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„Framing-Manual“ – Umerziehungs-Fibel soll ARD-Kunden positiv stimmen

Von Hubert von Brunn

Der Ruf der ARD ist in weiten Teilen der Bevölkerung nicht der allerbeste: Zu viele Wiederholungen, zu seichte Unterhaltung (selbst das einstige Flaggschiff „Tatort“ ist vielfach nur noch zum Weggucken), läppische Billigproduktionen, zu wenig anspruchsvolle Beiträge zu Politik, Wirtschaft und Kultur, zu wenig kritischer Journalismus – um nur einige der häufig genannten Kritikpunkte zu nennen. Das darf nicht sein, haben die Bosse schon vor zwei Jahren festgestellt und eine Sprachwissenschaftlerin damit beauftragt, eine Umerziehungs-Fibel zu erarbeiten. Etwa nach dem Motto: Wenn der doofe Gebührenzahler nicht von selbst erkennt, was für ein tolles Programm wir machen, dann müssen wir es ihm eben sagen.

So hat der MDR 2017 die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling beauftragt, ein Gutachten zu erstellen mit der Vorgabe, sprachliche Leitlinien zu erarbeiten, die „den tatsächlichen Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die Demokratie schon auf den ersten Blick besser erkennbar“ machen. Herausgekommen ist ein 89 Seiten starkes Werk, das den Führungskräften der ARD sorgsam ausgewählte Begriffe und Sprachbilder in den Mund legt, um bei öffentlichen Auftritten und in Pressemitteilungen die Meinung der Zuschauer in der Weise zu beeinflussen, dass sie endlich wieder Gutes über die ARD denken und sagen. „Framing-Manual“ nennt die sprachgewandte Meinungs-Manipulatorin ihr Elaborat und hier wird schon offenkundig, worum es geht: Das Umerziehungs-Handbuch setzt einen Rahmen, innerhalb dessen sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehmacher bewegen sollen, um nachhaltig zu vermitteln, die Arbeit der ARD sei „von moralischen Prinzipien getragen“, überzeugt von der eigenen „moralischen Notwendigkeit für das gesellschaftliche Miteinander“. Dies im Gegensatz zu den „medienkapitalistischen Heuschrecken“ des Privat-TV, „die nur dem Profit dienen“.

An Gehirnwäsche grenzende Sprachmanipulationen

Um zu illustrieren, welche großartige geistige Leistung Frau Wehling vollbracht hat, hier einige der Slogans, die den Rahmen bilden für den erhobenen hohen moralischen Anspruch:

- „Die ARD ist der verlängerte Arm des Bürgers.“
- „Wir nehmen jeden ernst – auch Deine Oma.“
- „Exzellenz statt Profitfixierung.“
- „Demokratie statt ideologische Monopolisierung.“
- „Andere wollen Geldgewinne. Wir wollen Kulturgewinn.“

Wenn man so üppig mit Zwangsgebühren versorgt wird, kann man sich obszön hohe Gehälter und Pensionen für die mehr als 20.000 Mitarbeiter leisten und man kann die privaten Konkurrenz-Unternehmen madig machen, die sich selbst finanzieren müssen und gezwungen sind, entsprechend straff zu haushalten. Noch überheblicher geht nicht. Der einzig richtige Weg, um wieder Ansehen in der Bevölkerung zurückzugewinnen, wäre, dem Bildungs- und Informationsauftrag zu entsprechen und mit Programmqualität zu überzeugen. Journalistische Bestleistungen, anspruchsvolle Unterhaltung und fesselnde Reportagen statt an Gehirnwäsche grenzende Sprachmanipulationen.

120.000 Euro für einen weiteren Imageverlust

Eigentlich sollte die Umerziehungs-Fibel geheim bleiben. „Zur Weitergabe völlig ungeeignet“, hieß es im Kreis derer, die Zugriff darauf hatten. Aber dann gab es wohl doch eine undichte Stelle und das „Framing-Manual“ landete im Netzt. Ebenso wie jetzt bekannt wurde, dass der Sender für dieses Sprachaktion schlappe 120.000 Euro hingeblättert hat, wie die Bild-Zeitung berichtete. 90.000 für das eigentliche Gutachten, weitere 30.000 für anschließende Workshops, in denen den ARD-Oberen der richtige Umgang mit den geistigen Ergüssen von Frau Wehling ordentlich eingebläut wurde. Angesichts von rd. 5,6 Milliarden Euro (2017) Einnahmen durch Zwangsgebühren kann man diese Summe getrost als „Peanuts“ abtun.

Und als sei dieser Vorgang per se nicht schon skandalös genug, sind nun auch noch Zweifel an der Seriosität der Urheberin des „Sprach-Handbuchs“ publik geworden. Elisabeth Wehlings Unternehmen, das den Leitfaden verfasst hatte, firmiert unter dem wohlklingenden Namen „Berkeley International Framing Institute“ und erweckt so den Eindruck einer Zusammenarbeit mit der berühmten University of California in Berkeley. Das ist jedoch nicht der Fall. Zwar hat Frau Wehling dort Linguistik studiert und promoviert, doch wir eine Sprecherin der Uni betonte, sei das „Berkeley International Framing Institute“ lediglich die „Beratungsmarke von Elisabeth Wehling für unabhängige Kunden“, habe aber mit der kalifornischen Uni nichts zu tun. Da schmückt sich die Sprachwissenschaftlerin offensichtlich mit fremden Federn, um an zahlungskräftige „unabhängige Kunden“ heranzukommen – und die ARD-Granden sind darauf reingefallen. Macht nichts, die läppischen 120.000 Euro sind, wie schon gesagt, nicht der Rede wert. Wie der Senderverbund den durch die Umerziehungs-Fibel zusätzlich entstandenen Imageschaden ausbügeln will, dürfte das weit schwerwiegendere Problem sein.

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