------------------------------------

-------------------------------------

---------------------------------------

Hurra, Berlin bekommt einen neuen Feiertag: 8. März, Frauenkampftag!

Von Hubert von Brunn

Was die Anzahl von Feiertagen anlangt, sind die Arbeitnehmer in Berlin (zusammen mit ihren Kollegen in weiteren vier Bundesländern im Norden) wirklich benachteiligt. Sie müssen sich mit neun arbeitsfreien Tagen begnügen, in Bayern sind es 13. Diesem Missstand will der rot-rot-grüne Senat jetzt Abhilfe schaffen und den Berlinern einen weiteren Feiertag schenken. Dagegen hätte  die Mehrheit der Hauptstädter grundsätzlich sicherlich keine Einwände. Keineswegs auf ungeteilte Gegenliebe stößt hingegen das von R2G verordnete Datum: 8. März, der kommunistische Frauentag.

Gibt es denn wirklich keine anderen Daten, die es verdienten, erinnert und im kollektiven Gedenken aus dem Alltag herausgehoben zu werden? Oh doch, die gibt es sehr wohl für Menschen, die weniger geschichtsvergessen sind als dieser Senat. Wenn es ernsthaft um das Thema Gleichberechtigung ginge, böte sich der 23. Mai an. An diesem Tag im Jahre 1949 ist das Grundgesetz in Kraft getreten, das festlegt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und der Staat sich verpflichtet fühlt, die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern. Aber darum geht es nicht. Es geht um sozialistisches Kampfgedöns, um in der linksalternativen Ecke noch ein paar Wählerstimmen zu sammeln.

Die „Erben der 68er-Bewegung“ marschieren in vorderster Front

Dass dem so ist, bestätigt eine Mitteilung der beiden Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Antja Kapek und Silke Gebel, in der es heißt: „Die Grünen sind die Erben der 68er-Bewegung und damit eine Partei, die für Emanzipation und Gleichstellung steht.“ In der Debatte um einen zusätzlichen Feiertag spreche man sich deshalb für den 8. März als „Frauenkampftag“ aus. Bemerkenswert: Ausgerechnet die Partei, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Wahrung des Weltfriedens ganz nach vorne hängt, erklärt den neuen Feiertag zum „Kampftag“. Kampf der Geschlechter? Hurra, ihr Emanzen! Gebts den Kerlen, sie haben es nicht besser verdient. Bemerkenswert aber auch: Das von den Linken von Anfang an favorisierte und dann von der SPD mitgetragene Datum wollten die Grünen ursprünglich nicht. Sie hatten sogar vorgeschlagen, die Berliner zu befrage und über ihren Wunschfeiertag abstimmen zu lassen. Das hörte sich nach Basisdemokratie an, währte aber nicht lange. Jetzt marschieren die „Erben der 68er-Bewegung“ in vorderster Front für den 8. März.

Ein Datum, mit dem die Berliner vermutlich mehrheitlich etwas anfangen könnten, wäre der 31. Oktober, der Reformationstag. Inhaltlich hätte ich da zwar auch gewisse Vorbehalte – die Person Luther und dessen ausgeprägten Antisemitismus betreffend. Andererseits ist Luther für einen Teil der Ökumene die alles prägende Figur. Und praktisch wäre es obendrein, denn in dem Berlin umgebenden Bundesland Brandenburg ist der Reformationstag nämlich ein Feiertag, was alljährlich zu regelrechten Invasionen von einkaufswütigen Menschen aus dem Umland in die Hauptstadt führt. Dann wäre wenigstens an der Stelle mal ein Gleichklang zwischen Berlin und Brandenburg. – Aber nein, das ist völlig ausgeschlossen.

