Recht auch immer. Aber zu dieser Zeit profitierte auch China von diesem Status, den es heute nicht mehr braucht. So muss man sich nicht wundern, dass Peking an diesem Status rüttelt. Angeblich hat das zu den Demonstrationen für die „Demokratie“ geführt. Wer auch immer die aktuellen Unruhen in Hongkong angezettelt hat und am Kochen hält muss wissen, dass das eine Chimäre ist. Hongkong hatte noch nie ein politisches System, das irgendetwas mit dem zu tun hat, was wir allgemein unter Demokratie verstehen.

Bis zur Rückgabe an China 1997 wurde der Gouverneur von Hongkong als Regierungschef auf Ratschlag des Foreign and Commonwealth Office vom britischen Monarchen eingesetzt. Bestrebungen zur Einführung freier Wahlen Ende der 1950er/Anfang der 1960er wurden nicht weiter verfolgt. Die ersten Wahlen fanden 1997 statt. Seitdem erfolgt die Gesetzgebung durch den Hongkonger Legislativrat (LegCo) auf Basis des Hongkonger Grundgesetzes (Hong Kong Basic Law). Allerdings besitzt nicht jeder Bürger das gleiche Stimmrecht. Nur die Hälfte der 70 Volksvertreter wird in Wahlbezirken gewählt. Die übrigen Mitglieder der gesetzgebenden Gewalt werden von 28 Berufsgruppen bestimmt. Dabei können die Stimmen von Individuen, zum Beispiel allen Lehrern Hongkongs, aber vor allem von großen Unternehmen vergeben werden.

So ist festzustellen, dass Hongkong erst nachdem es China zurückgegeben worden ist, immerhin etwas Ähnliches wie Demokratie bekommen hat. Unter den Briten gab es das nicht. Da muss man sich schon fragen, was die Demonstranten mit den Regenschirmen meinen, wenn sie für ihre Demokratie auf die Straße gehen. Aber es geht weiter. Mit dem Jahr der Übernahme durch Peking, bekam Hongkong erstmals Gesetze, die Soziales regeln, wie Krankenkasse und Lohnfortzahlung. Nachdem vorher Wohnungen selbst nach Münchner Maßstäben unbezahlbar waren, lebt jetzt ein Drittel der ärmeren Bevölkerung in Sozialwohnungen. Die ärmere Bevölkerung Hongkongs hat enorm profitiert von der Herrschaft Pekings gegenüber den Zuständen, die sie bis 1997 durch die britische Herrschaft erleiden mussten. Es kann nicht sein, dass diese Demonstranten das so schnell vergessen haben. Wer also steckt hinter den Aufständen?

Die Herrschaft der Oligarchen soll nach Pekings Willen ein Ende haben

Peking hat jedes Recht der Welt, alle Verträge mit den Briten und deren Weiterungen und Folgen für nichtig zu erklären. Wie gesagt, sind sie nach Völkerrecht sowieso ungültig, weil sie gewaltsam erzwungen waren. Da ist es nur konsequent und richtig, wenn Donald Trump jetzt die vollständige Herrschaft Pekings über Hongkong anerkennt und die (Handels-)Privilegien für Hongkong annulliert. Aber London mischt weiter kräftig mit. Während 1997 London noch den Bürgern Hongkongs das Recht auf ein Leben in England einfach aberkannt hat, ködert man jetzt Hongkongs Bürger mit genau diesem Recht, das wieder Gültigkeit erhalten soll. Ob das nur für besonders Reiche gelten soll, ist nicht klar, aber Peking ist zu recht erbost. Ja, die Briten konnten schon immer Konflikte am Kochen halten, wenn es ihrer Politik zugute kam.