Noch einen Feiertag mit christlichem Hintergrund wollen wir unseren muslimischen Mitbürgern nicht zumuten

Schlimm genug, dass es so viele Feiertage mit christlichem Hintergrund gibt. Aber von Ostern, Pfingsten und Weihnachten wird die deutsche Volksseele nicht zu entwöhnen sein. Damit muss man leben. Immerhin war es 1995 gelungen, wenigstens den evangelischen Buß- und Bettag abzuschaffen. Und jetzt wieder einen neuen Feiertag einführen, der an die kulturellen Leistungen des christlichen Abendlandes erinnert? – Das geht gar nicht. Die Gefahr, dass unsere muslimischen Mitbürger daran Anstoß nehmen, ist viel zu groß und wir wollen sie nicht provozieren. Wenn der Martinsumzug der Kinder schon als störend empfunden wird, wie schrecklich muss für sie dann erst Luther sein?

Und dann gibt es da noch ein Datum, das gerade für die Berliner von herausragender Bedeutung ist: der 9. November. Nirgendwo war die Wunde, die der „antifaschistische Schutzwall“ von Ulbrichts Gnaden geschlagen hat, schmerzhafter zu spüren, als in der geteilten Stadt, nirgendwo war das durch die Teilung hervorgerufene Leid greifbarer als hier. Nirgendwo sonst aber war auch der Jubel größer und die Freude ausgelassener, als am Abend des 9. November 1989 an den Grenzübergängen Bornholmer- und Invalidenstraße die Schlagbäume sich hoben und sich wildfremde Menschen aus Ost und West weinend in den Armen lagen. Der zum Nationalfeiertag erhobene 3. Oktober ist letztlich ein abstraktes Datum, mit dem niemand ein persönliches Erlebnis verbindet. Ganz anders der 9. November. Wer, wie ich, hautnah dabei war, wird die Eindrücke jener Nacht nie mehr vergessen, und auch, wer das Geschehen vor dem Fernseher mitverfolgt hat, wie diese Bilder immer in sich tragen. Ja, der 9. November – mit deutlichem Schwerpunkt im Gedenken auf das Jahr 1989 – würde Berlin als zusätzlichen Feiertag gut anstehen. Er wäre ein weithin sichtbares Zeichen der Einheit und könnte von allen Deutschen akzeptiert werden.

Die Gleichberechtigung haben bürgerliche Frauenbewegungen erstritten

Kommen wir noch einmal zurück zum „Frauenkampftag“ 8. März, der 1921 in Moskau von den Bolschewiki eingeführt wurde und fortan allen kommunistischen/sozialistischen Regimen als Propaganda-Termin diente. Der Welt sollte gezeigt werden, das die Frauen im kapitalistischen System des Westens immer unterdrückt sein würden und nur der Sozialismus die Rechte der Frau erkämpfen kann. Diese grandiose Erkenntnis haben natürlich auch die Parteibonzen der SED adaptiert, um die Überlegenheit der sozialistischen Frau gegenüber der kapitalistischen mit diesem Ehrentag zu demonstrieren. Ein Feiertag war es nicht, obwohl von vielen Frauen in der real existierenden DDR als solcher gehandhabt, wie ich ebenfalls aus eigener Erfahrung weiß.

Um der Wahrheit Genüge zu leisten: Es war die bürgerliche Frauenbewegung in den USA und in Westeuropa, die ab etwa 1840 das Recht auf Bildung, Selbstbestimmung und Arbeit forderte und später auch das Wahlrecht für Frauen erstritten hat. Tatkräftig unterstützt wurden diese Emanzipationsbestrebungen der Frauen übrigens von der evangelischen Kirche. Mit den linksgestrickten Emanzen unserer Tage hat dieser Kampf um die Gleichberechtigung ebenso wenig zu tun wie mit Lenins Bolschewiki. Aber die Beachtung historischer Wahrheiten war noch nie die Stärke von Linken und Grünen. Egal. Hauptsache die Berliner bekommen ihren 10. Feiertag und müssen sich diesbezüglich gegenüber den Bayern nicht mehr so benachteiligt fühlen. Was da gefeiert wird, ist doch schitegal. Hauptsache ein freier Tag. – Oder?

Nach oben