Ich fasse zusammen: Hongkong hatte erstmals freie Wahlen, nachdem die Briten ihre Herrschaft aufgeben mussten. Bis dahin gab es nichts, was etwas mit Demokratie gemein hatte. Das gab es in keiner britischen Kolonie, aber sie wollen ja die ganze Welt mit Demokratie beglücken? Welch ekelhaftes Pharisäertum! Mit dem Jahr 1997 ist die brutale Ausbeutung von Hongkong beendet worden und es geht dem ärmeren Bevölkerungsanteil deutlich besser. 2002 war ich das letzte Mal dort und konnte das mit eigenen Augen beobachten. So muss ich die Frage stellen, wofür die Demonstranten in Hongkong auf die Straße gehen. Für eine „Demokratie“, die keine ist? Oder wollen sie die alte Gewaltherrschaft zurück, die sie unter London „genießen“ durften? Peking will für Hongkong ein Wahlrecht etablieren, das die Vorherrschaft der Oligarchen abschafft. Weiß man also jetzt, wer hinter den Protesten gegen Peking steckt? Ich nehme an, Donald Trump weiß das auch und so hat er mit seiner Reaktion auf Pekings Pläne das Richtige getan und nebenbei sein Verhältnis zu Peking verbessert.

Aus Erfahrung weiß ich, dass kaum jemand einen angebotenen Link ansieht. Deswegen stelle ich hier Auszüge aus Wikipedia ans Ende meines Artikels. Ausnahmsweise ist die Dokumentation von Wiki sehr korrekt und so haben wir noch einen Nebeneffekt: Die authentische Darstellung bleibt erhalten, auch wenn Wikipedia die Geschichte Hongkongs „säubern“ sollte. Wer mehr über die perfiden Strategien der Briten wissen will, vor allem was Deutschland betrifft, dem empfehle ich mein Werk: „England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“. (Hier zu bestellen)

Hier die Auszüge aus Wikipedia, deren Lektüre ich sehr empfehle. Und wenn Sie den letzten Satz gelesen haben, werden Sie möglicherweise einen „heiligen Zorn“ verspüren und sich – wie ich mir – die Frage stellen: Für welche „Demokratie“ gehen die Bürger Hongkongs auf die Straße?

Die Geschichte Hongkongs

1699 gelangte die britische Ostindien-Kompanie zum ersten Mal nach China. Im Jahr 1711 wurde ein fester Handelsstützpunkt in Guangzhou gegründet. Die britische Einführung von Opium nach China führte zum Ersten Opiumkrieg und 1841 zur Besetzung Hongkongs. Ein Jahr später musste China das Gebiet mit dem Vertrag von Nanjing offiziell an das Vereinigte Königreich abtreten. 1843 erklärte Großbritannien Hongkong zu einer britischen Kronkolonie, welche fortan von einem Gouverneur verwaltet wurde. Über den exterritorialen Status als Vertragshafen hinaus, erwarb Großbritannien durch ungleiche Verträge weitere Gebiete in China. Die chinesische Regierung wurde gezwungen, Hafenstädte zwischen 25 und 99 Jahre an Großbritannien, Frankreich, Russland, Deutschland und Japan zu verpachten. Großbritannien gewann auf diesem Wege Kowloon (Pekinger Konvention 1860), die New Territories (1898 Konvention über die Erweiterung des Hongkonger Territoriums), Weihaiwei (1898) sowie weitere 235 Inseln für 99 Jahre.[49]

Für das britische Empire entwickelte sich Hongkong zu einem wichtigen Militärstützpunkt und Warenumtauschplatz in Ostasien. Zum Auf- und Ausbau der Industrie wurden Hunderttausende billige chinesische Arbeitskräfte gewaltsam nach Hongkong verbracht. Die Stadt entwickelte sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts hinter Macau zum zweitwichtigsten Umschlagplatz im völkerrechtswidrigen Kulihandel, wodurch die Bevölkerungszahl zwischen 1851 und 1931 von 33.000 auf 879.000 Einwohner stieg, davon 95 Prozent Chinesen.

Die Kolonie blieb lange Zeit im Schatten des größeren Schanghai, wo Großbritannien ebenfalls exterritoriale Territorien bis 1949 besetzt hielt. Eine enorm profitable Wertschöpfung erreichten die Kolonialmächte durch die rigorose Ausnutzung aller natürlichen und menschlichen Ressourcen. Insbesondere die britischen Kolonialisten reduzierten die Lohnkosten in ganz China, wie in IndienSingapur und anderen Teilen des ehemaligen britischen Weltreichs, durch Kinderarbeit.[50]

Bereits 1899, ein Jahr vor dem Boxeraufstand, lehnten sich die Chinesen in nationalem Widerstand gegen die Besatzungsmacht in Hongkong auf. Grund dafür war der Bau der Eisenbahn von Kowloon nach Kanton (Guangzhou), durch welchen Großbritannien versuchte, seinen Einfluss auf weitere chinesische Gebiete auszudehnen.[51] Alle Aufstände wurden blutig niedergeschlagen. Die größten Unruhen seit der Bewegung des vierten Mai (1919 bis 1924) brachen 1925 nach dem Massaker vom 30. Mai aus, als britische Polizeikräfte bei einer antikolonialen Demonstration in Schanghai Schusswaffen einsetzten und mehrere chinesische Studenten töteten. Das Massaker war der Auftakt zu einer der größten Massenbewegungen in China. Einem Flächenbrand gleich breiteten sich Proteste über das gesamte Land aus und gipfelten im 16 Monate währenden Kanton-Hongkong-Streik.[52]

Bei diesem Streik vereinten sich die Nationale Volkspartei Chinas (Kuomintang) und die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) erstmals zu einer Einheitsfront. Dabei wurden alle Chinesen in Hongkong zur Arbeitsniederlegung, zum Boykott englischer Waren und zum Verlassen der Stadt aufgefordert. Schon in der ersten Woche der wirtschaftlichen Blockade verließen 50.000 Chinesen Hongkong, Ende Juli folgten weitere 250.000. Zeitzeugen zufolge ähnelte Hongkong zwischen August und Dezember 1925 einer Geisterstadt. Der Kanton-Hongkong-Streik schwächte den wirtschaftlichen und politischen Einfluss Großbritanniens in China nachhaltig.[53]

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit 
 

Unmittelbar nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Ostasien wurde Hongkong von der japanischen Armee unter Führung von Sakai Takashi angegriffen. Die Schlacht um Hongkong dauerte zweieinhalb Wochen, in deren Verlauf die Briten den Japanern die Stadt übergeben mussten. Mit der Kapitulation Japans am 16. August 1945 endete die japanische Besetzung Hongkongs.

Zwar hatte Großbritannien 1943 der Republik China (1912–1949) zugesagt, alle ungleichen Verträge und Privilegien in den Häfen an der chinesischen Küste aufzugeben, doch die Briten brachen ihr Versprechen, den erzwungenen Pachtvertrag nach Kriegsende für ungültig zu erklären.[54] Nun setzte ein Rennen um die Kontrolle von Hongkong ein: Chiang Kai-shek ließ Untergrundkämpfer nach Hongkong einschleusen, die die Stadt nach dem Abzug der Japaner übernehmen sollten. Winston Churchill hatte jedoch bereits ein Flottengeschwader nach China geschickt, das am 30. August 1945 im Hafen von Victoria einlief. Großbritannien stellte damit seine Kontrolle über Hongkong wieder her.[55]

Chiang Kai-shek äußerte daraufhin den damals viel beachteten Satz: „Das chinesische Volk und seine Regierung, egal ob Nationalisten oder Kommunisten, können niemals eine erzwungene Abmachung, welche die chinesische territoriale und administrative Integrität verletzt, akzeptieren.“[56]

Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Hongkong großteils zerstört. Nach Ausrufung der Volksrepublik China 1949 flohen Hunderttausende Kuomintang-Anhänger auch nach Hongkong, viele ausländische Unternehmen verlegten ihre Vertretungen von Schanghai nach Hongkong.

Schwierige Beziehungen  
 

Das zu Beginn der 1950er Jahre von den USA und seinen Verbündeten gegen die Volksrepublik China verhängte Wirtschaftsembargo hatte auch negative Auswirkungen auf den Handel und Wiederaufbau in Hongkong. Erst nach Aufhebung der Sanktionen erlebte Hongkong einen beispiellosen Boom und entwickelte sich zu einer der stärksten Wirtschaften der Welt.

Anfang der 1960er Jahre wuchs infolge großer sozialer Ungleichheiten erneut Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft. Die Spannungen erreichten ihren Höhepunkt während der Unruhen in Hongkong 1967 mit vielen Toten und Verletzten.

Nach dem Tod Mao Zedongs begann dessen Nachfolger Deng Xiaoping die wirtschaftliche Öffnung Chinas gegenüber dem Ausland durch Sonderwirtschaftszonen wie im nördlich an Hongkong anschließenden Shenzhen. Seit den 1980er Jahren wanderten fast alle Produktionsbetriebe aus Hongkong nach China ab. Die Stadt entwickelte sich zu einem reinen Handels- und Dienstleistungszentrum.

Verhandlungen zur Wiedereingliederung   
 

Im Jahre 1982 begannen Gespräche zwischen den Premierministern des Vereinigten Königreichs und der Volksrepublik China über die Zukunft des Territoriums. Die britische Seite unter Margaret Thatcher hatte ursprünglich gehofft, dass die Politik der Öffnung in China dazu führen könnte, dass China die britische Herrschaft über das Gebiet akzeptiert. Das Gegenteil war der Fall: Die Volksrepublik China bestand nicht nur auf die Rückgabe des für 99 Jahre gepachteten Gebietes, sondern zugleich auf die vollständige Rückgabe der im Vertrag von Nanking unter Zwang abgetretenen Territorien. Diesen Standpunkt teilte auch die Republik China (Taiwan). Unabhängig davon war die Rückgabe Hongkongs schon zehn Jahre zuvor durch eine Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen bestätigt worden. 

Deng Xiaoping entwickelte die Doktrin, die als Ein Land, zwei Systeme bekannt ist. Diese Doktrin öffnete den Weg zur chinesisch-britischen gemeinsamen Erklärung zu Hongkong, die am 19. Dezember 1984 zwischen der Volksrepublik China und dem Vereinigten Königreich unterzeichnet wurde. Sie sah vor, dass Hongkong am 1. Juli 1997 zu einer Sonderverwaltungszone Chinas (Special Administrative Region, SAR) werden würde. Im Juli 1989 wurde den Hongkonger Bürgern von der britischen Regierung offiziell mitgeteilt, dass sie trotz britischen Passes keinen Anspruch auf ein ständiges Wohnrecht in Großbritannien besitzen. Ende 1993 brachen die sino-britischen Gespräche über Hongkong nach 17 Verhandlungsrunden für kurze Zeit ab, da Uneinigkeit über die Einführung des künftigen Wahlrechts für den neu zu gründenden Hongkonger Legislativrat bestand. Im Juni 1994 erließ der noch amtierende Gouverneur Lord Chris Patten per Dekret das künftige Wahlsystem.

Am 1. Juli 1997 nach 156 Jahren britischer Kolonialherrschaft übernahm die Volksrepublik China die Souveränität und Kontrolle über Hongkong. Seitdem ist Hongkong eine Sonderverwaltungszone mit einem hohen Maß an Autonomie.

Durch verschiedene Maßnahmen der chinesischen Zentralregierung, diese Autonomie schrittweise zu untergraben, kam es 2014 zu der Regenschirmbewegung und ab 2019 zu anhaltenden Massenprotesten, die sich inzwischen zu einem Volksaufstand ausgeweitet haben.

Autonomiestatus 

Gemäß der chinesisch-britischen gemeinsamen Erklärung zu Hongkong und im Rahmen des von Deng Xiaoping entwickelten Prinzips Ein Land, zwei Systeme, bleibt das demokratisch-marktwirtschaftliche System Hongkongs mindestens 50 Jahre neben dem autoritären sozialistischen System der Volksrepublik China bestehen, so dass Hongkongs Rolle als eines der Finanzzentren Asiens gesichert bleibt. Diese Autonomie erlaubt es Hongkong, seine eigenen Gesetze, Zölle sowie seine eigene Währung zu besitzen. Die Sonderverwaltungszone ist weiterhin als ein eigenständiges Mitglied bei GATTWTOAPEC, der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) und dem Financial Stability Board (FSB) sowie bei ESCAP assoziiert.[57]

Parlament und Wahlrecht

Bis zur Rückgabe an China 1997 wurde der Gouverneur von Hongkong als Regierungschef auf Ratschlag des Foreign and Commonwealth Office vom britischen Monarchen eingesetzt. Bestrebungen zur Einführung freier Wahlen Ende der 1950er/Anfang der 1960er wurden nicht weiter verfolgt.[58] Die ersten Wahlen fanden 1997 statt. Seitdem erfolgt die Gesetzgebung durch den Hongkonger Legislativrat (LegCo) auf Basis des Hongkonger Grundgesetzes (Hong Kong Basic Law).[59] Allerdings besitzt nicht jeder Bürger das gleiche Stimmrecht. Nur die Hälfte der 70 Volksvertreter wird in Wahlbezirken gewählt. Die übrigen Mitglieder der gesetzgebenden Gewalt werden von 28 Berufsgruppen bestimmt. Dabei können die Stimmen von Individuen, zum Beispiel allen Lehrern Hongkongs, aber vor allem von großen Unternehmen vergeben werden.[60]

Das Wahlsystem steht bei der Nationalregierung in Peking wie bei der Mehrheit der Hongkonger Bürger gleichermaßen in der Kritik. Es stammt noch von der britischen Besatzungsmacht, die sich auf diesem Wege einen gewissen politischen Einfluss in Hongkong gesichert hat. Nicht nur besitzen Konzerne einen direkten Einfluss auf die Abgeordneten, ihre Stimme ist auch gewichtiger, da in den Berufsgruppen insgesamt weniger Wähler als in den Wahlbezirken registriert sind.[60] So besitzt beispielsweise der Finanzsektor 130 Stimmen, die durch 125 Wähler von Hongkonger Niederlassungen der in Paris ansässigen Axa sowie der Prudential und HSBC in London kontrolliert werden. Gleiches gilt für andere stimmberechtigte Branchen, wie Gastronomie, Airlines, Flughafenbetreiber etc.[61] Eine Änderung des Wahlrechts war für 2017 vorgesehen, wurde jedoch verhindert – nicht durch Peking, sondern vom Hongkonger Parlament: Am 18. Juni 2015 lehnten die stimmberechtigten Mitglieder des Legislativrats den Wahlreformvorschlag mit 28 zu 8 Stimmen ab.[62]

Ende August 2014 wurden Pläne des Nationalen Volkskongresses in Peking bekannt, wonach ein 1.200-köpfiges vom chinesischen Staat gebildetes Komitee die Kandidaten zur Wahl des Hongkonger Legislativrates festlegen sollte.[63] Dagegen formierten sich im September 2014 Proteste in Hongkong, die von Studenten ausgelöst waren und denen sich die Bewegung Occupy Central with Love and Peace anschloss. Die Demonstrationen richteten sich sowohl gegen die Pläne Pekings, als auch gegen das bestehende Wahlsystem.[64] Die Demonstrationen dauerten bis Mitte Dezember 2014 an. Bei der Wahl zum Legislativrat am 4. September 2016 zogen mehrere Vertreter der kurz zuvor gegründeten Partei Demosistō, deren Anführer Nathan Law einer der Hauptexponenten der Proteste war, in das Parlament ein.[65]

Insgesamt sitzen derzeit (2016–2020) 18 Parteien und neun Parteilose im Legislativrat von Hongkong. Die Parteien unterteilen sich in zwei Lager, „pan-demokratisch“ und „pro-Peking“. Das bedeutet allerdings nicht, dass innerhalb der Lager Einigkeit herrscht. Mit derzeit 13 Sitzen ist die 1992 gegründete DAB (Democratic Alliance for the Betterment and Progress of Hong Kong) stärkste Kraft. Sie tritt für enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Festland ein, wobei keine der im Legislativrat vertretenen Partei Hongkongs die kulturelle und nationale Zugehörigkeit zur Volksrepublik China zur Disposition stellt.[66][60]

Im Demokratieindex 2019 der britischen Zeitschrift The Economist belegt Hongkong Platz 75 von 167 Ländern und gilt als eine „unvollständige Demokratie“.